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FOOTBALL : FC Barcelone vs Bayern Munich - 1/4 - Phase finale - UEFA Ligue des Champions - Final 8 - Lisbonne - 14/08/2020 LISBON, PORTUGAL - AUGUST 14: Lionel Messi of FC Barcelona, Barca walks on during the UEFA Champions League Quarter Final match between Barcelona and Bayern Munich at Estadio do Lisboa e Benfica on August 14, 2020 in Lisbon, Portugal. Lisbonne Portugal *** FOOTBALL FC Barcelone vs Bayern Munich 1 4 Phase final UEFA Champions League Final 8 Lisbonne 14 08 2020 LISBON, PORTUGAL AUGUST 14 Lionel Messi of FC Barcelona walks on during the UEFA Champions League Quarter Final match between Barcelona and Bayern Munich at Estadio do Sport Lisboa e Benfica on August 14, 2020 in Lisbon, Portugal Lisbonne Portugal Poolfoto Panoramic / POOL / UEFA ,EDITORIAL USE ONLY

Will Messi tatsächlich gehen oder nur Präsident Bartomeu aus dem Klub ekeln? Bild: Getty Images Europe

Analyse

Doch kein Wechsel? Was wirklich hinter den Messi-Plänen stecken könnte

Die schriftliche Wechselankündigung von Lionel Messi hat für Aufruhr in Barcelona gesorgt. Er, der grosse Star der Katalanen, will per Klausel den Verein verlassen und sich einem neuen Klub anschliessen. Doch hat er das wirklich vor?

benjamin zurmühl / t-online



In Interviews ist Lionel Messi normalerweise eher zurückhaltend, äussert sich diplomatisch und findet über jeden lobende Worte. Doch seine Wutrede nach der 1:2-Niederlage in der Liga gegen Osasuna hatte es in sich.

Damals machte Barcelona den Hauptkonkurrenten Real Madrid vorzeitig zum Meister. Eine Blamage für die Katalanen, die über grosse Teile der Saison die Tabelle anführten. Er bezeichnete das Team als eine «inkonstante, schwache Mannschaft». Messi weiter: «Wir müssen selbstkritisch sein, die Spieler und alle Mitarbeiter in diesem Verein. [...] Unsere Leistungen in den letzten Spielen lassen viele Wünsche offen.»

FILE - In this Aug. 13, 2020 file photo, Barcelona's Lionel Messi waves as he arrives at the team hotel in Lisbon, Portugal. Lionel Messi has told Barcelona he wants to leave the club after nearly two decades with the Spanish giants. The club has confirmed that the Argentina great has sent a note expressing his desire to leave. The announcement comes 11 days after Barcelona's humiliating 8-2 loss to Bayern Munich in the Champions League quarterfinals, one of the worst in the player's career and in the club's history.(AP Photo/Manu Fernandez, File)

Lionel Messi – 20 Jahre lange waren Barcelona und er unzertrennlich. Bild: keystone

Wenn sich der beste Spieler eines Teams so äussert, sollten alle Alarmglocken läuten. Denn Lionel Messi ist nicht einfach nur der beste Spieler des FC Barcelona, er ist der Kronprinz und heimliche Klub-Boss. Seinetwegen wurden bereits Trainer gefeuert, auch Transfers wurden nach ihm ausgerichtet. Wenn er etwas will, bekommt er das auch. Zumindest fast immer. Denn auf Titel musste er diese Saison verzichten. Zum ersten Mal seit 12 Jahren. In besagtem Interview prognostizierte er bereits, dass Barça so keine Chance auf den Champions League-Titel haben würde – und behielt recht.

Kritik wegen La Masia

Am Dienstag zog er die Reissleine. Messi will von einer Klausel Gebrauch machen, den Klub ablösefrei verlassen zu dürfen. Bei den Fans führte das zu Protesten. Nur wenige Stunden, nachdem das Messi-Einschreiben publik wurde, versammelten sich einige Fans vor dem Stadion, zeigten den Mittelfinger in Richtung des Vereinsgebäudes. Die Wut auf die Chefetage ist gross.

 Dozens of FC Barcelona, Barca fans gather outside Camp Nou Stadium to demand the resignation of the club s president, Josep Maria Bartomeu, after Argentinian star Lionel Messi stated via fax his intentions to leave the team, in Barcelona, Spain, 25 August 2020. Protests outside Camp Nou amid Messi s intentions to leave the team ACHTUNG: NUR REDAKTIONELLE NUTZUNG PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xAlejandroxGarciax GRAF5375 20200825-637339895629368261

Die Barça-Fans wollen nicht, dass Messi geht. Bild: www.imago-images.de

Und womöglich ist es genau das, was Messi will: Nicht seinen eigenen Wechsel, sondern den an der Klubspitze.

