Schweiz
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Epidemiologe und Mitglied der Covid-19-Taskforce des Bundes, Marcel Tanner,

Marcel Tanner ist Epidemiologe und Mitglied der Covid-19-Taskforce des Bundes. Bild: Annette Boutellier

Interview

Erstmals wieder über 300 Neuinfektionen: Warum die Zahl nicht das Wichtigste ist

Das Bundesamt für Gesundheit hat gestern 311 laborbestätigte Covid-19-Neuinfektionen gemeldet. Der Epidemiologe Marcel Tanner von der Task Force des Bundes erklärt die Bedeutung der 300er-Grenze.

bruno knellwolf / ch media



Herr Tanner, das Bundesamt für Gesundheit BAG meldet 311 Neuinfektionen für die Schweiz. Hat die Überschreitung der 300er-Grenze eine besondere Bedeutung?
Marcel Tanner:
Ob 299 oder 311 spielt keine Rolle. Es geht nicht um eine präzise Obergrenze. Entscheidend ist, wie sich die Neuinfektionen im Land verteilen.

Das heisst?
Finden Hunderte Fälle an einem einzigen Ort statt, kann das Contact Tracing-System dort bereits bei 200 an seine Grenzen stossen, weil das System überlastet ist. Ist die Infektionszahl nur an einem Tag über 300, ist das noch machbar. Geht das aber über mehrere Tage oder steigt die Zahl der Neuinfektionen kontinuierlich an, dann kommt die Kapazität des Contact Tracings in den Kantonen an ihren Anschlag und wir kommen möglicherweise in eine Welle hinein. Geschieht das aber zum Beispiel nur an einem einzigen Ort, ergibt sich keine flächendeckende Welle für die ganze Schweiz.

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Wann kann man bei Infektionen von einer Welle sprechen?
So wie am Meeresstrand, wenn eine Welle alles mitreisst. Der Volksmund spricht von Welle. Eigentlich geht es darum, dass unser System, das Covid-Tracing, dann nicht mehr feststellen kann, wo die Übertragungen stattfinden und wir nicht mehr gezielt eingreifen können.

Vor zwei Wochen sind viele aus den Ferien zurückgekehrt. Könnte die hohe Zahl damit zu tun haben?
Das kann sein, das ist sicher eine sehr wichtige Hypothese, die man nun auf jeden Fall prüft. Das macht das Contact Tracing. Zuvor kann ich dazu nichts wissenschaftlich Fundiertes sagen.

Wir gehen im Moment nicht von einer nationalen Welle aus, sondern von Hotspots.
Es handelt sich noch immer um Hotspots. Man muss nun herausfinden, wo diese sind. Dann kann man feststellen, ob das zum Beispiel Ferienrückkehrer aus Spanien sind oder Menschen, die in einer Partymeile in Basel oder Zürich gefestet haben. Die Frage, wo die Übertragungen stattfinden, ist wichtiger als die reine Infektionszahl.

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51
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51Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Andre Buchheim 20.08.2020 15:12
    Highlight Highlight Wer bei 300 Infektionen postuliert, dass diese Zahl nicht wichtig sei, verschließt seine Augen vor der Realität.
  • invisible 20.08.2020 13:26
    Highlight Highlight wenn denn das Tracing so gut klappen würde wie es im Idealfall sollte... tut es doch aber gar nicht?

    Wenn man scheinbar Monate braucht für die Erkenntnis, dass man sich bei den Menschen, mit denen man zus.lebt, am ehrsten anstecken wird... genau deshalb sollte man doch ALLE ANDEREN Möglichkeiten sich zu infizieren umso besser kennen, weil wenns erst mal in der Family ist...

