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Mario Draghi, right, President of the European Central Bank, ECB, speaks with Philipp M. Hildebrand, left, vice-chairman of BlackRock and former Swiss National Bank chairman, during a panel session on the third day of the 44th Annual Meeting of the World Economic Forum, WEF, in Davos, Switzerland, Friday, January 24, 2014. The overarching theme of the Meeting, which take place from 22 to 25 January, is

Auf Augenhöhe mit den Mächtigen der Welt: Philipp Hildebrand und EZB-Chef Mario Draghi am WEF in Davos.
Bild: KEYSTONE

Der einzige Gewinner der Affäre Hildebrand ist Philipp Hildebrand – knüppeldick kam es für den Mann, der ihn zu Fall brachte

Vor vier Jahren musste Philipp Hildebrand wegen zweifelhafter Devisengeschäfte als Präsident der Nationalbank zurücktreten. Heute ist er wieder dick im Geschäft. Vom Mann, der ihn zu Fall brachte, kann man dies nicht sagen.



Gefallene Topmanager haben es in der Schweiz nicht leicht. Oft enden sie als gesellschaftliche Parias. Marcel Ospel oder Philippe Bruggisser können davon ganze Choräle singen. Ganz anders erging es einem, der einen besonders spektakulären Absturz erlebt hat: Philipp Hildebrand. Vor vier Jahren wurde er als Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) in die Wüste geschickt. Heute surft der ehemalige Wettkampfschwimmer beruflich und privat auf der Erfolgswelle.

Der Aufstieg des fast zwei Meter grossen Ökonomen verlief fulminant. Mit knapp 40 Jahren wurde er 2003 ins Direktorium der SNB gewählt. Sieben Jahre später war Hildebrand Präsident und damit der mächtigste Banker der Schweiz. Seine Amtszeit dauerte nur zwei Jahre, dann musste er wegen Devisengeschäften auf seinem privaten Konto bei der Bank Sarasin vor und nach der Verhängung des Euro-Mindestkurses von 1,20 Franken im September 2011 zurücktreten.

DOK-Film über den Rücktritt von Philipp Hildebrand.
video: srf

Spekulationen mit US-Dollars hatten eine Rendite von 75'000 Franken ergeben. Ins Rollen gebracht hatte die Affäre Reto T., Informatiker bei der Bank Sarasin und seit kurzem Mitglied der SVP. Er war aufgrund eines internen Tipps auf die Devisentransaktionen gestossen und hatte davon Printscreens angefertigt. Diese übermittelte er dem Thurgauer SVP-Kantonsrat und Anwalt Hermann Lei, den er seit gemeinsamen Tagen im Kindergarten kennt.

Für die «Weltwoche» ein «Gauner»

Lei schaltete SVP-Übervater Christoph Blocher ein, der wiederum die damalige Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey informierte. Schliesslich landeten die Dokumente bei der «Weltwoche». Sie hatte sich seit einiger Zeit auf Philipp Hildebrand eingeschossen und verfügte nun über Munition, um den «Gauner» – so die Bezeichnung der Zeitschrift für den Banker – zur Strecke zu bringen. Zwar übernahm Hildebrands Ehefrau Kashya, die in Zürich eine Galerie führte, die Verantwortung für die Dollardeals. Den Job ihres Mannes konnte sie aber nicht retten.

Im Vorfeld von Hildebrands Rücktritt am 9. Januar 2012 standen «Weltwoche»-Chef Roger Köppel und sein Mentor Blocher quasi in Dauerkontakt, berichtet der «Tages-Anzeiger». Die Gründe für ihre Aversion gegen Philipp Hildebrand sind bis heute ein Rätsel. Sicher ist, dass der international hervorragend vernetzte Topbanker mit seinem selbstbewussten und weltgewandten Auftreten in keiner Weise dem Ideal des selbstgenügsamen Eidgenossen entspricht.

Von der Justiz unbehelligt

Sein Sturz bei der Nationalbank erwies sich für Blocher als Pyrrhus-Sieg. Gegen ihn wie auch gegen Hermann Lei und Reto T. wurde ein Verfahren wegen Verletzung des Bankgeheimnisses eröffnet. Der vermeintliche «Gauner» Hildebrand hingegen blieb von der Justiz unbehelligt. Seine Devisengeschäfte hatten weder gegen ein Gesetz noch gegen das damals geltende Reglement der Nationalbank verstossen. Und er fand rasch wieder einen erstklassigen Job: Im Sommer 2012 heuerte er als Vizepräsident bei Blackrock an, dem weltgrössten Vermögensverwalter.

Laurence Fink, Chairman and CEO of Blackrock Inc., gestures at the session 'The Global Economic Outlook' in the Swiss mountain resort of Davos in a January 24, 2015 file photo. Blackrock Inc reports their Q2 results on July 15, 2015.                                   REUTERS/Ruben Sprich/Files 

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Blackrock-Gründer Larry Fink engagierte Hildebrand nach seinem Sturz als Nationalbank-Chef.
Bild: RUBEN SPRICH/REUTERS

«Wenige Führungskräfte geniessen eine derartig breite Anerkennung für ihre Expertise, ihr Urteil und ihre Integrität», schwärmte Blackrock-Gründer Laurence «Larry» Fink. Er hatte sich einst bei der Investmentbank First Boston massiv verspekuliert und Blackrock 1988 mit einem Startkapital von fünf Millionen Dollar gegründet. Heute verwaltet der US-Finanzriese rund 4,7 Billionen Dollar, mehr als die Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse zusammen.

