Schweiz
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Gastgewerbe in der Krise – die 5 wichtigsten Punkte der neuen Statistik zur Beschäftigung



Coronavirus-Pandemie drückt auf den Schweizer Arbeitsmarkt

Bild: keystone/watson

Auf dem Schweizer Arbeitsmarkt sieht es im Moment nicht sehr rosig aus. Grund ist - wie könnte es anders sein - die weltweite Coronavirus-Pandemie. Die Zahl der Stellen sank in den letzten 365 Tagen um rund 31'000 (0.6 Prozent). Zudem sind die Aussichten für das kommende Quartal nach wie vor düster.

Insgesamt zählte das Bundesamt für Statistik (BFS) im ersten Quartal dieses Jahres 5.095 Millionen Beschäftigte in der Schweiz, wie es am Dienstag mitteilte. Saisonbereinigt belief sich der Wert auf 5.096 Millionen, was gegenüber dem Vorquartal einer Abnahme um 1.1 Prozent entspricht.

Beschäftigung Schweiz 2. Quartal Corona-Pandemie und Coronavirus

So haben sich die Anzahl Stellen in der Schweiz seit 2015 entwickelt. grafik: bfs

Dabei sank sowohl im sekundären Sektor, also in der Industrie und im Baugewerbe, als auch im tertiären Sektor (Dienstleistungen) die Beschäftigung. Sie nahm um 0.4 Prozent (-5'000 Stellen) respektive 0.6 Prozent (-26'000 Stellen) ab. Die wichtigsten Punkte aus der Statistik findest du hier:

Viel weniger offene Stellen

Im Vergleich zum 2. Quartal 2019 fällt besonders auf, dass viel weniger Stellen ausgeschrieben wurden. Vor einem Jahr waren noch etwa 84'000 offene Stellen ausgeschrieben. Im gleichen Zeitraum dieses Jahr waren es nur noch 61'000 Stellen. Dies entspricht einem Rückgang von 27 Prozent.

Die offenen Stellen gingen hier besonders im sekundären Bereich (-32,6 Prozent) stärker zurück als im tertiären (-25,1%). Am stärksten betroffen ist das Gastgewerbe.

Gastgewerbe in der Krise

Im Gastgewerbe gingen die offenen Stellen um fast 45 Prozent zurück. Hier wurde ein allgemeiner Beschäftigungsrückgang von minus 33'000 Stellen verzeichnet. Das sind 12 Prozent weniger Stellen als noch im Vorjahr.

Ähnlich stark getroffen wurde die Temporärbranche. Hier wurden 18'000 weniger Beschäftigte gezählt, was einem Rückgang von rund 15 Prozent entspricht. Die Coronavirus-Pandemie zeigt hier die stärksten Auswirkungen.

Beschäftigung Schweiz 2. Quartal Corona-Pandemie und Coronavirus

Diese Branchen wurden in der Schweiz am härtesten von der Corona-Pandemie getroffen. daten: bfs, grafik: watson

Doch auch die Coiffeur- und Kosmetiksalons (Erbringung von sonstigen Dienstleistungen) und die Reisebüros (Wirtschaftliche Dienstleistung) wurden hart getroffen.

Viele Unternehmen planen Abbau von Stellen

Weiter sind weniger Unternehmen bereit zu expandieren. Vor einem Jahr gaben noch 11 Prozent der 18'000 befragten Firmen an, man wolle mehr Arbeitskräfte einstellen. Im letzten Quartal waren es nur noch 9 Prozent.

Auf der anderen Seite rechnen viele Unternehmen mit einem Stellenabbau. Etwa 7 Prozent wollen den Beschäftigungsgrad senken (3 Prozent im Vorjahresquartal).

Alle Kantone sind betroffen

Auch nach Regionen betrachtet ging es im ganzen Land nach unten. Im Jahresvergleich nahm die Beschäftigung in Zürich mit -0.1 Prozent am geringsten, im Kanton Tessin mit -2.9 Prozent am stärksten ab.

