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Reise-Influencer sollen aufhören mit dem Flugzeug zu reisen, finden Klimaaktivisten. bild: shutterstock

Trotz Klimastreiks: Schweizer Travel-Influencer jetten weiterhin durch die Welt

Trotz Klimastreiks: Schweizer Reise-Influencer jetten durch die Welt und ernten tausende Likes. Geht es nach der Klimajugend, soll damit jetzt Schluss sein.



Seit zehn Monaten streiken Schüler in der ganzen Welt für das Klima und die «Flugscham» greift langsam um sich. Anders sieht es auf Instagram aus. Dort verdienen Reise-Influencer Geld mit Bildern aus den exotischsten Orten der Welt – und steigen dafür weiterhin mehrmals pro Monat ins Flugzeug. Obschon jedermann weiss: Fliegen ist einer der grössten Klima-Killer.

Dem Geschäftsmodell der Travel-Influencer konnte Klima-Ikone Greta Thunberg bisher nichts anhaben, sagt Social-Media-Experte und Geschäftsführer der Influencer-Agentur «Yxterix» Daniel Koss. «Die meisten Blogger haben trotz der Klimastreiks keine Follower verloren oder kritische Kommentare einzustecken.» Follower-Verluste erlitten aktuell zwar viele Instagram-Influencer. Dies liege aber daran, dass die Plattform die organische Reichweite stark zurückschraubt und stattdessen mehr Platz für Werbeanzeigen macht.

Koss' Einschätzung bestätigt die Schweizer Influencerin Valérie Florence Greutert (53'000 Follower). Sie war seit Anfang 2019 in Mexiko, den Kap Verden und Mallorca. Ihre Follower störe das nicht: «Ich habe von der Klimawelle nichts gespürt.» Auch Mónica Moreira (167'000 Follower) sagt, sie habe seit den Klimastreiks weder Follower verloren, noch habe sie jemand für ihre Fliegerei kritisiert. «Ausserdem denke ich, dass nicht Influencer das grosse Problem darstellen, sondern Geschäftsleute, welche für einen oder zwei Tage nach New York oder London für Meetings fliegen, die sie auch via Skype führen könnten.» Moreira ist dieses Jahr bisher sechs Mal mit dem Flugzeug gereist.

«Würden sie eher aus dem Tessin als aus Peru Fotos posten, hätte das sicher einen positiven Einfluss auf das Reiseverhalten.»

Nicola Bossard, Klimastreiks Schweiz

Die zwei Frauen sind die Einzigen von zehn der erfolgreichsten Schweizer Travel-Instagrammern, sich bereit erklärten, sich zum Thema zu äussern. Mehrere Influencer, darunter solche, die laut ihrem Profil weit häufiger reisen als Greutert und Moreira, reagierten nicht auf mehrmalige watson-Anfragen. Andere informierten die Redaktion, dass sie zu diesem Thema nicht mit einem Statement in einem Artikel erscheinen möchten.

Nicola Bossard, Co-Präsident der Jungen Grünen Aargau und einer der Köpfe hinter der Klimastreik-Bewegung in der Schweiz, fordert von Reise-Influencern jetzt mehr Verantwortungsbewusstsein: «Influencer mit zehntausenden Follower tragen dazu bei, wie junge Menschen das Reisen sehen. Würden sie eher aus dem Tessin als Los Angeles Fotos posten, hätte das sicher einen positiven Einfluss auf das Reiseverhalten.» Deshalb sein Appell an die Bloggerschaft: «Versucht jetzt auf das Fliegen zu verzichten.» Das Reisen im Zug sei ein Erlebnis an sich, während man im Flugzeug oft nur Filme schaue, meint Bossard.

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Wie realistisch es ist, dass sich Schweizer Travel-Blogger künftig vermehrt auf Zug-Trips fokussieren, ist schwer zu sagen. «Damit sie umweltbewusster reisen, braucht es vermutlich noch deutlich grösseren sozialen Druck als in den letzten Monaten», meint Social-Media-Experte Koss.

«Ich kenne Promis, die tatsächlich für Social Media vegan geworden sind, privat aber Fleisch essen.»

Social-Media-Experte Daniel Koss

Pflegen Influencer auf Instagram ein nachhaltiges Image, müsse das ausserdem nicht heissen, dass sie sich auch privat so verhalten. Koss: «Ich kenne Promis, die tatsächlich auf Social Media vegan geworden sind, privat aber Fleisch essen.» Wer sich auf Bildern umweltbewusst gibt, müsse es privat nicht wirklich sein – und umgekehrt ebenfalls.

Für Nicola Bossard bleibt der Wandel der Reisekultur auf den sozialen Medien ein Teil der Lösung des Klimaproblems. Für noch wichtiger hält er aber das Durchgreifen der Politik: «Es kann einfach nicht sein, dass ein Zugticket oft teurer ist als eine Reise mit dem Flugzeug.» Auch Moreira prangert die Preise der Reisebranche an. «So ist klar, dass jeder das Flugzeug wählt, das günstiger und schneller ist.»

Fakt ist, viele europäische Grossstädte sind mit dem Zug heute schlecht erschlossen. Das hat nun auch die SBB gemerkt, die jetzt ihr internationales Streckennetz ausbaut. TGV-Züge fahren ab Dezember häufiger nach Paris, ein Jahr später soll es neue Direktzüge nach Bologna und Genua geben.

Sollten Travel-Influencer dem Klima zuliebe weniger fliegen?

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