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YB headcoach Gerry Seoane, left, and his players celebrate after the conclusion of the Super League soccer match between FC Sion and BSC Young Boys, at the Stade de Tourbillon stadium, in Sion, Switzerland, Friday, July 31, 2020. With the result of today's match, YB is secured to defend it's title as Swiss champion. All Super League soccer matches of Swiss Championship are played to behind the semi closed doors (only 1000 persons can be present in the stadium) due to preventive measure against a second wave of the coronavirus COVID-19. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Das Erinnerungsfoto im Tourbillon: Die YB-Mannschaft, die den 14. Meistertitel der Klubgeschichte geholt hat. Bild: keystone

Analyse

YB hat alles richtig gemacht – wie der «ewige Zweite» zum neuen FCB geworden ist

Nach 35 von 36 Runden der Super League ist der neue Meister erkoren: Es sind die Young Boys, die bereits den dritten Titel in Serie feiern dürfen. Die Favoriten vom Wankdorf setzten sich in einem schwierigen Meisterrennen dank ihrer Erfahrung und Kontinuität durch.

peter lerch / keystone-sda



Mit dem dritten Meistertitel in Folge kommen die Young Boys ihrem Vereinsrekord nahe. Unter Trainer Albert Sing und mit legendären Spielern wie Eugen «Geni» Meier, Heinz Schneiter, Walter Eich, Willy Steffen, Ernst Wechselberger und Toni Allemann reihten die Gelbschwarzen ab 1957 vier Titel aneinander. Dreimal in Serie hatte YB auch in den Anfängen der Schweizer Meisterschaft triumphiert: von 1909 bis 1911.

Im Sommer 2018 konnte Trainer Gerardo Seoane nahtlos dort weiterfahren, wo der Vorgänger Adi Hütter aufgehört hatte: mit einem breiten, starken und nahezu unveränderten Kader, mit einer Mannschaft, die sich an Siegesserien gewöhnt hatte, und mit Spielern, die nach YBs erstem Meistertitel seit 1986 noch viel mehr erreichen wollten. Das Ergebnis dieser Kontinuität war eine Saison, in der YB in die Champions League kam und nahezu alle Super-League-Rekorde brach, die der FC Basel gehalten hatte.

Umbruch gut überstanden

Vor der Saison 2019/20 war der Umbruch stark. Von der bewährten Abwehrkette Mbabu/Von Bergen/Nuhu/Benito aus Hütters Zeit war mittlerweile keiner mehr dabei. Auch die defensiven Mittelfeldspieler Djibril Sow und Sékou Sanogo nicht.

«Das heute war für uns unsere Finalissima. Alle im Verein haben einen Riesen-Job gemacht. Wir verteidigten den Titel praktisch mit einer ganz neuen Mannschaft, dazu kam der Corona-Unterbruch mit all den Unsicherheiten, die weit über den Fussball hinaus reichen. Dabei immer fokussiert zu bleiben, war die grösste Herausforderung in dieser Saison. Für die neuen Spieler im Klub freue ich mich besonders über diesen Titel.»

Gerardo Seoane, YB-Trainer

An einer Medienkonferenz vor Saisonbeginn wurde Seoane gefragt, was ihm lieber wäre: ein Meistertitel, zu dem die Young Boys abermals spazieren, oder ein Meistertitel, um den sie bis zuletzt hart kämpfen müssen, vielleicht bis in die letzte Runde. Der Journalist fügte noch an, dass ein hart erkämpfter Titel die zum Teil jungen Spieler in der Entwicklung vielleicht weiterbringen könnte. Seoane überlegte eine Weile und entschied sich für einen Kompromiss: ein harter Kampf bis zur Winterpause, danach eine klare Dominanz seiner Mannschaft.