Beruflich und privat im Hoch

Lange aber haftete an Blackrock der Ruf des Emporkömmlings. «Mit Hildebrand öffneten sich für Fink auf einen Schlag Türen, die ihm trotz seinen Billionen bis dahin verschlossen geblieben waren», heisst es in einem Buch der deutschen Journalistin Heike Buchter. Das unrühmliche Aus bei der Nationalbank spielte dabei keine Rolle.

Heute bewegt sich Philipp Hildebrand auf Augenhöhe mit den Mächtigen der Welt. Während Thomas Jordan, sein Nachfolger bei der Nationalbank, seit der Aufhebung des Mindestkurses unter permanentem Rechtfertigungsdruck steht, doziert Hildebrand über die Lage der Weltwirtschaft und scheut auch vor Kritik an der Schweiz nicht zurück.

Former French President Nicolas Sarkozy (L) talks with the owner of Olympique Marseille Margarita Louis Dreyfus and Philipp Hildebrand (R), Vice Chairman of BlackRock Inc. before the French Ligue 1 soccer match between Paris St Germain and Olympique Marseille at the Parc des Princes stadium in Paris, France, October 4, 2015. REUTERS/Regis Duvignau

Hildebrand mit Lebensgefährting Margarita Louis-Dreyfus und dem französischen Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy bei einem Fussballspiel in Paris.
Bild: REGIS DUVIGNAU/REUTERS

Privat läuft es für Hildebrand, der heute in London lebt, ebenfalls bestens. Von Kashya hat er sich getrennt. Seine heutige Lebensgefährtin ist Margarita Louis-Dreyfus, die Witwe des Milliardärs und Adidas-Retters Robert Louis-Dreyfus. Erst letzte Woche wurde das Paar mit über 50 Jahren Eltern von Zwillingsmädchen. Ausserdem gilt Hildebrand als Anwärter auf die Nachfolge von Larry Fink. Dem Blackrock-Boss werden Ambitionen auf das Amt des US-Finanzministers nachgesagt für den Fall, dass Hillary Clinton im November die US-Präsidentschaftswahl gewinnt.

Während der Ex-Nationalbankboss auf der Sonnenseite des Lebens steht, geht es seinen damaligen Gegenspielern bedeutend weniger gut. Während Christoph Blocher wieder einmal davon kam und das Verfahren gegen ihn eingestellt wurde (der Kanton Zürich zahlt ihm sogar eine Genugtuung von 133'000 Franken), mussten sich Hermann Lei und Reto T. am Mittwoch in der gleichen Sache vor Gericht verantworten. Man denkt unweigerlich an die Redensart «Die Kleinen hängt man, die Grossen lässt man laufen».

Der Thurgauer Anwalt und SVP-Politiker Hermann Lei beantwortet Fragen vor dem Zuercher Bezirksgericht am Mittwoch, 30. Maerz 2016. Heute Mittwoch steht der Bankangestellte vor dem Zuercher Bezirksgericht, der Ende 2011 die Affaere Hildebrand ins Rollen gebracht hat. Der IT-Mitarbeiter soll die Bankdaten des damaligen Nationalbankpraesidenten Philipp Hildebrand kopiert haben. Vor den Gerichtsschranken steht auch Hermann Lei, der seinem ehemaligen Schulfreund den Kontakt zu verschiedenen Politikern vermittelt haben soll - unter anderem zum damaligen SVP-Nationalrat Christoph Blocher. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Hermann Lei auf dem Weg zum Gericht. Reto T. blieb dem Prozess aus gesundheitlichen Gründen fern.
Bild: KEYSTONE

«Zwei kleine Würstchen» stünden «im grossen Hildebrand-Fall vor den Richterschranken», meinte das Finanzportal Inside Paradeplatz. Besonders hart traf es Reto T., den Urheber der Affäre, der sich von seinen vermeintlichen Verbündeten verraten fühlt. Seinen Job bei der Bank Sarasin hat er verloren, eine neue Stelle, die ihm Blocher angeblich versprochen hat, erhielt er nie. Dem Prozess vor dem Bezirksgericht Zürich blieb der Whistleblower, der nie einer sein wollte, «aus gesundheitlichen Gründen» fern. Das Urteil wird am 13. April verkündet.

Nur zwischen Hildebrand und T. scheint es keine Missstimmung zu geben. Er habe «durchaus Verständnis für diesen Mitarbeiter», sagte der ehemalige Nationalbankchef gemäss der «Wochenzeitung» über den Sarasin-Informatiker. Dieser wiederum habe sein Bedauern über die Vorverurteilung von Hildebrand durch die Medien geäussert: «Das hat er nicht verdient.»

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