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Jubel der ZSC-Spieler mit dem Meisterpokal Christian Weber, links, Mathias Seger, Mitte, und Ari Sulander, am Samstag, 1. April 2000, nach dem 4:3 Sieg gegen Lugano.  (KEYSTONE/Walter Bieri) === ELECTRONIC IMAGE ===

Grosse Erlösung: Christian Weber (mit Pokal) und Mathias Seger (in grün) jubeln 2000 über den Meistertitel. Bild: KEYSTONE

Der ZSC holt 2000 und 2001 seine ersten Titel als Lions – trotz mieser Stimmung im Klub

Nach der Fusion mit GC holten die neuen ZSC Lions 2000 und 2001 ihre ersten Titel. Trotz dieser positiven Überraschungen, war die Stimmung im und um den Klub alles andere als gut.

rolf bichsel / keystone-sda



Walter Frey, schon damals Verwaltungsratspräsident der ZSC Lions, sagte es im Herbst 2000: «Meister werden ist nicht schwer, Meister sein umso mehr.» Die ZSC Lions wurden im Frühling 2000 und 2001 Meister – leicht fiel ihnen in diesen zwei Saisons wenig.

Der Zuercher Mathias Seger, Zweiter links, wird fuer sein 1000. Spiel geehrt, vor dem Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und den Kloten Flyers am Dienstag, 13. Januar 2015, im Hallenstadion in Zuerich. Zweiter rechts ZSC Praesident Walter Frey, rechts ZSC CEO Peter Zahner.(KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Walter Frey, hier bei einer Ehrung von Mathias Seger, ist schon lange beim ZSC dabei. Bild: KEYSTONE

Niemand hat damals bei Walter Frey nachgefragt, warum der Zürcher SC 39 Jahre lang darauf verzichtete, Meister zu werden, wenn es doch nicht schwierig sei. Aber Frey wollte auf einen anderen Punkt hinweisen: Es ist einfacher, einen Exploit zu schaffen, als diesen zu bestätigen, wenn es alle erwarten. Die ZSC Lions holten 2000 und 2001 den Titel. Danach gelang 16 Jahre lang keinem Meister mehr die erfolgreiche Titelverteidigung.

Trotz der Erfolge zwischen Frühling 1999 und Frühling 2001: Bei den ZSC Lions ging es drunter und drüber. Die Fusion mit dem ungeliebten Grasshopper Club von 1997 sorgte bei den ZSC-Fans immer noch für Nachwehen. Sie hatten damals sogar eine Namensänderung durchgesetzt (ZSC Lions statt wie geplant Zürich Lions).

Als Favorit stieg in beiden Saisons Lugano in den Playoff-Final. Die Luganesi gewannen jeweils die Qualifikation, in der Millennium-Saison sogar mit elf Punkten Vorsprung. Lugano sann endlich auf Revanche für die Blamage von 1992, als das «Grande Lugano» sensationell im Viertelfinal am ZSC und an Arno Del Curto gescheitert war. Aber die Revanche missriet: Die erste Finalserie gewannen die ZSC Lions in sechs Spielen, die zweite nach einem 1:3-Rückstand in sieben Spielen.

Ari Sulander «hexte» die Zürcher zu den Titeln. Die Meister-Goals erzielten Adrien Plavsic im Frühling 2000 zum 4:3 in Spiel 6 zehn Sekunden vor Schluss und Morgan Samuelsson im Frühling 2001 zum 2:1 in der Verlängerung von Spiel 7.

Das SRF blickt zurück auf den ersten Titel der ZSC Lions im Jahr 2000. Wer nochmals das ganze Spiel anschauen will, kjann das hier tun. Video: SRF

Krawalle bleiben in Erinnerung

In der Erinnerung blieb aber anderes haften: Die andauernden Zürcher Unruhen um die Trainer Kent Ruhnke (99/00) und Larry Huras (00/01), die Krawalle zwischen den Fans, die Skandalnacht in der Resega nach dem Zürcher Sieg in der Verlängerung der «Finalissima 2001». Hooligan-Experte Dölf Brack nahm in den Medien eine Hauptrolle zur Playoff-Berichterstattung ein wie derzeit Daniel Koch vom BAG während der Corona-Krise.

Schon im ersten Final gehörten Wasserwerfer und Tränengas zu den Spielen im Hallenstadion gegen Lugano einfach dazu. Zur ersten Eskalationen kam es während des Playoff-Finals 2001 wieder in Zürich. Nach Beginn von Spiel 2 überrannten Lugano-Hooligans ohne Eintrittskarten die Türsteher und verschafften sich Einlass.

