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epaselect epa07559638 Goalkeeper Kepa Arrizabalaga (green shirt) of Chelsea is celebrated by teammates after they won the penalty shoout-out of the UEFA Europa League semi final 2nd leg match between Chelsea FC and Eintracht Frankfurt in London, Britain, 09 May 2019.  EPA/WILL OLIVER

Chelsea jubelt als dritter Londoner Verein über den Einzug in ein Europa-Cup-Finale. Bild: EPA/EPA

Analyse

Plötzlich dominiert England den Klubfussball – 4 Gründe, warum das nicht nur am Geld liegt

Nach Liverpool und Tottenham in der Champions League ziehen mit Chelsea und Arsenal auch zwei englische Teams ins Finale der Europa League ein. Fünf Gründe, weshalb die Klubs aus der Premier League Europas Fussball dominieren.



Das gab es noch nie! Sowohl der Final der Champions League als auch der Final der Europa League besteht aus Vertretern aus dem gleichen Land. Die Engländer dominieren 2018/19 die europäischen Klubfussball-Wettbewerbe.

Besonders beeindruckend ist die Tatsache, dass sich drei Klubs aus London und damit aus einer einzigen Stadt für die beiden europäischen Finals qualifiziert haben.

Warum hat der englische Klubfussball, in den seit Jahren viel Geld investiert wird, plötzlich Erfolg? Wir haben uns auf die Suche nach Ursachen gemacht ...

Die Engländer sind die neuen Deutschen

«Fussball ist ein Spiel, bei dem 22 Spieler hinter einem Ball herjagen und am Ende gewinnt immer Deutschland.» Das Zitat von England-Legende Gary Lineker nach der Halbfinal-Niederlage gegen Deutschland an der WM 1990 ging um die Welt. Das Zitat muss nach dieser Woche etwas angepasst werden: «Fussball ist ein Spiel, bei dem 22 Spieler hinter einem Ball herjagen und am Ende gewinnt immer England

Es ist schon unglaublich, wie viel Moral die englischen Teams gezeigt haben. Liverpool hat ein 0:3 gedreht, Tottenham in der 2. Halbzeit ebenfalls drei Tore aufgeholt und Chelsea hat sich gestern ins Penaltyschiessen gekämpft – und davor in der Verlängerung zweimal den Ball knapp vor der Linie geklärt.

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100. Minute: David Luiz rettet auf der Linie. Video: streamable

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105. Minute: Zappacosta rettet auf der Linie. Video: streamable

Die bekannten deutschen Tugenden wie Kampfgeist, Laufbereitschaft und der unbändige Siegeswille war plötzlich bei sämtlichen englischen Teams zu sehen. Ja, die Teams der Premier League haben nicht primär gewonnen, weil sie besser waren, sondern weil sie auch bis zuletzt an den Erfolg geglaubt haben.

Kontinuität und gezielte Transfers

Jahrelang wurde bei den PL-Klubs ziemlich planlos eingekauft. Das Geld war im Überschuss da und erwies sich als Fluch statt Segen. Mittlerweile haben die Engländer realisiert, dass sie sich zwar punktuell verstärken können, die Mannschaft aber nicht jedes Jahr auf den Kopf gestellt werden sollte. Als Paradebeispiel geht hier Tottenham voran, welches die Mannschaft seit Jahren kaum verändert hat und die Leistungsträger halten konnte. Auf diese Saison hin hat Tottenham keinen einzigen Cent für neue Spieler ausgegeben.

Tottenham players and staff celebrate in front of the fans at the end of the Champions League semifinal second leg soccer match between Ajax and Tottenham Hotspur at the Johan Cruyff ArenA in Amsterdam, Netherlands, Wednesday, May 8, 2019. (AP Photo/Peter Dejong)

Tottenham jubelt – die Londoner haben ohne Neuzugang den Einzug in den Champions-League-Final geschafft. Bild: AP/AP

Alle vier Klubs haben ihren Stamm gehalten und nur vereinzelte Positionen verstärkt oder ausgetauscht. Die Mannschaften sind deshalb gut eingespielt – und funktionieren.

Wir haben sie alle: Die wichtigsten Transfers des Sommers

Die Intensität der Premier League zahlt sich aus

Weil in der Premier League mittlerweile auch die kleineren Klubs genügend Budget haben, um sich starke Teams zusammenzustellen, ist die Liga auf ein konstantes, gutes Niveau gekommen. Einfache Spiele gibt es selbst für die Topklubs kaum. Lange haben die Engländer diese Tatsache als Ausrede für ihre internationale Erfolgslosigkeit missbraucht – die Liga sei einfach zu streng, um auch im Europacup noch mithalten zu können.

