Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Keine Winterzeit? Das beschliesst die EU. bild: shutterstock

Die EU will die Zeitumstellung abschaffen – und die Schweiz? Sechs Fragen und Antworten

Dominique Zeier
Dominique Zeier



Worum geht es?

Eine grosse Mehrheit der EU-Bürger hat in einer Umfrage für die Abschaffung der Zeitumstellung gestimmt. Daher macht Jean-Claude Junker nun ernst: Der EU-Kommissionspräsident kündigte die Abschaffung der Zeitumstellung und eine ewige Sommerzeit an. «Das werden wir heute beschliessen», sagt er mit Blick auf die laufende Kommissionsklausur.

Insgesamt hatten 4,6 Millionen Personen abgestimmt. Mehr als 3 Millionen sollen aus Deutschland gekommen sein. Dennoch beteiligten sich alle Mitgliedsstaaten an der Umfrage. Einem Gesetzesvorschlag der Behörde müssten EU-Parlament und EU-Staaten aber erst noch zustimmen. Der Rückhalt des Parlaments gilt aber als sicher.

Wird die Schweiz nachziehen?

Die Schweiz muss nun selbst entscheiden, ob sie mit der EU mitziehen möchte, oder nicht. Jürg Niederhauser, der Stabsleiter des Eidgenössischen Institut für Metrologie, sagt dazu: «Bei einer Abschaffung der Sommerzeit in den Nachbarstaaten wird der Bundesrat eine Anpassung der Zeitregelung genau prüfen.» Die Schweiz habe die Sommerzeit eingeführt, damit sie die gleiche Zeitregelung hat wie die Nachbarstaaten, damit die Schweiz in der Periode der Sommerzeit nicht zu einer Zeitinsel wird.

Das ist so auch explizit in dem Artikel des Gesetzes, auf den sich die Sommerzeit-Verordnung stützt, festgehalten. Niederhauser sagt: «Das heisst, wenn sich bei den umliegenden Staaten eine Änderung ergeben sollte, muss die Schweiz ernsthaft eine Anpassung prüfen und würde sich vermutlich in einem klaren Fall entsprechend anpassen, aber das wird ein Entscheid der Politik sein.»

Bild

Die Schweiz will vermeiden, eine Zeitinsel zu werden. bild: shutterstock

Würde es nur darum gehen, die Zeitumstellung – beziehungsweise die Sommerzeit – abzuschaffen, könnte der Bundesrat eigenständig entscheiden. Falls es um die Einführung der ewigen Sommerzeit ginge, wäre das anders. Das müsste das Parlament entscheiden. Niederhauser sagt: «Im Moment ist es so, dass in der Schweiz die mitteleuropäische Zeit gilt. Das heisst, es gilt per Gesetz automatisch ganzjährig die Normalzeit, falls die Zeitumstellung abgeschafft würde.»

Wolle man ganzjährig die jetzige Sommerzeit in der Schweiz einführen, brauchte es eine Gesetzesänderung. Das würde eine Behandlung im Parlament und vermutlich vorher eine Vernehmlassung bedeuten. Gegen die Gesetzesänderung könnte auch das Referendum ergriffen werden.

Wieso gibt es die Sommerzeit eigentlich?

Ursprünglich wurde die Sommerzeit eingeführt, um Energie zu sparen. Da es dank der Sommerzeit am Abend länger hell ist, wird weniger künstliches Licht benötigt. Studien zeigen allerdings, dass sich der Energieverbrauch durch die Zeitumstellung nicht wesentlich senken lässt. 

Bild

Die Sommerzeit sorgt nur vermeintlich für einen verminderten Energieverbrauch. bild: shutterstock

Zwar wird an Sommerabenden weniger Licht benötigt, in der Übergangszeit wird morgens dafür aber stärker geheizt. Ausserdem wird abends bei Freizeitaktivitäten während den hellen Stunden mehr Energie benötigt, als dies im Dunkeln der Fall wäre. In den USA wuchs der Stromverbrauch sogar nach der Einführung der Sommerzeit. 

Seit wann gibt es die Sommerzeit?

Zum ersten Mal eingeführt wurde die Sommerzeit in Deutschland während des Ersten Weltkriegs, allerdings nur vorübergehend. Die Schweiz zog 1942 schliesslich nach, ebenfalls aber nur kurzfristig. 

Erst als die Ölkrise 1973 Europa im Griff hatte, wurde die Sommerzeit erneut wieder eingeführt. Die Schweizer Bevölkerung wehrte sich mit einem Referendum aber vehement dagegen, nachzuziehen. So kam es, dass die Schweiz im Jahr 1980 zu einer Zeitinsel mit Normalzeit wurde, während die Nachbarstaaten auf die Sommerzeit umgestellt hatten. 

Dies führte zu grösseren Komplikationen. Die SBB musste beispielsweise auf einen Notfahrplan umstellen. Viele Betriebe arbeiteten nach deutscher Zeit. So kam es also, dass auch die Schweiz im Sommer 1981 auf die Sommerzeit umstellte.

Und der Rest der Welt?

Bild

Vor allem in Europa und Nordamerika kennt man die Sommerzeit (blau). In vielen Staaten wurde sie abgeschafft (orange) oder gar nie eingeführt (rot).  bild: wikipedia/paul eggert

Bislang kannten alle europäischen Länder und beinahe alle US-Bundesstaaten die Sommerzeit. Russland hat die Zeitumstellung bereits im Jahr 2011 abgeschafft und auf eine permanente Sommerzeit umgestellt. Seit 2014 gilt aber auch in Russland die Normalzeit.

Einige EU-Länder haben sich zur Abschaffung der Zeitumstellung bereits positioniert. Litauen, Estland und Lettland sprachen sich ebenso für eine Abschaffung der Zeitumstellung aus wie Finnland. Von Deutschland ist bislang keine Position bekannt.

Was wird sich im Alltag ändern?

Im Sommer ändert sich natürlich nichts. Im Winter würde es am Morgen länger dunkel, dafür am Abend länger hell bleiben. Viele Büro-Arbeiter dürften das begrüssen. Personen, die früh beginnen und im Freien arbeiten, müssten mit längerer Dunkelheit rechnen.

Die Auswirkungen auf den Energieverbrauch sind im Vorherein schwierig abzuschätzen und werden sich erst noch zeigen müssen. Auf den Körper hat die Abschaffung der Zeitumstellung aber sicherlich gute Auswirkungen. So bringt diese nämlich jedes Mal den Biorhythmus durcheinander. Dies macht den Körper anfälliger für Infekte und Erkältungen, da das Immunsystem geschwächt ist.

Abgesehen davon ändert sich höchstwahrscheinlich nicht sonderlich viel.

So überstehst du die Zeitumstellung problemlos

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

US-Waffenlobby NRA meldet aus Kalkül Insolvenz an

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

«Es war ein langer und steiniger Weg, aber das Ergebnis ist gut» – Brexit-Deal steht

Nach extrem langwierigen Verhandlungen haben die Europäische Union und Grossbritannien an Heiligabend doch noch einen Brexit-Handelspakt vereinbart. Damit ist ein harter wirtschaftlicher Bruch zum Jahreswechsel in letzter Minute abgewendet. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und Premierminister Boris Johnson zeigten sich zufrieden. Bundeskanzlerin Angela Merkel mass dem Vertrag historische Bedeutung zu.

Das Abkommen soll die Beziehungen zwischen der Insel und dem Kontinent ab Januar 2021 …

Artikel lesen
Link zum Artikel