Vier Tage später schickten die Zürcher Sicherheitskräfte als Konsequenz einen Bus mit Lugano-Fans ins Tessin zurück. Wegen der Rückweisung des Fan-Cars liess Lugano als Retourkutsche beim dritten Heimspiel in der Resega aus Sicherheitsgründen keine ZSC-Fans ins Stadion.

Die Ultras von der Curva Nord, Fans des HC Lugano, veranstalten am Samstag, 7. April 2001, in Lugano nach dem letzten Playoff-Finalspiel der Eishockey-NLA gegen die ZSC Lions, eine wueste Schlaegerei, nachdem der ZSC mit einem Tor zum Sudden Death den Meistertitel gewonnen hat. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Krawall nach geplatztem Meistertraum: Die Ultras von Luganos Curva Nord stürmen das Eis in der Resega. Bild: KEYSTONE

Diese Massnahme war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. In der «Finalissima 2001» kam es zur finalen Abrechnung. Die Sieger wurden verhöhnt und mit Feuerwerk beschossen. Sicherheitsleute prügelten sich vor laufenden Kameras mit Fans.

«Mit Menschlichkeit hatte das, was mir beim ZSC widerfahren ist, nichts zu tun.»

Kent Ruhnke

Wirren um Meistertrainer

Ausreichend Unruhe produzierten die ZSC Lions in diesen Meisterjahren aber selber. Kent Ruhnke baute innerhalb von zwei Jahren aus einem Abstiegskandidaten ein Meisterteam, erfuhr aber während der Playoffs, dass ihn Larry Huras nach der Saison an der Bande ablösen wird. «Mit Menschlichkeit hatte das, was mir beim ZSC widerfahren ist, nichts zu tun», sagt Ruhnke im Rückblick immer noch mit Wut im Bauch.

Meistertrainer Kent Ruhnke,rechts, mit Zigarre nach dem Finalsieg  beim Eishockey Playoff - Final  ZSC Lions - Lugano in Zuerich am Samstag 1. April 2000. (KEYSTONE/Walter Bieri) ===ELECTRONIC IMAGE ===

Trainer Kent Ruhnke musste die Lions trotz Meistertitel verlassen. Bild: KEYSTONE

Auch sein Nachfolger Larry Huras wurde in Zürich trotz Titelgewinn nicht mehr glücklich. Huras besass Kultcharakter, als er von 1994 bis 1996 den alten, erfolglosen ZSC coachte. Damals überstand er sogar einen Saisonstart mit zwölf sieglosen Spielen ohne Imageschaden.

Ausgerechnet Morgan Samuelsson

Zu Beginn seiner zweiten Zürcher Ära statuierte Huras aber ein Exempel an Captain Claudio Micheli, den er in die vierte Linie degradierte. Danach war sein Verhältnis zu den Schlüsselspielern gestört. Im Gegensatz zu Ruhnke durfte Huras nach der gewonnenen Meisterschaft zwar bleiben, entlassen wurde er aber im nächsten Herbst nach etwas mehr als einem Monat.

Zum Slapstick neben dem Eis passte, dass ausgerechnet Morgan Samuelsson, an den Huras nicht mehr geglaubt hatte, mit seinen Toren und Assists im Final die Wende vom 1:3 zum 4:3 gegen Lugano herbeiführte. «Es tönt nach dem kitschigen Ende einer Seifenoper – doch genauso wars eben», schrieb die NZZ.

Morgan Samuelsson schiesst die Lions 2001 zum zweiten Meistertitel in Serie. Video: SRF

Erst beim Stand von 1:3 im Final realisierte Huras, dass Samuelsson spielen muss. Der Schwede erzielte in den drei verbleibenden Spielen jeweils ein (entscheidendes) Tor und einen Assist. Zuvor hatte Samuelsson mit Davos als Turnier-Topskorer den Spengler Cup gewonnen. Von Huras wurde er aber mehr als einen Monat lang konsequent übergangen. Zu Beginn der Playoffs hatte sich Samuelsson mit Tennis fit halten müssen. (abu/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Nelson Muntz 03.04.2020 19:26
    Highlight Highlight Intensive Serien....die elektrisirende, teils überbordende Rivalität war auch zwischen Mitarbeitern und Freunden zu zu spüren. Die Tränengas- vor und die Tabak/Canabisschwaden in der Halle, Hass auf und neben dem Eis. Und am Ende Euphorie ohne Ende.

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