Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Der Eishockeyspieler Peter Schlagenhauf vom EHC Kloten und andere Mitglieder der Mannschaft und Fans feiern am 23. Maerz 1993 mit dem Meisterpokal den Gewinn der Schweizermeisterschaft. Links am Bildrand im Gedraenge der Keystone-Fotograf Walter Bieri. (KEYSTONE/Str)

Der Titel, der den Stein ins Rollen brachte: Die Spieler des EHC Kloten feiern 1993 den Meistertitel. Bild: KEYSTONE

Die Dynastie Kloten: «Wir galten als die ewigen Zweiten, viele haben gespottet»

rolf bichsel / keystone-sda



Vier Titel in Serie! Der EHC Kloten legte von 1993 bis 1996 die beeindruckendste Siegesserie in der Geschichte der Schweizer Playoffs hin. Nur der SC Bern unter Kari Jalonen schaffte es in die Nähe dieser Bestmarke.

Und vorher, in der Hockey-Steinzeit, schafften nur Davos, Arosa und La Chaux-de-Fonds vier oder mehr Titel hintereinander.

Vier Meistertitel hintereinander tönt nach Kontinuität. In den vier Saisons werkelten in Kloten aber vier Trainer: Conny Evensson (1993/94), Putte Carlsson, Lars Falk (als Duo bis zur Entlassung vor den Playoffs 1995) und Alpo Suhonen (1995/96). Die Unterschiede zwischen den Übungsleitern war riesig: Wenn Evensson den Spielern befahl, um 6 Uhr morgens aufzustehen, stellten sie den Wecker auf halb sechs. Später unter Suhonen wurde Kloten der erste antiautoritäre Meister unseres Eishockeys.

Legendäres Jubelfoto: Roman Wäger und Felix Hollenstein feiern 1995 den dritten Titel. Bild: KEYSTONE

Das bedeutet: Kloten verdankte seine Dynastie primär der Selbständigkeit, dem Verantwortungsgefühl und der Begeisterungsfähigkeit der Spieler. Der Leitwolf damals: Captain Felix Hollenstein, das Klotener Urgestein.

«Der Klub war in zwei Lager gespalten – auf der einen Seite wir, auf der anderen der Vorstand.»

Felix Hollenstein

Mit den vier Meistertiteln verbindet Fige Hollenstein die schönsten Erinnerungen und «vor allem den ersten und den vierten Titel». Warum der erste? Hollenstein: «Der erste war speziell, weil wir sieben, acht Jahre gebraucht hatten, um Meister zu werden. Wir galten als die ewigen Zweiten. Viele hatten gespottet: Die Klotener sind zu wenig hart und zu wenig kämpferisch. Die werden nie Meister. Doch dann haben wir das Gegenteil bewiesen und von Anfang bis Schluss eine souveräne Saison gespielt. Der Final gegen Fribourg war etwas vom Besten, was ich erlebt habe. Als es dann geschafft war, herrschte eine unglaubliche Freude, der Schluefweg war total überfüllt.»

Serie: Playoff-Highlights

Playoffs im Schweizer Eishockey: 1985 eingeführt, 2020 ausgefallen. Wir blicken zurück – angefangen bei der Angst der Klubs, die Fans würden der Qualifikation fernbleiben, bis zum Aufstieg zum 200-Millionen-Business, das seit 2015 Jahr für Jahr mehr als zwei Millionen Fans in die Stadien lockt. Eishockey soll primär – und Playoff-Dramen garantieren beste Unterhaltung. Auf diese Dramen blicken wir in einer Serie zurück.

Und der vierte? «Der vierte Titel blieb auf emotionaler Ebene unerreicht. Wir konnten nicht nachvollziehen, weshalb Alpo Suhonen nach der Saison gehen muss und wollten ihm ein Abschiedsgeschenk machen. Auch einige Spieler wussten, dass sie nicht bleiben durften. Der Klub war in zwei Lager gespalten – auf der einen Seite wir, auf der anderen der Vorstand.»

Alpo Suhonen, Trainer des EHC Kloten, unterhaelt sich am 23. Maerz 1996, beim Spiel gegen den SC Bern mit dem Captain Felix Hollenstein. Der EHC Kloten gewinnt das Spiel gegen den SC Bern mit 5:1 und damit die Meisterschaft. (KEYSTONE/Str)

Captain Felix Hollenstein unterhält sich 1996 mit Trainer Alpo Suhonen. Bild: KEYSTONE

Der Schlüsselmoment auf dem Weg zur Dynastie war Klotens Halbfinal gegen Lugano im Frühling 1993. Gegen die Tessiner hatte Kloten vorher vier Serien und zweimal den Playoff-Final und 13 von 14 Partien verloren. Wieder verlor Kloten als Qualifikationssieger gegen Lugano das erste Spiel (1:3) und in Spiel 2 in der Resega führte Lugano bis zur 59. Minute mit 2:1. Dann gelang Hollenstein der Ausgleich, und nach einer torlosen Overtime siegte Kloten im Penaltyschiessen.

Mit diesem dramatischen Sieg wurde der Lugano-Fluch besiegt: Kloten gewann die Serie in vier Spielen, «Grande Lugano» war endgültig vorbei. Bei jedem Klotener Titelgewinn führte der Weg in den Playoffs über Lugano.

