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«Es kann nicht sein, dass sich durch die Spassgesellschaft das Virus weiterverbreitet», sagte die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli an der gestrigen Medienkonferenz. bild: screenshot/medienkonferenz

Kommentar

Frau Rickli, hören Sie auf, das Partyvolk verantwortlich zu machen

Zürich hat seinen ersten «Superspreader»-Fall. Doch anstatt die eigenen Entscheidungen zu hinterfragen, schiebt die Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli lieber dem Partyvolk die Verantwortung ab. Damit lenkt sie von der eigenen Überforderung ab.



Wieder wird ein starker PR-Auftritt der Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli zum Rohrkrepierer. Im April verkündete Rickli stolz, für 800'000 Franken eine Maskenmaschine gekauft zu haben, die schon bald Masken produzieren würde. Geliefert hat die Maschine bis jetzt noch nicht.

Auch gestern Sonntag, an der kurzfristig einberufenen Medienkonferenz, machte Natalie Rickli keine gute Figur. Nachdem ein Mann im Zürcher Club Flamingo offenbar fünf weitere Personen mit Corona angesteckt hatte, schob Rickli die Verantwortung vor versammelter Medienschaft auf das Partyvolk ab: «Es kann nicht sein, dass sich durch die Spassgesellschaft das Virus weiterverbreitet», so die Regierungsrätin. Sie macht es sich damit einfach.

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Es ist immer angenehmer, anderen den schwarzen Peter zuzuschieben, anstatt sich selbst an der Nase zu nehmen. Partygänger sind keine Epidemiologen. Es liegt nicht an ihnen, eine Risikoabschätzung durchzuführen und zu entscheiden, wie hoch ein Ansteckungsrisiko in einem Club ist. Dafür zuständig ist in erster Linie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und an zweiter Stelle die kantonalen Gesundheitsdirektionen.

Eine solche Risikoanalyse wurde vom BAG durchgeführt, wie ein internes Dokument zeigt. Darin werden besagte Cluböffnungen als hohes Risiko eingestuft, «Distanzregeln nicht anwendbar, Schutzausrüstung auch nicht», heisst es da. Insgesamt wird eine Bar- und Cluböffnung mit einem Risikoscore von 14 Punkten bewertet, während in der Überschrift ein Score von vier Punkten pro Kategorie als «ungünstig» beschrieben wird.

Die Risikoeinschätzung zeigt schwarz auf weiss: Clubs und Bars bieten dem Virus die besten Voraussetzungen, sich weiter zu verbreiten. Aus Angst vor illegalen Partys und dem massiven Druck der Gastrobranche hat der Bund grünes Licht für die Cluböffnung gegeben. Doch nicht nur das: Vor zehn Tagen kippte er auch noch die Sperrstunde.

Gesundheitsdirektorin Rickli hat die Schutzkonzepte der Clubs gesehen. Nun im Nachhinein gegen die Spassgesellschaft zu wettern, zeugt schlicht und einfach von Überforderung. Die Situation ist drauf und dran, ausser Kontrolle zu geraten, also braucht es einen Sündenbock. Und wer wäre da nicht besser geeignet als das junge, masslose Partyvolk?

Natürlich, wer Fake-E-Mail-Adressen hinterlegt und Social Tracer am Telefon beschimpft, hat den Ernst der Lage nicht begriffen. Doch zu überprüfen, ob eine Cluböffnung während einer Pandemie Sinn macht, ob die Schutzkonzepte griffig sind und auch umgesetzt werden, liegt einzig und allein bei der Zürcher Gesundheitsdirektion und damit im Endeffekt bei Natalie Rickli.

Ebenfalls gestern Sonntag äusserte sich Rickli zu den Maskenmaschinen. «Es ist im Tun», so ihre knappe Antwort.

*Korrektur: Die Gesundheitsdirektion ist nicht für Kontrolle und Durchsetzung der Schutzkonzepte verantwortlich. Dafür zuständig ist das Amt für Volkswirtschaft und die Stadtpolizei. Dies wurde in einer ersten Version des Artikels falsch dargestellt, dafür möchten wir uns entschuldigen.

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Falsche E-Mail-Adressen bei «Superspreader-Event» in Zürich

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