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HCD-Praesident Gaudenz F. Domenig verfolgt das Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Davos und den SCL Tigers, am Freitag, 19. Februar 2016, in der Vaillant Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Gaudenz Domenig ist mit seinem HC Davos in einer komplizierten Situation. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Der HC Davos und sein Millionen-Deal – Aufstand der Erben verhindert Einigung

Es geht um die Namensrechte des Stadions im Gesamtwert von 11,8 Millionen. Peter Buser will aus dem Vertrag aussteigen und die bereits bezahlten 3,175 Millionen zurück. Eine Einigung schien möglich – doch nun rebellieren die Erben.



Eigentlich weiss HCD-Präsident Gaudenz Domenig (63), wie «Nonkonformisten» ticken. Schliesslich hat er höchst erfolgreich mit Arno Del Curto, einem der charismatischsten und eigenwilligsten Trainer unserer Hockey-Historie gearbeitet. Und sicherlich viele heikle Vertragsdiskussionen mit diesem oder jenem Hockeystar zu einem versöhnlichen Abschluss gebracht.

Wie Geld und Geist funktionieren, weiss er als international erfolgreicher Wirtschaftsanwalt sowieso. Aber nun erweist sich das, was als Routine-Geschäft angefangen hat, mehr und mehr als «faustischer Pakt»: der Vertrag um die Namensrechte des HCD-Tempels mit der Stiftung von Dr. Peter Buser (84).

Kurz zusammengefasst: Der Namenszug der Stiftung sollte die nächsten sieben Jahre die Arena schmücken und vor dem Stadion sollte in einem Pavillon während des WEF hochklassig musiziert werden. Die Anzahlung in der Höhe von 3,175 Millionen (2,95 Millionen plus Mehrwertsteuer) ist bereits erfolgt. Der Kontrakt sieht vor, dass bis ins Jahr 2027 insgesamt 11,8 Millionen bezahlt werden.

Komplizierte Situation für den HC Davos

Es ist das lukrativste Namensrechts-Geschäft in der Historie unseres Hockeys. Theoretisch. Praktisch ist daraus einer der – je nach Sichtweise – unterhaltsamsten, mühseligsten oder bizarrsten Fälle des helvetischen Sportsponsorings geworden. Und schon ein wenig ein juristischer Albtraum für den HCD.

Weil eine zentrale Leistung – die Errichtung des Musikpavillons – wegen behördlichen Anordnungen nicht erfüllt werden kann (wofür nicht der HCD verantwortlich ist), verlangt Peter Buser die bereits überwiesenen 3,175 Millionen zurück. Gaudenz Domenig bietet die Auflösung des Vertrages und damit den Verzicht auf die vertraglich abgemachten noch ausstehenden sechs Raten in der Höhe von 1,475 Millionen bis 2026 an, will aber die bereits geleistete Anzahlung behalten.

Gaudenz Domenig, president of the HC Davos, is pictured during a press conference prior to the Champions Hockey League semi-finals ice hockey match between HC Davos and Froelunda Goeteborg, in the Vaillant Arena in Davos, Switzerland, Tuesday, January 12, 2016. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Gaudenz Domenig will den Vertrag mit Buser auflösen. Bild: KEYSTONE

Peter Buser hat erst kategorisch erklärt, dass er seine Anzahlung zurückhaben will. Er hat in diesem Zusammenhang in etwas blumiger Übertreibung von «räuberischem Betrug» gesprochen. Eine gütliche Einigung zwischen den zwei «Alphatieren» schien unmöglich.

Es laufen wieder Verhandlungen

Doch nun gibt es Tauwetter. Gaudenz Domenig bestätigt auf Anfrage: «Ja, ich habe mich mit Peter Buser getroffen.» Das ist schon mal ein riesiger Fortschritt. Denn bisher gab es seit Ausbruch des Millionen-Streites so wenig persönliche Unterredungen wie in der Politik aktuell zwischen den Staatschefs von Nord- und Südkorea.

Und wie war es? Zieht Tauwetter herauf? Gibt es nun eine Lösung? Der HCD-Obmann sagt, ganz Anwalt und der Verschwiegenheit seines Berufsstandes verpflichtet: «Sie sollten wissen, dass Vergleichsverhandlungen nicht in der Öffentlichkeit geführt werden.» Gibt es wenigstens eine positive Trendmeldung? «Wie ich schon sagte: Vergleichsverhandlungen werden nicht in der Öffentlichkeit geführt.»