Es brechen alle Dämme: Der EHC Kloten feiert 1996 den vierten Meistertitel in Serie. Bild: KEYSTONE

In Erinnerung bleiben aus dieser Zeit auch die wichtigen Goals von Roman «Limi» Wäger, die Paraden von Goalie Reto Pavoni und die brillanten Ausländer Anders Eldebrink und Mikael Johansson.

Unvergessen bleibt auch, dass beim ersten Titelgewinn die letzten elf Sekunden offiziell nie gespielt wurden. Schiedsrichter Bertolotti warf den Puck noch ein, der Zeitnehmer war wohl aber schon am feiern, und weil Chomutow und Bykow die eingeworfene Scheibe einfach liegen liessen und ihre Klotener Gegner umarmten und ihnen gratulierten, spielte das keine Rolle mehr.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Der 1000er-Klub des Schweizer Eishockeys

Ein wahrer Kommentator eskaliert auch ohne Fussball

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

9
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • dechloisu 26.03.2020 13:20
    Highlight Highlight Die guten alten Zeiten.

    Diese Serie wird wohl kein Team mehr schlagen.

    Wir werden zurückkehren.
  • Der müde Joe 25.03.2020 20:36
    Highlight Highlight Mikael Johansson wäre auch mal einen Artikel wert.
    Ein fast vergessenes Genie auf Kufen!

    Eine Übersicht seiner Titel:

    Schweiz: 🏆🏆🏆🏆

    Schweden: 🏆🏆🏆🏆🏆

    WM: 🥇🥇🥈🥈🥉

    Olympia:🥉

    Dagegen sieht die Vitrine von Bykov geradezu leer aus.😉
    • Lumina 26.03.2020 01:09
      Highlight Highlight In den Niederungen der NLB herumkurven, sich mit ärgster Müh und Not gegen die "Juniorenversammlung" des Z in den Playoffs nicht zum Deppen machen, per se am grünen Tisch für Lau aufsteigen wollen, aber immer noch schön gegen die Fribourger sticheln ...

      Ihr Klotenen seit echt ein sonderbares Volk. 🙄

      PS: Der Herr Bykov Senior hat im Fall mit Russland auch so einiges gewonnen. ☝🏼
    • Robson-Rey 26.03.2020 08:55
      Highlight Highlight Ihr? Da ich angesprochen bin kläre ich Dich gerne auf.

      Niederungen der NLB? Kloten war Qualisieger.

      Müh und Not? 21:12 Tore, 171:124 Schüsse auf's Tor und 4:1 Siege. Das sind solide Statistiken.

      Ich kenne keinen der wollte, dass Kloten am grünen Tisch aufsteigt. Verstehe aber, dass Pascal Signer es versuchte. Ich nehmen an Du würdest Dich bei Deinem Arbeitgeber auch für eine höhere Position oder Aufgabe bewerben wenn sich Dir die Chance bietet.

      Wieso nicht gegen jemanden Sticheln? Als Klotenfan hat man, seit der Misswirtschaft von verschiedenen Präsidenten, sonst nichts mehr zum sticheln😁
    • Hallo22 26.03.2020 09:04
      Highlight Highlight Bykov: 2 x Olympiagold, 5 x WM-Gold, 1 x WM- Silber, 2 x WM-Bronze plus die Aufnahme in die IIHF-Hall of Fame
    Weitere Antworten anzeigen
  • flying kid 25.03.2020 18:40
    Highlight Highlight Hach waren das schöne Zeiten...
    • Lumina 26.03.2020 12:48
      Highlight Highlight Komm hör auf, das erste Spiel gegen GCK ganz klar verloren, ein weiteres mal nur knapp via Verlängerungssieg durchgezittert.

      Und hör mir bloss auf mit "Qualisieger", Aioje hat gleich viele Punkte erreicht und erst noch mehr Tore erzielt.

      Tut mir leid, aber ganz egal wie du es noch drehen und wenden willst, das heutige Kloten ist beileibe nicht das, was Rapperswil im B war - und genau aus diesem Grund, werden die Klotener auch in den nächsten 5-6 Jahren, nicht aufsteigen.
    • dechloisu 26.03.2020 23:45
      Highlight Highlight Lumina deine Verbitterung muss schon tief sitzen, ein Anhänger eines Vereins zu sein welcher nie etwas erreicht hat und dies wohl auch nie wird.
      Bitterer Zusatz, dass sich kaum jemand für diesen Interessiert

Eismeister Zaugg

Fussball und Hockey nur noch mit Saisonabos und Sitzplätzen?

Das Verbot für Grossveranstaltungen – also auch Fussball- und Hockeyspiele mit mehr als 1000 Zuschauern – gilt noch bis Ende August. Nun zeichnet sich eine Krisen-Lösung ab, die zum Dauerzustand werden und die Fussball- und Hockeykultur nachhaltig verändern kann: Nur noch Sitzplätze und personalisierte Tickets.

Am 24. Juni wird der Bundesrat entscheiden, wie es mit Grossveranstaltungen nach dem 31. August weiter geht. Diese bundesrätlichen Weisungen sind für den Fussball (zurzeit nur Geisterspiele) und das Eishockey (Meisterschaftsstart im September) existenziell.

Wie die Virus-Situation im September sein wird, weiss niemand. Eine Rückkehr zur völligen Normalität wird es wohl erst geben, wenn eine Impfung möglich ist. Es kann unter Umständen sein, dass es in den nächsten zwei Jahren noch keine …

Artikel lesen
Link zum Artikel