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Zuerichs Torhueter Ludovic Waeber im zweiten Eishockey Playoff-Viertelfinalspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem Lausanne HC am Donnerstag 15. April 2021, im Zuercher Hallenstadion. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

ZSC-Torhüter Ludovic Waeber macht alles zu. Bild: keystone

ZSC-Sportchef Sven Leuenberger und sein Jahrhundert-Transfer

Weil er Leonardo Genoni nicht bekam, holte ZSC-Sportchef Sven Leuenberger schliesslich Ludovic Waeber. Ein Volltreffer, der die Meisterschaft entscheiden kann.



Ein gewöhnlicher Sportchef beugt sich den Vorgaben des Verwaltungsrates. Ein grosser Sportchef sucht nach neuen Lösungen, wenn seine Wünsche nicht erfüllt werden. Sven Leuenberger ist ein grosser Sportchef.

Im Sommer 2018 orientiert sich Leonardo Genoni neu. Er unterschreibt noch vor seiner letzten Saison beim SCB einen Fünfjahresvertrag beim EV Zug (bis 2024). Was kaum jemand weiss: Nicht nur Zug hat sich um die Dienste des WM-Silberhelden bemüht. Auch ZSC-Sportchef Sven Leuenberger wollte Leonardo Genoni.

Auf den ersten Blick eigentlich unsinnig: Lukas Flüeler hatte soeben die ZSC Lions nach 2012, 2014 und 2018 zum dritten Mal zum Titel gehext. Im 7. Spiel auswärts in Lugano (2:0). Der wehrhafte Riese (193 cm, 103 kg) ist zudem erst 29. Im besten Alter.

Lions Goalie Lukas Flueeler, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League zwischen den SCL Tigers und den ZSC Lions, am Dienstag 22. Dezember 2020, im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

ZSC-Meistergoalie Lukas Flüeler. Bild: keystone

Aber er ist auch ein zerbrechlicher Riese mit einer langen Verletzungshistorie. Sven Leuenberger ahnt, ja, er weiss: Er braucht einen neuen Meistergoalie.

ZSC-Manager Peter Zahner bestätigt auf Anfrage das damalige Interesse an Leonardo Genoni. Ohne auf Details einzugehen: «Wenn ein Torhüter mit seiner Klasse auf dem Markt ist, dann ist er bei jedem ambitionierten Klub und jedem Sportchef ein Thema. Wir haben diese Angelegenheit nur kurz besprochen und dann zu den Akten gelegt.» Auch Leonardo Genonis Agent Erich Wüthrich bestätigt die seinerzeitigen Transfer-Avancen der Zürcher.

Wie wir heute wissen: Sven Leuenberger hat Leonardo Genoni nicht bekommen. Aus zwei Gründen. Aus finanziellen und speziellen.

Der finanzielle Grund: Gewährsleute aus der Innerschweiz beziffern Leonardo Genonis Lohn in Zug ziemlich genau auf 840'000 Franken brutto plus Prämien. Weil auch Lukas Flüeler mit Vertrag bis 2022 mit über 400'000 Franken brutto gelöhnt wird, hätte eine Verpflichtung von Leonardo Genoni den ZSC Lions aufgrund der Vertragssituation das wohl teuerste Goalie-Duo ausserhalb der NHL beschert.

Aber Geld ist in Zürich so wenig ein Problem wie in Zug. Es geht um etwas anderes. Um den speziellen Grund: Lukas Flüeler ist bei den ZSC Lions aufgrund seiner grossen Verdienste zu Recht hoch angesehen und bestens bis in die höchste Führungsebene vernetzt. Ihm ausgerechnet Leonardo Genoni vor die Nase setzen? Nein, das geht nicht. Das gehört sich nicht.

Torhueter Leonardo Genoni von Zug im Spiel 1 des Playoff 1/4 Finalspiel der Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EV Zug und dem SC Bern vom Dienstag, 13. April 2021 in Zug. (KEYSTONE/Urs Flueeler).

Leonardo Genoni war auch vom ZSC umworben. Bild: keystone

Was tut nun der gewöhnliche Sportchef in dieser Situation? Er fügt sich und sagt: Dann eben nicht und wenn’s nicht gut kommt, kann ich darauf verweisen, dass ich ja damals den Genoni wollte.

Der grosse Sportchef aber sucht eine Lösung. Getreu dem Grundsatz: «Gouverner c’est prévoir.» Dass er in Zukunft nicht auf Niklas Schlegel bauen kann, ist Sven Leuenberger klar. Nur SCB-Sportchef Alex Chatelain weiss es nicht und holt die Nummer zwei der ZSC Lions im Sommer 2019 als Nachfolger von Leonardo Genoni nach Bern. Und muss ihn schon nach 16 Spielen nach Lugano abschieben und durch einen Ausländer (Tomi Karhunen) ersetzen.

Die Lösung ist eine Rolex vom Transfer-Wühltisch. Also ein hochtalentierter, preisgünstiger junger Torhüter, dessen Potenzial die Konkurrenz nicht erkannt hat. Im Sommer 2020 wird Sven Leuenberger fündig und verpflichtet Ludovic Waeber (23), Gottérons weitgehend unbekannte Nummer 2 mit Vertrag bis 2022. «Wir haben uns auch gestützt auf die Empfehlung von Stephan Siegfried (Torhütertrainer der ZSC Lions – die Red.) für Waeber entschieden.»

Der ehemalige Junioren-Internationale hat keine Chance, bei Gottéron an Reto Berra vorbeizukommen, und war zudem wegen Verletzungen vom Radar der meisten Sportchefs verschwunden.

Sven Leuenberger spricht zwar von allem Anfang an von einem «extrem talentierten Goalie mit dem Potenzial zur Nummer 1.» Aber der «Flüeler-Clan» im Kosmos der ZSC Lions ist nicht beunruhigt. Ludovic Waeber? Kein Problem.

Die Zuercher Patrick Geering, links, und Torhueter Ludovic Waeber, jubeln nach gewonnenem Penaltyschiessen im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und den ZSC Lions, am Freitag, 26. Maerz 2021 in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Ludovic Waeber hat sich als Nummer 1 etabliert. Bild: keystone

Aber die Entscheidungshoheit in dieser Sache liegt seit Saisonbeginn bei Trainer Rikard Grönborg. Nur noch Leistung zählt. Die Verdienste aus der Vergangenheit sind unerheblich. Und der Schwede vertraut bald auf Ludovic Waeber. Das wird zum ersten Mal allen klar, als der Schwede die vermeintliche Nummer 2 im verlorenen Cupfinal gegen den SC Bern einsetzt.

Nun ist Ludovic Waeber in den Playoffs der Mann der Stunde: zwei Shutouts (5:0, 3:0) in den drei Partien gegen das hochdotierte Lausanne und mit Abstand die beste Fangquote (96,70 %). Eine bessere sogar als die von Zugs Leonardo Genoni (90,91 %).

Sein Transfer könnte sich für die ZSC Lions als der smarteste in diesem Jahrhundert erweisen.

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