Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
L'equipe du FC St. Gallen fete la victoire, lors de la rencontre de football du Championnat Suisse de Super League entre Neuchatel Xamax FCS et FC St. Gallen le mercredi 1 juillet 2020 au stade de la Maladiere Neuchatel. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Ausgelassenes Feiern im fast leeren Stadion: St.Gallen bejubelt den glücklichen 2:1-Sieg bei Xamax. Bild: keystone

Diese Gescheiterten, Übersehenen oder Aussortierten können tatsächlich Meister werden

Drei Viertel der Saison sind vorbei und der FC St.Gallen ist immer noch Tabellenführer der Super League. Alles, was kommt, ist für die Ostschweizer ein Bonus. Doch natürlich träumt ganz St.Gallen vom Fussballwunder.



Manchmal reibt man sich erstaunt die Augen. Und muss zwei Mal hinsehen, es wird ja auch fast jeden Tag gespielt, so dass sich die Tabelle so häufig ändert wie das Wetter an einem gewöhnlichen April-Tag. Aber ja, da steht es, nach 27 von 36 Runden ist auf Rang 1 immer noch ... der FC St.Gallen.

Bild

tabelle: srf

Wobei man statt «immer noch» auch «wieder» schreiben könnte. Kurzzeitig, für eine Runde, mussten die Ostschweizer die Führung an YB abgeben. Aber seit gestern Abend sind sie zurück auf dem Leaderthron. Nach einem nervenaufreibenden Arbeitssieg bei Neuchâtel Xamax. Verrückte Super League: Die Neuenburger spielten gegen St.Gallen gross auf, und dennoch rutschten sie nach der 1:2-Niederlage auf den letzten Platz ab.

Die Zusammenfassung des Spiels. Video: SRF

Wer auch solche Spiele gewinnt, hat das Zeug zum Meister

Es war ein Abend, an dem sich Bemerkenswertes ereignete. Der FCSG, dieses grün-weisse Offensivfeuerwerk von Trainer Peter Zeidler, überzeugte für einmal nicht restlos – gewann aber trotzdem. Es gilt die Aussage: Wer auch solche Spiele gewinnt, hat das Zeug zum Meister.

Und mindestens so bemerkenswert: Der FC Basel hatte sich zwei Stunden zuvor gleich selber zerlegt. Nach einer haarsträubenden Wechsel-Panne verlor er 1:2 in Lugano, was den Rückstand auf St.Gallen wieder auf acht Punkte wachsen liess.

Auch YB zeigt Nerven

Der FCB hat sich damit fürs Erste vom Titelrennen verabschiedet. Und auch Meister YB zeigt Nerven. Der im Torschützenklassement überlegen führende Jean-Pierre Nsame flog am Dienstag gegen Servette nach einer Tätlichkeit vom Platz, YB holte beim Aufsteiger in Genf bloss ein 1:1. Damit liegen die Berner zwei Punkte hinter St.Gallen und müssen nun in drei Partien auf Nsame verzichten, sofern das Urteil nicht reduziert wird.

the referee Stefan Horisberger shows the red card to Young Boys' forward Jean-Pierre Nsame #18, during the Super League soccer match of Swiss Championship between Servette FC and BSC Young Boys, at the Stade de Geneve stadium, in Geneva, Switzerland, Tuesday, June 30, 2020. All Super League soccer matches of Swiss Championship are played to behind the semi closed doors (only 1000 persons can be present in the stadium) due to preventive measure against a second wave of the coronavirus COVID-19. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Der 23-fache Saisontorschütze Nsame flog in Genf vom Platz. Bild: keystone

Kein Mensch kann nach der Corona-Pause eine seriöse Prognose wagen. Ausrutscher scheinen dazu zu gehören, wenn alle drei, vier Tage ein Spiel ansteht. Die Young Boys tauchten beim damaligen Schlusslicht Thun, der FCSG ging gegen den FC Zürich 0:4 unter.

Gescheitert, übersehen, aussortiert – und bald Meister?

Fakt ist: Es dauert immer weniger lang, bis der Meistertitel vergeben wird. Bedeutet: Weniger Gelegenheiten für die Konkurrenz, den Leader abzufangen. Noch neun Runden hat YB Zeit, darauf zu hoffen, dass der FC St.Gallen sich mehr Ausrutscher leisten wird als die Berner selber. Neun Spiele sind eine Menge, dem muss man sich bewusst sein, es gibt 27 Punkte zu holen.

