Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Gane Ionel, Nr.10, traegt Torhueter Joerg Stiel nach dem 2:0 Sieg im UEFA-Cup Spiel gegen Chelsea in Zuerich am Donnerstag, 28. September 2000, vom Platz. (KEYSTONE/Walter Bieri) ===ELECTRONIC IMAGE ===

Goalie Stiel hat es sich nach dem Coup auf dem Rücken von Gane gemütlich gemacht. Bild: KEYSTONE

St.Gallens Sternstunde – im Hardturm-Exil werfen Stiel und Co. das grosse Chelsea raus

Vor 20 Jahren erlebte der FC St.Gallen im Zürcher Hardturm seine Europacup-Sternstunde. Mit einem 2:0 warf die Mannschaft von Meistertrainer Marcel Koller Chelsea aus dem UEFA-Cup.



Es war die bislang glanzvollste Zeit in der Klub-Historie, damals um die Jahrtausendwende. Innert wenigen Monaten war es Trainer Marcel Koller beim FC St.Gallen gelungen, trotz überschaubaren finanziellen Mitteln ein schlagkräftiges Team zu formen – eines, das sich vor der Schweizer Konkurrenz nicht verstecken musste. Jörg Stiel, Marco Zwyssig, Marc Zellweger und Ivan Dal Santo hiessen die Protagonisten hinten drin, vorne sorgten Jairo, Giorgio Contini, Ionel Gane und vor allem Charles Amoah für Furore.

Die St. Galler Spieler lassen sich am Sonntag, 21. Mai 2000, nach dem gewonnenen Meistertitel von ihren Fans feiern. (KEYSTONE/Regina Kuehne) === ELECTRONIC IMAGE ===

Ein Meister-Balkon mit Partyzelt-Dach – das gibt's nur in St.Gallen. Bild: KEYSTONE

Mit einer halben Saison Vorlaufzeit erlangte die Mannschaft jene Siegermentalität, die sie 1999/2000 überraschend zum Meistertitel und nach Europa führte. Favorit GC musste sich mit Platz 4 begnügen, auch Lausanne-Sport (2.), Basel (3.) und Servette (6.), die ebenfalls mit grösserem Budget wirtschafteten, hatten das Nachsehen.

abspielen

St.Gallen wird 2000 völlig überraschend Schweizer Meister. Video: YouTube/FCSGVideosection

In der Saison 2000/01 durfte St. Gallen also nach 15-jähriger Absenz wieder europäisch spielen. Euphorisiert und mit grossem Selbstvertrauen schickte sich die Mannschaft an, die dürftige Europacup-Bilanz des Klubs aufzubessern. Zum Auftakt setzte es aber einen Dämpfer ab. Im Playoff zur Champions League ging gegen Galatasaray das Hinspiel nach Führung 1:2 verloren, in der Türkei reichten die Treffer vom 0:2 zum 2:2 nicht fürs Weiterkommen.

Auch deshalb waren die Erwartungen im UEFA-Cup gegen das auch vor der Ära von Investor Roman Abramowitsch finanziell übermächtige Chelsea tief. Wenig bis nichts sprach vor diesem grossen Abend des 28. September 2000 im ausverkauften Hardturm für St.Gallen. Das Hinspiel in London hatte Chelsea nach einem missglückten Ausflug von Goalie Stiel 1:0 gewonnen, die Ostschweizer hatten sich überdies im Europacup bis auf ein 0:0 1985 in einem Rückspiel gegen Inter Mailand nicht mit Ruhm bekleckert. Die Anhänger waren schon froh, dass das Duell nach dem Hinspiel nicht schon entschieden war.

Trotz Stiel-Patzer: St.Gallen wirft Chelsea raus. Video: SRF

In ihrem Europacup-Exil mussten sich die überwiegend aus der Ostschweiz angereisten 15'266 Zuschauer mit den GC-Würsten anfreunden – ein Vorstoss für den Import der eigenen wurde von den Grasshoppers abgeschmettert. Was die Fans dann aber zu sehen bekamen, war verblüffend. Der Underdog bot dem Premier-League-Klub keck die Stirn und getraute sich auch nach vorne. Nach 18 Minuten löste sich Charles Amoah mit einer Drehung von seinem Gegenspieler und spielte tief zu Sascha Müller, dieser spitzelte den Ball an Chelseas Goalie Carlo Cudicini vorbei zur Führung.

Es folgte ein Schockmoment für die Gäste, als sich Roberto Di Matteo bei einem Tackling an Daniel Imhof einen Schien- und Wadenbeinbruch zuzog. Die Verletzung bedeutete das Karriereende für den in Schaffhausen aufgewachsenen Italiener. Kurz nach dem Vorfall fiel das 2:0. Amoah, der den FCSG mit 25 Toren zum Meistertitel geschossen hatte, vollendete einen schnellen Gegenstoss. Dabei blieb es.

FC Chelsea's Roberto Di Matteo lies on the ground after he was fouled causing a fracture of his right leg during the 
UEFA Cup first round second leg match against FC St. Gallen in Zurich on September 28, 2000. (KEYSTONE/Toto Marti) === ELECTRONIC IMAGE ===

Zola geschockt: Di Matteo liegt mit Schien- und Wadenbeinbruch am Boden. Bild: KEYSTONE

Fünfstellige Prämie für die FCSG-Helden

«St.Gallen wie ein Champion – Parforceleistung mit Seltenheitswert», schrieb die Agentur Sportinformation. Und: «Taktische Meisterleistung von Marcel Koller». Dieser hatte sich für eine überraschend offensive Herangehensweise entschieden, als er vom Ausfall von Chelseas wichtigem Innenverteidiger Marcel Desailly erfuhr, dem französischen Welt- und Europameister. «Ich wusste, dass Winston Bogarde als Ersatz für Desailly kaum Spielpraxis hatte und auch nicht besonders gut in Form war. Darauf habe ich meine Stürmer speziell hingewiesen», verriet Koller. Dass bei Chelsea gerade einiges nicht zum Besten bestellt war und sich der Klub zwei Tage vor dem Hinspiel von Trainer Gianluca Vialli getrennt hatte, spielte den St.Gallern in die Karten.

