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Debris from the Swissair plane, Coronado CV-990, is scattered in the forest near Wuerenlingen in the canton of Aargau. On 21 February 1970, shortly after take-off, a bomb set by Palestinian terrorists exploded in the cargo hold. The captain tried to fly back to Kloten airport after the detonation, but the plane crashed into a forest near Wuerenlingen. The 38 passengers and the 9 crew members died in the crash. (KEYSTONE/Str)

Truemmerteile des Swissairflugzeuges, Coronado CV-990, liegen verstreut im Wald in der Naehe von Wuerenlingen im Kanton Aargau. Am 21. Februar 1970 explodierte - kurz nach dem Start - im Frachtraum eine Bombe, die von palaestinensischen Terroristen gelegt worden war. Der Captain versuchte nach der Detonation zum Flughafen Kloten zurueckzufliegen, die Maschine stuerzte jedoch bei Wuerenlingen in einen Wald ab. Die 38 Passagiere und die 9 Besatzungsmitglieder kamen bei dem Absturz ums Leben. (KEYSTONE/Str)

21. Februar 1970: Trümmerteile des Swissair-Flugzeuges Coronado CV-990 liegen verstreut im Wald in der Nähe von Würenlingen im Kanton Aargau. Bild: KEYSTONE

Vor genau 50 Jahren: Als der Terror die Schweiz heimsuchte

Vor 50 Jahren explodierte in einer Swissair-Maschine eine Bombe. In Würenlingen starben 47 Menschen. Erinnerungen an das Verbrechen.

Christoph Bopp / ch media



Es ist immer noch eines der grössten Verbrechen der Schweizer Geschichte. 47 Tote fordert der Flugzeugabsturz, der das Dorf Würenlingen vor bald 50 Jahren aufschreckte. An einem Samstag, dem 21. Februar 1970, kurz nach Mittag, stürzte eine Swissair-Coronado in den Wald zwischen dem Dorf und der Forschungsanstalt PSI. Das Atomkraftwerk Beznau ist nur knapp einen Kilometer entfernt.

Die Maschine war in Zürich gestartet und auf dem Weg nach Tel Aviv. Würenlingen liegt nicht auf der Normalroute. Nach dem Steigflug ereignete sich über Sattel (Schwyz) eine Explosion im Frachtraum. Die Crew beschloss, umzukehren und nach Zürich zurückzufliegen. Aber im Flugzeug war Feuer ausgebrochen, die Systeme fielen aus und der Rauch im Cockpit wurde immer dichter.

«Wir können nichts mehr sehen»,

sagte der Co-Pilot. «SR 330 is crashing.» Und dann zweimal:

«Goodbye everybody.»

Die 47 Insassen der Maschine sind sofort tot. Die fast vollbetankte Maschine zerbirst in einem Feuerball. Trümmer, Gepäckstücke und Leichenteile liegen weit verstreut im Wald. Man hat zwar 47 Särge aufgestellt, aber die meisten mit Erde auffüllen müssen. Die Leichen zu identifizieren war damals nicht möglich.

Swissair Flight 330, crash of Convair CV-990 Coronado near Würenlingen 1970   (Photo by Blick/RDB/ullstein bild via Getty Images)

Das Flugzeug riss eine tiefe Schneise in den Wald. Auf einer Fläche von 130 mal 8 Meter stand kein Baum mehr. bild: getty images

On 21 February 1970 - shortly after take-off - a bomb set by Palestinian terrorists exploded in the cargo hold of a Swissair Coronado CV-990. The captain tried to fly back to Zurich after the detonation, but the plane crashed in a forest near Wuerenlingen. The 38 passengers and the 9 crew members died in the crash. The picture shows the debris of the plane at the Swissair shipyard in Kloten. (KEYSTONE/Str)

Am 21. Februar 1970 explodierte - kurz nach dem Start - im Frachtraum einer Swissair Coronado CV-990 ein Bombe, die von palaestinensischen Terroristen gelegt wurde. Der Captain versuchte nach der Detonation nach Zuerich zurueckzufliegen, die Maschine stuerzte jedoch bei Wuerenlingen in einem Wald ab. Die 38 Passagiere und die 9 Besatzungmitglieder kamen bei dem Absturz ums Leben. Das Bild zeigt die Truemmer des Flugzeuges in der Swissair-Werft in Kloten. (KEYSTONE/Str)

Das Bild zeigt die Trümmer des Flugzeuges in der Swissair-Werft in Kloten. Bild: KEYSTONE

Palästinenser: «Wir waren es» – und dementieren später

Noch am Tag des Absturzes gibt ein Sprecher des PFLP-GC (Popular Front for the Liberation of Palestine – General Command; Volksfront zur Befreiung Palästinas – General Kommando) bekannt, die Gruppe übernehme die Verantwortung. Später wird das Haupt der PFLP-GC das dementieren. Und schliesslich wird die PLO-/Fatah-Führung behaupten: «Eine eingehende Untersuchung» habe ergeben, dass keine ihrer Gruppen etwas mit dem Absturz zu tun habe.

