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Akanjis Revier

Ich widme diesen Blog George Floyd, der in den USA das Opfer brutaler Polizeigewalt wurde

Was derzeit in den USA passiert, beschäftigt mich sehr. Ich wünsche mir, dass durch den tragischen Tod von George Floyd eine Wende eingeleitet wird. In meinem Alltag betrifft mich Rassismus in erster Linie im Internet.

Manuel Akanji
Manuel Akanji



Wir sind im Jahr 2020 und Rassismus ist immer noch ein Thema. Dabei sollte die Hautfarbe wirklich keine Rolle spielen. Wir sind alle Menschen, auch wenn wir anders aussehen und aus verschiedenen Ländern kommen.

Wir Profi-Fussballer haben als öffentliche Personen die Möglichkeit, die Leute auf dieses Problem aufmerksam zu machen. Darum sollten wir diese Plattform auch nutzen. Jadon Sancho, Achraf Hakimi und ich haben vor dem letzten Spiel vereinbart, dass wir alle drei gemeinsam unsere Meinung äussern. Ich trug auch ein Unterleibchen mit der Aufschrift «Justice for George Floyd», eigentlich wollten wir drei es gemeinsam präsentieren. Jadon hat das dann im Überschwang der Gefühle vergessen und seines beim Torjubel alleine präsentiert, aber Hauptsache, die Botschaft ist angekommen.

Was Floyd widerfahren ist, hat mich natürlich zutiefst schockiert. Gerade wenn die Gewalt von Polizisten ausgeübt wird, stimmt mich das nachdenklich, weil sie eigentlich zum Schutz der Bevölkerung da sein sollten. Die Polizei in den USA scheint wohl die Autorität des Staates zu repräsentieren und es herrscht immer noch ein erschreckender Alltagsrassismus.

Ich finde es krass, wie man so etwas zulassen konnte. Jeder sah, dass George Floyd keine Luft mehr bekam. Der Polizist machte einfach weiter, bis Floyd nicht mehr atmete und seine Kollegen standen daneben und schauten nur zu.

Solche Vorfälle sind leider kein Einzelfall, ich erinnere mich z.B. an Michael Brown, ein 18-Jähriger, der an einem Nachmittag auf offener Strasse von einem Polizisten erschossen wurde, ohne dass dieser dafür verurteilt wurde. Meistens hat man es halt nicht gesehen, aber der aktuelle Vorfall wurde gefilmt und die ganze Welt konnte zuschauen, wie George Floyd, trotz Hilferufen, über acht Minuten lang das Knie in den Nacken gedrückt wurde. Entsprechend gross ist die Wut und Ohnmacht. Man muss sich das mal vorstellen: Viele schwarze Eltern müssen ihre Kinder «schulen», wie sie sich bei einer Polizeikontrolle verhalten sollten, damit sie sich nicht in Gefahr bringen.

Mehr zum Thema:

Was die Leute schon lange wollen, ist Gerechtigkeit, es hat sich zu viel angestaut. Es kann einfach nicht sein, dass man so etwas macht und ohne Strafe davon kommt. Ich hoffe jetzt natürlich, dass sich endlich etwas ändert. Zu lange gab es jeweils kurz einen Aufschrei und dann wurde die Sache wieder vergessen. Jetzt wollen die Menschen eine Veränderung sehen und gehen dafür auf die Strasse, nicht nur in Amerika, sondern auch bei uns in Europa, was ich befürworte, denn das Thema geht uns alle an. Die Solidarität in der gesamten Bevölkerung ist gross. Ich hoffe, dass diese Chance zur Veränderung genutzt wird und die Spaltung von weiss und schwarz in Amerika eine Veränderung erfährt.

Klar, ich wurde natürlich auch schon mit Rassismus konfrontiert, aber nicht in dieser extremen Art und Weise. Früher als Kind beim Spielen, da kam es schon mal vor, dass das Wort «Neger» gefallen ist. Und auch in meiner Karriere als Fussballer musste ich mir auf dem Feld manchmal gewisse Dinge anhören. Aber nicht das, was man in anderen Ländern und Ligen sieht, wo schwarze Spieler teilweise mit rassistischen Sprechchören und Bananen bombardiert werden.

Was mir im Alltag am häufigsten passiert, ist dass ich englisch angesprochen werde. Meine Frau wird auch nicht auf englisch begrüsst, wenn sie etwa ein Flugzeug besteigt. Ich schon, bloss weil ich schwarz bin. Ansonsten werde ich in meinem Alltag zum Glück nur selten mit Rassismus konfrontiert.

Einschneidender ist es für mich persönlich in den sozialen Medien. Dort trauen sich viele, einen unter dem Deckmantel der Anonymität aufs Übelste zu beschimpfen. Um mich zu wehren, kann ich nur die Kommentarfunktion sperren, damit man diesen Ignoranten keine Plattform bietet. Als Person des öffentlichen Lebens bietet man natürlich immer Angriffsfläche, darum sollte man mit konstruktiver Kritik umgehen können. Aber alles andere ist inakzeptabel und hier müsste auch endlich mal etwas dagegen unternommen werden.

Wenn es um Ungerechtigkeit geht, dann sage ich meine Meinung, auch wenn es unangenehm ist, denn ich will ein Vorbild für meinen Sohn sein.

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bild: sven germann

Akanjis Revier

Von Wiesendangen auf die grosse Fussballbühne: Manuel Akanji hat sich als Bundesligaspieler und in der Schweizer Nati etabliert.

In seinem Blog auf watson erzählt der 25-Jährige aus dem Leben eines Profifussballers. Unverblümt, authentisch, anekdotenreich – mit einem spannenden Einblick auf und neben das Spielfeld.

Mehr von Manuel Akanji gibt's hier:
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51 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Militia
05.06.2020 10:39registriert October 2018
Was in Social Media und im Internet allgemeinen abgeht, ist unter aller Sau. Nicht nur bez. Rassismus. Dort wird beleidigt und gehetzt dass sich die Balken biegen. Dir Aussage von Manuel Akanji bestätigt aber, dass es um den Rassismus in unserem Land nicht so schlecht steht wie anderswo. In der Schweiz gibt es nun mal nicht so viele dunkelhäutige Menschen. Auf einem Flughafen ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Person kein Deutsch spricht doch grösser als umgekehrt. Ich werde im Flieger auch immer auf Englisch begrüsst, ausser bei Swiss. Gegenseitiges Verständnis bringt uns schon sehr weit!
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sidiabdelassar88
05.06.2020 12:48registriert August 2019
Danke für den tollen Bericht
Mich hat der Punkt mit dem Ansprechen am meisten ins Grübeln gebracht: Ich habe mich auch schon gefragt ob ich mein Gegenüber, das fremdländisch aussieht, mit Hoch- oder Schweizerdeutsch ansprechen soll. Mit Hochdeutsch erhöhe ich die Wahrscheinlichkeit, dass mich die Person versteht, kann aber evtl. auch eine Barriere zwischen uns bringen. Wie macht ihrs?
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Citizen321
05.06.2020 12:36registriert July 2018
Naja, nur schon wenn jemand ihn auf Englisch begrüsst, von Rassismus zu sprechen, ist dann doch leicht übertrieben, nicht?
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