Schweiz
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Der Schweizer Sebastien Buemi vom Team Nissan e.dams waehrend dem Rennen des Swiss E-Prix 2019 am Samstag, 22. Juni 2019 in Bern. Buemi faehrt im Heimrennen aufs Podest und sichert sich den dritten Platz. Nachdem die Formel E im 2018 erstmals in der Schweiz war, findet der diesjährige E-Prix im Herzen der Landeshauptstadt Bern statt. In der fünften Formel E Saison sind 13 Rennen in 12 Städten angesetzt, welche in Metropolen wie Hongkong, Mexiko City, Rom, Paris und New York Halt machen. (PPR/Dominik Baur)

Ein begeistertes Publikum am Formel-E-Rennen in Bern. Bild: PPR

So gingen die Kritiker des Formel-E-Rennens in Bern in der Masse unter

Die Formel E in Bern sorgt trotz Volksfeststimmung für Nebengeräusche. Der Verlauf des Rennens hat Symbolhaftes.



130'000 Zuschauer sollen die Strassen gesäumt und mitverfolgt haben, wie der Waadtländer Sébastien Buemi hinter dem Franzosen Jean-Eric Vergne und dem Neuseeländer Mitch Evans auf Platz 3 gefahren ist. Es ist Volksfest an diesem Samstag in Bern, in der Altstadt, an der um das Obstberg-Quartier angelegten Rennstrecke.

Überall – oder fast überall, denn die Gegner der Grossveranstaltung tun da und dort erneut ihren Unmut kund. Gehör verschaffen sie sich allerdings kaum. Die roten Fahnen mit dem Aufdruck «Formel E ade», initiiert vom gleichnamigen Komitee, das dem Rennen treffend «den Stecker ziehen» will, finden nur marginale Beachtung. Auch die in den vergangenen Tagen wieder vermehrt in Frage gestellte Nachhaltigkeit der Veranstaltung geht im allgemeinen Trubel unter. Zu ausgelassen ist die Stimmung im Publikum.

Es ist nicht mehr die Aufmerksamkeit, die die Protestierenden am Donnerstag erlangt haben, als rund 1000 Leute mit Velos den durch die Wohnquartiere angelegten Rundkurs abgefahren hatten. Eine friedliche Kundgebung hätte es werden sollen. Dass es zu Sachbeschädigungen kam, Werbetransparente abgerissen, Strom- und Fernsehkabel durchtrennt wurden und ein Schaden von rund 400'000 Franken entstand, hätte nicht sein müssen. Es war Ausdruck von Wut und Unverständnis in einer nicht entschuldbaren Art.

Die perfekte Plattform

Selbst die Unbedachtesten im Kreis der Kritiker sollten wissen, dass eine Meisterschaft für elektrobetriebene Autos der technologischen Weiterentwicklung der Fahrzeuge in der Serienproduktion und somit der Ökologie der Zukunft dienlich sein kann. Sie bietet die perfekte Plattform, um neue Errungenschaften unter extremen Leistungsbedingungen einem Belastungstest zu unterziehen.

Die Elektrizität wird der gängigste Weg sein, um auch auf dem Sektor Mobilität so schnell als möglich von den fossilen Energieträgern wegzukommen. Dass die Zahl der sich in der Formel E engagierenden Automobil-Konzerne stetig steigt, ist ein untrügliches Zeichen dafür, in welche Richtung sich die Branche bewegen wird. Die Veränderungen in der Welt des Autos werden, so sehen es jedenfalls die grossen Tenöre, in den nächsten Jahren so immens sein wie noch nie.

Auf dem Weg in die elektrische Zukunft haben die Verantwortlichen der vor fünf Jahren lancierten Formel E die Strassen in den Städten bewusst als temporäre Rennpisten gewählt. Sie gehen dorthin, wo sie mit den herkömmlichen Eigenheiten des öffentlichen Verkehrs mit all ihren Konsequenzen wie etwa den langen, stockenden Kolonnen und dem höheren Grad an Luftverschmutzung konfrontiert werden.

Dass das Rennen in Bern die Problematik des Staus aufgezeigt hat, ist dem Zufall und wohl auch der Streckencharakteristik geschuldet. Die Massenkarambolage und der unvermeidbare Stillstand wenige Sekunden nach dem Start in der engen Schikane hatten auf jeden Fall etwas Symbolhaftes. Buemi und Co. mussten sich in Geduld üben und den 40 Minuten dauernden Unterbruch mit Warten verbringen. Sie fanden sich in einer Situation wieder, wie sie in den verstopften Strassen in den Städten dieser Welt gang und gäbe ist.

Die passenden Spiegelbilder

Auch die der Kollision folgenden Diskussionen zwischen Fahrern und Rennleitung über die Reihenfolge der Autos für den Neustart hatte etwas Alltägliches und Normales – in Bern mit den unzähligen Randgeschichten und den vielen Gesprächen über Sinn und Unsinn einer solchen Veranstaltung sowieso. Ebenfalls zum passenden Spiegelbild wurde das ganz am Ende des Rennens über der Hauptstadt niedergegangene Gewitter. Der Regen verwandelte die Strecke in eine Rutschbahn und machte die abschliessenden Kilometer zu einer äusserst delikaten Aufgabe.

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«Formel-E Ade»: Viele Einwohner von Bern wehrten sich gegen das Rennen. Doch die Gegner gingen am eigentlichen Event unter. Bild: KEYSTONE

Was die Fahrer auf den finalen Runden erlebten, hatte für viele Aussenstehende von Anfang an, seit der offiziellen Bestätigung der Aufnahme in den Kalender im vergangenen Herbst, festgestanden. Das Formel-E-Rennen in Bern war eine Veranstaltung im Grenzbereich. Und sogar darüber hinaus. (sda)

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