A new one, on the left, and the destroyed altimeter found in the debris of the Swissair aircraft Coronado CV-990 in the forest near Wuerenlingen, which triggered the explosion in the cargo hold, taken on March 3, 1970. On February 21, 1970 - shortly after take-off - a bomb set by Palestinian terrorists exploded in the cargo hold. The captain tried to fly back to Kloten airport after the detonation, but the plane crashed into a forest near Wuerenlingen. The 38 passengers and the 9 crew members died in the crash. (KEYSTONE/Str)

Ein neuer, links, und der in den Truemmern des Swissairflugzeuges Coronado CV-990 im Wald bei Wuerenlingen gefundene, zerstoerte Hoehenmesser, der die Explosion im Frachtraum ausloeste, aufgenommen am 3. Maerz 1970. Am 21. Februar 1970 explodierte - kurz nach dem Start - im Frachtraum eine Bombe, die von palaestinensischen Terroristen gelegt worden war. Der Captain versuchte nach der Detonation zum Flughafen Kloten zurueckzufliegen, die Maschine stuerzte jedoch bei Wuerenlingen in einen Wald ab. Die 38 Passagiere und die 9 Besatzungsmitglieder kamen bei dem Absturz ums Leben. (KEYSTONE/Str)

Den Zündungsimpuls der Bombe löste ein Höhenmesser aus. Links ein neues, rechts die Überreste eines Geräts, das in Würenlingen gefunden wurde. Bild: KEYSTONE

Wer auch immer es war, die Bombe im Frachtraum sagt eindeutig: Es war Mord. Von den 47 Opfern stammen 15 aus Israel, 9 aus Deutschland, 7 aus den USA, 2 aus Kanada und je eines aus England, Belgien, Senegal, Thailand und der Schweiz, ein Pilot der Swissair auf dem Weg zu einer Uno-Mission. Die neun Besatzungsmitglieder waren Schweizer.

Am gleichen Tag gab es in einer Caravelle der Austrian Airlines, die auf dem Weg von Frankfurt nach Wien war, eine Explosion. Die Bombe riss ein Loch in den Rumpf, die Maschine konnte aber umkehren und sicher in Frankfurt notlanden. Die 38 Insassen (33 Passagiere und 5 Besatzungsmitglieder) hatten Glück.

Die Polizei macht die Schuldigen ziemlich schnell ausfindig. Sufian Radi Kaddoumi und Musa Badawi Jawher, zwei Jordanier, sollen die beiden Bombenpakete aufgegeben haben. Ihre Whereabouts im Februar 1970 sind gut belegt, sie haben in Frankfurt ihre Spuren hinterlassen. Zum Beispiel vier Höhenmesser gekauft, die danach bei der Zündung der Bombe eine Rolle spielen sollten, und sie auch getestet. Kaddoumi hat in München ein Auto gekauft, mit dem er nach dem Attentat über Jugoslawien und Bulgarien zurück nach Jordanien fuhr.

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Der mutmassliche Attentäter Sufian Kaddoumi. Bild: Keystone

Palästinenser-Terror: Wer stand hinter den Attentaten?

In den 1960er-Jahren begann es, im ­Nahen Osten zu rumoren. In Syrien und Ägypten versuchten neue Machthaber, den Nahost-Konflikt in eine neue Richtung zu steuern. Ihr Ziel war – neben Israel – das Königreich Jordanien. Dabei spielten die Fedayin, arabische Guerillakämpfer gegen Israel, eine Rolle. Die in Syrien regierende Ba’ath-Partei und Ägyptens Präsident Gamal Abdel Nasser versuchten, sie für sich – und insgeheim gegen den jordanischen König – zu instrumentalisieren. Das Hochschaukeln des Konflikts führte zum Präventionsangriff Israels im Juni 1967. Nach dem sogenannten Sechs-Tage-Krieg hatte Israel die Golan-Höhen, das Transjordanland, den Negev und den Gaza-Streifen militärisch besetzt.

