Schweiz
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Bundeskanzler Walter Thurnherr hoert den Voten zu waehrend der Debatte um das Covid-19-Gesetz, an der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Mittwoch, 9. September 2020 im Nationalrat in Bern. Aufgrund der Krise um die Pandemie des Coronavirus, Covid-19 wurden die Pulte der Parlamentsmitglieder mit Plexiglas Scheiben eingerahmt. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Walter Thurnherr ist der Bundeskanzler der Schweiz. Bild: keystone

Bundesrat hat «kä Luscht» beim Covid-19-Gesetz dabei zu sein

Der Bundesrat weigert sich, beim Covid-19-Gesetz mitzureden – obwohl es der Nationalrat von ihm verlangt. Darum sitzt heute wieder der Bundeskanzler dort, wo eigentlich jemand der Regierung sitzen sollte.



Das Covid-19-Gesetz ist die wohl umstrittenste Vorlage der Herbstsession im Parlament. Der Bundesrat will sich damit die Kompetenz geben, in einigen Bereichen weiterhin das Notrechtsregime durchsetzen zu können.

Ein heikles Thema, das bereits im National- und Ständerat zu hitzigen Voten geführt hat. Auf dem Bundesratsplatz in den Ratssälen sass aber jeweils nicht ein Mitglied der Regierung – sondern Bundeskanzler Walter Thurnherr. Das passte vergangene Woche nicht allen: Der Nationalrat erhob Einspruch und verlangte auf Antrag von SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi, dass doch bitte ein Bundesrat oder eine Bundesrätin in der Debatte dabei sein soll.

«Es ist wahrscheinlich das wichtigste Gesetz, das wir in dieser Legislatur beraten. Es soll auch ausdrücklich keine Kritik an Herrn Bundeskanzler Thurnherr sein. Aber es ist eine institutionelle Frage, ob hier ein Bundesrat oder der Bundeskanzler anwesend ist», begründete Aeschi seinen Antrag.

Nationalratspraesidentin Isabelle Moret, FDP-VD, schaut sich im Saal um, an der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 8. September 2020 im Nationalrat in Bern. Aufgrund der Krise um die Pandemie des Coronavirus, Covid-19 wurden die Pulte der Parlamentsmitglieder mit Plexiglas Scheiben eingerahmt. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Nationalratspräsidentin Isabelle Moret hinter ganz vielen Plexiglasscheiben. Bild: keystone

Moret lädt wieder Thurnherr ein

Heute Dienstag wird die Diskussion im Nationalrat fortgesetzt – doch ohne Bundesrat. Die Regierung habe den Wunsch des Nationalrats zur Kenntnis genommen und beschlossen, ihm nicht nachzukommen, sagte die Nationalratspräsidentin Isabelle Moret gestern spät am Abend.

Moret begründete als Hausherrin des Nationalrats die «Kä luscht»-Haltung des Bundesrat damit, dass die Regierung der Bundeskanzlei gewisse Geschäfte übertragen könne. Und das habe er beim Covid-19-Gesetz getan. «Ich werde daher den Bundeskanzler einladen, um über das Covid-19-Gesetz zu diskutieren», so Moret gestern.

Einen Satz danach – so verrät es das Wortprotokoll des Nationalrats – gab es Applaus, weil Moret verspätet den 65. Geburtstag von SP-Nationlrätin Laurence Fehlmann Rielle verkündete. Die Feierstimmung wollte offenbar niemand mit Verärgerung über den bundesrätlichen Affront stören.

Hinweis: In einer ersten Version hiess es, dass der Bundesrat Geschäfte dem Bundeskanzler übertragen kann. Korrekter ist, dass Geschäfte der Bundeskanzlei übertragen werden können und diese dann vom Bundeskanzler oder der Bundeskanzlerin vertreten werden. Der Satz wurde präzisiert.

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17 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
fidget
15.09.2020 09:49registriert December 2018
Ich dachte zuerst, Herr Thurnherr raucht Pfeife im Nationalratssaal. War aber doch nur ein Stift :D
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CalibriLight
15.09.2020 09:44registriert May 2019
Ich verstehe jetzt den "Affront" nicht ganz.
Die Legislative soll entscheiden und nicht die Exekutive. Wie der Name schon sagt.
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ELMatador
15.09.2020 09:52registriert February 2020
Wenn sich der Bundesrat zu sehr einmischt ist es der SVP auch nicht recht und sie verschreien ein Diktatur.
Es geht hier um ein Gesetz (Lex) also soll es auch die Legislative ausbaden. Sobald sie es formuliert haben, hat der Bundesrat den Salat.
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