DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

ETH-Forschende entdecken Achillesferse des Coronavirus



ETH-Forschende haben eine wichtige Schwachstelle des Coronavirus entdeckt: Stört man einen bestimmten Prozess, hemmt das die Vermehrung des Erregers. Aus dieser Erkenntnis lässt sich möglicherweise ein Medikament entwickeln, das alle Varianten des Virus angreift.

Das Zauberwort heisst «Frameshifting»: Beim schrittweisen Ablesen des Bauplans aus Ribonukleinsäure (RNA) «verzählt» sich das Ribosom – die zelleigene Proteinfabrik – gelegentlich und lässt Buchstaben aus. Bei gesunden Zellen kommt das selten vor, denn aus einer falsch abgelesenen und kopierten Reihenfolge resultieren dysfunktionale Proteine.

abspielen

Eine Visualisierung des Frameshiftings. Video: YouTube/ETH Zürich

Gewisse Viren wie Coronaviren oder das HI-Virus sind allerdings auf solche Verschiebungen des Leserasters zwingend angewiesen, um die Produktion ihrer Proteine zu regulieren. Das SARS-Cov-2-Virus, welches Covid-19 verursacht, führt das Frameshifting durch eine ungewöhnliche und komplexe Faltung seiner RNA herbei, schreibt das Forscherteam in einer Mitteilung vom Freitag. «Chemische Substanzen, die auf diese speziell gefaltete virale RNA abzielen, (könnten) möglicherweise als antivirale Medikamente genutzt werden.»

Eiskalt erwischt

Allerdings fehlten bislang genaue Informationen über die Wechselwirkung der viralen RNA mit dem Ribosom der befallenen Wirtszelle. Forschenden der ETH und der Universitäten Bern, Lausanne und Cork (Irland) ist es nun gelungen, diesen Vorgang zu beobachten, wie sie in der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift «Science» erläutern. Sie haben das Virus sozusagen eiskalt erwischt.

Mittels ausgeklügelter biochemischer Experimente konnten sie das Ribosom an der Frameshifting-Stelle der Coronavirus-RNA «einfrieren». Diesen Molekülkomplex konnten die Wissenschaftler dann mithilfe der Kryo-Elektronenmikroskopie untersuchen.

Sie sind auch schon einen Schritt weitergegangen und haben versucht, den Vorgang mit chemischen Substanzen gezielt zu beeinflussen. Sie fanden zwei chemische Verbindungen, welche die virale Vervielfältigung um das Tausend-
bis Zehntausendfache verringert – und das, ohne toxisch zu sein für die damit behandelten Zellen.

Klappt auch bei Varianten und Mutanten

Da alle Coronaviren auf diesen Frameshifting-​Mechanismus angewiesen sind, könnte ein auf diesen Vorgang abzielendes Medikament auch nützlich sein, um Infektionen durch andere, entfernter verwandte Coronaviren zu behandeln.

tabletten symbolbild. medikamente zur verhinderung der ausbreitung des corona-virus.

Ein Medikament, das auf diesen Vorgang abzielt, könnte auch zur Behandlung anderer Corona-Viren angewandt werden. Bild: Shutterstock

«Unsere zukünftige Arbeit wird sich darauf konzentrieren, die zellulären Abwehrmechanismen zu verstehen, die das virale Frameshifting unterdrücken, da dies für die Entwicklung von kleinen Wirkstoffen mit ähnlicher Aktivität nützlich sein könnte» erklärt Nenad Ban, Professor für Molekularbiologie der ETH Zürich und Co-Autor der Studie, in der Mitteilung. (sda)

DOI: 10.1126/science.abf3546

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

«Bleiben Sie zuhause!»: Corona in der Schweiz in Zitaten

1 / 18
«Bleiben Sie zuhause!»: Corona in der Schweiz in Zitaten
quelle: keystone / peter klaunzer
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

So sieht das Coronavirus wirklich aus

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Fernseh­test­bild – eine ferne Erinne­rung an die Sendepause

Früher sendeten die Fernsehstationen nicht rund um die Uhr. Zu später Stunde und vormittags war Sendepause. Symbol für diese Auszeiten war das Fernsehtestbild der PTT. Ein Rückblick auf einen nicht allzu fernen Erinnerungsort der Entschleunigung – denn so lange ist das Testbild noch gar nicht verschwunden.

Testbilder sind Zeitzeugen des terrestrischen Fernsehempfangs. Die vom Sendeturm ausgestrahlten Signale wurden zuhause mit einer Antenne eingefangen. In erster Linie diente das Testbild dem Justieren der Empfänger. Durch analytisches Betrachten auf dem Bildschirm konnte die Empfangsqualität bestimmt und Störungen oder Defekte identifiziert werden.

Dafür waren eigens ausgebildete Radio- und Fernsehelektriker zuständig – ein Blick auf das damalige Vokabular lässt vermuten, wieso dabei …

Artikel lesen
Link zum Artikel