«Verträge müssen erfüllt werden und Messi muss mit 700 Millionen Euro ankommen. Dann kann er gehen.»

Ex-Barça-Vorstandsmitglied Toni Freixa.

Barça-Sportdirektor Planes hofft noch auf einen Messi-Verbleib:

Mehrfach kritisierte der 33-Jährige in den letzten Jahren indirekt die Führungsriege um den umstrittenen Präsidenten Josep Bartomeu. 2018 merkte Messi in einem Interview mit der spanischen Zeitung «Sport» an, dass zu viele Talente die Barça-Jugendakademie La Masia verlassen würden. «Unter Guardiola war die Ausbeute am grössten. Zuletzt ist das etwas verloren gegangen und wichtige Spieler haben die Akademie verlassen, weil sie woanders bessere Chancen sehen. [...] Es ist untypisch, dass sie vom besten Team der Welt zu viel kleineren Teams gehen.»

Diese Äusserungen waren nicht nur an die Trainer des Klubs gerichtet, die zu wenigen Eigengewächsen eine Chance gaben. Sie waren auch an die Vereinsspitze gerichtet. Denn Messi selbst ist ein Produkt von La Masia. Genauso wie Andres Iniesta, Gerard Pique oder Thiago Alcantara, die zu Zeiten von Präsidenten wie Joan Laporta (2003 bis 2010) oder Sandro Rosell (2010 bis 2014) im Klub zu Stars wurden. Doch unter Bartomeu, der seit 2014 im Amt ist, gab es nur noch ganz wenige Erfolge in Sachen Jugendarbeit. Ein Dorn im Auge von Lionel Messi.

Blamagen in der Königsklasse und auf Transfermarkt

Sportlich lief es dazu seit dem Rücktritt von Trainer Luis Enrique 2017 eher dürftig. National feierten die Katalanen zwar zwei weitere Meisterschaften und einen Cupsieg, doch auf internationaler Ebene lief es enttäuschend. 2018: Aus im Champions-League-Viertelfinal nach einer 0:3-Pleite im Rückspiel bei der AS Roma – trotz eines 4:1-Siegs im Hinspiel. 2019: Aus im Champions-League-Halbfinal nach einer 0:4-Klatsche im Rückspiel beim FC Liverpool – trotz eines 3:0-Siege im Hinspiel. Nun die 2:8-Demontage gegen Bayern München.

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So ballerten die Bayern Barça aus der Champions League. Video: YouTube/Teleclub Zoom

Egal, ob damals Ernesto Valverde oder heute der mittlerweile entlassene Quique Setién – die Trainer-Entscheidungen von Bartomeu und seinem Team waren zuletzt nicht die richtige Wahl. Die internationalen Enttäuschungen nagten an Messi, der hungrig nach weiteren Titeln war und immer noch ist.

Barça zeigte kaum noch den typischen Barcelona-Fussball, der unter Johan Cruyff oder Pep Guardiola die Massen begeisterte. Zu oft fehlte eine klare Struktur. Das wurde in der Champions League in genannten Spielen teuer bestraft. Dazu floppten millionenschwere Transfers: Weder Ousmane Dembélé (kam 2017 für 138 Millionen Euro von Borussia Dortmund) noch Philippe Coutinho (kam 2018 für 145 Millionen vom FC Liverpool) oder Antoine Griezmann (kam 2019 für 120 Millionen von Atlético Madrid) konnten bisher die Erwartungen erfüllen. Die Arbeitslast blieb auf den immer gleichen Schultern und auch abseits des Rasens gab es immer mehr Wortgefechte.

epa07890491 FC Barcelona's Antoine Griezmann is substituted by Ousmane Dembele (L) during the UEFA Champions League group F soccer match between FC Barcelona and FC Internazionale at Camp Nou Stadium in Barcelona, Catalonia, Spain, 02 October 2019.  EPA/ALEJANDRO GARCIA

Kein Jubel, nur ein Abklatschen bei einer Einwechslung. Bild: EPA

Streit mit Abidal, dann mit Bartomeu

Als im Februar 2020 Ernesto Valverde als Trainer gehen musste, erklärte der damalige Sportdirektor Eric Abidal in einem «Sport»-Interview, dass mehrere Spieler gegen Valverde gewesen seien und sich der Klub deshalb von ihm trennen musste. Das stiess Messi übel auf. Bei Instagram schrieb er: «Jeder muss Verantwortung für seine Aufgaben übernehmen und Entscheidungen treffen. Wir Spieler müssen auf dem Platz liefern und dafür gerade stehen, wenn es nicht so läuft. Die sportliche Führung sollte sich ebenso ihrer Aufgaben bewusst sein und Verantwortung für ihre Entscheidungen übernehmen.»