    Dass es auch, vielleicht sogar vor allem um die Verteilung geht und nicht so sehr um nackte Zahlen seh ich ein, aber ich hab nicht das Gefühl dass wir was die Verteilung angeht wirklich auf dem laufenden sind
  • providens 20.08.2020 11:18
    Highlight Highlight Man könnte ja zur Abwechslung nicht nur die Anzahl positiver Tests in den Mittelpunkt stellen, sonder die Anzahl Erkrankter oder sogar die Anzahl Tote. Da würde man sehr schnell sehen, dass man mit der Zahl positiver Tests nichts aussagt.
    Von den vielen Doppeltests und den falschpositiv gestesten ganz zu schweigen.
  • Fandall 20.08.2020 10:25
    Highlight Highlight Interessant, wie der Herr Tanner sagt, die Zahl der Infizierten an sich ist wenig aussagekräftig, und trotzdem ist es das was das BAG und die Medien uns täglich in grossen Lettern ins Gehirn trichtern.
    Das Virus ist da und wir werden's auch so schnell nicht wieder los.
    Kümmert euch um euer Immunsystem: Gesund essen, wenig Stress, Bewegung an der frischen Luft, Krafttraining, soziale Kontakte etc.
    und wir werden das alle durchstehen.
  • CalibriLight 20.08.2020 10:20
    Highlight Highlight Bis jetzt sind wir noch immer im "flatten the curve" Zustand.
    Schwierig wirds erst, wenn die Zahlen exponentiell steigen. Was ich mir wünschte wären strengere Kontrollen an Arbeitsplätzen und mehr Homeoffice, wo es möglich ist.
    Wir werden sehen, es bleibt ein Eiertanz, das sollte bald mal allen klar sein. Die Einschränkungen in der Schweiz sind ja gegenüber anderen Staaten minimal.
    • Eiswalzer 20.08.2020 12:01
      Highlight Highlight Ich glaube, wir sollten davon wegkommen, immer von den Einschränkungen des Individuums auszugehen. Das ist der falsche Ansatz. Natürlich ist der einzelne nicht extrem eingeschränkt, wenn er mal auf Sportanlässe, Theater oder Ferien am Strand verzichten muss. Dort liegt aber nicht das Problem. Sondern darin, wo wie viele Existenzen ruiniert werden. Wie dem begegnet wird. Und wie es mit möglichst geringen Einschränkungen funktioniert. Die extremen Schäden beginnen sich jetzt erst langsam zu zeigen.
    • CalibriLight 20.08.2020 12:28
      Highlight Highlight Die Schweiz ist sehr vom Ausland abhängig. Daher kommt der grösste Teil der Probleme in der Wirtschaft. Der Detailhandel hätte kein Problem, wenn die Leute nicht übers Internet kaufen würden. Grossanlässe dürfen ab Oktober wieder stattfinden. Wollen die Menschen keine Grossanlässe mit Auflagen, sind sie selber schuld. Maskentragen im ÖV schadet der Wirtschaft nicht. Clubs, Bars und Restaurants sind offen.
      Wir haben möglichst geringe Einschränkungen.
    • Eiswalzer 20.08.2020 13:35
      Highlight Highlight Calibri:
      Da hast du natürlich Recht. Da global viele ähnlich reagieren und auch praktisch ausschliesslich national handeln, leidet auch überall die Wirtschaft ähnlich. Das ist auch ein Teil der Erklärung, warum Schweden trotzdem hart getroffen wird. Und ja, wir haben momentan relativ geringe Einschränkungen in der Schweiz. Das muss aber auch so bleiben. Übrigens finde ich deine Argumentationen meist sachlich und deinen Diskussionsstil angenehm. Kann man nicht von allen sagen😉
    Weitere Antworten anzeigen
  • mrmikech 20.08.2020 09:42
    Highlight Highlight 1312 pro 100.000 in Genf, 340 in Zürich (Stand 19.8). Dafür 132 pro 100.000 in Spanien, 32 auf Mallorca. Wir haben 10x mehr als Spanien! Sogar WHO fragt sich jetzt was los ist mit die Schweiz.
    Benutzer Bild
  • Dave1974 20.08.2020 09:38
    Highlight Highlight Auch wenn manche es offenbar nicht wahrhaben wollen: er hat recht.
    Viele schauen auf die Schlagzeilen und dann kommt noch immer das "Ahhhhh Corona! Wir werden alles zumachen müssen!", statt sich mal damit zu befassen, wie die Zahl zustande kommt.
    Nur wenige Kantone kommen mit "zu hohen" Zahlen daher und dort muss die Verantwortung übernommen und wiederum geschaut werden, wie sich die Zahlen regional entwickelten, resp. entwickeln.
    Manche machen das gut und andere lassen es offenbar schleifen, was auch mich nachdenklich stimmt, weil mir eine nachvollziehbare Begründung fehlt.
  • Thomas G. 20.08.2020 09:08
    Highlight Highlight Herr Tanner ändert sein narrativ mit jedem Interview ohne zu erklären weshalb. Noch vor kurzem sagte er die Anzahl Fälle pro Tag sei das alles entscheidende. Jetzt ist es die Verteilung dee Fälle übers Land. Und morgen?
  • Bihu 20.08.2020 08:24
    Highlight Highlight Interessant wäre doch zu wissen, wie viele dieser 311 Personen tatsächlich erkrankt sind - und nicht nur asymptomatisch positiv. Ein gutes Schutzkonzept für Risikopersonen wäre viel wichtiger als tiefe Fallzahlen.
    • Garp 20.08.2020 10:15
      Highlight Highlight Die Riskikopersonen, die nicht am Heim leben, sind vollkommen auf sich allein gestellt und müssen sich selber schützen. Ich habe Nachbarn die waren seit März nicht mehr draussen, ausser vielleicht für einen kurzen Spaziergang.
      Es wäre an der ganzen Gesellschaft an die Schwächsten zu denken und Rücksicht zu nehmen, Abstand zu halten und Maske zu tragen, Hände waschen oder desinfizieren. Den meisten gehen aber die Risikopersonen am A.... vorbei.
  • Antichrist 20.08.2020 08:10
    Highlight Highlight Was sollen diese Zahlen bedeuten? Zuerst heisst es ab 200 wird's gefährlich, dann ab 300 aber es kommt drauf an wo. Das Chaos geht unvermindert weiter. Logisch, es sind auch die selben Personen am Steuer seit März. Auf der ganzen Welt infizieren sich vielleicht Menschen, aber die Spitäler und die Friedhöfe bleiben leer. Der Spuk ist vorbei.
    Die Gefahr ist noch kleiner als bei einer Grippe. Die ganzen Behörden sind so mit sich selbst beschäftigt, dass sie das gar nicht bemerken.
    • Ritiker K. 20.08.2020 09:48
      Highlight Highlight Sind wir nun schon so weit: "Die Gefahr ist noch kleiner als bei einer Grippe."

