DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Offen gesagt

«Lieber Herr Mathys, lassen Sie die Brasilien-Flieger kommen ...»

Die Schweiz stoppt die Flüge aus Brasilien nicht, obwohl von dort die antikörper-resistente Virusmutation P1 eingeschleppt werden kann. Warum das der richtige Entscheid ist, reines «Beobachten» aber trotzdem nicht reicht.



Lieber Herr Mathys

Sie mussten als Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit beim BAG in den letzten Tagen einigen Unmut über sich ergehen lassen. Der Grund dafür ist die Variante des Coronavirus P1, dessen Entwicklung Sie «sehr aufmerksam beobachten», wie Sie sagen.

Sie grassiert in Brasilien, ist doppelt so ansteckend wie der Wildtyp-Virus, den wir in der zweiten Welle hatten und auch teilresistent gegen Antikörper und Impfungen. P1 ist also so etwas wie die Corona-GAS – die Grösste Anzunehmende Shit-Show, mit der die Pandemie bislang aufwartet.

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

P1 ist auch schon in der Schweiz. 13 Infektionen mit dem Virus sind Stand heute nachgewiesen, wohl ein Vielfaches davon ist unentdeckt geblieben. Eine Variante, noch ansteckender als die englische Mutante und ein potentielles Risiko für die Impfkampagne? Da verwundert es nicht, dass eine gewisse Panikstimmung herrscht und Forderungen laut werden, Flügen aus Brasilien die Landeerlaubnis in der Schweiz zu entziehen.

Nun ist Panik immer ein schlechter Ratgeber. Dass sich das Coronavirus letztes Jahr in Europa so rasch ausbreiten konnte, hatte auch damit zu tun, dass Frankreich und Italien in einer Nacht- und Nebel-Aktion Flügen aus China die Landeerlaubnis verweigerten. Die Flugzeuge sind ja nicht zurück nach China geflogen, sondern auf nahegelegene Flughäfen ausgewichen. Die Infizierten sind dann ungescreent und unerkannt auf dem Landweg weitergereist.

Dasselbe würden jetzt auch Reisende aus Brasilien tun, die unbedingt in die Schweiz einreisen wollen. Wie Sie richtig sagen, wäre also ein Landeverbot für Flüge aus Brasilien eher kontraproduktiv, solange es keine europaweite Einreisesperre gibt. Es ist sicher besser, wenn die Leute ohne Umwege hier landen und direkt getestet und quarantänisiert werden können.

Das hingegen müsste man dann auch konsequent tun. Vielleicht erinnern Sie sich an die Zeit um Weihnachten und Neujahr? Da hat das ja bei den englischen Flucht-Alpinisten von Wengen und Verbier schon einmal nicht so gut geklappt. Mit den bekannten Folgen ...

Da es illusorisch ist, auf irgendeine europäische Koordination in der Pandemie-Bekämpfung zu warten, müssten Sie also zwei Dinge sicherstellen lassen. Erstens, dass sämtliche Einreisende aus Brasilien gemäss der Bestimmungen aktiv nachgetestet und in Quarantäne gesteckt werden. Und zweitens, dass viel mehr positive Tests sequenziert werden, um allfällige P1-Herde in der Schweiz so früh wie möglich einzudämmen.

Die Methode der «aufmerksamen Beobachtung» allein, so fürchte ich, wird bei der brasilianischen Mutation genau so wenig ausreichen, wie bei der englischen.

Erholsame Ostern!

Mit freundlichen Grüssen

Maurice Thiriet

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

100 symbolische «Gräber» am Strand von Copacabana

1 / 12
100 symbolische «Gräber» am Strand von Copacabana
quelle: keystone / leo correa
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

So wird Ostern 2021 mit dem Coronavirus – viel Spass!

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Offen gesagt

«Lieber Herr Maurer, jetzt müssten Sie gehen ...»

Finanzminister Ueli Maurer hat geschafft, was niemand für denkbar gehalten hätte: Er präsentiert der Schweizer Volkswirtschaft eine Liquiditäts-Spritze zum Null-Tarif. Ein solcher Coup macht Legenden.

Lieber Herr Maurer

Es gilt ja für Magistraten die Losung, dass man sich nach dem Rücktritt nicht mehr in die Politik einmischen solle. «Servir et disparaître» heisst das Motto und ich würde verstehen, wenn Sie es jetzt beherzigten und abträten.

Während dieser ganzen Corona-Krise, so weit sie bis jetzt andauert, haben Sie von allen beteiligten Behördenvertretern die beste Falle gemacht. Zwei Wochen lang hat man nichts von Ihnen gehört, es ging schon das Gerücht um, Sie seien vom Kollegium als …

Artikel lesen
Link zum Artikel