DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Er wollte sich dem «IS» anschliessen: 26-Jähriger steht ab heute vor Bundesstrafgericht



Ein 26-jähriger Mann, der die Terrormiliz «Islamischer Staat» unterstützt haben soll, muss sich ab heute vor dem Bundesstrafgericht verantworten. Er war Anfang April 2015 am Flughafen Zürich verhaftet worden.

Gemäss Anklageschrift wollte der damals 25-Jährige zunächst nach Istanbul reisen, «mit dem Ziel, sich dem ‹Islamischen Staat› (‹IS›) anzuschliessen und als Märtyrer zu sterben». Seiner Mutter soll er gesagt haben, dass er nach Deutschland fahre, um einen kranken Freund zu besuchen.

Gelernter Lackierer

Der heute 26-Jährige soll zur Vorbereitung seiner Ausreise wiederholt mit Personen in Kontakt getreten sein, von denen laut Anklageschrift angenommen werden muss, dass sie sich von der Schweiz aus dem «IS» anschliessen wollten. Diese sollten für ihn die Weiterreise von der Türkei nach Syrien organisieren.

Der gelernte Lackierer soll sich mit der Ideologie des IS und dessen Vorgängerorganisationen identifiziert haben und sich Stück für Stück «vom Wertekanon der westlichen Welt» entfernt haben.

Enthauptungsbilder verbreitet

Auf seinem Mobiltelefon sei radikal-dschihadistische Propaganda gefunden worden, die unter anderem den Märtyrertod verherrlicht. Der Angeklagte habe ausserdem über einen verschlüsselten Austausch Dokumente erhalten, die von Chefideologen des «IS» und der Al-Kaida verfasst wurden.

Weiter wird dem jungen Mann zur Last gelegt, Bilder, welche die «grausame Gewalttätigkeit» gegen einen Menschen eindringlich darstellen, über den Messaging-Dienst Telegram verbreitet zu haben. Darunter sollen sich auch Abbildungen von Enthauptungen und Gruppenhinrichtungen befunden haben.

Anwalt fordert Freispruch

Der Anwalt des Angeklagten, Daniel Weber, bestreitet sämtliche Vorwürfe, wie er gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagte. Er fordert einen Freispruch für seinen Mandanten.

Der junge Mann wurde zwar kurz nach der Verhaftung aus der Untersuchungshaft entlassen, jedoch zog man seine Reisedokumente ein. Eine entsprechende Beschwerde des mutmasslichen «IS»-Unterstützers gegen diese Massnahme lehnte das Bundesstrafgericht Anfang dieses Jahres ab.

Besondere Sicherheitsvorkehrungen

Die Tessiner Kantonspolizei kündigte für die heutige Hauptverhandlung besondere Sicherheitsvorkehrungen an. Bereits beim Prozess gegen vier irakische «IS»-Unterstützer im vergangenen März kam es zu weiträumigen Absperrungen um das Gerichtsgelände und Einschränkungen im Strassenverkehr.

Die Hauptverhandlung ist zunächst nur auf einen Tag angesetzt, wobei der Freitag als Reservetag vorgesehen ist. Wann ein Urteil gesprochen wird, ist noch nicht bekannt. (egg/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

UNO-Folterexperte Nils Melzer: «Der Fall Assange ist wie ein dunkles Familiengeheimnis»

Der Schweizer Jurist Nils Melzer überwacht für die UNO das Folterverbot und hat ein Buch über seine Untersuchung zum Fall des Wikileaks-Gründers Julian Assange geschrieben. Dessen Rechte seien massiv verletzt worden, sagt Melzer. Und warnt vor der «gefährlichen» PMT-Vorlage, die am 13. Juni zur Abstimmung kommt.

Sie erheben in Ihrem Buch schwere Vorwürfe gegen westliche Staaten im Umgang mit Julian Assange. Was hat Sie bei Ihrer Untersuchung am meisten schockiert?Nils Melzer: Die Erkenntnis, dass der Rechtsstaat offenbar auch in westlichen Demokratien vollkommen ausgehebelt werden kann. Ich habe in den letzten 20 Jahren oft in Kriegs- und Krisengebieten gearbeitet und viele schwere Rechtsverletzungen gesehen. Aber ich habe immer daran geglaubt, dass in den westlichen Demokratien wenigstens noch der …

Artikel lesen
Link zum Artikel