Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Vas Narasimhan, CEO Novartis, seen on the screen during the general assembly of Swiss Pharma group Novartis, at the St. Jakobshalle in Basel, Switzerland, this Friday, March 2, 2018. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Novartis-CEO Vas Narasimhan spricht an der letztjährigen Generalversammlung in Basel. Bild: KEYSTONE

Novartis umgeht Stimmgeheimnis der Aktionäre – das belegen GPS-Sender

Novartis scheint keine Lust auf Überraschungen zu haben: Wie Recherchen der «Rundschau» zeigen, wandern die Wahlzettel von Aktionären anstatt zum Stimmrechtsvertreter direkt zum Konzern und werden dort im Voraus ausgewertet.



Was ist passiert?

Ein «Rundschau»-Reporter kaufte sich kurz vor der Novartis-Generalversammlung eine Aktie des Pharma-Unternehmens. Seine Stimme für die GV reichte er schriftlich ein, wie fast alle Aktionäre. Zusätzlich platzierte er aber einen GPS-Sender im Couvert und konnte so den Weg des Briefes nachverfolgen.

Das erstaunliche dabei: Der Brief ging nicht direkt an den unabhängigen Stimmrechtsvertreter wie es das vorgedruckte Couvert suggeriert, sondern landete direkt auf dem Novartis-Campus. Laut SRF wurde der Brief dann im Keller des Gebäudes Forum 1 geöffnet.

Und was bringt das?

Der Verwaltungsrat hat so bereits im Vorfeld einen Informationsvorsprung und kann gezielt noch unentschlossene Wähler beeinflussen oder mobilisieren. Zudem ist das Stimmgeheimnis so bedroht, denn auf den Abstimmungsbögen ist der Name des Aktionärs gedruckt.

Was meint Novartis?

Der Rechtsanwalt Peter Andreas Zahn, der unabhängige Stimmrechtsvertreter der Novartis-Aktionäre, begründet die Praxis in der «Rundschau» mit dem zu grossen logistischen Aufwand. Eine Anwaltskanzlei habe nicht genügend Kapazität für die Auswertung.

Auch Novartis sieht in ihrem Vorgehen kein Problem. Die 30'000 Antworten-Couverts werden «von hierfür rekrutierten pensionierten Mitarbeitenden geöffnet und verar­beitet». Und weiter: «Dieses Vorgehen entspricht geltendem Recht und beeinträchtigt die Unabhängigkeit des unabhängigen Stimmrechtsvertreters nicht, weil die Auszählung unter seiner Aufsicht erfolgt.»

Allerdings kamen dann doch ein paar Zweifel bei Novartis auf: «Wir werden die Hinweise der ‹Rundschau› in eine mögliche Verbesserung der Prozesse einfliessen lassen.»

Was meinen Experten?

Thomas Minder, der parteilose Ständerat aus Schaffhausen und Vater der Abzocker-Initiative ist da anderer Meinung: «Das ist eine Schweinerei, das geht gar nicht.» Und weiter: «Nehmen wir eine Kampfwahl oder eine Wahl für den Verwaltungsrat, dann kann der Verwaltungsrat noch mobilisieren für seine Seite – das geht nicht.» Er bezweifelt, dass die Praxis von Novartis legal ist und will, dass das Stimmgeheimnis ins Gesetz geschrieben wird.

Monika Roth, Professorin für Wirtschaftsstrafrecht der Uni Luzern, bewertet das Vorgehen als «eine Umgehung der grundsätzlichen Regelung und des Sinns des unabhängigen Stimmrechtsvertreters. Das Wort ‹Unabhängigkeit› ist damit eigentlich schon erledigt.» Die Praxis könne eine Grundlage für die Anfechtung eines Generalversammlungsbeschlusses schaffen. Ebenfalls kritisiert sie, dass die Couverts von Novartis-Mitarbeitern bearbeitet werden: «Es findet gar keine Trennung der Informationen mehr statt. Aber darauf verlässt sich der Aktionär.» (jaw)

Die gesamte «Rundschau»-Beitrag wird heute Abend um 20:05 Uhr ausgestrahlt.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Die zehn reichsten Schweizer nach Vermögen im Jahr 2019

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Das sind die reichsten Schweizer – die Blochers haben 4 Milliarden zugelegt

Die Vermögen der 300 reichsten Personen in der Schweiz sind in diesem Jahr trotz Corona-Krise gewachsen. Den Spitzenplatz belegt erneut die Familie des verstorbenen Ikea-Gründers Ingvar Kamprad. Unter den fünf reichsten findet sich neu die Familie Blocher.

Während viele Menschen aufgrund von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit um ihr Gespartes bangen, haben die 300 Reichsten der Schweiz ihren Besitzstand im Corona-Jahr weiter ausgebaut. Konkret stiegen die Vermögen insgesamt um 5 Milliarden auf …

Artikel lesen
Link zum Artikel