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epa07611407 Chelsea's manager Maurizio Sarri (R) and David Luiz (L) celebrate with the trophy after winning the UEFA Europa League final between Chelsea FC and Arsenal FC at the Olympic Stadium in Baku, Azerbaijan, 30 May 2019. Chelsea won 4-1.  EPA/MAXIM SHIPENKOV

Chelsea-Trainer Maurizio Sarri stemmt den Europa-League-Pokal. Bild: EPA/EPA

Hazard sagt «Goodbye» – und 8 weitere Dinge, die beim Europa-League-Final aufgefallen sind

Die halbleeren Ränge und Fangesänge aus Lautsprechern waren die grossen Aufreger beim Europa-League-Final in Baku. Doch rund um Chelseas 4:1-Sieg gegen Arsenal gab es noch viel mehr Geschichten – schöne, traurige und tragische.



Hazard sagt Goodbye

Mit zwei Toren und einem Assist war Eden Hazard bei Chelseas 4:1-Triumph über Arsenal natürlich der Mann des Spiels und ein gefragter Interview-Partner. Schnell ging dabei aber nicht mehr um die Leistung und Chelseas Erfolg, sondern um die Zukunft des 28-jährigen Belgiers. Denn seit Monaten wird heftig über einen Transfer zu Real Madrid spekuliert.

Hazard nahm vor der Pokalübergabe kein Blatt vor den Mund:

«Mein Traum war es, in der Premier League zu spielen, das habe ich sieben Jahre lang für einen der grössten Klubs gemacht. Vielleicht ist jetzt die Zeit für eine neue Herausforderung gekommen.»

Und noch etwas konkreter:

«Ich denke, das war mein letztes Spiel für Chelsea. Ich wollte schon nach der WM eine neue Herausforderung, diese werde ich nun im Sommer suchen. Das ist nun ein toller Abschluss, vielen Dank an die Fans für sieben tolle Jahre. Ich habe meine Entscheidung getroffen. Jetzt liegt es am Verein. Ich denke, man wird es in ein paar Tagen wissen.»

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Eden Hazard: «Ich habe meine Entscheidung getroffen.» Video: streamable

Der schwarze Abend des einzigen Engländers

Ainsley Maitland-Niles war im rein-englischen Europa-League-Final der einzige Engländer in den Startformationen beider Klubs – und wurde prompt zur tragischen Figur. An den ersten drei Chelsea-Toren trug er zumindest eine Mitschuld.

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Maitland-Niles greift Emerson vor der Flanke nicht an. Video: streamable

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Nur langsam trabt Maitland-Niles zurück. Video: streamable

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Maitland-Niles läuft Giroud im Strafraum über den Haufen. Video: streamable

Cechs Tränen und Stolz

Die 1:4-Niederlage gegen Ex-Klub Chelsea war für Arsenal-Keeper Petr Cech ein letzter grosser Final. Im Alter von 37 Jahren geht der Tscheche in die wohlverdiente Fussballer-Rente. Kein Wunder, brachen bei dem sonst so coolen Torhüter nach dem Spiel alle Dämme: Cech liefen die Tränen nach dem Schlusspfiff runter und er musste von seinen Mitspielern getröstet werden.

Beim Interview wenig später hatte er sich wieder etwas gefangen, so ganz konnte er seine Emotionen aber dennoch nicht verstecken. Mit feuchten Augen war der Arsenal-Schlussmann aber nochmals ganz Profi:

«Ich bin stolz auf mich und wie ich heute gespielt habe. Wenn du im letzten Spiel deiner Karriere in einem Final gegen deinen Ex-Klubs stehst, ist der Druck enorm. Ich habe alles gegeben und kann sagen, dass sich nichts bedaure. Wir haben das ganze Jahr so hart gearbeitet und am Ende stehen wir mit nichts da. Ich glaube, das haben wir nicht verdient.»

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Cech im letzten Interview als Fussballer. Video: streamable

Rosicky verliert doppelt

Bitter verlief der Abend nicht nur für Arsenal, sondern auch für Sparta-Prag-Sportchef Tomas Rosicky. Schon vor der Niederlage der «Gunners» im rein-englischen Final war klar, dass der Dritte der tschechischen Meisterschaft in der kommenden Europa-League-Saison zwei Quali-Runden überstehen muss, statt direkt in der Gruppenphase zu stehen. Doch nun hat Rosicky doppelt verloren: Der 105-fache tschechische Nationalspieler spielte von 2006 bis 2016 nämlich zehn Jahre für Arsenal.

Profitiert vom englischen Europa-League-Triumph hat dafür Olympique Lyon. Der einstige französische Serienmeister ist so fix in der Gruppenphase der Champions League dabei.

Pedros Tor für die Geschichtsbücher

Chelsea-Flügel Pedro ist dank seines Treffers zum 2:0 der erste Spieler überhaupt, der in einem Champions-League-Final, einem Europa-League-Final und im europäischen Super Cup getroffen hat. Alle diese Wettbewerbe hat der 60-fache spanische Nationalspieler auch gewonnen – dreimal die Champions League, einmal die Europa Leauge und dreimal den Super Cup. Ausserdem zweimal die Klub-WM (2009 und 2011), einmal den EM-Titel (2012) und den WM-Titel (2010). Ziemlich erfolgreich, der Junge ...

