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Atef Sahnoun kriegt einen Einspieler des Winterthurer Syrien-Söldners Christian aka. Sandro (18) vorgehalten.
srf

Präsident der umstrittenen An'Nur-Moschee macht bei «Schawinski» keine gute Falle

Atef Sahnoun, Vorsteher der Winterthurer An'Nur-Moschee, äusserte sich erstmals ausgiebig zu den Vorwürfen rund um Dschihad-Rekrutierungen in seiner Moschee. Zu seinem Leidwesen traf er auf einen bestens vorbereiteten Roger Schawinski. 



Atef Sahnoun ist nicht zu beneiden. Der Schweizer Vorzeige-Dschihadist und Thaiboxer Valdet Gashi pflegte in seiner An'Nur-Moschee zu verkehren. Genauso wie drei weitere Jugendliche, die nach Syrien gereist sind, um sich dort dem sogenannten «IS» anzuschliessen. Hinzu kommen schwere Vorwürfe von «Sonntags Zeitung» und «Weltwoche» gegen den Imam A. E., der gar der Kopf einer sogenannten «Winterthurer ‹IS›-Zelle» sein soll. 

Bei «Schawinski» wollte Sahnoun die Vorwürfe entkräften, traf aber auf einen Roger Schawinski, der seine Hausaufgaben aussergewöhnlich seriös gemacht hatte. Und er verstrickte sich in Widersprüche. So sagte er zu Beginn der Sendung, dass er von der Radikalisierung des 15- und 16-jährigen Geschwisterpaars Edita und Visar, das schliesslich nach Syrien abgereist ist, nichts mitbekommen habe. Viel mehr habe er innerhalb der letzten zwei Wochen zwei weitere 16-Jährige von einer Reise nach Syrien abhalten können. 

Zum Ende der Sendung räumte er relativ freimütig ein, dass man ja wisse, dass Valdet Gashi Edita, Visar und den 18-jährigen Italo-Dschihadisten Christian aka. Sandro für den Bürgerkrieg in Syrien begeistert habe. «Dahinter stand nicht die An'Nur-Moschee», sagte Sahnoun. Dass Valdet Gashi die Jugendlichen in Salafisten-Trainings in Winterthur ausgebildet hatte, will er erst durch die Medien mitbekommen haben, sagte dann aber doch: «Es ist bizarr, die beiden haben in der Moschee in Embrach Hausverbot bekommen und sind dann doch wieder zu uns gekommen.» Vom Hausverbot wusste er, nichts aber über die Gründe dafür?

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Atef Sahnoun reagiert auf schwere Vorwürfe von Kurt Pelda.
Bild:srf

Ähnlich unkohärent tönte es bei allen anderen Vorwürfen, die Schawinski an Sahnoun herantrug. Sunna-Lektionen in abgeschlossenen Räumen? Sahnoun: «Die finden vor allen Leuten statt aber ich kann nicht alle Äusserungen der 100 Gemeindemitglieder überwachen.» «IS»-Propaganda-Videos die in Gebetsraum und Hinterzimmern herumgezeigt werden? Sahnoun: «Wenn Sie ein Publikum von 100 Leuten haben, können Sie auch nicht wissen, was die alle machen.»

«Ich bin für 700 Quadratmeter Vereinslokalität verantwortlich. Da halten alle die Regeln ein. Was die Jugendlichen und andere Leute ausserhalb machen, dafür bin ich nicht zuständig.»

Sahnoun

Jugendliche, die sich in «IS»-typischer Kleidung nach den Gottesdiensten in Tiefgarage und vor der Moschee versammeln? Sahnoun: «Wir können niemandem vorschreiben, was er anziehen soll. Ich weiss nicht, was die Leute tragen, das habe ich noch nie gesehen.» – Schawinski: «Ich schon, ich habe es selbst gesehen letzten Freitag.»

Und dann die Kernaussage Sahnouns: «Ich bin für 700 Quadratmeter Vereinslokalität verantwortlich. Da halten alle die Regeln ein. Was die Jugendlichen und andere Leute ausserhalb machen, dafür bin ich nicht zuständig.»

Damit liess sich Schawinski nicht abspeisen und zeigte Sahnoun dessen wohlwollende Zitate bezüglich der Aktion «Lies!» und solche aus Predigten in seiner Moschee, darunter dieses: «Unterstütze deine betenden Jihadisten überall.» 

Sahnouns Rechtfertigungen tönten wirr. Etwa, dass es da nicht um das Töten ginge, sondern dass «wir hoffen, dass Gott mal einen Weg findet mit denen». Schawinskis berechtigte Antwort: «Ich komme nicht draus.»

Als Schawinski auf die wahabitischen Schriften in der Sunna-Ecke zu sprechen kommt, weicht Sahnoun aus. Die Bemerkung Schawinskis, dass der Wahabismus ziemlich exakt den saudi-arabischen und auch den Islam des sogenannten «IS» beschreibe, quittiert Sahnoun mit: «Ah, Herr Schawinski, wenn wir mit Politik anfangen, kommen wir zu weiteren Punkten, das geht zu weit.»

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Schawinski, gut vorbereitet, bleibt skeptisch.
srf

Einzig Schawinskis Andeutungen, er verdiene sein Geld als Kreditvermittler nicht redlich und nehme von algerischen Donatoren Geld zur Finanzierung der Moschee, entkräftete Sahnoun glaubwürdig, indem er konkrete Zahlen nannte und und schlagfertig blieb. Die Miete der Moschee betrage 3000 Franken im Monat und die Imame verdienten nur 1000 Franken im Monat. Seine eigene Firma sei eine GmbH und wie man wisse, stünde GmbH für «Gott muss bald helfen». 

Sahnouns Schlusswort, er sei kein Fan des «IS» quittierte Schawinski mit den Worten: «Ja gut, aber Sie sind auch kein Fan davon, herauszufinden, was in Ihrer Moschee wirklich passiert.»

Und das war auch exakt der Eindruck, der beim Zuschauer nach der Sendung haften bleibt. (thi)

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