ARCHIV ? ZUM KEYSTONE-SDA-TEXT UEBER DAS UEFA CUP-ERSTRUNDENSPIEL FC ST. GALLEN GEGEN CHELSEA FC AM 28. SEPTEMBER 2000 STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - St. Gallens Torhueter Joerg Stiel, links, faengt den Ball vor dem anstuermenden Gianfranco Zola, rechts, von Chelsea beim UEFA-Cup Spiel St. Gallen- Chelsea in Zuerich am Donnerstag, 28. September 2000. (KEYSTONE/Walter Bieri) ===ELECTRONIC IMAGE ===

Goalie Stiel lässt im Rückspiel nichts anbrennen. Bild: KEYSTONE

Koller selbst bezeichnete den Coup als «eines der raren Highlights für den Schweizer Klubfussball». Lediglich die Grasshoppers hatten sich zuvor zweimal im Europacup gegen englische Teams durchsetzen können, im UEFA-Cup 1979/80 gegen Ipswich Town und 1981/82 gegen West Bromwich Albion. Auch St.Gallens Präsident Thomas Müller war entzückt. In seiner Euphorie versprach er jedem Spieler einen fünfstelligen Betrag: «Die Spieler haben mit dieser Prachtsleistung gegen eine so renommierte Mannschaft eine Prämie mehr als verdient.»

Das St.Galler Europacup-Hoch endete indes in der nächsten Runde. Gegen Brügge kassierten die Espen nach einer 1:2-Niederlage in Belgien im Rückspiel im Hardturm in der 92. Minute das entscheidende 1:1. (pre/sda)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Die grössten Schweizer Europacup-Erfolge im Fussball

Betrinken und Beklagen mit Quentin

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

10
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • leu84 30.04.2020 23:49
    Highlight Highlight Schade um Di Matteo...
  • HenryJames 30.04.2020 23:02
    Highlight Highlight Genau solche magic-nights will die uefa ja künftig vermeiden. Kleine dürfen gar nicht mehr auf grosse treffen, sonst könnten die grossen evtl noch straucheln.😱. Nur noch 10x pro saison manu-barça oder bayern-real. Dass diese millionaros gegen normalos spielen sollen, ist in deren augen eine zumutung
  • Glenn Quagmire 30.04.2020 22:14
    Highlight Highlight Bei allem Respekt vor der glanzvollen Leistung, aber das Chelsea war ein biederer PL Club und nicht das grosse Chelski vom Ölbaron. vom Sensationsgrad her etwa vergleichbar wie Servette vs. Hertha.
    • Jake Peralta 30.04.2020 23:33
      Highlight Highlight Biederer Club?

      Top 5 in der Premier League und dabei ein Kader mit Spielern wie:

      F. Leboeuf
      M. Desailly
      John Terry
      C. Panucci
      R. Di Matteo
      M. Stanic
      Jimmy Floid Hasselbaink
      Gianfranco Zola


      Aber ja, ein biederer PL Club, mhm.
    • BVB 30.04.2020 23:55
      Highlight Highlight Servette gegen Hertha wäre eine Sensation.
    • fisk 01.05.2020 04:12
      Highlight Highlight @Basler Verkehrsbetriebe, Servette-Hertha war eine Sensation!
    Weitere Antworten anzeigen
  • ostpol76 30.04.2020 20:25
    Highlight Highlight Und nach dem Match von Zürich in die Arena Thal zum feiern. Hach waren dies noch Zeiten ;-)
    • Glenn Quagmire 30.04.2020 22:17
      Highlight Highlight Harr Harr...dort gab es früher rollige Rheintalerinnen mit rassigen Frisuren und Lackstiefeli vom Dosenbach. Wen wirklich gar nichts los war, fuhren wir früher in die Provinz. Gab fast jedes Mal Frühstück.
  • c-bra 30.04.2020 19:47
    Highlight Highlight Hach, tolle Erinnerungen..

    Da spielst du nach so vielen Jahren wieder einmal mit richtig attraktivem Fussball vorne mit und dann das..

    Fussball, ich vermisse dich!
    Benutzer Bild

Kommentar

Das Ende der Berner Sportwelt wie wir sie kannten

Die Berner Kantonsregierung verbietet bis auf Weiteres Grossveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen. Es ist das Ende des Berner Sportes mit den SCL Tigers, dem SC Bern, Biel und YB. Dieser Alleingang der Berner lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Eine Regierung dreht durch.

Zuerst einmal ein paar Reaktionen auf den Alleingang der Berner. Hockey-Ligadirektor Denis Vaucher ist fassungslos. «Wir haben alle Schutzkonzepte umgesetzt und es hat bei den Spielen nicht das kleinste Problem gegeben. Weil die Berner Regierung den Ausbau des Contact-Tracing verschlafen hat, gibt es nun diese Regelung.»

Wie es weiter geht, wird erst im Laufe des Montags bekannt. Die Klubs brauchen Zeit, um zu entscheiden, wie sie mit diesem Verbot von Fussball und vor allem von Hockey auf Berner …

Artikel lesen
Link zum Artikel