Gesprächiger in der Sache ist hingegen Peter Buser. «Ja, wir sind in Zürich im Büro meines Anwaltes drei Stunden zusammengesessen.» Oha! Tauwetter! Wohl doch nicht. Peter Buser sagt: «Es hat eine Annäherung gegeben und eigentlich neigte ich dazu, einem Kompromiss zuzustimmen, auf meine Anzahlung zu verzichte und den Vertrag aufzulösen. Aber nun rebellieren meine Erben gegen eine solche Lösung. Sie wollen nicht, dass ich auf mehr als drei Millionen verzichte, ohne dass dafür die vertragliche Gegenleistung erbracht worden ist. Was ich sehr gut verstehe.»

Der Kompromiss scheint zu scheitern

Was nun? Gaudenz Domenigs Strategie sei es – gemäss Peter Buser – die erhaltene Anzahlung für den HCD zu retten und dafür gegen die Bezahlung einer weiteren Pauschale von 2,1 Millionen den Vertrag aufzulösen und auf den Rest des Geldes (auf gut 8 Millionen) zu verzichten. Der angedachte Kompromiss in diesem Sinne scheint nun nach der Rebellion von Peter Busers Erben nicht mehr möglich.

Er will sein Geld zurück und ist gewillt, den Rechtsweg (in diesem Falle mittels Betreibung) zu beschreiten. Der «Nonkonformist» lässt sich nicht beirren: «Ich bin finanziell unabhängig und kann es mir leisten, im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften zu tun und zu lassen, was ich will.»

Eine solche juristische Auseinandersetzung könnte sich der HCD theoretisch durchaus leisten und sie könnte sich – wer weiss das schon? – vielleicht sogar lohnen. Immerhin erwachsen keine Anwaltskosten. Gaudenz Domenig dürfte als HCD-Vorsitzender in der Sache gratis nach dem in Anwaltskreisen gängigen Prinzip «Pro Bono» (= das Gute um des Guten willen tun) tätig sein.

Aber der HCD ist als Eishockey-Rekordmeister und Organisator des Spengler Cups eines der führenden Unternehmen der hiesigen Unterhaltungs-Industrie. Medienpräsenz in dieser Sache ist eher noch unvorteilhafter als eine langanhaltende Niederlagenserie auf dem Eis.

Ein «faustischer Pakt» der Davoser

Die Bezeichnung «faustischer Pakt» für den Vertrag zwischen dem HCD und Peter Buser kommt aus der Literatur (Goethe) und mag etwas polemisch sein. Aber sie ist reizvoll: Im übertragenen Sinn kann von einem «faustischen Pakt» (auch Teufelspakt genannt) gesprochen werden, wenn ein Klub zur Erreichung eines kommerziellen Ziels mit Menschen und Mächten ein Bündnis eingeht («die Seele dem Teufel verkauft»), das schliesslich seinen Idealen und Bedürfnissen nicht mehr ganz entspricht.

Peter Buser ist Doktor der Philosophie, Bankier, Buchautor, Dichter, Konzertveranstalter und Mäzen. 2015 erschien der Solothurner beispielsweise mit sechs Freundinnen mit blonden Perücken beim Wiener Opernball, wurde verhaftet und eine Stunde später unter Absingen von Entschuldigungen in aller Form wieder in die Oper geführt. Er hat also keine Scheu vor Öffentlichkeit und Konfrontation. Der HCD hingegen schon.

«Ich liebe es, das Alphatier zu sein»: Peter Buser mit Begleiterinnen am Wiener Opernball.

Peter Buser und seine Begleiterinnen an der Oper. Bild: zvg

Es gibt eine Episode aus Gaudenz Domenigs grosser internationaler Anwaltskarriere. Ob wahr oder in Stadtzürcher Juristenkreisen einfach nur gut erzählt sei dahingestellt. Er habe einen Klienten in einer juristisch angeblich todsicheren Sache gegen einen russischen Oligarchen vertreten. Der Beklagte habe beim Treffen im neutralen Helsinki einfach leichthin erklärt: «Sie mögen das Recht auf ihrer Seite haben. Aber auf meiner Seite steht unser Präsident mit Atomraketen. Was machen wir?» Nun scheint Peter Buser ein Mann mit Atomraketen zu sein …

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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • super_silv 18.07.2020 12:57
    Highlight Highlight Schaut euch mal Busers Facebook Seite an. Da wird jeden Tag irgendwelche Hasstiraden gegen Domening und den HCD veröffentlicht. Man könnte ihn schon fast den Alpen-Trump nennen. Peinliche Vorstellung mit Geld und Frauen, auf öffentlichen Kanälen gegen alles und jeden schiessen das einem kritisch gegenüber steht und meinen man könne alles tun und lassen was man will.

