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Klimastreiker verteilen das Klimablatt am Montag in Bern. bild: Zvg

Kein Geld, kein Plan: Wie die Klimastreiker in 3 Wochen eine Millionen-Zeitung erschufen

Von wegen faule Jugend: Ein zusammengewürfelter Haufen Klimastreiker hat innert kürzester Zeit das Klimablatt mit einer Millionen-Auflage aus dem Boden gestampft. Bei der Produktion der Zeitung flogen die Fetzen.



Ein eigentlich längst versandetes Projekt der Klimastreik-Bewegung mausert sich zum Überraschungscoup des Wahlkampfs 2019. Seit Montag flattern über 1 Million Exemplare des Klimablatts in die Schweizer Haushalte. Und das soll erst der Anfang sein. Das Ziel der Klimajugend: Sie wollen das Klima bei den Wahlen zum Entscheidungsfaktor Nummer 1 machen.

Kein Geld, kein Plan, keine Redaktion: Noch Mitte August sah es zappendüster aus für die Klimazeitung. Die Idee dazu hatten ursprünglich drei Personen an einem nationalen Treffen der Klimastreik-Bewegung im Juni – und diese rasch wieder begraben. «Das schaffen wir nie», hiess es.

Dann erinnerte sich ein 19-jähriger Klimastreiker wieder an das Projekt, holte bei Druckereien Offerten ein und schrieb die Idee in einen Massen-Chat der Klimajugend. Unzählige Telegram-Messages später trafen sich Ende August eine Handvoll Aktivisten. Und skizzierten auf Post-It-Klebern ihren Schlachtplan.

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Wie treibt man das Geld für das Klimablatt auf? Wie macht man eigentlich eine Zeitung? Wie läuft das mit dem Versand? Und wie gelingt es, die Leser für das Anliegen zu gewinnen und für die Klima-Thematik zu sensibiliseren?

«Wir haben einen Marathon im Sprint-Tempo absolviert. Es war ein extremer Stress»

Philippe Kramer, Mitinitiant

Mit diesen Fragen beschäftigten sich die 18 Klimastreikenden nach der ersten Sitzung fast Tag und Nacht. «Wir haben einen Marathon im Sprint-Tempo absolviert. Es war ein extremer Stress. Das Projekt stand mehrmals am Abgrund», so Mitinitiant Philippe Kramer zu watson.

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Auf Post-it-Klebern machten die Klimastreiker die Planung des Blattes. bild: zvg

Denn von den Klimastreikenden hatte fast niemand redaktionelle Erfahrung. «Wir sind ein völlig zufällig zusammengewürfeltes Team», sagt der 19-jährige Basler mit heiserer Stimme.

Mit dem Geld kommt der Druck

Richtig konkret wurde das Projekt nach dem Start des Crowdfundings. Dieses ging durch die Decke, innert wenigen Tagen kamen 150'000 Franken zusammen. «Und dies obschon niemand wirklich wusste, wofür sie Geld spenden», so Kramer.

Mit dem Geld kam der Druck und die Verantwortung hinzu. Denn das Blatt spricht gegen aussen für die ganze Klimastreik-Bewegung. «Es ist ein One-Shot-Projekt.» Man habe nur eine Chance, die Bürgerinnen und Bürger mit der Zeitung zu überzeugen, so Kramer. Wie schwierig dies sei, zeige die missglückte weltweite Klima-Kommunikation der letzten 30 Jahre.

Zoff in der Redaktion

Mit dem erfolgreichen Crowdfunding begann die inhaltliche Diskussion der Klimazeitung. Diese sorgte für viele Reibereien innerhalb des Teams. Reisserisch oder wissenschaftlich? Bilderreich oder nüchtern? Alleine die Titelseite wurde dreimal verworfen und neu gestaltet. «Es war eine Zerreissprobe für alle». Einige der Teammitglieder standen zeitweise kurz vor dem Kollaps. «Ich konnte kaum mehr abschalten. Pausenlos prasselten Messages auf mich ein», so Kramer. Es sei für alle eine riesen Herausforderung gewesen, dem psychischen und körperlichen Stress standzuhalten.

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Der Traum wird real: Das Klimablatt rollt von der Druckerpresse. bild zvg

Zweite Auflage geplant

Irgendwie klappte es dann doch. Einige der Klimastreiker besuchten die Druckerei, als die 1'067'000 Klimablätter gedruckt wurden. «Als die Zeitungen von der Druckerpresse liefen, war der Traum plötzlich real. Wir konnten es kaum glauben», so Kramer.

Bis Dienstag flattern die Zeitungen in die Haushalte. Die Klimastreiker hoffen, dass nun noch mehr Spenden eingehen und sie noch vor den Wahlen eine 2. Auflage verschicken können. Und zwar an alle Haushalte der Schweiz.

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