Schweiz
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Der Ceneri-Basistunnel ist eröffnet, die NEAT vollendet



The tunnel portal, photograph on the opening Day of the Ceneri Base Tunnel. Swiss federal president Simonetta Sommaruga by the opening ceremony. on Friday, 4 September 2020, in Camorino, Switzerland. The Ceneri Base Tunnel will be officially opened on 4 September 2020 after twelve years of construction. The tunnel is composed of two single-track tunnels, each 15.4 kilometers long. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Bild: keystone

Am Freitag um 11.33 Uhr hat der erste Güterzug den Ceneri-Basistunnel von Norden nach Süden durchfahren. Damit ist der neue Tunnel offiziell eingeweiht. In ihrer Rede lobte Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga den weitsichtigen Entscheid der Schweizer Bevölkerung, die vor 28 Jahren an der Urne das Eisenbahnbaugrossprojekt «Neat» gutgeheissen hatte.

Das Signal zur Durchfahrt des ersten Zuges durch den neueröffneten Tunnel gab SBB-CEO Vincent Ducrot gemeinsam mit dem CEO der Erbauerin AlpTransit AG (ATG), Dieter Schwank. Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga - ganz tessinerisch in Rot-Blau gekleidet - durchschnitt das rote Band, begleitet von den Worten «Viva il treno, viva il Ticino, viva la Svizzera!».

Kurz vor 11 Uhr hatte die Bundespräsidentin gemeinsam mit dem Tessiner Bundesrat und Aussenminister Ignazio Cassis in einem Sonderzug von Norden her den Festplatz in Camorino erreicht. Der Tessiner Regierungspräsident Norman Gobbi fuhr in einem Tilo-Zug von Locarno her vor. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie musste die Gästezahl im Festzelt auf 45 beschränkt werden.

In ihrer Rede unweit des Ceneri-Nordportals erzählte Simonetta Sommaruga von ihrer Kindheit. Damals habe sie fast alle Ferien im Tessin verbracht, und zwar in Bellinzona, also im Sopraceneri – obwohl der Heimatort ihrer Familie im Sottoceneri liege.

«Die Reise nach Lugano dauerte eine gefühlte Ewigkeit. Sie führte über den Berg, den Monte Ceneri», erinnerte sich Sommaruga. Statt über den Berg gehe es jetzt durch den Berg. «Wer von Bellinzona nach Lugano fährt, braucht nur noch 15 Minuten.»

Der Ceneri-Tunnel stärke den öffentlichen Verkehr - «und er stärkt das Tessin», fuhr die Bundespräsidentin fort. Der Tunnel bringe die Schweiz näher zusammen.

Sommaruga lobte weiter den «weitsichtigen» Entscheid der Schweizer Bevölkerung, die sich 1992 an der Urne für die Neat ausgesprochen hatte. Viele Länder würden die Schweiz um deren «intelligente Verlagerungspolitik» beneiden.

Raum für weitere Tunnel-Zufahrt

Der Ceneri-Basistunnel sei zusammen mit Gotthard und Lötschberg «das Herzstück des wichtigsten Bahnkorridors zwischen Nordsee und Mittelmeer», fuhr Sommaruga fort. Einer der vielen Pfeiler des Bahn-Viadukts vor dem Nordportal nenne man «la Ballerina», erzählte die Bundespräsidentin. Dieser Pfeiler sei etwas schmaler als die anderen, und er drehe sich leicht.

epa08644105 Swiss Federal President Simonetta Sommaruga (C), speaks to the press, one day ahead of the inauguration of the 15.4-kilometres long base railway tunnel under the Monte Ceneri in the canton of Ticino, in Camorino, Switzerland, 03 September 2020. The Ceneri Base Tunnel will be officially opened on 04 September 2020, after twelve years of construction. The tunnel is composed of two single-track tunnels, each 15.4 kilometers long.  EPA/GAETAN BALLY

Sommaruga vor dem offenen Tunnel. Bild: keystone

La Ballerina sei extra so gedreht, dass spätere Generationen eine weitere Zufahrt zum Ceneri bauen könnten. «Das ist klug, weitsichtig, vorausschauend: So wollen wir weiterhin unsere Verkehrspolitik gestalten», schloss die Bundespräsidentin.

Mit Leichtigkeit von Locarno nach Lugano

Der Tessiner Bundesrat Ignazio Cassis bezeichnete die Tunnelerbauerin AlpTransit Gotthard AG als «Klebestoff», der die Schweiz zusammenhalte. So verbinde der Ceneri-Basistunnel das Reich des Luganeser Stadtpräsidenten Macro Borradori (Lega) mit jenem von Mario Branda (SP), Stadtpräsident von Bellinzona.

Dank den schnelleren Verbindungen ab Mitte Dezember könne man künftig zwischen dem Festival del Film in Locarno und dem Estival Jazz in Lugano munter hin- und herhüpfen, prophezeite Cassis.