Eric Abidal, Sporting Director of FC Barcelona, attends the drawing of the matches for the Champions League 2018/19 quarter-finals at the UEFA headquarters in Nyon, Switzerland, Friday, March 15, 2019. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Eric Abidal hat den Machtkampf mit Messi verloren. Bild: KEYSTONE

Messi weiter: «Wenn man öffentlich über Spieler redet, sollte man auch ihre Namen nennen. Wenn man das nicht tut, beschmutzt man den Namen eines jeden und streut unnötig Gerüchte, die nicht wahr sind.» Der Giftpfeil Messis traf nicht nur Abidal, sondern auch Bartomeu, der Abidal zwei Jahre zuvor eingestellt hatte. Bartomeu schlichtete daraufhin zwischen beiden Parteien, doch der Streit hinterliess Narben.

Nur einen Monat später rissen diese wieder auf. Durch die Corona-Krise war der FC Barcelona finanziell schwer getroffen. Der Verein kündigte deshalb an, die Spielergehälter temporär um 70 Prozent zu kürzen. Daran übte Messi scharfe Kritik: «Es überrascht uns immer wieder, dass es innerhalb des Klubs welche gab, die versucht haben, uns ins Rampenlicht zu stellen und Druck auf uns auszuüben, damit wir etwas tun, was wir ohnehin immer vorhatten», schrieb er bei Instagram.

Bild

Messis Statement im Lohnstreit. bild: instagram

Messi bekam viel Zuspruch für seine Aussagen, die Klubführung erntete Kritik. Als dann auch noch die Meisterschaft unter Neu-Trainer Setién verloren ging, gab Messi das zu Beginn des Textes beschriebene Interview. Auch dort forderte er Selbstkritik von allen Mitarbeitern ein. Dass er damit weniger die Vereinsköche als die Klubführung meinte, ist klar.

Zwei Szenarien für Bartomeu

Die Stimmung in Barcelona ist längst gekippt, Bartomeu angezählt, Abidal musste nach dem 2:8 gegen die Bayern gehen. Doch mit Ronald Koeman kam auf geheiss des Präsidenten ein neuer Trainer, der es mit Messi sogleich verscherzt hat.

Nach seinem Amtsantritt soll der 57 Jahre alte Niederländer im Gespräch mit dem argentinischen Superstar dessen Sonderstellung in Frage gestellt haben. «Die Privilegien im Kader sind vorbei, alles muss für die Mannschaft getan werden», soll Koeman laut einem Bericht des argentinischen Online-Portals «Diario Olé» gesagt haben: «Ich werde unflexibel sein, man muss an das Team denken.» Zuvor hiess es noch, Koeman wolle um Messi ein neues Team aufbauen. Die aktuelle Mannschaft gilt als satt und überaltert.

epa08613030 Dutch coach Ronald Koeman reacts during his presentation as the club's new head coach in Barcelona, Spain, 19 August 2020. Koeman, who has just rescinded contract with the Dutch National soccer team, has signed for a two year contract until 30 June 2022.  EPA/Alejandro Garcia

Koeman und Messi – das scheint schon mal nicht zu passen. Bild: keystone

Messis Wechselabsichten haben nun die fussballverrückte Stadt aufgeschreckt. Von Klub-Legende Carles Puyol gab es die «ganze Unterstützung» für Messi, auch Teamkollege und Fan-Liebling Luis Suarez spendete virtuellen Beifall. Es brodelt im Klub.

Wenn Bartomeu jetzt der Präsident wird, unter dem Lionel Messi den Klub verlässt, ist er aus Sicht der Fans wohl nicht mehr tragbar. Messis Einschreiben sorgt also für eine schwierige Lage, aus der sich Bartomeu nur in zwei Szenarien befreien kann.

FC Barcelona's president Josep Maria Bartomeu speaks during a press conference at the Camp Nou stadium in Barcelona, Spain, Monday, May 29, 2017. The club confirmed on Monday that the longtime Athletic Bilbao manager will replace Luis Enrique, who ended his three-year stint after winning the Copa del Rey on Saturday. (AP Photo/Manu Fernandez)

Kann Josep Bartomeu den Kopf noch aus der Schlinge ziehen? Bild: AP/AP

Erstens: Messi geht und Bartomeu schafft einen erfolgreichen Umbau, wobei ihm selbst dann die Fans den Abgang ihres Helden kaum verzeihen könnten. Zweitens: Bartomeu tritt zurück und überlässt einer anderen Person seinen Posten. Dann würde womöglich auch Kronprinz Lionel Messi in Barcelona bleiben.

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27 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
S¥BIONT
26.08.2020 17:02registriert September 2018
Tottenham Fans auch wütend? Why that?😂
16212
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JefftheBeff
26.08.2020 21:06registriert June 2020
Egal ob Manchester oder Paris. Hauptsache England!
638
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Octavius
26.08.2020 18:44registriert February 2020
Und er wird im leben nicht wechseln,er bleibt.
496
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