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Icelandic soccer fans celebrate as they watch the Euro 2016 round of 16 match between Iceland and England shown on a screen in Reykjavik, Iceland, Monday June 27, 2016.  Iceland pulled off the shock of the European Championship by beating England 2-1 in the round of 16 on Monday, continuing the improbable run of the smallest nation at the tournament.  (AP Photo/Brynjar Gunnarsson)

Adlerhügel in Reykjavik: Heute werden 20'000 Fans erwartet. Bild: Brynjar Gunnarsson/AP/KEYSTONE

Allein unter Wikingern in Reykjavik: Hier werden heute 20'000 Isländer auf das Wunder hoffen

Island steckt im EM-Rausch. Die «Nordwestschweiz» besuchte die Fussball-Fiebrigen in Reykjavík vor dem historischen Spiel.

Alexandra Fitz / Nordwestschweiz



Es ist zwei Uhr nachts. Und komplett hell. Mitten im Ausgehviertel, in der Austurstraeti, ertönt zwischen Bierflaschengeklapper und Tanzmusik der Schlachtruf. Nachtschwärmer haben sich zum spontanen Fanpulk formiert, die Hände in der Höhe, klatschen und rufen immer wieder: «UHH, UHH, UHH!»

Spätestens seit dem Island-England-Spiel kennen alle den Schlachtruf der Isländer. Nach dem Match stand die Mannschaft angeführt vom vollbärtigen Captain Aron Gunnarsson in einer Ecke des Stadions. Die Blicke trotzig und bestimmt. Gemeinsam mit den Fans stimmten sie den Schlachtruf an. Eine Mischung aus Bewunderung und Furcht durchrieselte die Zuschauer. Die ganze Welt wurde Zeuge: Die Wikinger sind wieder da!

epa05395413 Iceland players celebrate with their supporters after the UEFA EURO 2016 round of 16 match between England and Iceland at Stade de Nice in Nice, France, 27 June 2016. Iceland won the match 2-1.

(RESTRICTIONS APPLY: For editorial news reporting purposes only. Not used for commercial or marketing purposes without prior written approval of UEFA. Images must appear as still images and must not emulate match action video footage. Photographs published in online publications (whether via the Internet or otherwise) shall have an interval of at least 20 seconds between the posting.)  EPA/OLIVER WEIKEN   EDITORIAL USE ONLY

Der mittlerweile weltweit bekannte Siegerjubel der Isländer.
Bild: OLIVER WEIKEN/EPA/KEYSTONE

Gibt es einen besseren Zeitpunkt um dahin zu fahren, wo sie herkommen? Das macht uns auch Stadtführerin Sara noch einmal bewusst: «Das Spiel gegen Frankreich ist ein historischer Moment.» Sie hält ein Schwarz-Weiss-Bild in die Höhe. «Das ist Reykjavík um 1801. 302 Leute haben damals hier gelebt. Schaut genau hin. Von hier kommen die Leute, die am Sonntag Frankreich schlagen werden», sagt die 36-Jährige bestimmt und als ob es daran nichts zu rütteln gebe.

«Wir sind Wikinger!»

Den Grund, warum die Isländer gerade die EM rocken, liefert Sara bei ihrer Stadtführung immer wieder. «Wir sind Wikinger!» Die Isländer seien sehr stolz, echte Wikinger zu sein. Auch wenn es das schlimmste aller Völker sei, schiebt sie gleich etwas sarkastisch nach. Aber deswegen seien sie so stark und unabhängig. Und genau deswegen hätten sie auch England an der Fussball-EM geschlagen.

epa05395518 Iceland supporters celebrate during a public viewing in Reykjavik, Iceland, 27 June 2016, as they watch their team beating England in the UEFA EURO 2016 round of 16 match in France.  EPA/EYTHOR ARNASON ICELAND OUT

Die Leinwand soll heute noch ein bisschen grösser werden.
Bild: EYTHOR ARNASON/EPA/KEYSTONE

Island brennt. Also eigentlich Reykjavík. Denn zwei Drittel der Gesamtbevölkerung Islands lebt im Grossraum der Hauptstadt. Mitten in der Stadt wurde der Skatepark zum Public Viewing umfunktioniert, die wenigen Autos halten auf der Strasse, um einen Blick auf den Screen zu erhaschen.

«Vorher waren wir eine Handball-Nation, im Fussball nicht wirklich gut.»

Island-Fan Einar. 

Der Platz, der Fussball-Fans vereint

Doch der Platz, der alle Fussball-Hungrigen vereint, ist Arnarhóll. Der Adlerhügel. Die Hauptstrasse unterhalb wird heute wie schon beim Triumph gegen England gesperrt sein, die Leinwand noch einmal etwas grösser. Auf dem Rasen stehen die Fans. Am Montag feierten um die 15'000 ihre Helden. Heute Abend werden 20'000 erwartet. «Geht ein paar Stunden früher hin», rät Sara. Früher hätte man auch bei den Trikots sein sollen. Die haben nämlich längst Kultstatus und sind in Reykjavíks Shops längst komplett ausverkauft.

epa05395235 Iceland supporters during a public viewing in Reykjavik, Iceland, 27 June 2016, as they watch the UEFA EURO 2016 round of 16 match between England and Iceland.  EPA/EYTHOR ARNASON ICELAND OUT

Kleines Land, grosse Party: In Island ist das Fussball-Fieber ausgebrochen.
Bild: EYTHOR ARNASON/EPA/KEYSTONE

Das Team des bevölkerungsärmsten Teilnehmerlandes der EM-Geschichte hat sein Land ins Fussballfieber gestürzt und den Siegesdurst in die Höhe gekickt. Und das, obwohl sie vorher gar nicht so «into Football» waren, wie Einar sagt. «Vorher waren wir eine Handball-Nation, im Fussball nicht wirklich gut», erklärt der Grafikdesigner in der – wie bezeichnend – Viking Bar. Aber seit dieser EM fiebern alle mit. Auch die Parkettverkäuferin Gudrun.

Plötzlich ist die ganze Insel Fussball-Fan

Vor der EM war sie gar nicht Fussball-interessiert, jetzt fachsimpelt sie über Taktikwechsel und Mannschaftsaufstellung. Ihr Freund Antoine interpretiert das Fussballmärchen nach der Finanzkrise 2008 sogar als Balsam für die isländischen Seelen: «Wir waren alle down. Jetzt sind unsere Herzen explodiert. Die Leute tanzen auf der Strasse und umarmen sich.»

Heute um 19 Uhr nach isländischer Zeit trifft sich die halbe Insel auf dem Adlerhügel. Darunter auch französische Touristen. Zwei davon sassen gestern entspannt im Café. Die Frage, wer gewinnen wird, fanden sie fast beleidigend. Natürlich werde Frankreich gewinnen. Eines ist sicher: Ihr «Allez Les Bleus»-Gesang wird heute auf dem Adlerhügel vom Schall der UHH-Rufe verschluckt werden.

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