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Bild: sfv

Kommt der Wildlachs bald in die Schweiz zurück? Es gibt Hoffnung

Einst gab es bis zu einer Million Lachse im Rhein, heute versperren Kraftwerke die Rückkehr der Fische an ihre ursprünglichen Laichplätze. Ein Beschluss der Rheinstaaten weckt nun Hoffnungen.

Julian Wermuth
Julian Wermuth



Lachs in der Schweiz? Der nicht aus einer Zucht kommt? Ja, das gab's einmal. Es ist aber schon lange her. Historische Quellen belegen laut dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) die Verbreitung des Atlantischen Lachses vor allem in grösseren Gewässern der Schweiz.

Was ist aus der Population geworden? Verkürzt gesagt: Die Industrialisierung vertrieb den Lachs. Kraftwerke am Rhein unterbanden die Wanderroute zwischen Atlantik und den Gewässern der Schweiz. Dazu kamen Flusslaufkorrekturen, Verschmutzung der Gewässer und Überfischung.

Im ausführlichen Bericht «Die Rückkehr des Lachses in der Schweiz – Potential und Perspektiven» (Kannst du hier lesen) steht da:

«Nach Inbetriebnahme des Aarekraftwerks Wynau (1895) gelangten nur noch einzelne Lachse in den Kanton Bern. 1902 kam mit dem Aarekraftwerk Beznau das Aus für die Lachse in den Kantonen Solothurn und Luzern. Der Bau des Kraftwerkes Augst-Wyhlen 1912 bedeutete das Ende im Hochrhein. Schliesslich verschwand er auch aus dem Raum Basel, als 1932 das Kraftwerk Kembs ans Netz ging.»

BAFU-Bericht, Seite 7

Die historische Verbreitung des Lachses in der Schweiz:

historische ausbreitung lachs

Bild: screenshot bafu

Das Potenzial für heimische Lachspopulationen ist theoretisch gross. Insgesamt umfasst das Habitatpotenzial gut 900 Kilometer bzw. 530 ha Fläche auf 76 Gewässern.

Das Potenzial an Laich- und Jungfischhabitat:

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Bild: bafu

Aufgrund des hohen Potenzials wurden in der Vergangenheit politische Massnahmen beschlossen, so etwa mit der Revision des Gewässerschutzgesetzes im Jahr 2011, welche die Revitalisierung der Flüsse und Bäche zum Ziel hatte.

Das grosse Problem

In der ganzen Schweiz ist man sich eigentlich einig. «Alle wollen den Lachs. Behörden, Fischer, Naturfreunde, Gastronomen, die Bevölkerung – alle sehen nur Vorteile, wenn der Lachs wieder im ganzen Rhein zwischen dem Meer und Schweiz angesiedelt ist», schreibt der Schweizerische Fischerei-Verband (SFV) in einer Medienmitteilung. Die Situation sei bizarr, sogar der Bundesrat wolle den Lachs. An was scheiterte es also bisher?

In erster Linie daran, dass es einer internationalen Lösung bedarf. Der Rhein fliesst nämlich insgesamt durch sechs Länder: die Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Deutschland, Frankreich und die Niederlande. Die letzten Hindernisse sind vor allem französische Kraftwerke, die den Zug der Fische stoppen.

Warum ist der Lachs so wichtig?

Mit der Rückkehr des Lachses bis in die Schweiz würde das ganze Ökosystem unserer Flüsse und Bäche profitieren. Wenn sich der Lachs in unseren Flüssen wieder fortpflanzen kann, geht es auch anderen Fischarten in den Schweizer Flüssen wieder besser.

Der Lachs ist eine «Umbrella Species» und somit ein Indikator für ein funktionierendes Ökosystem. Regenschirmarten sind Arten, deren Schutz indirekt die vielen anderen Arten schützt, aus denen die ökologische Gemeinschaft ihres Lebensraums besteht. (SFV)

Die Lösung?

