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Dortmund's Emre Can celebrates after scoring a goal during the German Bundesliga soccer match between Bayer Leverkusen and Borussia Dortmund in Leverkusen, Germany, Saturday, Feb. 8, 2020. (AP Photo/Martin Meissner)

Statt in der Defensive hat Emre Can in Dortmund bislang eher offensiv für Furore gesorgt. Bild: AP

Emre Can hat recht – Statistiken offenbaren die grossen Probleme des BVB



Wenn Borussia Dortmund einen neuen Werbeslogan etablieren müsste, dann könnten sie sich bei ProSieben bedienen: «We love to entertain you!» Denn wenn der BVB spielt, dann fallen richtig viele Tore. Zum Leidwesen der eigenen Anhänger aber auf beiden Seiten. In den vergangenen fünf Spielen schossen die Schwarz-Gelben wahnsinnige 20 Tore – aber sie kassierten auch gewaltige elf Treffer. Kein Wunder, dass es beim Team von Lucien Favre wieder eine kleine Krise gibt.

Vor allem der Schweizer Cheftrainer steht mal wieder stark in der Kritik. Rechnet man das 3:3 gegen RB Leipzig und die 1:2-Niederlage in Hoffenheim vor der Winterpause hinzu, dann gewann der BVB nur drei der vergangenen sieben Pflichtspiele. Das ist zu wenig für den selbsternannten Titelanwärter. Dass die Borussia mit nur vier Punkten Rückstand auf Tabellenführer Bayern München sogar noch auf Platz drei steht, liegt vor allem an den ebenfalls strauchelnden Konkurrenten im Titelrennen.

08.02.2020, Nordrhein-Westfalen, Leverkusen: Fußball: Bundesliga, Bayer Leverkusen - Borussia Dortmund, 21. Spieltag in der BayArena. Dortmunds Trainer Lucien Favre vor dem Spiel. Foto: Bernd Thissen/dpa - WICHTIGER HINWEIS: Gemäß den Vorgaben der DFL Deutsche Fußball Liga bzw. des DFB Deutscher Fußball-Bund ist es untersagt, in dem Stadion und/oder vom Spiel angefertigte Fotoaufnahmen in Form von Sequenzbildern und/oder videoähnlichen Fotostrecken zu verwerten bzw. verwerten zu lassen. +++ dpa-Bildfunk +++

Beim BVB brennt der Baum mal wieder. Bild: dpa

Der dritte Tabellenplatz und die berauschenden Dortmunder Sturmläufe mit den treffsicheren Shooting-Stars Erling Haaland, Jadon Sancho oder Giovanni Reyna können jedoch nicht kaschieren, dass es Lucien Favre auch in seiner zweiten Saison noch immer nicht geschafft hat, die Dortmunder Defensive zu festigen.

Statistiken untermauern Kritik von Emre Can

Der im Winter von Juventus Turin gekommene Emre Can, der helfen soll, diese Abwehr-Löcher zu stopfen, legte den Finger nach der 3:4-Niederlage gegen Leverkusen tief in die Wunde: «Wenn man in Führung geht, muss man dreckiger sein. Manchmal ein Foul begehen, besser verteidigen. Ich meine damit die gesamte Mannschaft, von vorne bis hinten. Das müssen wir lernen. Erst einmal musst du gut verteidigen.»

BVB-Neuzugang Emre Can hat nach wenigen Tagen im Ruhrpott schon einen ziemlich guten Einblick in die Dortmunder Problemwelt. Neben den 32 Gegentreffern in der Liga – so viele wie bei Aufsteiger Union Berlin – werden seine Aussagen durch zahlreiche Statistiken untermauert.

