Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
ARCHIV - ZUR MELDUNG VOM 4. FEBRUAR 2020, DASS MARK STREIT IN DIE HALL OF FAME DES INTERNATIONALEN EISHOCKEY-VERBANDES IIHF AUFGENOMMEN WIRD, STELLT IHNEN KEYSTONE SDA FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG. WEITERE BILDER ZU MARK STREIT FINDEN SIE AUF visual.keystone-sda.ch UNTER AKTUELL UND UNTER SPORT - New York Islanders defenseman Mark Streit (2) skates towards a puck during practice before the NHL hockey game against the Pittsburgh Penguins on Friday, March 22, 2013 at Nassau Coliseum in Uniondale, N.Y. (KEYSTONE/AP Photo/Kathy Kmonicek)

Mark Streit war der erste Schweizer Captain in der NHL. Bild: FR170189 AP

Mark Streit über das moderne Eishockey: «Niemand will sich mehr positionieren»

Mark Streit wäre heute Sonntag im Rahmen des WM-Finaltags in Zürich offiziell in die Hall of Fame der IIHF aufgenommen worden. Er sieht aber das grosse Bild.



«Das grosse Übel am Ganzen ist, dass die WM nicht stattfindet. Das tut am meisten weh», sagt Streit am Telefon. Er spürte die Euphorie, und dem Schweizer Team hätte der 42-Jährige einiges zugetraut. Derweil dürfte die Aufnahmezeremonie in die Hall of Fame eines Tages nachgeholt werden.

«Das Jahr führte mir vor Augen, wie viel es braucht, um in der NHL spielen zu können, was ich unbedingt wollte.»

Mark Streit

Die IIHF bezeichnete Streit auf der Homepage «als den wohl grössten Schweizer Spieler aller Zeiten». Fakt ist, dass er sich als erster Nicht-Goalie in der NHL durchsetzte und damit die Türen für die heutige Schweizer Generation öffnete. «Es ist schön zu sehen, dass die Jungen ehrgeizig sind und noch besser sein wollen als die Topspieler meiner Generation», so der frühere Verteidiger.

Streit ist ein Synonym dafür, was mit Beharrlichkeit erreicht werden kann. Nicht umsonst trägt die kürzlich veröffentlichte Biografie den Titel «Gegen alle Widerstände». Als Junior wurde er vom SC Bern als zu wenig gut eingestuft, weshalb er bei Fribourg-Gottéron in der höchsten Schweizer Liga debütierte. 1999 wagte er erstmals den Schritt nach Nordamerika, konnte sich zunächst aber nicht durchsetzen. «Das war für mich ein enorm wichtiges Jahr, in dem ich am meisten lernte», blickt Streit zurück. «Es härtete mich ab. Ich lernte mich selber kennen, aber auch das ganze System in den USA. Das Jahr führte mir vor Augen, wie viel es braucht, um in der NHL spielen zu können, was ich unbedingt wollte.»

Zwar blieb Streit trotz zum Teil massiven Widerständen die gesamte Saison in Nordamerika. Er realisierte aber, dass er noch zu wenig gut war für die NHL, und kehrte in die Schweiz zurück, wo er für die ZSC Lions spielte. «Dort erhielt ich die Chance, als Spieler auf und neben dem Eis zu reifen.»

«Ich war total überrascht»

Neben Mark Streit gehört neu auch der gleichaltrige Mathias Seger der Hall of Fame der IIHF an. «Die Ehrung am Finaltag wäre schon ein Highlight gewesen. Für mich ist es jedoch weniger schlimm als für jene Leute, die viel Herzblut in die WM investiert haben», sagt der Ostschweizer, der die Schweizer Nationalmannschaft beim Gewinn der WM-Silbermedaille 2013 in Stockholm als Captain angeführt hat.

Als Seger von IIHF-Präsident René Fasel am Telefon persönlich über die Aufnahme in die Hall of Fame informiert wurde, «war ich total überrascht. Bei all diesen grossartigen Spielern hatte ich wirklich nicht damit gerechnet. Ich fühle mich extrem geehrt. Speziell freut mich, dass ich zusammen mit meinem Kumpel Streit aufgenommen wurde. Das ist genial.»