YB-Trainer Gerardo Seoane spricht waehrend einer Pause zu seinen Spielern, im Fussball Testspiel zwischen dem BSC Young Boys Bern und dem FC Lausanne-Sport, am Samstag, 6. Juni 2020 im Stade de Suisse in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Gerardo Seoanes Aufgabe bei YB war nicht einfach, doch er hat sie mit Bravour gemeistert. Bild: keystone

Die Realität der Saison 2019/20 ergab einen Kompromiss im Kompromiss. YB musste viel, viel länger kämpfen, als Seoane es sich gewünscht hätte. Ein wenig spazieren konnte YB erst zuletzt. Nach den Runden 27, 28, 30 und zuletzt 31 waren die Berner Zweite mit einem Punkterückstand auf den letzten verbliebenen Herausforderer St.Gallen. Die Lücke tat sich in der 32. und der 33. Runde auf: St.Gallen verlor zweimal, die Young Boys errangen unterdessen zwei Auswärtssiege.

Breites Kader als Basis des Erfolgs

Es wäre vermessen gewesen, von YB eine gleiche oder ähnliche Dominanz zu erwarten, zumal die Wirkung des Umbruchs schon früh durch grosses Verletzungspech verstärkt wurde. Sandro Lauper erlitt einen Kreuzbandriss, und Ali Camara brach sich ebenfalls noch vor der Saison das Bein. So fehlten Seoane zwei wahrscheinliche Fixstarter. Im Herbst mutierte das Kadar zum Lazarett. Zeitweise fehlten neun potentielle Leistungsträger.

YBs Ersatzspieler beobachten das Spielgeschehen im Fussball Testspiel zwischen dem BSC Young Boys Bern und dem FC Winterthur am Freitag, 12. Juni 2020 im Stade de Suisse in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Das YB-Kader ist breit genug – hier im wahrsten Sinne des Wortes. Bild: keystone

Das ursprünglich breite Kader war jetzt sehr schmal. Seoane konnte nicht umhin, die Verbliebenen stark, vielleicht übermässig, zu forcieren. Und dies in einer Zeit der dreifachen Belastung (Meisterschaft, Cup, Europacup). Im Dezember waren die Spieler auf den Felgen, die Winterpause kam gelegen.

Die Liste der Verletzten war aber auch beim Beginn der Rückrunde längst nicht abgetragen. Wahrscheinlich hat der lange Unterbruch wegen des Coronavirus den Bernern in die Karten gespielt. Nach der Wiederaufnahme der Meisterschaft im Juni konnte Seoane weitgehend aus dem Vollen schöpfen und eine Mannschaft auf den Platz bringen, wie er sie sich wahrscheinlich schon im Herbst vorgestellt hatte. Plötzlich konnte er Ali Camara und Captain Fabian Lustenberger in die Innenverteidigung beordern.

YBs Fabian Lustenberger, links, und YBs Frederik Soerensen Mitte, fotografiert im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem BSC Young Boys und dem FC Basel, im Stade de Suisse in Bern, am Sonntag, 22. September 2019. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Captain Fabian Lustenberger hat einen grossen Anteil am YB-Titel. Bild: KEYSTONE

«Die Freude nach diesem dritten 1:0 in Folge ist riesengross. Eine Last fällt ab, Genugtuung und Stolz kommt hoch. Der Meistertitel ist nach dem grossen Umbruch keine Selbstverständlichkeit, es stand ja fast eine komplett neue Mannschaft auf dem Platz. Auch die Corona-Zeit war keine leichte. YB hatte vielleicht nicht die gleiche Souveränität wie in den letzten beiden Saisons, aber was zählt, ist der Titel.»

Fabian Lustenberger, YB-Captain

Dank einer generell gefestigten Defensive gewann YB auf einmal wieder deutlich mehr Spiele ohne Gegentor. Mit der gegen Schluss zum Tragen kommenden sehr breiten Auswahl an tauglichen Spielern hätte YB eine nicht zu unterschätzende Schattenmannschaft stellen können. Dass die Berner mit dem Fortgang der englischen Wochen mehr Kraftreserven hatten als etwa St.Gallen, wurde offensichtlich.