      Welche wissenschaftliche Evidenz spricht für?


    • Amboss 20.08.2020 11:38
      Highlight Highlight @Antichrist: Natürlich, als kleine unbedeutende Person wie du es bist, kann man immer sagen: "Der Spuk ist vorbei".
      Aber wenn du Entscheidungsgewalt hättest, würdest du das gleiche sagen? Würdest du dann hinstehen, dies verkünden und auch Verantwortung dafür übernehmen?

      Ich denke zwar nicht, dass ich von dir eine Antwort darauf erhalte, aber spannend wäre es trotzdem...
  • Quo Vadis 20.08.2020 07:30
    Highlight Highlight Was mich interessiert sind die Anzahl Tests die gemacht werden. Man kritisiert die USA gerne und wie desaströs es da sein soll, dabei testen die Amis im Verhältnis knapp 8x mehr als wir..
  • DerTaran 20.08.2020 07:10
    Highlight Highlight Die Schweiz will unbedingt den zweiten Lockdown, gerade auch meine Generation 50+.
    Menschentrauben überall, den Mindestabstand kümmert niemanden mehr, Unvernunft überall, alle tun so als wäre nichts gewesen. Wenn der BR nicht bald einschreitet, dann sitzen wir im Winter wieder zuhause fest.
    • DerTaran 20.08.2020 07:27
      Highlight Highlight Da nützt es auch nicht zu Blitzen, die Fallzahlen gehen kontinuierlich nach oben.
    • Hardy18 20.08.2020 07:32
      Highlight Highlight Deine Generation 50+ waren die, die es mit dem ersten Lockdown nicht so inne hatten.
    • fabsli 20.08.2020 07:45
      Highlight Highlight Für dass es überall Menschentrauben hat, Unvernunft überall, sind 300 Neuinfektionen aber wenig.
      Übrigens: Einen zweiten Lockdown wirds nicht geben.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Kanuli 20.08.2020 07:09
    Highlight Highlight Contact Tracing bei 200 Infizierten an einem Ort stösst an seine Grenzen, aber bei 300 im ganzen Land auch schon nach wenigen Tagen? Wo ergibt das Sinn? Wenn man 200 in Zürich noch hinbekommt, dann müsste man 200 im Argau, im Walis usw doch auch noch schaffen, also gesamthaft sollten doch gut 1000 möglich sein? Oder gehen denen die Praktikanten aus, weil die sich landesweit um das ganze Contact Tracing kümmern müssen?
  • MyPersonalSenf 20.08.2020 06:52
    Highlight Highlight Und teotzdwm bekommt das gemeine Volk seit montanten Täglich einfach einw nackte Zahl in den Kopf gehämmert. So gut wie keine Details.. um ja die Angst und die Unsicherheit nicht zu verlieren.

    Und jetzt an alle Aluhüte: ich bin keiner von euch.. ich bin es einfach leid von verängstigten Leuten umzingelt zu sein. Die meissten Menschen denken eben nicht rational sondern mit ihren Emotionen, da kann eine Zahl schon viel viel Schaden anrichten..
  • Theor 20.08.2020 06:49
    Highlight Highlight Das Interview hat gefühlt keinerlei Informationswert.
    • Dr Barista 20.08.2020 07:26
      Highlight Highlight Nicht nur gefühlt...
    • Hardy18 20.08.2020 07:34
      Highlight Highlight Nicht nur gefühlt. Das sind Fragen, die kann mein Metzger auch beantworten.
    • Amboss 20.08.2020 07:38
      Highlight Highlight Hehe, genau dasselbe hab ich auch gedacht, als ich den Artikel zuende gelesen habe.
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