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Mehr als sechs Jahre nach seiner Verhaftung stand ein fr

Bezirksgericht Zürich. Bild: KEYSTONE

Nach Messerattacke und Schüssen: Zürcher Bezirksgericht spricht Stadtpolizisten frei



Erleichterung bei einem 33-jährigen Zürcher Stadtpolizisten: Das Bezirksgericht sprach ihn am Mittwoch vom Vorwurf der versuchten Tötung frei. Der Polizist hatte vor fünf Jahren elf Schüsse auf einen Äthiopier abgegeben, der mit einem Fleischmesser auf ihn zuging.

Das Gericht folgte damit dem Staatsanwalt, der ebenfalls einen Freispruch forderte - eine Seltenheit in einem Strafverfahren. «Ist es so offensichtlich, dass die Beweislage nicht ausreicht, ist die Staatsanwaltschaft geradezu verpflichtet, einen Freispruch zu fordern», erklärte der Ankläger diese Besonderheit.

Er sei deswegen nicht auf der Seite des Polizisten, sondern wie immer auf der Seite des Staates. «Und der will keine Unschuldigen verurteilen.» Freiwillig erhob der Staatsanwalt diese Anklage jedoch nicht. Er stellte die Untersuchung anfänglich ein. Der angeschossene Mann rekurrierte aber bis vor Bundesgericht und erhielt Recht.

Das Bundesgericht entschied, dass der Staatsanwalt ermitteln müsse. Es sei nicht klar, ob dieser Waffeneinsatz wirklich rechtmässig gewesen sei. Strittig waren vor allem die Schüsse gegen Ende des Vorfalls. Der Polizist beteuerte, nicht mehr gefeuert zu haben, als sich der Mann nach einem Gerangel von ihm abgewendet habe und auf einen Kollegen losgegangen sei.

Der Angeschossene jedoch sagte aus, dass der 33-Jährige von hinten weiter auf seinen Oberkörper geschossen und ihn damit lebensgefährlich verletzt habe.

«Polizist schiesst auf dunkelhäutigen Mann»

Der Anwalt des Äthiopiers kritisierte ironisch die für den Polizisten «wohlwollende Untersuchungsführung». Die Justiz sei von Anfang an der Meinung gewesen, dass die Schüsse gerechtfertigt gewesen seien. «Aber auch Polizisten können sich rechtswidrig verhalten.» Das sehe man an den jüngsten Vorfällen in den USA.

Den Zusammenhang mit der Polizeigewalt in den USA herzustellen, kam beim Polizisten-Anwalt schlecht an. «Dieser Fall birgt natürlich die Gefahr, dass er politisiert wird, weil ein Polizist auf einen dunkelhäutigen Mann geschossen hat.» Doch das sei völlig daneben, darum gehe es hier wirklich nicht.

«Kill me, kill me»

Der Äthiopier war an einem Sonntagmorgen im Jahr 2015 mit einem 25 Zentimeter langen Fleischmesser in Zürich-Wiedikon unterwegs. Eine Polizeistreife wurde auf den Mann aufmerksam und wollte ihn zusammen mit einer weiteren Streife kontrollieren. Insgesamt waren fünf Polizisten vor Ort. Die Situation eskalierte innert kürzester Zeit.

Der Äthiopier ging sofort auf die Polizisten los und rief «kill me, kill me». Zwei von ihnen zogen ihre Waffe und gaben insgesamt 13 Schüsse ab, wobei das Opfer von sechs Kugeln getroffen wurde. Elf der 13 Kugeln stammten aus der Waffe des Beschuldigten, der sich ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr genau an den Ablauf der Auseinandersetzung erinnern kann oder will.

Der Mann habe überhaupt nicht auf die Schüsse reagiert, auch nicht auf den Pfefferspray, er habe keinerlei Schmerzen gezeigt, sagte er. Stattdessen habe er mit dem Messer einen Satz auf ihn zu gemacht. «Es war er oder ich, da entschied ich mich, zu schiessen.»

An drei Schüsse erinnere er sich noch, dann sei die Erinnerung weg. Nach etwa zwei Minuten konnten die Polizisten den Mann schliesslich verhaften, die Sanität brachte ihn ins Spital. «Er beruhigte sich nicht, auch nicht, als die Sanität kam.»

Nicht mehr auf der Strasse im Dienst

Gegen den Äthiopier wurde daraufhin ebenfalls ein Strafverfahren eingeleitet. Das Bezirksgericht sprach ihn 2016 aber vom Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung frei und verordnete eine ambulante Therapie. Der Mann leidet an einer schizophrenen Psychose und war zum Zeitpunkt der Tat schuldunfähig. Er sagte aus, ein intensiver Geruch habe ihn zu dieser Tat angetrieben.

Der Beschuldigte arbeitet nach wie vor bei der Stadtpolizei, allerdings nicht mehr «auf der Strasse», sondern bei der digitalen Forensik, weil er ursprünglich eine Ausbildung zum Informatiker absolviert hatte. Die Versetzung an den Computer habe nichts mit dem Vorfall zu tun, sagte er. «Das war schon immer mein Ziel.» (sda)

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