Stichwort Kontinuität

Schon seit mehreren Jahren gelingt es den Young Boys, jeden Wegziehenden durch einen valablen Neuen zu ersetzen. Ein Beispiel aus der jüngsten Meistersaison: Als der kleine Co-Stürmer Roger Assalé – er war die beste Ergänzung zum unbändigen Goalgetter und neuen Torschützenkönig Jean-Pierre Nsame – im Winter nach Spanien gezogen war, wurde der junge Neuling Meschack Elia als Nachfolger herangezogen. Und schon Ende Juni konnte man darüber streiten, ob Assalé oder Elia der Bessere ist.

YBs Meschak Elia, links, und Luzerns Stefan Knezevic in Aktion, im Super League Spiel zwischen dem BSC Young Boys Bern und dem FC Luzern, am Sonntag, 26. Juli 2020 im Stadion Wankdorf in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Elia hat Assalé fast gleichwertig ersetzt. Bild: keystone

Die Planung im Wankdorf ist rollend. Jeder notwendigen Veränderung stellen sich Trainer Seoane und Sportchef Christoph Spycher unaufgeregt. Sie wissen, dass sich kein Wunschzustand einfrieren lässt, und sie wissen auch, dass es nicht schlecht weitergehen kann, wenn sie den Weg nicht verlassen. Vieles, was in Bern gerade passiert, erinnert an den FC Basel der Ära von Bernhard Häusler.

«Im Moment kann ich es noch richtig glauben. Das Spiel war sehr intensiv, ich bin noch etwas durcheinander. Wir hatten in dieser Saison einige heikle Situationen zu überstehen, umso mehr sollten wir diesen schönen Moment jetzt aufsaugen und geniessen. Die Emotionen sind auch ohne eigene Fans im Stadion da.»

David von Ballmoos, YB-Goalie

Doch längst nicht für alles, was auf YBs Weg zum Titelhattrick passiert ist, gibt es plausible Erklärungen. In der «Rekordsaison» 2018/19 hatte YB aus 18 Auswärtsspielen 42 Punkte geholt. Sie gewannen in fremden Stadien mindestens sechs Punkte mehr als jede andere Mannschaft in den Heimspielen. Aber im Spätherbst dieser Saison trat wie aus dem Nichts eine Schwäche auf.

ARCHIVBILD --- ZUR MELDUNG, DASS SPORTCHEF CHRISTOPH SPYCHER BIS ENDE 2022 BEI YB BLEIBT, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- YB-Sportchef Christoph Spycher winkt nach dem Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem BSC Young Boys und dem FC Lugano, im Stade de Suisse in Bern, am Sonntag, 13. Mai 2018. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Sporchef Spycher hat bis jetzt auf alles eine Antwort parat. Bild: KEYSTONE

Aus neun Auswärtsspielen am Stück gewannen die Berner nur drei Punkte (3 Unentschieden, 6 Niederlagen). Gerardo Seoane konnte sich die grosse Diskrepanz zu den Auftritten im Wankdorf (bis anhin 15 Siege, 2 Unentschieden, 0 Niederlagen) die ganze Zeit über nicht richtig erklären. Aber es dürfte wiederum für die Mannschaft sprechen, dass sie gerade in der heissesten Phase zweimal nacheinander in der Fremde gewann. (pre/sda)

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44 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
d10
31.07.2020 22:49registriert March 2018
"Wuschu" sei Dank, er ist der Baumeister des YB-Erfolgs mit diesen 3 Meistertiteln, hoffentlich bleibt er uns noch lange erhalten! Wir mussten 32 Jahre warten, es dürfen gerne noch ein paar Meisterschaften und v.a. auch Cupsiege hinzukommen 🙂
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Lowend
31.07.2020 22:37registriert February 2014
💛🖤🏆🏆🏆 Geyoungboyst! Merci Giele! 🏆🏆🏆💛🖤
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Bobobobo
31.07.2020 22:50registriert July 2020
YB🖤💛
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44

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