Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Post zieht sexistische Karten zurück – «Frauen werden lächerlich gemacht»

In Postfilialen gibt es Postkarten zu kaufen, die alte Rollenbilder zementieren. Die Post will davon nichts gemerkt haben, nimmt sie aber aus dem Sortiment.

Rebekka Balzarini / CH Media



Die Hauptbeschäftigungen einer ganz normalen Frau sind schnell aufgezählt: Telefonieren, Shoppen, Lästern. So steht es jedenfalls auf einer Postkarte, die verschiedenen Postfilialen in der Schweiz zu kaufen ist. Die Postkarten gehören zu der Postkartenserie Tricolore, produziert vom Gutsch Verlag in Berlin. Zu der Serie gehören noch weitere Karten, die auf ähnliche Art auf Geschlechterklischees anspielen.

Post Karten Sexismus

Die Postkarten sind lustig gemeint, zementieren aber sexistische Stereotypen. Bild: Claudia Thoma

Die Karten kommen bei Fabienne Amlinger vom interdisziplinären Zentrum für Geschlechterforschung der Universität Bern (IZFG) nicht gut an. «Es ist einfach ärgerlich, dass solche Karten verkauft werden. Die Klischees, die damit bedient werden, kommen aus der sexistischen Mottenkiste.» Dass die Karten in Postfilialen aufliegen, stört Amlinger besonders. «Postfilialen sind ein öffentlicher Ort, den viele Menschen aufsuchen. Wenn dort solche Stereotypen reproduziert werden, dann ist das schlimm».

Post hat nicht gemerkt

Die Post distanziert sich auf Anfrage von den Botschaften, die mit den Postkarten vermittelt werden. Die Karten seien keine Produkte der Post, sondern eines Drittanbieters. «Uns war nicht bewusst, dass in den Filialen solche Karten auflagen», sagt ein Sprecher der Post. «Wir machen Lieferanten von Drittprodukten, welche in Postfilialen verkauft werden, klare Auflagen bezüglich politischen, diskriminierenden, religiösen oder sexistischen Inhalten oder Motiven.»

Bisher seien bei der Post zwar wegen der Karten keine Beschwerden eingegangen, trotzdem habe man dem Lieferanten nach der Anfrage dieser Zeitung den Auftrag gegeben, die Karten der Serie aus den Postfilialen zu entfernen. «In diesem Fall wurden stereotype Klischees über Frauen wie auch über Männern bedient. Das kann individuell als herabwürdigend oder sexistisch empfunden werden. Wenn Gefühle von Kundinnen und Kunden verletzt wurden, entschuldigen wir uns dafür.»

«An den Karten ist gar nichts lustig, sondern Frauen werden lächerlich gemacht»

Fabienne Amlinger, IZFG

Lieferant der Karten ist die Firma Photoglob aus solothurnischen Hägendorf. Die Kartenserie sei humorvoll gemeint, sagt ein Sprecher, und spiele auf typische Männer- und Frauenklischees an. Bisher habe sich niemand darüber beschwert.

Die Serie Tricolore, zu der die Karten gehören, sei ursprünglich sehr beliebt gewesen. In den letzten Monaten habe sie sich aber nicht mehr gut verkauft. Nun werde sie früher als geplant aus den Postfilialen entfernt, bis Ende November sollen die Karten aus den Postfilialen verschwinden.

Wenig Bewusstsein für Sexismus

«Uns tut es leid, wenn wir mit den Karten negative Emotionen ausgelöst haben. Eine Postkarte sollte eigentlich Freude machen», entschuldigt sich der Sprecher. Einige Papeterien und Cardshops würden aber weiterhin mit der Serie beliefert, weil sie die Karten explizit im Sortiment haben wollen.

Dass die Karten lustig gemeint seien, ist für Fabienne Amlinger vom IZFG eine Ausrede. «An den Karten ist gar nichts lustig, sondern Frauen werden lächerlich gemacht», sagt Amlinger. «Auch bei einem Witz muss man sich überlegen, was man damit transportieren will. Ein Witz ist einprägsam und verteilt sich in der Gesellschaft. Mit den Karten werden sexistische Stereotypen befeuert».

Dass weder die Post noch die Photoglob bemerkt haben wollen, welche Karten sie in ihren Filialen beziehungsweise in ihrem Sortiment verkaufen, ist für Amlinger bezeichnend. «Dass solche Karten mit offenbar unbemerkten sexistischen Stereotypen angeboten werden, zeigt deutlich, wie wenig Bewusstsein gegenüber Sexismus da ist.» (aargauerzeitung.ch)

Nicht alle Männer sind sexistische Eichhörnchen!

Video: watson/Renato Kaiser

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Erneut Erdbeben bei Elm im Glarnerland registriert

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen
91 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
Matrixx
01.11.2018 06:28registriert March 2015
Dass weder Post noch Photoglob noch sonst irgendwelche Kunden das gemerkt haben, liegt wohl daran, dass diese Humor haben und nicht verbittert an jeder Ecke nach Sexismus suchen...
Für andere geht es vielleicht eher Richtung Pin-Up, und ist damit als Kunstform anzusehen...
42882
Melden
Zum Kommentar
Schnurri
01.11.2018 06:00registriert April 2016
Ernsthaft? Hat die Dame keine andere Probleme? Humor hat man oder eben nicht.
31476
Melden
Zum Kommentar
TheBeat77
01.11.2018 06:18registriert May 2018
Nun gut, die Dame hat recht - die Kartentexte sind nicht sehr realitätsnah, bezogen auf die allermeisten weiblichen Mitmenschen - aber muss wirklich jeder Anflug von Humor, jede noch so kleine Nische, wirklich ALLES unter dieser Lupe betrachtet werden? Haben wir echt keine grösseren Probleme zu lösen, die mehr Impact haben?
25447
Melden
Zum Kommentar
91

Bluttat im Asylzentrum – Messerstecher von Mels SG soll 20 Jahre ins Gefängnis

Ein 35-jähriger Algerier soll Anfang 2018 in einer Asylunterkunft in Mels SG einen 38-jährigen Mann mit 29 Messerstichen tödlich verletzt haben. Am Mittwoch musste er sich vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland verantworten.

Die Staatsanwältin forderte eine Freiheitsstrafe von 20 Jahren wegen Mordes mit anschliessender Verwahrung. Der Beschuldigte habe die Tat aus Rache «eiskalt geplant». Er habe ein Messer gekauft und damit sein Opfer, einen Asylsuchenden aus Ägypten, im Schlafraum …

Artikel lesen
Link zum Artikel