Schweiz
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Rekrut

Funktioniert Social Distancing in der Armee? Bild: keystone/watson

Was ich wirklich denke

Ein Rekrut erzählt, warum Social Distancing in der Armee eine Farce ist

Team watson
Team watson



Was ist «Was ich wirklich denke»?

Wir gestehen: Bei der Idee für «Was ich wirklich denke» haben wir uns schamlos beim «Guardian»-Blog «What I'm really thinking» bedient. Wir mussten fast, denn die Idee dahinter passt wie die Faust aufs Auge auf unseren alten Claim «news unfucked». Es geht darum, Menschen, Experten, Betroffene anonym zu einem Thema zu Wort kommen zu lassen, ohne dass diese dabei Repressalien befürchten müssen. Roh und ungefiltert. Und wenn du dich selber als Betroffener zu einem bestimmten Thema äussern willst, dann melde dich bitte unter wasichdenke@watson.ch.

Die Namen unserer Gesprächspartner sind frei erfunden.

Mein Name ist Elio und ich absolviere gerade meine Rekrutenschule im Zürcher Unterland. Ich bin in der elften Woche. Was ich hier erlebe, verstösst gegen alle Regeln des Social Distancing.

Die Sache ist nämlich die: Social Distancing ist in der Armee in der Realität schwer umzusetzen.

Als das Coronavirus vor einigen Wochen begann, sich in der Schweiz auszubreiten, spürten wir nicht viel davon in der Kaserne. Es hat lange gedauert, bis die ersten Massnahmen eingeführt wurden. Erst letzte Woche kamen die Social-Distancing-Regeln richtig zum Tragen.

«In der täglichen Ausbildung ist nicht an Social Distancing zu denken.»

Doch diese Regeln sind schwierig zu befolgen. Ein Beispiel: In einem Zimmer schlafen mindestens zehn Personen. Abstand zwischen zwei Betten: Rund 70 Zentimeter. Massnahme, um das Social Distancing einzuhalten: Jeder Zweite dreht sich im Bett, nun schlafen wir Kopf-an-Fuss.

Auch in der täglichen Ausbildung fällt es schwer, genug Abstand zu halten. Letzte Woche fand eine Inspektion statt. Wir sollten zeigen, wie wir Sanitätsmassnahmen verrichten. Also Verbände anlegen zum Beispiel. Es wurde diskutiert, wie man das am besten macht, ohne der anderen Person zu nahe zu kommen. Man hat sich dann dazu entschieden, dass die Verbände an den Beinen der vermeintlich Verletzten anzulegen seien, anstatt an den Armen.

Das Einzige, was bisher aus dem Programm gestrichen wurde, ist die Zugschule. Anders der Sport: Hier stehen nach wie vor Kontaktsportarten wie Unihockey oder Fussball auf dem Programm. Danach duschen 20 Leute im gleichen Raum.

«Aber hey, wenigstens laufen wir danach mit mindestens zwei Meter Abstand zurück zur Kaserne.»

Wir sind langsam ziemlich genervt in unserem Zug. Wir haben zwar keine Angst vor dem Coronavirus, da wir alle jung und gesund sind, doch darum geht es ja nicht. Wir haben probiert, unseren Wachtmeistern und Zugführern klar zu machen, dass das Ganze hier gegen die Regeln des Bundesrates verstösst. Sie haben uns auch zugehört und Verständnis gezeigt. Verbessert hat sich die Situation aber nicht.

Man hat nun lediglich beschlossen, uns am Wochenende nicht mehr nach Hause zu lassen. Auch die Ausgänge unter der Woche wurden gestrichen. Das Areal darf unter keinen Umständen verlassen werden.

Ausser für Märsche natürlich. Da marschieren wir in der Öffentlichkeit herum und kommen auch in Kontakt mit zivilen Personen, die womöglich infiziert, oder noch schlimmer, Risikopatienten sind.

Eines muss man sich klar sein: Steckt sich hier auch nur eine Person mit dem Virus an, dann haben es im Nullkommanichts alle in der Kaserne. Das ist schwer zu vermeiden.

«Im schlimmsten Fall tragen wir einen guten Teil zur Überlastung des Gesundheitssystems bei.»

Im schlimmsten Fall verbreitet sich das Virus dann in der ganzen Kaserne und wir tragen einen guten Teil zur Überlastung des Gesundheitssystems bei.

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126 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
flohehe
25.03.2020 20:13registriert February 2014
In der Armee ist Social Distancing nicht umsetzbar, dass ist klar. Es ist auch klar, dass es ziemlich dramatisch enden könnte, falls sich jemand in der Kaserne ansteckt. Und genau deshalb dürfen die Rekruten und Soldaten am Wochenende nicht nachhause. Denn dort ist die Chance das Sie sich anstecken am grössten. Solange Sie nur unter sich sind, bleiben Sie gesund. Und zu den Märschen. Und natürlich sind Bülach oder Kloten nicht die strengsten RS, aber so langsam, dass es mit Zivilisten zu riskanten Kontakten kommen könnten, marschieren auch die nicht.
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pacoSVQ
25.03.2020 20:09registriert April 2017
Wie genau kommst der auf Märschen mit zivilen Personen in Kontakt? Meine waren stets in der Nacht oder in Gebieten in denen sowieso nicht viele Zivile unterwegs waren, und auch wenn, Körperkontakt oder näher als zwei Meter kommt man denen eh nicht.
Wenn es keinen Wochenendurlaub und keinen Ausgang gibt kann sich auch keiner anstecken oder das Virus nach Hause bringen.
Hätte erwartet, dass du in Woche 11 langsam begriffen hast, dass die militärische Welt eine andere ist als die zivile und andere Regeln gelten.
Tönt für mich nach Mimimi auf hohem Niveau, lieber Elio.
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Snowy
25.03.2020 20:46registriert April 2016
„Wir haben mit unseren Zugführern diskutiert und sie haben Verständnis gezeigt.“
😂
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