Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Grasshopper Veroljub Salatic und Grasshopper Yannick Scheidegger, von links, im Fussball Meisterschaftsspiel der Challenge League zwischen dem Grasshopper Club Zuerich und dem FC Winterthur im Stadion Letzigrund, am Sonntag, 2. August 2020 in Zuerich. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

GC-Captain Vero Salatic mag nach dem Verpassen der Barrage nicht mehr hinschauen. Bild: keystone

Noch ein Jahr zweitklassig – was haben die Chinesen nun mit GC vor?



0:6 im letzten Saisonspiel! Dabei wäre doch vieles für GC gelaufen. Weil der FC Vaduz in Kriens 1:2 verliert, hätte den Hoppers zuhause gegen Winterthur ein Sieg mit drei Toren Unterschied für die Teilnahme an der Barrage gereicht. Doch das Fünkchen Hoffnung, sich die Chance auf den direkten Wiederaufstieg noch zu bewahren erlosch gestern im Letzigrund schnell.

Spätestens nach dem 0:2 in der 53. Minute zerfiel die junge GC-Mannschaft in ihre Einzelteile und wurde mal für mal ausgekontert. «Ein solches Resultat ist eine riesige Schande», sagt Topskorer Nassim Ben Khalifa nach dem Spiel. «Der Auftritt ist peinlich und charakterlos», schreibt der «Tages-Anzeiger» heute. Er stehe dafür, wie sehr GC zum Schluss die Luft ausgegangen sei.

So kam es zur GC-Blamage gegen Winterthur. Video: SRF

Nach dem Restart war die GC-Welt noch in Ordnung. Das junge Team vom neuen Trainer Zoltan Kadar eilte von Sieg zu Sieg und machte Punkt um Punkt gut auf Leader Lausanne. Bald durften die GC-Fans gar vom direkten Wiederaufstieg ohne Umweg über die Barrage träumen. Doch dann gerieten die Hoppers plötzlich ins Straucheln.

Als Knackpunkt nennt Ben Khalifa das Wil-Spiel am 30. Spieltag. GC holte damals einen 0:2-Rückstand auf, verlor durch einen Gegentreffer in der 86. Minute aber noch 2:3. «Seither waren wir nicht mehr die gleiche Mannschaft», so Ben Khalifa. Die Leichtigkeit war plötzlich verflogen. Der Druck auf die zahlreichen jungen Spieler, die Trainer Kadar wegen zahlreichen Verletzungen und Sperren in die Mannschaft einbauen musste, wurde zu gross. Aus einem «Dürfen» wurde ein «Müssen», was die junge Mannschaft nicht verkraften konnte.

«Die Chinesen gibt es»

Als fatal erweist sich in der Nachbetrachtung der Abgang von Abwehrchef Marko Basic, den die alte Klubführung trotz Vertrag bis Ende Jahr Anfang Februar ohne Not nach China ziehen liess. Der 32-jährige Kroate war Captain, Führungsspieler und verantwortlich für die Stabilität in der Defensive. Seinen Job in der Innenverteidigung übernahm der 34-jährige Vero Salatic. Vor allem ihm ging am Saisonende die Luft aus. In den letzten sieben Spielen kassierten die Hoppers 18 Gegentore, auch weil der eigentliche Mittelfeld-Stratege in Rückwärtsbewegung meist nur hinterlief.

Doch wie geht es nun weiter mit GC? Die chinesischen Investoren hatten nach ihrem Einstieg im April zwar nicht den sofortigen Wiederaufstieg gefordert, der Ausgang der Saison dürfte aber auch sie enttäuscht haben. So genau weiss das allerdings niemand, denn seit der Ankündigung der Übernahme von 90 Prozent der Klubanteile sind die Chinesen mehr oder weniger unsichtbar geblieben. Präsident Sky Sun, der zu Beginn noch zwei Interviews gegeben hatte, lässt sich weiterhin entschuldigen. Offenbar wegen Corona und offenen Fragen der Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung.

WOLVERHAMPTON, ENGLAND - JANUARY 19: Wolverhampton Wanderers director Sky Sun looks on during the Premier League match between Wolverhampton Wanderers and Leicester City at Molineux on January 19, 2019 in Wolverhampton, United Kingdom. (Photo by Chris Brunskill/Fantasista/Getty Images)

Die Chinesen gibt es, aber noch machen sie sich in der Schweizer Öffentlichkeit rar. Bild: Getty Images Europe

Doch «die Chinesen gibt es» tatsächlich, wie Vizepräsident András Gurovits im «Tages-Anzeiger» bestätigt. «Wir haben Verträge mit ihnen, und wir haben auch ihr Geld.» Ausserdem berichtet er von Videositzungen des Verwaltungsrates mit Besitzerin Jenny Wang, Präsident Sun und ihm selbst.

Schuiteman: «Werden einiges bekannt geben»

Nach der 0:6-Schlappe gegen Winterthur ist es allerdings Sportdirektor Bernard Schuiteman, der aus der Führungsriege hinsteht und sich äussert. «Das Ziel war natürlich der Aufstieg, die Barrage mindestens», so der 46-jährige Niederländer gegenüber SRF. «Leider hat es nicht gereicht. Natürlich ist dieses Saisonende jetzt eine Enttäuschung.»

Wie es genau mit GC weitergeht, kann aber auch Schuiteman noch nicht sagen. Ziel sei es, im nächsten Jahr voll anzugreifen. Aber mit welcher Strategie? Setzt GC weiterhin auf die Jungen aus dem eigenen Nachwuchs oder soll wie in Lausanne mit grösserem finanziellen Einsatz ein Aufstiegsteam zusammengestellt werden? «Wir werden am Montag zusammensitzen und alles bis ins Detail analysieren», sagt der Sportchef dazu. «Wir werden sicher auch bezüglich Kaderplanung in den nächsten Wochen einiges bekannt geben.» Ziel sei es, «eine gute Mischung aus Erfahrung und Nachwuchs» zu finden.