Aber mit jeder Runde, welche die Aussenseiter aus der Ostschweiz dem Titel näher kommen, steigt deren Selbstvertrauen. Und jeder Spieler kann im entscheidenden Moment noch einmal Kräfte frei machen, von denen er selber bis dahin nichts wusste. Denn es ist jedem klar, welch grosse Chance er besitzt: Diese Mannschaft aus Akteuren, die anderswo gescheitert, übersehen oder aussortiert worden sind, kann tatsächlich wider aller Erwartungen Schweizer Meister werden.

Es winkt eine Finalissima

Noch ist der Weg weit, noch einmal trifft jedes Team auf die neun anderen. Es ist bereits ein Erfolg, dass Mannschaft und Fans des FC St.Gallen nach drei Vierteln der Meisterschaft vom Titel träumen dürfen. Schon jetzt ist klar, dass der FCSG kommende Saison europäisch spielen wird. Das nimmt allfälligen Druck. Alles was kommt, ist ein Bonus. Doch natürlich träumen sie alle vom Fussballwunder. So wie es St.Gallen selber 1999/2000 oder Leicester City 2015/16 vorgemacht haben, als die krassen Underdogs sensationell Meister wurden.

Der FC St. Gallen und sein Torschuetze Sascha Mueller, 6, laesst sich am Freitag, 19. Mai 2000 beim Fussball Nationalliga A Spiel auf der Allmend gegen den FC Luzern nach seinem Tor von Mannschaft und Fans feiern.(KEYSTONE/Sigi Tischler) ===ELECTRONIC IMAGE===

Ekstase, als der Titel in Luzern so gut wie klar gemacht wird: St.Gallens letzte Meisterhelden vor 20 Jahren. Bild: KEYSTONE

Einen Tag nach dem Schweizer Nationalfeiertag wird ein Meister-Feuerwerk gezündet werden. Die Frage ist nur noch wo. Am 2. August erwartet YB den FC St.Gallen bei sich im Wankdorf. Gut möglich, dass die Meisterschaft erst in dieser Finalissima entschieden wird. Ein einziges, letztes, entscheidendes Spiel, wie ein Cupfinal: The Winner Takes It All.

Oder muss der Titelverteidiger beim Einmarsch ins Stadion bereits dem neuen Meister Spalier stehen? Dem Schweizer Fussball steht ein heisser Juli bevor.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Die turbulente Zeit des FCSG seit dem Meistertitel 2000

«Hört auf, den St.Galler Dialekt zu hassen!»

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

12 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
tayrun
02.07.2020 10:58registriert February 2016
Egal, was passiert. Man ist sowieso schon unglaublich Stolz auf diese Junge Mannschaft! Aber wenn der Titel greifbar wird, wieso nicht =)
17515
Melden
Zum Kommentar
S. L.
02.07.2020 11:06registriert December 2019
Egal ob SG Meister wird, ihr Fussballstyle ist der Hammer. Man geht normalerweise wegen der Stimmung am liebsten in die Arena, diese Saison ist es einfach ein Spektakel. Da ist so viel Spielwitz und Pressing, man könnte sich im Bernabeu wähnen. Eine wahre Augenweide. Danke für die grossartigste Saison seit Moskau.
16019
Melden
Zum Kommentar
Frag
02.07.2020 11:44registriert June 2019
Die grössten Verlierer bei der ganzen Sache sind die Fans. Wir haben wieder einen spannenden Meisterkampf, der letzte liegt Jahre zurück und genau dann kommt es zu den Geisterspielen wegen Corona. Schade, die Stimmung in den Stadien von SG und YB wäre wohl zur Zeit sensationell.
1236
Melden
Zum Kommentar
12

Kommentar

Das Ende der Berner Sportwelt wie wir sie kannten

Die Berner Kantonsregierung verbietet bis auf Weiteres Grossveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen. Es ist das Ende des Berner Sportes mit den SCL Tigers, dem SC Bern, Biel und YB. Dieser Alleingang der Berner lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Eine Regierung dreht durch.

Zuerst einmal ein paar Reaktionen auf den Alleingang der Berner. Hockey-Ligadirektor Denis Vaucher ist fassungslos. «Wir haben alle Schutzkonzepte umgesetzt und es hat bei den Spielen nicht das kleinste Problem gegeben. Weil die Berner Regierung den Ausbau des Contact-Tracing verschlafen hat, gibt es nun diese Regelung.»

Wie es weiter geht, wird erst im Laufe des Montags bekannt. Die Klubs brauchen Zeit, um zu entscheiden, wie sie mit diesem Verbot von Fussball und vor allem von Hockey auf Berner …

Artikel lesen
Link zum Artikel