Hier hat sich jedoch gestern Abend eine Lösung abgezeichnet. An der Rheinministerkonferenz in Amsterdam hat Frankreich zugesagt, auch die letzten Hindernisse für Wanderfische wie Lachse und Maifische zu beseitigen. Bisher wird der Zug der Fische noch an rund 300 Stellen etwa durch Schleusen gestoppt.

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Das Kraftwerk Rhinau stellt ein unüberwindbares Hindernis für die Lachse dar. Bild: wikimedia

Der Schweizerische Fischerei-Verband nahm mit Freude vom Durchbruch Kenntnis. Darauf habe die Organisation lange hingearbeitet. Alle sähen nur Vorteile, wenn der Lachs in die Schweiz zurückkehre.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Nun ja, das dauert noch ein paar Jahre. Frankreich hat sich mit verbindlichen Terminen verpflichtet, die drei grössten «Sorgenkinder» im Rhein zu sanieren:

Das heisst ab 2026 steht dem Lachs theoretisch nichts mehr im Weg. «Das ist nun der ganz grosse Durchbruch, wir sind nahe am Ziel», kommentierte SFV-Präsident Roberto Zanetti den Entscheid.

Ein paar tierische Rekorde für zwischendurch:

Also alles gut?

Friede, Freude, Lachsbrötli Eierkuchen? Nicht ganz. WWF Schweiz begrüsst zwar grundsätzlich den Entscheid der Rheinstaaten, bemängelt aber den Zeitrahmen. 2013 haben die Rheinstaaten beschlossen, dass der Lachs bis 2020 nach Basel schwimmen kann. Nun wird die Frist also nochmals nach hinten geschoben.

Christian Hossli, WWF-Projektleiter «Lachs-Comeback» kommentiert in einer Medienmitteilung:

«Die Basler und Baslerinnen warten schon seit Jahrzehnten auf ihren ‹Laggs›. Spätestens bis Ende 2025 muss die Wiederansiedlung von Lachspopulationen im Rheineinzugsgebiet bis Basel gewährleistet sein.»

Ausserdem wird kritisiert, dass es keinen verbindlichen Finanzierungsplan gäbe. Es wird sich also zeigen, ob dem Lachs ab 2026 wirklich keine Hindernis mehr im Weg steht.

Was wurde sonst noch an der Konferenz beschlossen?

Die internationalen Rheinstaaten haben sich ausserdem auf eine Säuberung des Flusses von Medikamentenresten, Pestiziden und anderen chemischen Stoffen verständigt. In den nächsten 20 Jahren sollen diese Substanzen um 30 Prozent reduziert werden, sagte die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze am Donnerstag in Amsterdam.

«Wir sehen jetzt immer mehr Verunreinigungen, Spurenstoffe im Wasser, durch Landwirtschaft und Medikamente», sagte die Ministerin der Nachrichtenagentur DPA. Die Staaten setzen etwa auf eine Reduzierung beim Verursacher, noch bevor die Stoffe im Rhein landen. Damit seien auch Konsumenten gemeint, die Medikamente in der Toilette entsorgen.

Die Minister in der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins verabschiedeten in der niederländischen Hauptstadt ihr Arbeitsprogramm bis 2040.

Ziel ist es, den Rhein und seine Zuflüsse an den Klimawandel anzupassen. Niedrigwasser sei dabei ein neues Problem, sagte die deutsche Umweltministerin. «Das Dürrejahr 2018 war eine deutliche Warnung, was in den nächsten Jahren auf uns zukommen könnte.» Auch das Hochwasserrisiko soll weiter gesenkt werden.

Mit Material der sda.