Seger verdankte seine grossartige Karriere nicht herausragendem Talent. Vielmehr war er ein Teamspieler par excellence. Er nahm an nicht weniger als 16 Weltmeisterschaften teil, womit er Rekordhalter ist. Mit den ZSC Lions, für die er 19 Jahre tätig war, davon zwölf als Captain, gewann er sechsmal den Meistertitel und 2009 die Champions Hockey League.

Hatte er nie Zweifel? «Ich behielt den Optimismus immer bei und schaute vorwärts, tat den nächsten Schritt, wenn es Zeit war. Ich bedaure nichts. Wenn ich zurückschaue, habe ich das Gefühl, das Optimum und vielleicht noch etwas mehr herausgeholt zu haben.» Jedenfalls bestritt er nicht weniger als 820 Partien in der besten Liga der Welt, in denen er 100 Tore und 349 Assists erzielte.

«In Salt Lake City erlebte ich eine Extremsituation. Ich sprang quasi ins kalte Wasser.»

Mark Streit

Streit war bei den New York Islanders auch der erste Schweizer Captain in der NHL. Es reizte ihn schon früh, Verantwortung zu übernehmen und ein Leader zu sein. Zuerst einmal wollte er aber mit guten Leistungen auffallen. «Ich bin in diese Rolle hineingewachsen, lernte viel von älteren Spielern und entwickelte meinen eigenen Stil.»

ARCHIV - ZUM KEYSTONE-SDA-TEXT UEBER DIE EHEMALIGEN EISHOCKEYSPIELER MARK STREIT UND MATHIAS SEGER STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG. WEITERES BILDMATERIAL FINDEN SIE UNTER EDITORIAL SPORT AUF VISUAL.KEYSTONE-SDA.CH. - ZSC-Captain Mark Streit, links, laesst sich mit einem seiner besten Freunde bei den ZSC Lions, Mathias Seger, rechts, fuer ein Erinnerungsfoto fotografieren, da er mit einem Einjahresvertrag in die NHL zu den Montreal Canadiens wechselt, am Donnerstag, 4. August 2005, anlaesslich des offiziellen Fototermins der ZSC Lions in der Eishalle KEBO in Zuerich-Oerlikon. (KEYSTONE/Eddy Risch)

Mark Streit und Mathias Seger: zwei grosse Figuren des Schweizer Eishockeys. Bild: KEYSTONE

Prägend waren für ihn die Olympischen Spiele 2002 in Salt Lake City, an denen er erstmals als Captain der Nationalmannschaft amtete. «Aufgrund der damaligen Vorkommnissen (Reto von Arx und Marcel Jenni wurden nach einer durchzechten Nacht nach Hause geschickt, Red.) erlebte ich eine Extremsituation. Ich sprang quasi ins kalte Wasser.»

Die gemachten Erfahrungen möchte Streit nun weitergeben. Anfang Mai wurde bekannt, dass er beim SC Bern als Aktionär mit Einsitz im Verwaltungsrat einsteigt und er den Verein in einem Teilpensum in der Jugendförderung unterstützt. «Ich möchte vor allem dem Nachwuchs etwas zurückgeben», sagt Streit. Geplant ist, dass er zweimal am Morgen mit der Fördergruppe aufs Eis geht.

«Alle wollen möglichst perfekt sein und keine Angriffsfläche bieten. Das finde ich etwas schade.»

Mark Streit

Als enorm wichtig stuft Streit neben der Opferbereitschaft die Entwicklung der Persönlichkeit ein. Er wünscht sich mehr Typen mit Charakter und Leader-Qualitäten. «Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sich niemand mehr positionieren will. Alle wollen möglichst perfekt sein und keine Angriffsfläche bieten. Das finde ich etwas schade. Der Sport lebt von Emotionen, von Leuten, die etwas anders ticken. Es braucht Mut und mentale Stärke, hinzustehen und zu sagen, was Sache ist. Im Moment sind viele brave Bübchen.»