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Pedros Treffer zum 2:0 für Chelseas. Video: streamable

Girouds Seitenhieb und die Serie der Franzosen

Olivier Giroud hat einen Lauf: Nach dem WM-Titel hat der Chelsea-Stürmer nun innert Jahresfrist den zweiten grossen Titel gewonnen. Dieses Mal reihte sich der ehemalige Arsenal-Spieler auch unter die Torschützen und führte so eine beeindruckende Serie fort: In den letzten vier Europa-League-Finals hat immer ein Franzose getroffen.

Nach dem Spiel konnte sich Giroud einen kleinen Seitenhieb gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber nicht verkneifen. Der 32-Jährige wurde bei den «Gunners» im letzten Winter aussortiert, als Pierre-Emerick Aubameyang aus Dortmund kam. Bei der feuchtfröhlichen Bus-Party bedankte er sich nun mit dem Pott in der Hand dafür.

Beim offiziellen Interview unmittelbar nach dem Spiel gab sich Giroud noch versöhnlicher. Dort sagte er:

«Ich freue mich sehr für Chelsea und das Team, dass wir in dieser Saison einen Titel feiern können – das haben wir verdient. Ich habe noch viele Freunde bei Arsenal, dieser Verein hat mein Leben verändert. Arsenal half mir meinen Traum zu leben und in der Premier League zu spielen. Jetzt bin ich aber ein echter ‹Blue›. Ich gebe immer mein bestes und bin stolz, dass ich der beste Torschütze der Europa League bin.»

Xhakas Streifschuss

Angeführt von Stratege Granit Xhaka war Arsenal in der ersten Halbzeit eigentlich das bessere Team. Die «Gunners» hatten viel Ballbesitz und schnürten Chelsea phasenweise in der eigenen Platzhälfte ein. So richtig gefährlich wurde es aber nur einmal und zwar als Xhaka in der 28. Minute aus rund 25 Metern voll abzog. Sein Hammer mit dem schwächeren rechten Fuss streifte aber nur die Latte und flog dann übers Tor.

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Xhakas Distanzschuss verfehlt das Ziel nur knapp. Video: streamable

In der zweiten Halbzeit tauchte der Schweizer Nationalspieler wie so viele seines Teams komplett ab und so bleiben Stéphane Chapuisat, Ciriaco Sforza, Xherdan Shaqiri und Stéphane Henchoz die einzigen Schweizer Europacup-Sieger.

Xhaka nach dem Spiel:

«Natürlich bin ich enttäuscht, es war schliesslich ein Final. In der ersten Halbzeit haben wir gut gespielt, aber der letzte Pass kam nicht an. Dann machten sie die Tore und wir nicht. Fehler passieren. Nach dem 1:0 haben wir zu früh aufgemacht, wir hätten noch fast 45 Minuten Zeit gehabt, die Partie zu drehen.»

Bild

Xhaka nach dem Spiel im Interview. bild: screenshot sky

Sarris grosse Freude

20 Jahre musste Maurizio Sarri warten, ehe er gestern mit der Europa League den ersten Titel seiner Trainer-Karriere gewinnen konnte. Dementsprechend gross war die Freude beim sonst eher mürrischen Chelsea-Coach. Bei der Siegeszeremonie studierte er zunächst ungläubig wie ein kleines Kind seine goldene Medaille, dann feierte er bei der Pokalübergabe mit seiner Mannschaft, als wäre er 20 und nicht 60 Jahre alt.

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Sarri und der süsse Blick auf die Goldmedaille. Video: streamable

Für Sarri ist der versöhnliche Saisonabschluss keine Selbstverständlichkeit. Nach schwachen Leistungen in der Premier League stand er bei Chelsea im Winter gleich mehrfach vor dem Aus und unmittelbar vor dem Europa-League-Final stürmte er wutentbrannt aus dem Abschlusstraining seiner Mannschaft, weil David Luiz und Gonzalo Higuain aneinander gerieten.

Trotz des Titelgewinns zum Abschluss und Vertrag bis 2021 wird Sarri kaum bei Chelsea bleiben. Seit Wochen wird gemunkelt, dass der kettenrauchende Super-Taktiker bei Juventus Turin den scheidenden Massimiliano Allegri beerben wird.

Lichtsteiners «Attacke» auf Higuain

Es gehört sich seit einigen Jahren so, dass die Siegermannschaft vor der Pokalübergabe Spalier und dem unterlegenen Gegner mit einem kräftigen Applaus Respekt zollt. Für die Verlierer ein lästige Pfichtaufgabe. Den «Walk of Shame» nahm dann auch nur einer mit Humor: Stephan Lichtsteiner. Der Schweizer Nati-Spieler, der zuvor 90 Minuten auf der Bank sass, gab seinem ehemaligen Juve-Teamkollegen Gonzalo Higuain mit einem Lächeln auf den Stockzähnen zu verstehen, dass er nicht so doof applaudieren soll.

Was Lichtsteiner zu Sarri gesagt hat, ist leider nicht bekannt. Vielleicht würde der Schweizer ja gerne mit nach Turin ...

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