Schweiz
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Homosexuelle Männer sollen Blut spenden dürfen – wenn sie ein Jahr keinen Sex hatten



Homosexuelle Männer sollen in der Schweiz Blut spenden dürfen. Die Organisation Blutspende SRK Schweiz will in den nächsten Tagen bei der zuständigen Aufsichtsbehörde Swissmedic einen entsprechenden Antrag stellen.

ZUR HEUTIGEN MEDIENKONFERENZ DER BLUTSPENDE SRK IN BERN, STELLEN WIR IHNEN AM MONTAG 20. JUNI 2016 FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG. - Ein Mann spendet am 11. Januar 2008 beim Blutspendedienst des Schweizerischen Roten Kreuzes SRK in Zuerich Blut. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Homosexuelle sollen Blut spenden dürfen – unter bestimmten Bedingungen.
Bild: KEYSTONE

Ab 2017 sollen Männer, die jemals Sex mit Männern gehabt haben, Blut spenden dürfen, wie es in einer Mitteilung von Blutspende SRK Schweiz vom Montag heisst. Voraussetzung für die Zulassung zur Spende ist allerdings eine sexuelle Abstinenz von zwölf Monaten.

Kein grundsätzlicher Ausschluss mehr

Heute dürfen Männer wegen der Gefahr einer Übertragung von Krankheiten kein Blut spenden, wenn sie nach 1977 je Sex mit einem Mann gehabt haben. Homosexuelle empfinden diese Regelung als diskriminierend. Sie würden pauschal als Sicherheitsrisiko angesehen, machte die Schwulenorganisation Pink Cross dazu geltend.

Ein Jahr sexuelle Abstinenz – du so?

Blutspende SRK Schweiz will Schwule künftig nicht mehr grundsätzlich vom Spenden ausschliessen. Auch in anderen westlichen Staaten können Männer, die Sex mit Männern haben oder hatten, unter bestimmten Auflagen Blut spenden.

ZUR HEUTIGEN MEDIENKONFERENZ DER BLUTSPENDE SRK IN BERN, STELLEN WIR IHNEN AM MONTAG 20. JUNI 2016 FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG. - Beutel mit frisch gespendetem Blut liegen am 11. Januar 2008 auf einem Tisch beim Blutspendedienst des Schweizerischen Roten Kreuzes SRK in Zuerich. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Überlebenswichtig: Blutkonserven. Bild: KEYSTONE

Längerfristig soll nun auch in der Schweiz Sex mit einem Mann kein Grund mehr sein, kein Blut spenden zu dürfen. Stattdessen sollen alle Spendewilligen zu ihrem sexuellen Verhalten befragt werden. Auf Grund des konkreten Risikoverhaltens sollen sie zugelassen werden oder nicht, ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung.

Restrisiko bleibt

Ausschlüsse gäbe es zwar noch, aber meistens nur noch temporär, wie es im Communiqué heisst. Umsetzen lässt sich diese Praxis laut Blutspende SRK Schweiz jedoch frühestens ab 2018. Die Erarbeitung der Zulassungskriterien sei komplex, schreibt die Organisation. Auch müssen die zuständigen Behörden zustimmen.

Obwohl Spenderblut auf Krankheiten wie HIV oder Hepatitis getestet wird, bleibt für Patienten ein Restrisiko, über Bluttransfusionen mit einer dieser Krankheiten angesteckt zu werden. Grund ist das diagnostische Fenster: In den Tests lassen sich manche Krankheiten erst mehrere Tage nach der Ansteckung im Blut nachweisen.

Diese diagnostischen Fenster sind laut Blutspende SRK Schweiz dank moderner Tests zwar kleiner geworden, aber es gibt sie nach wie vor: Bei HIV ist der Zeitraum bis zu sieben Tage lang. Bei Hepatitis B sind es 20 Tage und bei Hepatitis C ungefähr fünf Tage.

Blutstammzellspende demnächst möglich

Blutstammzellen spenden sollen homosexuelle Männer dagegen bereits ab kommendem Mittwoch spenden dürfen. Von diesem Tag an gelten für die Blutstammzellspende neue, risikobasierte Zulassungskriterien. Hetero- und Homosexuelle werden allein auf Grund ihres persönlichen Sexualverhaltens einer von vier Risikogruppen zugeordnet.

Nach Sex von Männern mit Männern werde gar nicht mehr gefragt, hält Blutspende SRK Schweiz fest. Dass Schwule zur Blutstammzellspende zugelassen werden können, liegt daran, dass Blutspende SRK Schweiz die Ausschlusskriterien auf Grund der unterschiedlichen gesetzlichen Grundlagen in eigener Kompetenz festlegen kann.

