Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Berner entwickeln Präzisionsinstrument für Suche nach Leben im All



Das Massenspektrometer

Die Uni Bern hilft bei der Suche nach Leben. Bild: sda

Die Nasa ist interessiert an «Origin» - nicht dem Bestseller von Dan Brown, sondern einem Hochpräzisionsinstrument der Uni Bern, das mit geringem Aufwand kleinste Spuren von Leben im All nachweist.

Der Vorsprung des Massenspektrometers «Origin» gegenüber bisherigen Detektoren von Leben im All ist ein doppelter: Zum einen übertrifft die Messsensivität des Berner Geräts diejenige von Konkurrenzprodukten um ein Vielfaches. Zum andern analysiert es Proben an Ort und Stelle, ohne verfälschende Aufbereitung oder gar Transport.

«Laser-Impulse werden auf die zu untersuchende Oberfläche gerichtet. Dabei lösen sich Kleinstmengen an Material, das in einem zweiten Schritt von Origin auf dessen chemische Zusammensetzung untersucht wird», sagt Niels Ligterink vom Center for Space and Habitability (CSH). Er ist Erstautor der im Journal «Nature Scientific Reports» erschienenen internationalen Studie, die «Origin» der Fachwelt präsentiert.

Ko-Autor ist Andreas Riedo vom Physikalischen Institutes der Universität Bern. Er hat das Instrument in den Laboratorien der Weltraumforschung und Planetologie des Physikalischen Instituts entwickelt. Bei der Suche nach extraterrestrischem Leben stehen Aminosäuren im Fokus. Ein gleichzeitiger Nachweis bestimmter Aminosäuren auf extraterrestrischen Oberflächen, wie derjenigen von Europa, liessen auf mögliches Leben schliessen, heisst es in der Studie.

Ab 2030 Expedition zum Eismond Europa

«Bereits haben verschiedene internationale Weltraumkonsortien, allen voran die Nasa, Interesse bekundet, Origin für zukünftige Missionen zu testen», teilten die Autoren am Mittwoch mit. Als Studienobjekte im Zentrum des Interesses stehen die Eismonde Europa (Jupiter) und Enceladus (Saturn). Es wird vermutet, dass sie Leben in den flüssigen Ozeanen unterhalb einer dicken Eisschicht beherbergen.

Seit ihrer Entdeckung durch die Missionen Cassini und Galileo, sind diese zwei Objekte bei Forschenden näher ins Zentrum der Suche nach extraterrestrischem Leben gerückt. Nach heutigen Kenntnissen besitzen die Ozeane sämtliche Eigenschaften, die nicht nur für das Entstehen von Leben nötig sind, sondern stellen auch Umgebungen dar, in denen Leben längerfristig existieren kann.

Bilder, die das Weltraumteleskop Hubble gemacht hat

So plant die Nasa um 2030 mit einer Mission auf dem Jupiter-Mond Europa zu landen und vor Ort Messungen vorzunehmen. Die seit den 1970ern bei Marsmissionen verwendeten Detektoren sind da wenig hilfreich. «Konzepte, die speziell für den Mars entwickelt wurden, können nicht ohne weiteres auf anderen Objekten in unserem Sonnensystem angewendet werden, da diese sehr verschieden sind. Neuartige Instrumente mit höherer Sensitivität und simpler und robuster Analytik müssen konzipiert und eingesetzt werden», sagt Co-Autor Professor Peter Wurz vom Physikalischen Institut der Universität Bern.

Ab 2025 Tests in der Arktis

«Origin» ist ein solches neues Instrument, welches bisherige Space-Instrumente in seiner Messsensitivität um ein Vielfaches übertrifft. «So hat uns beispielsweise die Nasa eingeladen, unser Instrument in der Arktis zu testen. Die Arktis ist eine optimale Testumgebung in Hinblick einer möglichen »Europa Lander«-Mission, die 2025 startet, die uns ermöglicht, die Vorzüge von Origin aufzuzeigen», erläutert Riedo.

(aeg/sda)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Bilder, die das Weltraumteleskop Hubble gemacht hat

«Alles ist einfacher, wenn man schwebt»

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

7
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Die_andere_Perspektive 20.08.2020 07:26
    Highlight Highlight Ich freue mich jetzt schon auf Fotos vom aufgehenden Saturn auf Enceladus
  • Andre Buchheim 19.08.2020 21:38
    Highlight Highlight Spannend, vielleicht erleb ich es ja doch noch zu Lebzeiten, dass Leben ausserhalb der Erde nachgewiesen wird.
  • Milhouse 19.08.2020 13:56
    Highlight Highlight "Kleinste Spuren von Leben im All nachweisen" ist etwas hoch gegriffen, aber immerhin Spuren von Leben in unserem Sonnensystem.
    • Kanuli 20.08.2020 09:25
      Highlight Highlight Das wäre wegweisend. Wenn wir nachweisen könnten, dass auch auf einem Mond eines Planeten Leben enstehen kann. Dann würde es bedeuten, wir müssten nicht nur nach Sonnen/Planeten Ausschau halten, sondern auch nach deren Monden. Es würde auch darauf hinweisen, dass die Schwelle für Leben, und damit dann auch intelligentem Leben vielleicht noch ein weniger tiefer hängt, wie bisher angenommen.
  • Dave1974 19.08.2020 12:35
    Highlight Highlight Angewandte Forschung. Das Tüpfelchen auf dem i nach der oft trockenen Grundlagenforschung.
    Man will ja schliesslich auch mal erfahren, ob die Grundlagen, die Annahmen denn auch wirklich stimmen.
    Geht mir jedenfalls so. :)
  • Hoku 19.08.2020 12:19
    Highlight Highlight Spock voice: Faszinierend! 🖖

    Die Uni Bern ist in Sachen Messgeräte für die Weltraumforschung seit langem (inkl. Mondlandung 1969) immer wieder Spitze.

    Boldly go!
  • Jo Kaj 19.08.2020 10:13
    Highlight Highlight Ein hoch auf dir Schweizer Hochpräzisionstechnolgien. Möge sie hoch hinaufsteigen, über Europa hinaus nach Europa!

Bhakdi und Reiss sind bei Corona-Skeptikern Helden – ihre Kernaussagen im Faktencheck

Die deutschen Wissenschafter Sucharit Bhakdi und Karina Reiss haben umstrittene Aussagen gemacht. Der Faktencheck.

Ein Interview in den CH-Media-Zeitungen mit Sucharit Bhakdi von der Universität Mainz und Karina Reiss von der Universität Kiel vom vergangenen Samstag hat Wellen geworfen. Das deutsche Forscherehepaar stellt im Interview ihre Sicht der Coronamassnahmen dar, welche die beiden in ihrem Buch «Corona Fehlalarm?» schon veröffentlicht haben.

Reiss' Universität Kiel hat sich mit einem offiziellen Statement vom Buch distanziert, weil es tendenziöse Aussagen enthalte, welche die wissenschaftliche …

Artikel lesen
Link zum Artikel