Die Palästinenser mussten ein­sehen, dass in absehbarer Zeit eine Friedenslösung (welche die arabischen Staaten ablehnten) mit einem palästinensischen Staat nicht realistisch war. Sie organisierten sich neu. Als Vorbild diente der Vietnam-Krieg. Dort hatte eine Volksbewegung einem militärisch hochüberlegenen Gegner erfolgreich die Stirn geboten. Neben der bereits 1964 gegründeten PLO, die bald von Arafats Fatah übernommen werden sollte, gab es weitere Gruppen.

Unter ihnen auch die von den beiden christlichen Kinderärzten Georges Habash und Wadi Haddad und Nayaf Hawatmeh gegründete PFLP. Sie propagierte ausdrücklich Gewalt­aktionen auch ausserhalb Palästinas. Verletzliche Ziele bot die zivile Luftfahrt. Es begann 1968 mit einer Entführung einer El-Al-Maschine in Rom. Israel musste einlenken und mit den Entführern verhandeln.

Flugzeugentführungen boten eine spektakuläre Bühne, um «imperialistische» Regierungen vorzuführen. Bomben an Bord von Flugzeugen zu schmuggeln und kaltblütig zum Teil unschuldige Menschen zu ermorden, war eine andere Sache. Der syrische Ex-Offizier Ahmad Jibril hatte da eine etwas andere Auffassung. Seine PFLP-GC war eine quasi-private Terrororganisation. Man vermutet, dass er die Bombenattentäter ausbildete und los­schickte.

Die Schweiz im Banne des palästinensischen Terrors

Am 18. Februar 1969 hatten vier Palästinenser auf dem Flughafen Kloten auf eine Boeing 720 der israelischen El Al geschossen und den Piloten tödlich verletzt. Ein ­israelischer Geheimpolizist sprang aus dem Flugzeug und erschoss einen Attentäter.

40. JAHRESTAG ATTENTAT AUF EIN EL AL FLUGZEUG IN ZUERICH AM 18. FEBRUAR 1969 - Abdel Hassan, einer der vier palaestinensischen Attentaeter der

Einer der vier palästinensischen Attentäter auf das El-Al-Flugzeug liegt tot im Schnee in Kloten. Ein israelischer Sicherheitsmann hat ihn erschossen. Bild: keystone/ PHOTOPRESS-ARCHIV

Die drei anderen Attentäter (unter ihnen eine Frau) kamen ins Gefängnis. In der Schweiz rechnete man mit einer Aktion zu ihrer Befreiung.

Die kam auch, allerdings erst im September 1970. Palästinenser entführten je eine Maschine der Swissair, der britischen BOAC und der amerikanischen TWA und zwangen sie zur Landung in der jordanischen Wüste. Nach langen nervenzehrenden Verhandlungen kamen die Passagiere wieder frei. Die Flugzeuge wurden gesprengt.

Im September 1970 wurden drei Linienmaschinen - eine BOAC VC-10, eine TWA 707 und eine Swissair DC-8 - von Palaestinensern entfuehrt. Die Swissair Maschine hatte urspruenglich den Kurz Zuerich - New York und 155 Menschen an Bord. Die drei Flugzeuge mussten in der jordanischen Wueste bei Zerqua landen. (KEYSTONE/Str) ===  ===

Die drei im September 1970 entführten Flugzeuge (rechts die Swissair-Maschine) mussten in der jordanischen Wüste bei Zerqua landen. Bild: KEYSTONE

Umringt von Journalisten sitzen Passagiere und Flugpersonal der entfuehrten Swissair-Maschine am 9. September 1970 auf dem Flugfeld

Umringt von Journalisten sitzen Passagiere und Flugpersonal der entführten Swissair-Maschine am 9. September 1970 auf dem Flugfeld in Jordanien. Bild: KEYSTONE

Die Schweiz liess die drei Kloten-­Attentäter frei. Auf die juristische Verfolgung der Attentäter von Würenlingen wurde praktisch verzichtet, obwohl der Abschlussbericht klar festhielt, wer verantwortlich für den Absturz sei. Der «Mord von Würenlingen» ist deshalb offiziell immer noch ungesühnt. Das führte zu Mutmassungen über ein mögliches «Stillhalteabkommen» zwischen der Schweiz und den Palästinensern. Davon handelt das Buch «Schweizer Terrorjahre» (NZZ 2016) des NZZ-Journalisten Marcel Gyr. Die Schweiz blieb tatsächlich in der Folge vom Terror verschont, der andernorts immer grässlicher wütete. (aargauerzeitung.ch)

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