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Ein TV-Kameramann von tpc fillmt EHC Kloten Stuermer Marc Marchon, rechts, waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EHC Kloten und dem EHC Biel am Freitag, 8. September 2017, in der SWISS Arena in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Kloten in der heimischen SWISS Arena im Einsatz. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Kehrt Arno Del Curto rechtzeitig heim und ist es Kloten zu wohl in der Swiss League?

Zwei Fragen beschäftigen uns vor dem Start zu den Playoffs der Swiss League: Ist Kloten gut genug für den Aufstieg und kehrt Arno Del Curto rechtzeitig heim, um La Chaux-de-Fonds zu helfen?



Eigentlich ist der HC La Chaux-de-Fonds in den Playoffs kein Faktor. Der letzte Meister des Welschlandes (1973) ist in eine tiefe Krise geraten und hat die Playoffs bloss auf Rang 7 erreicht. Sportchef Loïc Burkhalter mochte im letzten Frühjahr den Vertrag mit Serge Pelletier nicht mehr verlängern. Der Qualifikationssieg und der Playoff-Final (verloren gegen Langenthal) waren für seine hohen Ansprüche zu wenig. Der eingebürgerte Kanadier steht nun halt in Lugano an der Bande.

Den neuen schwedischen Trainer Mikael Kvarnström musste Loïc Burkhalter allerdings schon am 5. Dezember wieder entlassen. Seither coacht er das Team selbst. Sozusagen als Christian Dubé des armen Mannes und ohne modischen Clint-Eastwood-Mantel. Er ist für diese Tätigkeit zwar gänzlich ungeeignet. Aber er hat einen guten Freund: Arno Del Curto (63). Für ihn hat er einst in Davos gespielt und ihm bei dieser Gelegenheit beigebracht, wie man SMS schreibt und verschickt und sich in der digitalen Welt zurechtfindet.

So kommt es, dass uns der HC La Chaux-de-Fonds eben doch interessiert. So wie Christian Dubé mit Sean Simpson offiziell einen höchst kompetenten Berater geholt hat, so genoss Loïc Burkhalter in den letzten Wochen ein wenig und inoffiziell die Unterstützung von Arno Del Curto.

ARCHIVBILD ZUR VERPFLICHTUNG VON ARNO DEL CURTO ALS NEUER TRAINER DER ZSC LIONS, AM MONTAG, 14. JANUAR 2019 - Davos Cheftrainer Arno Del Curto, beim zweiten Playoff-Halbfinalspiel der National League A zwischen dem HC Davos und EV Zug, am Donnerstag, 23. Maerz 2017, in der Vaillant Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Hilft bei La Chaux-de-Fonds aus: Arno Del Curto. Bild: KEYSTONE

Die Frage geht also an den ehemalige HCD-Meistertrainer: Werden Sie Loïc Burkhalter während der Playoffs tatsächlich helfen? «Ja, das werde ich machen. Obwohl ich während den letzten zehn Tagen beim Training nicht mehr dabei war. Ich bin aber noch im Ausland und weiss nicht, ob ich früh genug zurück bin, um schon beim ersten Spiel am Mittwoch dabei zu sein. Aber am Freitag werde ich dann im zweiten Spiel sicher an der Bande stehen. Eishockey ist schliesslich mein Hobby.» Um dann gleich ganz bescheiden anzumahnen: «Aber der Loïc coacht natürlich das Team.»

So wird es natürlich nicht sein. Wenn Arno Del Curto da ist, dann wird er die Mannschaft führen und die Männer antreiben. Es ist gar nicht anders möglich. Zu stark ist seine Persönlichkeit. Arno Del Curto nur im Hintergrund als inoffizieller Assistent und «Schatten-Trainer» von Loïc Burkhalter? Das ist so absurd, wie wenn ein Messdiener den apostolischen Ostersegen («Urbi et orbi») spenden würde, während sich der Papst bescheiden im Hintergrund hält und ein wenig gelangweilt in der Bibel blättert. Arno Del Curtos Hauskatze hat mehr Charisma und Autorität als Loïc Burkhalter.