Auch die Opferbereitschaft könnte für ihn grösser sein. «Heute sind die Rahmenbedingungen perfekt. Es wird alles bereitgelegt. Du musst aber dennoch trainieren und beissen. Diese Denkweise ist wichtig. Mit Talent alleine kommst du nicht weiter. Jeden Tag Gas zu geben und besser werden zu wollen, ich weiss nicht bei wie vielen das der Fall ist. Vielmehr laute die Maxime: 'Trainer, bring mich in die NHL'.»

Hat Streit angesichts der aktuellen Situation Angst um das Schweizer Eishockey? «Der ganze Sport ist beeinträchtigt – wie auch die ganze Wirtschaft. Es ist eine Bewährungsprobe. Wichtig ist, dass alles hinterfragt wird.» Einen Salary Cap, der aktuell diskutiert wird, findet Streit «sehr gut». Er befürwortet eine Ober- und eine Untergrenze bei den Löhnen. Was eine Erhöhung der erlaubten Anzahl Ausländer betrifft, darüber hat er sich «sehr viele Gedanken macht».

Einerseits findet er den Konkurrenzkampf enorm wichtig. «Das bringt dich weiter.» Anderseits sei es im Interesse eines Klubs, mit so vielen Schweizern wie möglich zu spielen. Dabei denkt er auch an die Nationalmannschaft. «Wenn nur noch ausländische Goalies auf dem Eis stehen würden, hätten wir in ein paar Jahren ein Problem. Entscheidend ist, eine Lösung zu finden, um die Zukunft der Liga zu sichern.» (sda)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Der 1000er-Klub des Schweizer Eishockeys

Video der Woche:

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

9
Bubble Diese Diskussion wurde geschlossen.
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Walser 24.05.2020 22:49
    Highlight Highlight Sehr guter Bericht. Typen wie Streit und Seger sind wichtige Vorbilder für die Jungen. Komplett ohne Starallüren. Echt und authentisch👍🏻
  • AllknowingP 24.05.2020 22:01
    Highlight Highlight @Watson
    Mark Streit war nicht 19 Jahre bei den ZSC Lions tätig ;-)
    Auch Sechst Meistertitel waren es (leider) nicht.
    • Ralph Steiner 24.05.2020 22:15
      Highlight Highlight Es geht dort ja auch um Seger und nicht um Streit.
  • fools garden 24.05.2020 20:45
    Highlight Highlight Wir können diese Ausländerregel ganz gut an Hand des Amerikanischen Hockey sehen.
    Es nützt der Nationalmanschaft wenig wenn die Clubs randvoll sackstarke ausländische Spieler sind. Sie gewinnen zwar den Stanleycup, aber selten eine WM.
    Bei Englands Fussball verhält es sich änlich,
    im Französischen Rugby ebenfalls.
    • ursus3000 25.05.2020 06:04
      Highlight Highlight Am die WM können nur die Spieler die im Kampf um den Stanley Cup ausgeschieden sind . Darum sind die Weltbesten Spieler gar nicht an der WM. Sonst wäre die Schweiz nicht Medaillenanwärter
    • Thomas Deuber (1) 25.05.2020 06:34
      Highlight Highlight So viele WMs wie ein Stanleycup wert ist kann man gar nicht gewinnen. Das kann man nicht vergleichen.
    • fools garden 25.05.2020 07:27
      Highlight Highlight Nationalmannschaften sind eine Frage des Stolzes, Clubmannschaften eine des Geldes.
    Weitere Antworten anzeigen

Kommentar

Fussball und Hockey – der Staat darf das Hobby der Millionäre nicht finanzieren

Unser Fussball und unser Eishockey können problemlos ohne zusätzliche staatliche Hilfe durch die Virus-Krise kommen. Eine Polemik wider einen Sündenfall.

Unser Sport – in erster Linie der Fussball und das Eishockey in den beiden höchsten Ligen – ist in seine grösste wirtschaftliche Krise der Geschichte geraten. Inzwischen ist der Staat in der Lage, die Wirtschaft mit Milliarden durch die Krise zu «füttern». Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, die Lohnbuchhaltungen über die Kurzarbeitsregelung zu entlasten. Davon profitiert auch der in Kapitalgesellschaften organisierte Profisport.

Der Sport ist systemrelevant geworden, daher werden …

Artikel lesen
Link zum Artikel