(sda)

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35Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • w'ever 20.06.2016 13:30
    Highlight Highlight ich hatte seit zwei jahren keinen sex mehr. kann ich jetzt mein blut teurer verkaufen?
  • R&B 20.06.2016 13:22
    Highlight Highlight Mit dieser Logik dürften Männer erst ab 35 Jahren den Auto-Führerschein erwerben, weil sie vor dem 35.Altersjahr eine höhere Unfallgefahr bergen.
    Beim Thema Homosexualität und HIV wird das demokratische Prinzip der "Verhältnismässigkeit" nicht angewendet. M.E. sollte jeder/jede abgefragt werden, ob man geschützten Sex hatte und ob der HIV-Test des Spendewilligen noch gültig ist.
  • Sir Jonathan Ive 20.06.2016 13:16
    Highlight Highlight Werden denn die Leute nicht auf Krankheiten geprüft? Dann kommt es doch überhaupt nicht darauf an, ob eine Person Homosexuell ist oder nicht. Dass nicht nur Schwule AIDS haben ist ja lange bewiesen.
  • Erode Terribile 20.06.2016 13:05
    Highlight Highlight Wie kann man nur einen solchen Stuss rauslassen. Wieder einmal mehr etwas nicht zu Ende gedachtes. Was macht es einen Unterschied ob Mann oder Frau - Homo oder nicht? Und das von der SRK. Es scheint, das der Blutspendedienst in Nöten ist und jetzt alles komische versucht an den Saft zu kommen.
    • SusiBlue 21.06.2016 02:01
      Highlight Highlight Ich schreibs auch hier nochmals: bitte den Artikel GENAU und differenziert lesen!
      Die Blutspende SRK sind nicht generell die Bösen, sondern müssen sich an aktuell geltendene Bestimmungen und Gesetze halten...
      Aber: die SRK schlägt selber vor, baldmöglichst nicht mehr nach der sexuellen Orientierung, sondern aufgrund des Sexualverhaltens zu beurteilen.
  • Pisti 20.06.2016 12:36
    Highlight Highlight Kann man das gespendete nicht einfach auf Krankheiten testen? Und zwar unabhänig davon was der Spender für eine sexuelle Ausrichtung hat.
    • Lami23 20.06.2016 13:45
      Highlight Highlight Kann man nicht nur, tut man. Darum ist es ja unsinnig...
    • TJ Müller 20.06.2016 14:45
      Highlight Highlight Macht man sowieso. Nur bleibt halt ein Restrisiko, weil es bei den Test keine 100% Sicherheit gibt. Nun ist es deshalb natürlich sinnvoll vorher die Gefahren möglichst tief zu halten, um einem "Nicht-Erkennen" vorzubeugen. Aber dies hat logischerweise NICHTS mit der sexuellen Ausrichtung zu tun...
  • elivi 20.06.2016 12:22
    Highlight Highlight Die können gleich den ganzen fragebogen neu strukturieren, der ist allgemein kacke ....
    • SusiBlue 21.06.2016 02:04
      Highlight Highlight Das woolen sie ja baldmöglichst tun.

      Hei nomal... Haben die "Motzer" hier den Artikel überhaupt SORGFÄLTIG gelesen?!?

      Sorry, elivi, dass ich das jetzt unter deinem Kommentar poste - die Frage gilt allgemein für alle, die scheinbar nicht aufmerksam gelesen haben...
  • ket4mon 20.06.2016 12:11
    Highlight Highlight Inwiefern unterscheidet sich bitte der Analverkehr beim Mann und der Frau? Das, was die geraucht haben will ich auch..
    • ket4mon 20.06.2016 12:32
      Highlight Highlight Korrigiere: Ich habe den Artikel nur überflogen.. Folgende Zeile benötigt trotzdem noch eine Aufklärung: "Nach Sex von Männern mit Männern werde gar nicht mehr gefragt, hält Blutspende SRK Schweiz fest." Inwiefern soll ich das ganze jetzt betrachten? Werden auch Heterosexuelle Menschen nach Analverkehr ein Jahr abgelehnt?
  • Ich hol jetzt das Schwein 20.06.2016 11:51
    Highlight Highlight An sich wäre es ganz einfach: Jeder, der Blut spendet bekommt zwei Termine. Am ersten wird gespendet, dann wird die Pfütze mal einen Monat weggeschlossen. Einen Monat später tanzt der Spender nochmals an, gibt ein wenig Blut, das dann sauber untersucht wird. Wenn dort alles gut ist, kommt die Blutspende dahin, wo sie gebraucht wird, sonst wird sie ins Klo gekippt (oder wohin auch immer, ist mir egal). So würde man nämlich auch das Risiko einer Ansteckung des Spendenempängers massiv reduzieren und müsste nicht solch hohlen und diskriminierenden Bestimmungen in Kraft setzen.
  • Incendium 20.06.2016 11:19
    Highlight Highlight Warum nicht gleich Analtests wie in Kenya um auch ja ganz sicher zu gehen? -.-

    Was für ein ausgewachsener quatsch! Ich behalt mein blut.
  • atomschlaf 20.06.2016 11:15
    Highlight Highlight Vernünftiger als die bisherige Regelung, aber nach wie vor ein Witz. Entscheidend sollte nicht die sexuelle Abstinenz sein, sondern ob jemand ausserhalb einer festen Beziehung Sex hatte - und zwar unabhängig vom Geschlecht der Beteiligten.
  • Madison Pierce 20.06.2016 11:01
    Highlight Highlight Wie kommen die bei einem diagnostischen Fenster von maximal 20 Tagen auf eine Frist von einem Jahr?