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23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Smeyers 15.02.2020 21:34
    Highlight Highlight Gut wenn er zurück kommt. Aber früher war der Lachs arme Leute essen für die Bediensteten, weil er so häufig vorkam.
  • anonym246 15.02.2020 11:28
    Highlight Highlight Mehr zum Lachs-Comeback Projekt: www.wwf.ch/lachs
    Mehr zur Kampagne in Basel: www.laggs2020.ch

    Have a looky-looky 😉✌🏻
    Benutzer Bild
  • Heiniger(s) 14.02.2020 23:37
    Highlight Highlight Falls jemand mithelfen möchte.. 😉

    https://www.basler-fyynkoscht.ch/de/shop/getraenke/bier/ueli-bier-laggs/
  • Fip 14.02.2020 23:15
    Highlight Highlight Und wehe, der Lachs frisst auch nur ein Schaf!
    • Gollum27 15.02.2020 02:20
      Highlight Highlight dude, das ist wahre Komödiie.
    • Blaugrana 15.02.2020 04:57
      Highlight Highlight 😂 Made my day
  • holden27 14.02.2020 21:04
    Highlight Highlight Naja, sogar wenns soweit wäre und der Lachs in die Schweiz zurück kehren würde, änderts nichts an der gesamtsituation der Schweiz... Man brüstet sich gern wie vorbildlich die Schweiz überall ist, jedoch entspricht dies oft nicht der Wahrheit!
    Die Fischbestände der Schweiz sind zum heulen, im europäischen Vergleich miserabel!! Euteophierung der Gewässer, sowie Invasive neozoen lassen Grüssen. Belüftung und rückgängige Artenvielfalt, bzw sogar komplettes verschwinden gewisser Arten sind die Folge.
    Jedoch interessieren sich halt die wenigsten für "hässliche" Fische...
    • swisskiss 14.02.2020 22:15
      Highlight Highlight holden27: Eutrophierung ist für generell in der Schweiz seit den 80 er Jahren nur noch in den kleinen Mittellandseen ein Problem. Für Kieslaicher wie Lachs, Seeforelle oder Aesche, sind Kanalisierung von Gewässern, Schwallbetrieb, Restwassermengen und Aufstauungen durch Wasserkraftwerke das viel grössere Problem. Dazu kommt in naturfernen Kanalflüssen die Dezimierung durch Kormorane, die pro Tag 500 gr Fisch fressen. Kolonie von 200 Vögel 2 Monate in demselben Gewässerabschnitt. Man rechne...
      Bevor nicht Laichgewässer naturnah umgebaut sind und genügend Wasser führen. scheitert das Projekt.
    • Roman h 15.02.2020 04:29
      Highlight Highlight @holden
      Wissen sie was der Hauptgrund ist weshalb wir in der Schweiz so wenig Fische haben?
      Es ist das Wasser, es ist nämlich zu Sauber.
      Zu sauberes Wasser ist schlecht für die Fische.
      Ebenfalls die Pille der Frauen ist ein grosses Problem und nein ich gebe jetzt nicht den Frauen die schuld.
      Auch die Überbevölkerung der Schweiz wird das Problem nicht lösen.
      Am besten wir verhüten mit Kondom und verschmutzen unser Wasser, nur wird diese Lösung den wenigsten gefallen
    • Hans007 15.02.2020 06:43
      Highlight Highlight Die Eutrophierung ist in allen Bächen und kleinen Flüssen des Mittellandes und sowie in sämtlichen kleineren Mittellandseen nach wie vor ein Riesenproblem, das viele nicht sehen wollen. Naturnah gibtˋs nur in Kleinstbereichen. Bis jetzt sind sämtliche Anstrengungen zu nachhaltigen Verbesserungen gescheitert. Aber vielleicht hilft ja die Trinkwasserinitiative weiter....
    Weitere Antworten anzeigen
  • Offi 14.02.2020 20:59
    Highlight Highlight Das wär ja Hammer !
  • Mike Milligan 14.02.2020 20:05
    Highlight Highlight Endlich billigerer Lachs auf dem Teller! Freude herrscht! Lachsbrötchen!
    • Skorpion 14.02.2020 21:49
      Highlight Highlight Muss ja nicht gleich alles auf dem Teller landen! 🐋🦈🐠🐟🐬🐳 Einfach mal am Leben lassen und sich daran freuen!
    • Mike Milligan 14.02.2020 23:18
      Highlight Highlight Ich liebe es Lachs zu essen und darf doch meiner Freude kund tun. Immer wird gleich alles negativ bewertet.
    • öpfeli 14.02.2020 23:25
      Highlight Highlight Zurecht.
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