    Ich hoffe Zaugg bringt noch mehr Eoisoden vom Alpen-Trump.
  • runthehuber 18.07.2020 09:22
    Highlight Highlight Dramtisches verdramatisiert durch einen dramatischen Chronisten.
    Steht so nicht bei Goetge, nur im watson. Dramatisch
  • Staal 18.07.2020 08:13
    Highlight Highlight Es gibt schon Gründe warum Domenig locker bleint in der ganzen Sache. Das steht im Bericht natürlich nicht
  • el_bengalo 18.07.2020 05:21
    Highlight Highlight Ich glaube Peter Buser jedes Wort. Bei Domenig Caviezel schwierig.
    • Staal 18.07.2020 08:22
      Highlight Highlight Genau, jemanden glauben der andere öffentlich als Kröten bezeichnet! Wie schon erwähnt gibt es 1000 gute Gründe warum Gaudenz ruhig bleibt. Abwarten ;-)
    • Exilglarner 18.07.2020 09:49
      Highlight Highlight Buser ist wie ein kleiner verwöhnter ''Goof'' , der anfängt zu trotzen, wenn etwas nicht genau so passiert, wie er es gerne hätte und dann auch nicht einmal die Fähigkeit besitzt, ein konstruktives Gespräch zu führen...
    • kadric 18.07.2020 11:56
      Highlight Highlight Domenig Caviezel nahm auch nicht wirklich Stellung dazu. Wie kannst du ihm nicht glauben.
  • Jumbo Joe 18.07.2020 01:11
    Highlight Highlight Nach dem Studium des Vertrags und den zwischenzeitlich geschehenen Ereignissen kann dem HCD kein Fehlverhalten nachgewiesen werden. Domenig handelt bisher getreu nach den vertraglichen Rahmenbedingungen. Dass nun gewisse Eventualitäten zu Ungunsten Busers eingetroffen sind, ist entweder der Leichtsinnigkeit Busers oder eben der Scharfsinnigkeit Domenigs zuzuschreiben. Ich tippe auf Letzteres und dass der HCD mit diesem Deal (zumindest finanziell) Profit erzielt.

    Und dass Busers sein Unternehmen nun wohl doch nicht mit Hilfe des Eispalastes „bewerben“ will/kann, wird dem HCD auch recht sein.
  • magnet1c 17.07.2020 21:43
    Highlight Highlight Wie ich vermutet hatte, der HCD beabsichtigte von Anfang an, grossen Profit aus dieser Sache zu machen. Schon etwas heuchlerisch 😄
    • Exilglarner 17.07.2020 21:54
      Highlight Highlight Wenn du nicht die absicht hast, aus irgend etwas profit zu schlagen, darfst/brauchst du keine geschäfte machen...
  • AndOne 17.07.2020 21:10
    Highlight Highlight Naja wenn der HCD die versprochene Leistung nicht erbringt, warum auch immer, ist er seinen Vertragsverpflichtungen nicht nachgekommen.
    • kettcar #lina4weindoch 17.07.2020 22:21
      Highlight Highlight AndOne, anscheinend war das Risiko, dass das Pavillon nicht bewilligt werden könnte bekannt und im Vertrag klar geregelt, dass eine verweigerte Bewilligung kein Grund zur Auflösung sei. So oder so ähnlich stand es hier mal auf Watson.
  • 90er 17.07.2020 20:18
    Highlight Highlight Sei mal dahin gestellt, ob das Argument mit den Erben wahr ist, aber die haben sich doch null in die Finanzgeschäfte einzumischen. Es ist das Geld von Herrn Buser und nur er alleine darf bestimmen, was er damit anstellt.
    • Jacques #23 17.07.2020 20:32
      Highlight Highlight Aha. Erben oder Erben in spe am Drücker... Schulden?
    • sansibar 17.07.2020 22:46
      Highlight Highlight @Jacques auch Schulden können vererbt werden ABER man kann ein Erbe (welches auch immer) auch ausschlagen...
    • TieD 18.07.2020 13:02
      Highlight Highlight @sansibar
      Sorry, aber in der Schweiz kann ein Erbe sehr wohl ausgeschlagen werden...

Eismeister Zaugg

Joe Thornton kann nächste Saison mit Davos spielen – wenn er will

Am Samstag ist NHL-Star Joe Thornton (41) in Davos eingetroffen. Er kann nächste Saison für den HC Davos spielen. Sofern er das wünscht. Er hat den Schweizer Pass und würde keine Ausländerlizenz beanspruchen.

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