Mit der Inbetriebnahme des Ceneri-Basistunnels von Camorino im Norden bis Vezia im Süden ist die Neat vollendet. Sie gilt als grösstes Infrastrukturvorhaben, das die Schweiz je in Angriff genommen hat. Die Kosten belaufen sich auf rund 23 Milliarden Franken. (aeg/sda)

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • IMaki 04.09.2020 19:44
    Highlight Highlight Die Maskerade des so genannten europäischen Verkehrssystems entlarvt sich allein durch die Bilder der Beteiligten. Aber Frau Bundespräsidentin hat es ja gesagt: Alles ist nur eine Frage der Gewöhnung.
  • Tanuki 04.09.2020 17:49
    Highlight Highlight Freude herrscht!
  • Froggr 04.09.2020 16:09
    Highlight Highlight Next Step: Zweite Gotthard Strassenröhre😎
  • Serge Künzli 04.09.2020 14:31
    Highlight Highlight Jetzt machen wir Folgendes: Für die Durchfahrt in den Süden von Ausländern und EU-Bürgern eine Gebühr verlangen. Einfache Durchfahrt Fr. 150.–. Retour 280.–. Mit dem Erlös finanzieren wir einen Teil des bedingungslosen Grundeinkommens.
    • Juliet Bravo 04.09.2020 17:31
      Highlight Highlight Wir haben Landverkehrsabkommen. Wir könnten den Strassentunnel höchstens privatisieren und von allen dann die gleichen Gebüren erheben.
    • reaper54 04.09.2020 17:43
      Highlight Highlight @Juliet Bravo wiso können es die Österreicher machen?

      Bei uns “integrieren” wir die Tunnelmaut ganz einfach in die Steuern (natürlich ohne wirklich etwas zu ändern, ausser auf dem Papier). So kann die EU nichts sagen da alle gleichbehandelt werden...
  • Tschowanni 04.09.2020 14:29
    Highlight Highlight Und bis Deutschland soweit ist bis sie die abgemachte, 4m hohe, Zubringer erstellt haben, dauert es nochmals prognostizierte 20 Jahre. Vielleicht sollten wir auch die Deutschen dabei Finanziell unterstützen, wie wir es bei Italien mit rund 260 Millionen gemacht haben?
  • WindJoe 04.09.2020 13:53
    Highlight Highlight Und wir Deutsche brauchen noch bis 2032... also geplant, real dann so 2050

    ;-)
    • Thomas Birkle 05.09.2020 07:57
      Highlight Highlight Ich glaube dass liegt eher an den Widersprüchen der Anwohner als an fehlenden Geldern. 2050 klingt realistisch.
  • -thomi- 04.09.2020 13:33
    Highlight Highlight Sehr gut. Die Verbindungen sind jetzt da. Nun bitte ein Hochgeschwindigkeitsnetz. Zürich-Bern in 30 min, Zürich-Genf in ca. 1 h damit niemand mehr den idiotischen Flieger nimmt. Meine Stimme ist dem Swisskansen sicher :-)
  • TheKen 04.09.2020 13:12
    Highlight Highlight keine Grafik wie die NEAT auf der Schweizer Karte aussieht?
  • Caryssia Mal'Ganis 04.09.2020 12:25
    Highlight Highlight Na zum Glück wurde an der 2. Lötschbergröhre gespart.. Für mich immernoch rätselhaft wieso man genau dort sparen "musste". Vor allem, wenn man den Aufwand für einen späteren Vollausbau betrachtet (Kosten und Verbindungsausfälle / Umleitung über die alte Lötschbergroute und dadurch wesentlich längere Reisezeiten etc.).
  • Francis Begbie 04.09.2020 11:33
    Highlight Highlight Es fehlt unter anderem der Zimmerberg 2 und der Vollausbau vom Lötschberg. Alles andere ist ein Zwischenziel.
    • Bav 04.09.2020 12:32
      Highlight Highlight Zur Phase 2 gehört der Zimmerberg und der Hirzetunnel. Der Vollausbau des Lötschbergs gehört eigentlich erst zum nächsten Projekt.
  • Pipikaka Man 04.09.2020 11:18
    Highlight Highlight Das dürfte nicht nur den Europäischen Personen/Güterverkehr und Wirtschaft ankurbeln, sondern auch die Tessiner Wirtschaft. Das Tessin wird schneller verbunden und das dürfte Kosten erheblich sparen. Auch durch deutlich verkürzte Zeiten dürfte es die Tessiner Wirtschaft ankurbeln.
    • ostpol76 04.09.2020 12:02
      Highlight Highlight Naja, bei europäisch bin ich ein bisschen skeptisch. Die Deutschen sind frühestens 2040 fertig mit ihrem Ausbau.
    • -thomi- 04.09.2020 13:30
      Highlight Highlight Kann ich bestätigen. Zürich-Bellinzona in 1:36 statt früher über die Bergstrecke mehr als 2 Stunden. Sehr schön, wenn man um 9 eine Sitzung in Bellinzona hat.

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