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Zuerichs Maxim Noreau, zweite-links, Gotterons David Aebischer, Mitte-links, und Gotterons Torhueter Reto Berra, rechts, kaempfen um den Puck, waehrend dem Swiss Ice Hockey Cup 1/2 Final zwischen den HC Fribourg Gotteron und dem ZSC Lions, am Sonntag, 20. Dezember 2020, in der BCF Arena in Fribourg. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Im Halbfinal setzten sich die ZSC Lions gegen Fribourg-Gottéron durch. Bild: keystone

Eismeister Zaugg

Der letzte Final im Hockey-Cup – wie ein gutes Geschäft vermasselt wurde

Die ZSC Lions spielen am Sonntag im Hallenstadion (20.15 Uhr, live SRF2) gegen den SC Bern den letzten Cupfinal. Weil der Verband dem Wettbewerb schon im Sommer 2020 den Stecker gezogen hat.



Im Cupfinal geht es um wenig Ruhm – der Cupsieg hat im Eishockey einen geringen sportlichen Wert – aber um recht viel Geld. Nachfolgend die Fix-Einnahmen der beiden Finalisten aus dem Wettbewerb, die durch den Verband an die Klubs bezahlt werden. Weil ohne Zuschauer gespielt werden musste, hat Cup-Chef Willi Vögtlin für diese Saison folgenden Auszahlungsplan gemacht:

ZSC Lions

1. Runde gegen Dübendorf (9:0) 20'000.–

2. Runde in Lugano (3:2) 24'000.–

3. Runde in Langenthal (8:0) 25'000.–

4. Runde in Fribourg (4:1) 48'000.–

Final 90'000.–

Im Falle eines Cupsieges kommen noch 100'000 Franken Prämien dazu.

SC Bern

1. Runde in Basel (4:0) 20'000.–

2. Runde gegen Davos (2:0) 16'000.–

3. Runde in Ajoie (3:0) 25'000.–

4. Runde gegen Servette (3:2 n. P.) 32'000.–

Final 90'000.–

Im Falle eines Cupsieges kommen noch 100'000 Franken Prämien dazu.

Bei beiden Klubs bekommen die Spieler keine Siegesprämie. Das Geld geht vollumfänglich in die Klubkasse.

Aus dem hässlichen Entlein wurde ein strahlender Schwan

Aber warum ist es nun der letzte Cup-Wettbewerb? Weil der Verband im denkbar ungünstigsten Moment den Stecker gezogen hat. Letzte Saison hat Ajoie ein Cup-Märchen geschrieben, das die Sport-Schweiz bewegt hat. Mit diesem Märchen wurde aus dem einstigen hässlichen Entlein definitiv ein strahlender Schwan. Der Eishockey-Cup war im Februar 2020 auf der nationalen Sport-Landkarte angekommen.

So feierte Ajoie den Cupsieg

Die Sport-Vermarktungs-Agentur Ringier Sports hält die Marketing- und Medienrechte am Wettbewerb und zahlt dafür dem Verband pro Saison eine Garantiesumme von ziemlich genau 1,7 Millionen Franken. Was bedeutet: Der Verband hat garantierte 1,7 Millionen Franken. Im kompletten Risiko ist Ringier Sports. Die Agentur muss Sponsoren und Medienveranstalter zur Refinanzierung der Garantiesumme finden. Dieser Vertrag läuft mit Ende der Saison 2020/21 aus.

Ausstieg des Hauptsponsors

Ringier Sports löst anfangs Juni 2020 seine Option auf ein Erstverhandlungsrecht ein und hat nun sechs Monate, also bis im Dezember 2020, Zeit, dem Verband ein Angebot für einen neuen Vertrag zu unterbreiten.

Die Verantwortlichen von Ringier Sports lassen bei informellen Gesprächen durchblicken, dass man wohl nicht mehr eine Garantiesumme in der Höhe von 1,7 Millionen Franken zahlen kann. Die Marktsituation hat sich verändert. Der Cup-Hauptsponsor, die Versicherungs-Gesellschaft Zurich, steigt in der Folge komplett aus dem nationalen Eishockey aus.

Ligamanager Denis Vaucher, in der Sache federführend, drängt auf einen neuen Vertrag. Man müsse bis Ende Juni 2020 zu Handen der Ligaversammlung wegen der Spieldaten wissen, ob es auch künftig einen Cup geben werde. Aber Ringier Sports hat bis im Dezember 2020 Zeit, ein Angebot zu unterbreiten. Einen Grund zur Eile gibt es sowieso nicht. Weil es bei Lichte besehen keine Terminnot gibt.

Berns Torhueter Tomi Karhunen, haelt einen Puck im Penaltyschiessen gegen Servettes Joel Vermin im Swiss Ice Hockey Cup Halbfinal zwischen dem SC Bern und Genf Servette HC, am Sonntag, 7. Februar 2021, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

SCB-Goalie Karhunen mit einer Parade im Penaltyschiessen: Bern setzte sich im Halbfinal im Penaltyschiessen gegen Servette durch. Bild: keystone

Wie aus heiterem Himmel zieht Vaucher den Stecker. Am 19. August 2020 vermeldet der Verband offiziell, der Cup werde nicht mehr weitergeführt. Aus. Vorbei. Ringier Sports erhält nicht einmal mehr die Möglichkeit, dem Verband ein schriftliches Angebot für eine Weiterführung zu unterbreiten.

Der Verband unter Vauchers Federführung hat von sich aus, ohne je auch nur ein Angebot vorliegen oder auch nur verlangt oder darüber verhandelt zu haben, einfach den Stecker gezogen und so ein gutes Geschäft vermasselt.

Brisantes E-Mail

Es ging also nicht um fehlendes Geld. Es war der Egoismus der Klubs, die nicht mehr fünf Spieltage pro Saison für den Cup reservieren mochten. Die Zusatzbelastung von bis zu fünf zusätzlichen Partien (für die Finalisten) war offensichtlich den Berufsspielern nicht mehr zuzumuten.

Das beweist dieses brisante E-Mail. Am 17. Juli 2020 um 10.18 Uhr schreibt Bürki Reto, Marketing-General beim Verband, an Ringier Sports:

Lieber X

Danke fürs Mail und auch euer Schreiben vom 5. Juni 2020 (Ausübung Erstverhandlungsrecht), dessen Erhalt wir hiermit gerne auch noch einmal schriftlich bestätigen. Merci auch für euer Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit und am Schweizer Eishockey allgemein.

Wie bereits anlässlich unseres Meetings vom Mittwoch avisiert, müssen wir euch aber leider mitteilen, dass sich die Ligaversammlung – unter anderem in Ermangelung ausreichender Spieldaten – gegen eine Weiterführung des Swiss Ice Hockey Cup ab der Saison 2021/22 entschieden hat. Die von euch gewünschten Verhandlungen über eine Verlängerung unserer Zusammenarbeit in Sachen Swiss Ice Hockey Cup sind somit hinfällig geworden.

Wir hoffen auf euer Verständnis, danken euch fürs Engagement und verbleiben mit sportlichen Grüssen

Denis Vaucher, Willi Vögtlin und Reto Bürki

Wie viel Ringier Sports für eine Fortsetzung des Cup-Wettbewerbes hätte offerieren können, muss Spekulation bleiben. Brancheninsider gehen davon aus, dass nach wie vor rund eine Million Franken Garantiesumme möglich gewesen wäre. Nicht mehr 1,7 Millionen Franken, aber immerhin noch eine Million – auch das wäre für den Verband bzw. die Klubs immer noch ein gutes Geschäft gewesen.

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