Der Engadiner ist seit dem gescheiterten ZSC-Abenteuer (Playoffs verpasst) im letzten Frühjahr ohne Job. Er hatte bei seinem ersten und vorerst einzigen öffentlich wahrgenommenen Auftritt als Gastcoach in La Chaux-de-Fonds am 21. Januar die Mannschaft gleich zu einem sensationellen Sieg (3:2) über Tabellenführer Kloten inspiriert. Dabei versuchte er unter eine Kapuze anonym zu bleiben, geriet aber in den Schwenkbereich der TV-Kameras. Nun verspricht er eine «unmaskierte» Rückkehr. «Ich werde keine Kapuze mehr tragen.»

La Chaux-de-Fonds hat im Viertelfinal gegen Cup-Sieger Ajoie eigentlich nur Aussenseiter-Chancen. Aber vielleicht wirkt ja Arno Del Curtos Anwesenheit wieder Wunder. Was dann tatsächlich ein Wunder wäre.

Kloten meldet sich zurück

Die zweite grosse Frage: Wie viel Dorf-Romantik erträgt Kloten? Vor einem Jahr waren die Klotener in der ersten Saison nach dem Abstieg in den Playoffs noch chancenlos. Sportchef Felix Hollenstein war die Freundschaft mit André Rötheli wichtiger als das Wohlergehen des Klubs. Also behielt er den Abstiegstrainer im Amt und Kloten erreichte in der Qualifikation bloss Rang 5. Im Viertelfinal war gegen Langenthal schon Endstation. Mit einer Mannschaft, gut genug für den Wiederaufstieg.

Felix Hollenstein ist allerdings schlau genug, um einzusehen, dass er seine Position als Dorfkönig und Klublegende gefährdet, wenn er sein Amt für die Bedienung von Freunden missbraucht. Und so hat er mit einer Reihe von klugen Personalentscheiden Kloten wieder konkurrenzfähig gemacht. Aus Langenthal holte er Meistertrainer Per Hanberg. Aus Ajoie mit Dominic Nyffeler den beste Torhüter der Swiss League und Bruder von Rappis Melvin Nyffeler. Aus der japanischen Liga den inzwischen bei uns eingebürgerten Kanadier Dominic Forget. Er skort wie ein dritter Ausländer. Und während der Saison hat der in Olten unverstandene Künstler Marco Truttmann in Kloten eine neue Heimat gefunden.

ZUR AUFLOESUNG DES VERTRAGS MIT DEM SCHWEIZER EISHOCKEY NATIONALTRAINER GLEN HANLON UND ZUR INTERIMS-NACHFOLGE VON FELIX HOLLENSTEIN STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Kloten Flyers Cheftrainer Felix (Fige) Hollenstein mit einem

Felix «Fige» Hollenstein ist wieder der Dorfkönig von Kloten. Bild: KEYSTONE

Und so ist Kloten wieder auferstanden. Das Trauma des ersten Abstieges der Geschichte ist überwunden. Ja, mehr noch: Vielleicht waren die Klotener in ihrer ganzen Geschichte noch nie so glücklich wie im Februar 2020. So wunderbar war es wahrscheinlich nicht einmal zu den ruhmreichen Zeiten in den 1990er Jahren mit den vier Titeln in Serie (1993, 1994, 1995, 1996). Hat es je rund um Zürich eine so wunderbare Dorfclub-Romantik gegeben? Nein.

Es ist eine Romantik, die sogar Gottfried Keller aus der Schreibstube ins Stadion gelockt hätte. In diesem milden Winter ist das Hockeyklima in Kloten so gut wie seit Menschengedenken nicht mehr. Die Mannschaft stürmt von Sieg zu Sieg und die Qualifikation ist auf dem 1. Platz abgeschlossen worden. Zum ersten Mal seit 1993. Damals gewann Kloten Qualifikation und Meistertitel in der höchsten Liga.