Mittlerweile scheinen sich die Vereine aber daran gewöhnt zu haben und profitieren davon, dass sie Wochenende für Wochenende mit höchster Intensität spielen. Während Barcelona, Bayern, Juventus oder PSG in der Liga auch mal mit angezogener Handbremse spielen und gewinnen, ist das in England kaum möglich.

Da erstaunt es nicht, dass Tottenham und Liverpool noch die Kraft hatten, in der zweiten Halbzeit je drei Tore nachzulegen.

Vertrauen in ausländische Trainer

Was für eine Ironie, dass ausgerechnet das Mutterland des Fussball taktisch grosse Defizite hat – gute Trainer bringt England eigentlich kaum raus, selbst der talentierte Eddie Howe wurde bisher von keinem Topklub verpflichtet.

Seit der Einführung der Premier League 1992 hat kein einziger englischer Trainer die Liga gewonnen – Sir Alex Ferguson ist Schotte. Schon seit längerem setzten die grossen Vereine aus England deshalb auf ausländisches Personal an der Seitenlinie.

epa07557676 (FILE) - Liverpool manager Juergen Klopp (L) and Tottenham manager Mauricio Pochettino (R) during their team's 0-0 draw in the English Premier League soccer match between Tottenham Hotspur and Liverpool FC in London, Britain, 17 October 2015 (re-issued 09 May 2019). Liverpool FC will face Tottenham Hotspur in the 2019 UEFA Champions League final at the Wanda Metropolitano stadium in Madrid, Spain, on 01 June 2019.  EPA/ANDY RAIN *** Local Caption *** 52309623

Die titellosen Jürgen Klopp und Mauricio Pochettino. Bild: EPA/EPA

Während bei Tottenham Mauricio Pochettino (Argentinien) bereits seit fünf Jahren im Amt ist, erhält Jürgen Klopp (Deutschland) seit 2015 das Vertrauen in Liverpool. Beide haben bisher keinen Titel geholt. Und durften dennoch bleiben, mit ihren Mannschaften arbeiten und stehen jetzt im Finale der Königsklasse. Gerade in der Premier League ist dieses Vertrauen trotz Erfolglosigkeit bei vielen Klubs ungewöhnlich – umso schöner, zahlt es sich jetzt aus.

Ob Maurizio Sarri (Italien) bei Chelsea und Unai Emery (Spanien) bei Arsenal ebenfalls bleiben dürfen? Beide hatten eine durchwachsene Saison, die eigentlich nur mit dem Titel in der Europa League gerettet werden kann. Beide haben ihre ganz eigenen Spielideen und brauchen überdurchschnittlich viel Zeit, um die Mannschaft darauf einzustellen. Mit Liverpool und Tottenham haben aber zwei Klubs gezeigt, dass es der richtige Weg ist, nicht nur auf kurzfristige Erfolge zu achten, sondern die Weiterentwicklung der Mannschaft zu priorisieren.

Arsenal manager Unai Emery, left and Arsenal forward Alexandre Lacazette celebrate after scoring his side's second goal during the Europa League semifinal soccer match, second leg, between Valencia and Arsenal at the Camp de Mestalla stadium in Valencia, Spain, Thursday, May 9, 2019. (AP Photo/Alberto Saiz)

Unai Emery hat Alexandre Lacazette im Griff. Bild: AP/AP

Eine gut gefüllte Portokasse schadet nie

Natürlich kommt man nicht drum rum, auch das Geld für die Erfolge verantwortlich zu machen. Spitzenspieler ziehen nach England, wo die generelle Attraktivität der Liga noch durch Spitzenlöhne ergänzt wird. Die immens hohen Erträge durch TV-Einnahmen machen es möglich – dazu steht hinter den meisten Topklubs ein schwerreicher Investor.

Spanien dominierte – folgt jetzt die Ablösung durch England?

Mit Geld kann man sich zwar keinen Erfolg kaufen (PSG lässt grüssen), doch es hilft halt doch enorm, beim Aufbau der Mannschaft und vor allem auch als Argument für Vertragsverlängerungen von Leistungsträgern.

Auch wenn Spanien die letzten fünf Jahre in den europäischen Wettbewerben dominiert hat, hat sich das Fussball-Epizentrum in dieser Saison nach England verlagert.

Und dies, obwohl die beiden Teams aus Manchester, notabene mit den höchsten Ambitionen, europäisch gescheitert sind. England hat 6 Mannschaften, die international um Titel spielen können. Dieses Jahr streiten 4 davon um die zwei Titel.

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