Das SRF-Interview mit GC-Sportchef Schuiteman. Video: SRF

Noch unklar ist auch, ob Trainer Zoltan Kadar weitermachen darf. Das enttäuschende Saisonende hat seine Perspektiven nicht gerade verbessert. In der Gerüchteküche wird schon seit längerer Zeit der Name des Portugiesen João Pereira von Academica Coimbra als neuer GC-Trainer gehandelt. Der 55-Jährige war einst für 13 Spiele Trainer von Servette und wird von Jorge Mendes beraten – dem Spieleragenten, der eng mit der GC-Besitzerfirma Fosun verbandelt ist. Gut möglich, dass die Chinesen via Jorge Mendes also doch bald mehr Einfluss auf GC nehmen werden. Doch bislang gilt der Status quo: So genau weiss das momentan niemand.

Offener Brief der GC-Führung:

Die GC-Führung hat am Montag kurz vor Mittag mit einem offenen Brief auf das Verpassen der Barrage reagiert. Hier das Schreiben im Wortlaut.

Geschätzte Grasshoppers

Mit den Resultaten der 36. Runde sind die letzten Entscheidungen in der Challenge League gefallen. Der Grasshopper Club Zürich gratuliert Lausanne-Sport und dem FC Vaduz ganz herzlich zum Direktaufstieg in die Super League, respektive zum Erreichen des Barrage-Platzes. GC wünscht beiden Clubs für alle anstehenden Aufgaben viel Erfolg und dankt ihnen für eine faire und spannende Meisterschaft.

Für die Grasshoppers endet die Saison nicht so wie gewollt. GC hat das Ziel des Wiederaufstiegs verpasst. Dieser Umstand kann nicht verhehlt werden. Darüber ist jeder im Club traurig und enttäuscht. Gleichzeitig soll aber auch herausgestrichen sein, welch positive Entwicklung die Mannschaft unter Trainer Zoltan Kadar gemacht hat. Die fast zwei gewonnenen Punkte im Schnitt in 13 Matches sind eine starke Ausbeute. Unter dem aktuellen GC-Trainer schafften sieben Spieler den Sprung von der GC U21 in die 1. Mannschaft. Die meisten von ihnen kamen in fast allen Partien zum Einsatz und zeigten dabei sehr erfreuliche Leistungen.

Trotz der sportlichen Enttäuschung spürt der Grasshopper Club Zürich eine starke Aufbruchstimmung im und um den Verein. Die erklärten Ambitionen von GC werden auch kommende Saison der Aufstieg in die Super League sein und innerhalb der nächsten fünf Jahre wieder zur Spitze des Schweizer Fussball zu gehören. Dabei darf die Grasshopper Fussball AG uneingeschränkt auf die Unterstützung seiner Investorin zählen, die sich mit der Übernahme im April, trotz vieler Widrigkeiten, die GC in den letzten Jahren hatte, voll und ganz mit dem Club identifiziert und die Ziele mitträgt. Die operative Clubleitung ist im täglichen Austausch mit dem Verwaltungsrat, der der Geschäftsführung mit Rat und Tat zur Seite steht.


Die Sportabteilung ist mit Hochdruck daran, für die neue Saison eine starke Mannschaft zusammenzustellen. Abseits des Rasens arbeitet der Grasshopper Club Zürich intensiv und eng an Projekten, die GC auf verschiedenen Ebenen stärken sollen. Der grösste Fokus gilt der Stadion-Abstimmung von Sonntag, 27. September 2020. Weiterhin leider ein zentrales Thema wird die Bewältigung der Corona-Krise mit allen ihren Auswirkungen sein. Auch diesbezüglich darf die Grasshopper Fussball AG auf die Unterstützung der Eigentümerin zählen.

GC dankt allen seinen Sponsoren, Gönnervereinigungen und Fans sowie den Aktionären für den grossen Support während der abgelaufenen Saison. Und natürlich möchte der Verein der Mannschaft, den Trainern und dem Staff sowie allen Mitarbeitern auf der Geschäftsstelle herzlich für ihren Einsatz danken. GC wird in den kommenden Tagen im Rahmen einer Medienkonferenz über die nächsten Schritte ausführlich informieren.


Hopp GC!

Verwaltungsrat Grasshopper Fussball AG
Sky Sun
Andràs Gurovits
Jenny Wang


Geschäftsleitung Grasshopper Fussball AG
Shqiprim Berisha
Bernard Schuiteman
Samuel Haas
Adrian Fetscherin

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

GC, Basel und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Meister

Keine Fussball-Fans im Büro, bitte!

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eine Stadt explodiert – so feiern die Ultras von Hajduk Split ihr 70-Jahr-Jubiläum

Die Torcida Split gilt als die älteste Ultra-Gruppierung Europas. Gestern feierte sie ihren 70. Geburtstag. Das musste natürlich gefeiert werden! Zum freudigen Anlass hatte die Torcida die Einwohner von Split aufgerufen, um Mitternacht die eigenen Kinder zu wecken und auf die Strassen und Balkone zu gehen. Was folgte, war ein riesiges Pyro-Spektakel.

Nicht nur die Innenstadt, ganz Split erstrahlte in Rot. Überall leuchteten Fackeln und explodierte Feuerwerk, rund drei Minuten dauerte das …

Artikel lesen
Link zum Artikel