Zu den Spielen eilen nun fast wieder so viele Menschen herbei wie einst in der höchsten Liga. 4809 pro Spiel. 5356 waren es in der letzten Saison in der National League. Die Polemiker der nationalen Medien lassen die Granden der lokalen Hockeykultur endlich in Ruhe arbeiten. Die kleinen Intrigen und Eifersüchteleien im Verwaltungsrat interessieren niemanden mehr. Und endlich, endlich gibt es keine Schulden und Sammelaktionen mehr. Die Autorität von Dorfkönig und Sportchef Felix Hollenstein erstrahlt wieder im hellsten Lichte. Der Trainer ist formidabel, die Ausländer sind sehr gut, die einheimischen Feldspieler gut – kurzum: alles gut.

ZUM ABTIEG DES EHC KLOTEN IN DIE SWISS LEAGUE, NACH 56 JAHREN IN DER HOECHSTEN SPIELKLASSE, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Die Fans der Kloten Flyers feiern den Sieg ihres Teams in der Verlaengerung im fuenften Eishockey Playoff Viertelfinalspiel der National League A zwischen den Kloten Flyers und den ZSC Lions, am Dienstag, 8. Maerz 2011, in der Kolping Arena in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Die Fans stehen hinter dem Verein, die Auslastung im Stadion ist beinahe so gut wie vor dem Abstieg in der National League. Bild: KEYSTONE

Ach, könnte der Lauf der Zeit jetzt angehalten werden. Ach könnte es doch für alle Zeiten so bleiben wie es jetzt gerade ist. Bin ich ein wenig hämisch? Nein, da seien die Hockey-Götter davor. Es geht um etwas ganz anderes: Kloten hat den Sportchef, den Trainer, den Torhüter, die Verteidiger, die Center, die Aussenstürmer und das Publikum für den Wiederaufstieg. Hockeytechnisch ist Kloten also für die Rückkehr auf die grosse nationale Bühne genauso gerüstet wie zuletzt die SCL Tigers und die Lakers. Eigentlich sollte das Viertelfinale gegen die GCK Lions nur eine Formsache, eine Aufwärmrunde sein.

Kloten wie Langnau und Rapperswil?

Aber es gibt einen grossen Unterschied zu den letzten zwei Aufsteigern aus Langnau und Rapperswil-Jona. Beide waren beseelt vom unbedingten Willen einer Rückkehr. Nach dem Grundsatz: Wir steigen wieder auf, also sind wir. Gibt es diese Leidenschaft, diesen Willen in Kloten? Oder ist es in Kloten allen viel zu wohl in der Swiss League? Sollen wir denn von den Äpfeln des Wiederaufstieges essen und so die Vertreibung aus dem Paradies Swiss League riskieren? Wollen wir zurückkehren in eine sportliche Welt, für die wir eigentlich zu wenig Geld haben und in der wir die Früchte des Ruhmes auf dornigen überwucherten Äckern im Schweisse unseres Angesichtes verdienen müssen?

Auf solche Fragen gibt es natürlich keine ehrlichen Antworten und deshalb müssen sie gar nicht gestellt werden. Sollte Kloten die erste Runde gegen die GCK Lions überstehen und La Chaux-de-Fonds die Sensation gegen Ajoie gelingen, dann würde anschliessend sogar Arno Del Curto im Schluefweg gastieren. Ohne sich unter einer Kapuze zu verstecken. Und das wäre ja dann fast wieder so wie zu den grossen Zeiten, als Kloten im Finale gegen Arnos HCD im Frühjahr 2011 vergeblich nach den meisterlichen Sternen gegriffen hatte.

Die Playoffs der Swiss League

Viertelfinals
Kloten (1.) – GCK Lions (8.)
Ajoie (2.) – La Chaux-de-Fonds (7.)
Olten (3.) – Langenthal (6.)
Visp (4.) – Thurgau (5.)

Halbfinals (noch nicht definitiv)
Kloten – Thurgau
Ajoie – Olten

Final (noch nicht definitiv)
Kloten – Olten

Liga-Qualifikation (noch nicht definitiv)
Kloten – SCL Tigers

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