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Young Boys' Jean-Pierre Nsame, center, celebrates after the conclusion of the Super League soccer match between FC Sion and BSC Young Boys, at the Stade de Tourbillon stadium, in Sion, Switzerland, Friday, July 31, 2020. With the result of today's match, YB is secured to defend it's title as Swiss champion. All Super League soccer matches of Swiss Championship are played to behind the semi closed doors (only 1000 persons can be present in the stadium) due to preventive measure against a second wave of the coronavirus COVID-19. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Da muss er sich gleich mal hinsetzen: Ligatopskorer Nsame feiert mit YB den Meistertitel Bild: keystone

Analyse

YB ist ein logischer Meister, St.Gallen ein grossartiger Herausforderer

Dank eines 1:0-Sieges in Sion sichert sich YB den dritten Meistertitel in Serie. Die Analyse zur Entscheidung in der Schweizer Fussball-Meisterschaft.

etienne wuillemin / ch media



Um 22.25 Uhr ist es vollbracht. Der Schweizer Fussball hat seinen Coronameister gefunden. Die Berner Young Boys krönen sich in Sion mit einem 1:0. Der letzte Schritt zum Hattrick ist geglückt. Nicht gerade mühelos zwar. Aber doch ziemlich souverän und abgeklärt. Christopher Martins heisst der YB-Meisterschütze. Es ist der dritte Meistertitel der Berner in Serie.

YB ist ein verdienter und auch ein logischer Meister. Während der Konkurrenz in dieser intensiven Zeit nach der Corona-Pause mit 13 Spielen innert nur sechs Wochen je länger je mehr der Atem ausgegangen ist, drehte Gelb-Schwarz noch einmal richtig auf. Und schuf mit zuletzt fünf Siegen hintereinander und 21 von 24 möglichen Punkten die Differenz. Erstaunlich ist das nicht, weil die Berner das mit Abstand breiteste Kader der Liga haben. Es ist eine direkte Folge des herausragenden Managements von Christoph Spycher.

Meisterparty in Coronazeiten: YB und die Berner Fans feiern

Letzten Endes verdanken die Berner den Titel aber vor allem den Toren von Jean-Pierre Nsame. 30 Mal traf der 27-Jährige Stürmer bis anhin. Er war einer der wenigen Spieler, die immer Leistung brachten. Die Chancen, dass er bei YB bleibt, sind intakt. Im Winter verlängerte er den Vertrag bis 2023, YB ist nicht unter Zugzwang, unter 12 Millionen Franken wird Nsame nicht zu kriegen sein.

Die grossartige Saison des Herausforderers St.Gallen

Im Gegensatz zu den beiden Titeln in den vergangenen Saisons musste YB in dieser coronaverseuchten Spielzeit jedoch mächtig leiden. Auch dafür gibt es Gründe. Das Team hat im letzten Sommer einen grossen Umbruch erlebt. Und sah sich seit Beginn der Saison dann auch noch mit riesigem Verletzungspech konfrontiert. Dass dies an die Substanz geht, ist logisch.

Zudem schoss mit dem FC St.Gallen ein grossartiger Widersacher empor, eigentlich fast aus dem Nichts, der sich regelrecht in einen Rausch spielte. Und den erst ganz zum Schluss der Saison etwas die Kräfte verliessen.

Für die tapferen St.Galler bleibt das Fazit: Meister sind sie zwar nicht geworden, aber zumindest Meister der Herzen. Es ist auch mit Rang 2 eine herausragende Spielzeit für Präsident Hüppi, Sportchef Sutter, Trainer Zeidler und die junge, wilde Truppe geworden. Dafür gebührt den Ostschweizern der allergrösste Respekt.

Ittens lupenreiner Hattrick gegen St.Gallen Video: SRF

Im letzten Heimspiel der Saison zeigte St.Gallen noch einmal ziemlich viel Spielfreude. Das bereits abgestiegene Xamax leistete zwar kaum Widerstand. Dennoch rauschte Grün-Weiss wiederholt über den Platz. Am Ende stand es 6:0. In der Pause hätte es auch 8:0 statt 4:0 heissen können. Itten gelang in der ersten halben Stunde ein Hattrick. Doch gerade als der wunderbare Mond über dem Kybunpark aufging, erzielte YB sein Meistertor – und beraubte die Ostschweizer damit der letzten kleinen Meisterhoffnungen.

Der stetige Hunger der neuen YB-Spieler

Zurück in die Hauptstadt. Das YB dieser Tage erinnert in vielerlei Hinsicht an den erfolgreichen FC Basel in seinen goldenen Jahren. Sportchef Spycher ist es ein erstes Mal gelungen, ein Meisterteam umzubauen und mit frischen Kräften zu beleben. Spieler wie Captain Lustenberger, der noch nie in seiner Karriere einen Titel gewann, garantieren, dass der Hunger gross bleibt.

YBs Fabian Lustenberger muss verletzt vom Platz im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen den Berner Young Boys und Servette FC, am Mittwoch, 15. Juli 2020, im Stadion Wankdorf in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Captain Fabian Lustenberger führte YB zum dritten Titel in Serie. Bild: keystone

Und die vielen Talente auf den richtigen Weg kommen. Stand jetzt ist es darum auch nicht absehbar, dass die YB-Dominanz in den nächsten Jahren abnimmt. Auch wegen Corona. Es gibt einige Schweizer Klubs, die mit grossen Problemen konfrontiert sind. Es ist darum nicht die Zeit für grosse Transfers oder sonstige Engagements, die für eine Vorwärtsstrategie stünden.

Die verpasste Chance des FC Basel

Vor allem der FC Basel hat in dieser Saison eine grosse Chance verpasst, den Rivalen aus der Hauptstadt wieder zu überholen. Schuld daran ist alleine er selbst. Und es gibt keine Anzeichen dafür, dass die hausgemachten Probleme rund um den völlig überforderten Präsidenten Bernhard Burgener ein Ende nehmen würden. Ganz zu schweigen von den finanziellen Problemen.

Am Montag nun endet diese spezielle Saison. Bis vor kurzem sah es danach aus, als käme die Fussballschweiz noch in den Genuss einer Finalissima zwischen YB und St.Gallen. Nun können die Direktbeteiligten die Partie auch ein wenig geniessen. Die nächsten Aufgaben kommen früh genug – im Cup und in den Qualifikationsspielen für Europa.

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18 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Quinibär
01.08.2020 13:54registriert November 2015
Ich als St.Gallen-Fan muss ganz ehrlich zugeben, YB ist ein verdienter Meister, sympathisch und spielsicher.
Meister der Herzen ist für mich auch kein Begriff, den ich mit stolz tragen würde, Vizemeister schon eher...
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Nelson Muntz
01.08.2020 13:26registriert July 2017
Sich Meister der Herzen nennen ist wie den Namen tanzen in der Rudolf Steiner Schule
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swisszelli17
01.08.2020 13:48registriert November 2018
Da ist er wieder, der Artikel über den verdienten Meister den sich die Sportjournalisten jedes Jahr wieder aus derselben Schublade ziehen können. Dabei ist noch selten jemand unverdient Meister geworden. Man muss dafür ja schliesslich über die ganze Saison mindestens gute Leistungen zeigen. Deshalb sind diese Aussagen flau und oberflächlich. Interessanter wäre die Analyse anhand vom Budget, Alter der Spieler, Attraktivität der Spielweise und noch vieles mehr. Das YB verdient Meister geworden und St.Gallen eine gute Saison gespielt hat weiss jetzt mittlerweile wirklich jeder.
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