    Grundsätzlich befürworte ich aber eine erhöhte Vorsicht, denn homosexuelle Männer haben ein hundertmal höheres Ansteckungsrisiko als Heterosexuelle. 2013 waren 39% aller Neuinfektionen bei homosexuelle Männern, obwohl diese nur 3% aller sexuell aktiven Männer ausmachen. Auch wenn sich jemand schützt bleibt das Risiko erhöht, da kein Schutz zu 100% sicher ist.
    • http://bit.ly/2mQDTjX 20.06.2016 11:35
      Highlight Highlight Ich glaube, die Idee ist schon, allgemeingültige Kriterien zu erfassen. Es heisst im Communique:

      "Stattdessen sollen alle Spendewilligen zu ihrem sexuellen Verhalten befragt werden. Auf Grund des konkreten Risikoverhaltens sollen sie zugelassen werden oder nicht, ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung."

      Im Grunde genommen würde die einzige Frage reichen: "Seit wievielen Tagen hatten sie keinen Sex?" -- oder so.
    • http://bit.ly/2mQDTjX 20.06.2016 11:43
      Highlight Highlight Madison Pierce: Du übertreibst gewaltig. ;)

      Es stimmt nicht, dass schwule Männer ein 100 mal höheres HIV-Ansteckungsrisiko haben als Hetis.

      Beim ungeschützten (!) Analverkehr ist das HIV-Ansteckungsrisiko 18 mal höher als beim Vaginalverkehr.

      Beim Safer Sex ist das Risiko für Schwule genau gleich wie für Heti-Männer, nämlich praktisch bei Null.

      Mehr Zahlen:

      http://www.tagesspiegel.de/wissen/hiv-breitet-sich-unter-schwulen-aus-hauptgrund-ist-geringer-kondomgebrauch/6899542.html
    • Madison Pierce 20.06.2016 12:16
      Highlight Highlight Lorent: Ich habe es etwas ungenau formuliert, bitte entschuldige. Der Satz in der Quelle heisst "Das Risiko eines Schwulen, auf einen Partner zu treffen, der bereits infiziert ist, ist gegenüber der übrigen Bevölkerung hundertmal höher.".

      Nicht das Ansteckungsrisiko pro Verkehr ist hundertmal höher, sondern die Chance, einen infizierten Partner zu haben.

      Quelle: http://www.srf.ch/news/schweiz/warum-die-schweiz-bei-hiv-in-europa-an-der-spitze-liegt
    Weitere Antworten anzeigen
  • OkeyKeny 20.06.2016 10:59
    Highlight Highlight *homosexuelle männer
    • Lami23 20.06.2016 13:47
      Highlight Highlight Was ist jetzt daran komisch?
  • Malina 20.06.2016 10:46
    Highlight Highlight ...das ist doch völlig bescheuert???
  • Miss_Ann_Thropist 20.06.2016 10:35
    Highlight Highlight Hmmmm, nope, werde wohl doch nicht zum Spender.
  • G_M 20.06.2016 10:26
    Highlight Highlight Wie soll man das denn bitteschön beweisen?
    • http://bit.ly/2mQDTjX 20.06.2016 11:12
      Highlight Highlight Bisher musste man auch nicht beweisen, dass man heti ist. ;)
  • Der Bidulaner 20.06.2016 10:24
    Highlight Highlight Ja ne ist klar! Ein Jahr ohne Sex??!
    Mir stellt sich eher die Frage was ist mit den Heteros, welche jedes weekend mal eine abschleppen und sich NIE testen lassen?
    • pulcherrima* 20.06.2016 11:18
      Highlight Highlight Die dürfen auch nicht einfach so Blut spenden. Hier ein Sreenshot dazu von der Website des SRK:
      Benutzer Bild
    • falk__ 20.06.2016 11:21
      Highlight Highlight Wechseln des sexuellen Partners führt zu 4 monate Spendeverbot.
      Mehrmaliger wechsel in kurzer Zeit zu 12 Monaten Spendeverbot
  • lilas 20.06.2016 10:23
    Highlight Highlight Also alle die Hetero sind, auch wenn sie wild in der Gegend herum🐦🐦n, können weiterhin ohne Vorbehalt Blut spenden
    • SusiBlue 21.06.2016 02:11
      Highlight Highlight Nope. Siehe unmittelbar weiter oben den Kommentar von pulcherrima.
  • TheMan 20.06.2016 10:23
    Highlight Highlight Wer kontrolliert dies den? Gibt es da eine Firma die Zuschaut? Jeder kann Lügen.
    • Alex_Steiner 20.06.2016 12:16
      Highlight Highlight Ja... klar kann man auf dem Formular lügen. Das kann man auch jetzt schon. Aber wer macht sowas? Warum freiwillig Blut spenden gehen und dann auf dem Formular lügen?
  • FabianK 20.06.2016 10:16
    Highlight Highlight Das ist noch diskriminierender als jetzt. Damit fächern sie dem Vorurteil, dass sich Homosexuelle nicht schützen, noch Luft zu.

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