Positive Entwicklungen gab es einzig in den Grossregionen Nordwestschweiz, Ostschweiz und Genferseeregion in der Industrie und im Baugewerbe. Gemäss der Mitteilung betrugen die Zunahmen dort zwischen 0.2 und 2.7 Prozent. Im Dienstleistungssektor zeigte das Barometer einzig in Zürich und in der Zentralschweiz eine positive Entwicklung um je 0.3 Prozent.

Beschäftigung Schweiz 2. Quartal Corona-Pandemie und Coronavirus

Weniger offene Stellen in den Regionen. daten: bfs, grafik: watson

Den stärksten Rückgang bei den offenen Stellen hat der Kanton Tessin verzeichnet (-51 Prozent). Doch auch die Zentralschweiz (-34 Prozent) und der Kanton Zürich (-33 Prozent) wurden hart getroffen.

In der Beschäftigungsstatistik wurden gemäss BFS Beschäftigungsgrade angegeben, wie sie im Arbeitsvertrag festgelegt sind. Kurzarbeit ist in der Statistik somit nicht berücksichtigt.

Aussichten bleiben pessimistisch

Die Aussichten für das nächste Quartal sind nach wie vor eher düster. Gemäss BFS ist der Indikator der Beschäftigungsaussichten, der aus Angaben der befragten Unternehmen zu den künftigen Stellenentwicklungen ermittelt wird, gegenüber dem Vorjahr stark gesunken. Das Minus beträgt 3.4 Prozent.

Der Indikator ist im Tessin und in einigen Branchen sowohl des sekundären als auch des tertiären Sektors unter den Wert von 1.00 gefallen, was auf einen weiteren Rückgang der Beschäftigung im nächsten Quartal hinweist.

Im vergangenen Quartal war der Wert der Beschäftigungsaussichten mit einem Rückgang um 3.7 Prozent bereits so tief gelegen wie seit dem 3. Quartal 2009 nicht mehr. (leo/sda/awp)

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    Alle Leser-Kommentare
  • eysd 26.08.2020 01:37
    Highlight Highlight Wer ist alles in der Krise? Keine Möglichkeit sich zusammen zu schliessen? Z.B. Lieferdienste, Trucks in Siedlungen mit wechselden Köchen, Balkonpickniks etc? Jeder hat die Krise, es wäre schön eine Taskforce zu haben die neue Zweige organisiert und bestehende dafür engagiert. So müsste man nicht nur auf die Helden aus dem Volk hoffen.
  • Gipfeligeist 25.08.2020 14:43
    Highlight Highlight Oha, heisst das etwa, dass durch Automatisierung und Digitalisierung die effizients steigt? Dass Jobs verschwinden, die nie wiederkommen? Dass unser Sozialstaat vor neuen Herausforderungen steht und ein grosses Umdenken erfordert?

    Da gabs doch mal so ein B und G und E...
    • Tikvaw 25.08.2020 16:32
      Highlight Highlight Vielleicht kommt es jetzt immerhin früher als es sonst gedauert hätte.
      Das peinliche ist, mit der Abstimmung vor 2 Jahren oder so, hätte die Schweiz weltweit das erste Land sein können, welche es umsetzt und hätte quasi als Vorbild und Leuchtturm des Fortschrittes dastehen können. Chance verpasst.
  • HARPHYIE 25.08.2020 11:27
    Highlight Highlight Der Stellenmarkt kennt zurzeit nur eine Richtung (nach unten) und gleichzeitig läuft bei den RAV's per Ende August die Schonfrist ab, was heisst, dass alle wieder im gewohnten Umfang Arbeit suchen müssen. Klar, dass das nicht funktionieren wird! Es wird Einstelltage hageln und viele werden in die Sozialhilfe abrutschen!
    • octusfussuskopfus 25.08.2020 14:44
      Highlight Highlight Ünaja ganz so eifnach ist das nicht. einstelltage gibt es nur wenn man keine arbeitsbemühungen oder zuwenig macht.
      der effective unterschied liget darin das man jetzt einfach eine kleiner auswahl hat. oder wenn man sich woh bewirbt wen es vorher dan z.b. 10 konkurenten waren jetzt vielleicht 20 oder 30 mitbewerber sein werden.

