Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Kritik an Luftfahrtaufsicht nach Ju-52-Absturz – jetzt sollen die Holländer helfen



ARCHIVBILDER ZUR MITTEILUNG DES BAZL ZUM ABSTURZ DER JU-52, AM DONNERSTAG, 16. AUGUST 2018 ---- HANDOUT - JU-52 crash site on Piz Segnas above Flims, Switzerland, on Sunday, August 5, 2018. The plane crashed yesterday for unknown reasons. 20 people died. (HANDOUT CANTONAL POLICE OF GRISONS)  *** NO SALES, MAY ONLY BE USED WITH COMPLETE SOURCE INFORMATION *** Cropped Version of Image 350790740

Die Ju-52-Absturz kostete 20 Menschen das Leben. Bild: CANTONAL POLICE OF GRISONS

Gegen die Schweizer Luftfahrtaufsicht ist wegen Kritik nach dem Ju-52-Flugzeugabsturz mit 20 Toten eine Untersuchung eingeleitet worden. Der Bund beauftragte das Luftfahrtinstitut der Niederlanden, die Tätigkeit des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl) zu überprüfen.

Grund ist Kritik am Bazl durch die Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) in einem unveröffentlichten Entwurf zum Schlussbericht über den Ju-52-Absturz beim Piz Senas in Graubünden vor zwei Jahren. Ein Sprecher des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) bestätigte auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA entsprechende Informationen der «SonntagsZeitung».

Untersucht werden sollen laut dem Sprecher auch «systematische Aspekte der Aufsicht», die über den Bereich der historischen Luftfahrt hinausgehen. Das Verkehrsdepartement gab die Analyse zur Aufsichtstätigkeit des Bazl Anfang Juli beim Nationalen Luft- und Raumfahrtinstitut der Niederlanden (NLR) in Auftrag. Das Resultat soll voraussichtlich im Frühling 2021 vorliegen.

Zum Inhalt der Kritik am Bazl wollte der Uvek-Sprecher keine Stellung nehmen. Er wolle dem Schlussbericht zum tödlichen Absturz des Oldtimerflugzeugs der Dübendorfer Firma Ju-Air nicht vorgreifen. Ein Entwurf zum Schlussbericht befindet sich seit Anfang Juni in der Vernehmlassung. Die Publikation des definitiven Berichts ist laut Uvek für Oktober geplant.

Bereits zweite Untersuchung

Das Uvek ordnete laut eigenen Angaben zudem an, dass gewerbsmässige Flüge mit grossen historischen Passagierflugzeugen weiterhin nicht stattfinden dürfen. Aufgrund eines ersten Zwischenberichtes zum Ju-52-Absturz im August 2018 hatte das Bazl drei Monate nach dem Unfall ein vorläufiges Flugverbot über die beiden verbleibenden Ju-52-Maschinen der Ju-Air verhängt, und im Mai 2019 dem Wartungsbetrieb der Ju-Air die Lizenz entzogen.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Bund die niederländische Behörde mit einer Untersuchung zur Schweiz Luftfahrtaufsicht beauftragt hat. 2003 kamen die Niederländer in einem Bericht zum Schluss, dass die Schweiz ihren Vorsprung punkto Luftfahrtsicherheit in den Neunzigerjahren als Folge der Liberalisierung eingebüsst hat. Das Bazl habe Probleme «verschlafen». Die Niederländer gaben eine Reihe von Empfehlungen ab. Danach kam es unter anderem zu einer Reorganisation und personelle Aufstockung des Bazl.

Nach dem Swissair-Absturz bei Halifax im Jahr 1998 mit 229 Toten war es zu einer Serie von schweren Flugunfällen gekommen, die um die Jahrtausendwende die Schweiz erschüttert haben. Dazu zählten etwa 2002 der Zusammenprall zweier Flugzeuge in dem von der Schweizer Skyguide kontrollierten süddeutschen Luftraum bei Überlingen mit 71 Toten sowie 2001 der Absturz eines Crossair-Jumbolinos bei Bassersdorf ZH mit 24 Toten. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Die Geschichte der «Tante Ju»

Die Ju-52 darf wieder fliegen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

3 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3

Interview

Jean Ziegler zu Moria: «Im ersten Moment dachte ich: Endlich wird dieses Lager liquidiert»

Jean Ziegler kennt die Leiden der Ärmsten auf dieser Welt. Sein Besuch auf der griechischen Insel Lesbos hat den 86-Jährigen dennoch zutiefst erschüttert. Ein Gespräch über die europäische Migrationspolitik und die Rolle der Schweiz.

Herr Ziegler, vor etwas mehr als einem Jahr haben Sie Moria auf Lesbos besucht. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie die Bilder des brennenden Lagers gesehen haben? Ich darf es fast nicht sagen. Im ersten Moment dachte ich: Endlich wird dieses schreckliche Lager liquidiert. Gottseidank ohne Todesopfer. Gleich danach packte mich eine grosse Angst um die Leute, die vor dem Feuer in die Hügel geflohen sind. Ohne Nahrung, ohne Wasser, ohne Medikamente, nichts. Ein Flüchtling ist der …

Artikel lesen
Link zum Artikel