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Berner Messgerät beweist historische Einzigartigkeit von CO2-Anstieg



Sprunghafte CO2-Erhöhungen habe es schon früher gegeben, sagen Klimaleugner gern. Das stimme, antwortet ein Forscherteam unter Berner Leitung. Aber der heutige Anstieg sei sechsmal grösser und fast zehnmal schneller als die damaligen Sprünge. Das lasse sich beweisen.

Eine an der Universität Bern entwickelte neue Messtechnologie ermöglicht einen ungeahnt detaillierten Einblick in die Klimavergangenheit. Dank hochauflösenden Messungen konnten die vergangenen CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre mit Hilfe von Eisbohrkernen aus der Antarktis so genau rekonstruiert werden wie nie zuvor.

epa08381181 (17/49) Chilean glaciologist Gino Casassa registers the GPS coordinates of a stake placed in the Bellingshausen Dome in King George Island in the South Shetland Islands, Antarctica, 10 March 2020. An array of stakes disposed on the glacier help to record the movement of the ice. Every year the Chilean Antarctic Institute (INACH) organizes an Antarctic Scientific Expedition (ECA) to the White Continent in its 56th edition 49 projects carried out fieldwork, with over 500 people, ranging from logistics to national and international scientists being part of it. By late March four different projects were closing the campaign at INACH's main scientific base, Professor Julio Escudero, at the most northern tip of the Chilean Antarctic Territory. Two investigations covered the ecophysiology of lichen and the coupling of Antarctic fish species to a rapidly changing environment. The footprint of human presence in the region and melting glaciers concerning climate change were the other two research themes. Antarctic Science, in all its different fields, remains fundamental to understand the impact of climate change and can provide information and strategies to society to face future developments.  EPA/FELIPE TRUEBA  ATTENTION: For the full PHOTO ESSAY text please see Advisory Notice epa08381164

Symbolbild: Ein Glaziologe in der Antarktis. Bild: EPA

Entscheidend für die beispiellosen Einblicke in die atmosphärische Zusammensetzung vor rund 330'000 bis 450'000 Jahren war nicht zuletzt die jahrzehntelange Erfahrung der Berner Forschenden mit der Analyse dieses Klimaarchivs. Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal «Science» publiziert.

Anhand der Eisbohrkerne wurde das Klima der acht aufeinanderfolgenden Eis- und Warmzeiten der letzten 800'000 Jahre rekonstruiert. Es zeigte sich, «dass schnelle CO2-Anstiege ein weit verbreitetes Merkmal unseres Klimasystems sind». Und zwar auch während natürlichen Warmzeiten, von denen man bisher immer angenommen habe, dass ihr Klima und die CO2-Verhältnisse stabil gewesen seien.

Historische Peaks vergleichsweise klein

Laut dem Erstautor der Studie, Nehrbass-Ahles, kam es immer dann zu sprunghaften Anstiegen, wenn schmelzende Eismassen in Grönland oder der Antarktis die Ozeanzirkulation erheblich störten. «Schnellte das CO2 in der Atmosphäre in die Höhe, liessen sich auch gleichzeitige Änderungen in der Zirkulation des Atlantiks feststellen.»

Warum zwei Mal in Warmzeiten die CO2-Konzentration in der Atmosphäre sprunghaft anstieg, müsse noch geklärt werden, sagt der Berner Klimaforscher Thomas Stocker, Nehrbass-Ahles' Doktorvater und Mitautor der Studie.

Natürliche CO2-Sprünge könnten Klimaschutz erschweren

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Klimaziele kommen in Bedrängnis durch natürliche Sprünge. shutterstock

Auch wenn diese historischen Sprünge gewaltig waren, sind sie nichts im Vergleich zum menschengemachten Anstieg der letzten zehn Jahre. Die stärkste Zunahme in der Vergangenheit, so Stocker, habe rund 15 ppm betragen (parts per million ist die Masseinheit für die atmosphärische CO2-Konzentration). Das entspreche etwa dem Anstieg, den die Menschheit gegenwärtig im Zeitraum von sechs Jahren verursacht.

«Das mag auf den ersten Blick als nicht sehr bedeutend erscheinen», sagt Stocker, «mit Blick auf die Mengen von CO2, die wir noch ausstossen dürfen, um das in Paris beschlossene 1.5-Grad-Klimaziel nicht zu verlieren, sind solche Erhöhungen aber durchaus relevant.»

Ein durch die Klimaerwärmung ausgelöster zusätzlicher Anstieg des Treibhausgases CO2, wie er in der Vergangenheit auftrat, könnte die Menschheit beim Klimaschutz noch stärker unter Zugzwang bringen. (sda)

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