      jeder dens trifft hat mitgefühl verdient, aber sie sollten sich bei jedem dafür bedanken der nachwievor nach massnahmen schreit und die wirtschfat bachab gehen lässt. und die rechnung der staatsverschuldung wird auch noch obendrauf kommen sobald corona vorei ist...
  • Cirrum 25.08.2020 10:58
    Highlight Highlight Es braucht sowieso eine Änderung auf dem Arbeitsmarkt...
    In Zukunft wird es immer weniger Jobs geben und die Menschen gilt es trotzdem zu beschäftigen.. Ich bin sehr gespannt, wie man die Menschen in etwa 20 Jahren beschäftigen wird.. es ist sehr wahrscheinlich, dass diejenigen die heute einen Beruf lernen in ein paar Jahren gar nicht mehr gebraucht werden.. ausser vielleicht im Informatik-Grafik Bereich. Ich tippe auf virtuelle Welten in der die Menschen die Meiste Zeit verbringen werden..
    • du_bist_du 25.08.2020 11:25
      Highlight Highlight Die Gesellschaft ist nicht für grundlegende Systemänderungen bereit. Das wird so weitergehen mit Kollateralschäden. Europa war jahrhundertelang ein Armenhaus in weiten Teilen und es interessierte niemanden.
    • Posersalami 25.08.2020 11:52
      Highlight Highlight Darum ist es ja so extrem wichtig in Bildung zu investieren und möglichst viele Zukunftsbranchen im Land anzusiedeln. Vieles wird sehr lange nicht (oder nie) automatisierbar sein und an jedem Job in einer Zukunftsbranche hängen viele weitere (Friseur, Putzfrau, Strassenbau, usw.)

      Die Schweiz ist diesbezüglich Gott sei Dank gut aufgestellt.
    • du_bist_du 25.08.2020 12:50
      Highlight Highlight @Posersalami
      Ich befürchte trotzdem, dass wir mehr VerliererInnen produzieren werden als notwendig und der Lebensstandard für die untere - mittlere Mittelschicht sinken wird.
    Weitere Antworten anzeigen
  • drüber Nachgedacht 25.08.2020 10:49
    Highlight Highlight Auch wenn das Gastgewerbe und die Tourismusbranche stark betroffen sind.

    Es gibt immer noch viele freie Stellen in der Schweiz. Wir müssen uns einfach mal bewusst sein, auf welch hohem Niveau wir hier jammern. Jeder dem gekündigt wurde kann aufs RAV und dort sein Geld beziehen.

    Wenn in einem Jahr Corona nicht mehr da ist, werden sich die Firmen wieder um die Leute streiten, die man jetzt entlassen musste.

    • Gipfeligeist 25.08.2020 14:40
      Highlight Highlight @drüber Nachgedacht

      So optimistisch würde ich das nicht sehen. Es gibt genügend Jobs (zb in physischen Reisebüros) die nun gehen und nie wiederkommen...
    • Patho 25.08.2020 15:39
      Highlight Highlight halt mal, die kommen schon wieder, vielleicht einfach in anderer Form, denn gereist wird auch wieder werden. Vielleicht sollten sich die Menschen auch mal damit abfinden, dass nach der Lehre oder dem Studium nicht ausgelernt ist... Wer sich weigert weiterzubilden ist selber Schuld undmwird auch zurecht entlassen/nicht eingestellt! Ein Arbeitgeber hat das Recht zu verlangen, dass man sich up to date hält (es steht auch in vielen Arbeitsverträgen explizit drin)...

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