Can und auch Mitspieler Mats Hummels kritisierten nach der Niederlage gegen Bayer zu viel Passivität und zu wenig Aggressivität. Ausgerechnet die Fairness-Statistiken der Bundesliga offenbaren das Dortmunder Dilemma: Die Westfalen begingen in dieser Bundesliga-Saison bisher nur 182 Fouls – kein Team foulte weniger. Auch in der Gelbe-Karten-Statistik spiegelt sich die passive Spielweise wider. Der BVB erhielt in dieser Spielzeit bisher nur 19 Gelbe Karten – so wenige wie keine Mannschaft. Zum Vergleich: Bayern sah doppelt so häufig Gelb.

30.11.2019, Berlin: Fussball: Bundesliga, Hertha BSC - Borussia Dortmund, 13. Spieltag, Olympiastadion. Mats Hummels (l) von Borussia Dortmund erhaelt nach Foul an Berlins Davie Selke die Gelb-Rote Karte von Schiedsrichter Sven Jablonski (3.v.r). (KEYSTONE/DPA/Andreas Gora)

Gelbe Karten – wie hier gegen Mats Hummels – sind bei Dortmund nicht allzu häufig. Bild: DPA

Wer nun meint, dass diese Statistiken nur zeigen, dass der BVB ein faires Team sei, dem legen wir eine weitere Statistik ans Herz: Bei den gewonnenen Zweikämpfen kommt die Borussia auf insgesamt lediglich 2075 – nur drei Teams in der Bundesliga sind schlechter. Mit nur 314 gewonnenen Kopfballduellen sind die Westfalen sogar Schlusslicht der Liga.

Favre: «Arbeiten, arbeiten, arbeiten»

Sportdirektor Michael Zorc kennt die Statistiken: «Wir sind die fairste Mannschaft der Liga, aber dafür gibt es keine Punkte», sagte Zorc am Mittwoch auf der Pressekonferenz vor dem Bundesligaspiel gegen Eintracht Frankfurt. Der BVB-Sportdirektor will die Mannschaft jedoch nicht offen zu einer härteren Gangart auffordern: «Das ist in manchen Fällen das Mittel der Wahl, aber wir fordern unsere Spieler nicht auf, mit Fouls zu spielen. Es geht darum, bei jedem Spieler das Bewusstsein zu schärfen, das eigene Tor zu schützen», sagte Zorc. Er betonte abermals: «Das Problem ist, dass wir zu viele Gegentore bekommen. Dadurch bringen wir uns oft um den Lohn unserer Arbeit.»

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Das sagen Favre und Zorc vor dem Frankfurt-Spiel. Video: YouTube/Borussia Dortmund

Das Defensiv-Dilemma hat jedoch nicht nur mit den passiven, ohne «Tor-Beschützerinstinkt» ausgestatteten BVB-Spielern zu tun, sondern auch mit dem zunehmend ratloser wirkenden Trainer Lucien Favre, der die BVB-Abwehr auch taktisch nicht stabilisieren kann. Favres Worte am Mittwoch dürften einige Fans an Durchhalteparolen erinnern: «Wir haben zu viele Tore bekommen. Das wissen wir. Wir müssen daran arbeiten. Die einzige Lösung, die ich sehe: arbeiten, arbeiten, arbeiten», sagte der BVB-Trainer vorm Freitagsspiel gegen die Eintracht.

Ob Favre in der Defensive mit einer Dreier- oder Viererkette spielen will, verriet er noch nicht: «Wir werden sehen und werden darüber sprechen. Die Entscheidung ist noch nicht definitiv gefallen. Wir müssen schauen, wer morgen im Training da ist. Beide Systeme sind möglich, wir können sofort wechseln.»

Auf den BVB warten stürmische Teams

Für Favre könnten die kommenden zwei Spiele ungemütlich werden: Die wackelige BVB-Defensive muss sich gegen stürmische Gegner beweisen. Am Freitag spielt der BVB gegen wiedererstarkte Frankfurter. Das Team von Adi Hütter hatte nach dem 5:1-Sieg gegen Bayern München und dem damit resultierenden Aus von Bayern-Coach Niko Kovac Anfang November eine Durstrecke von sieben sieglosen Spielen in der Liga. Seit der Winterpause läuft's aber wieder: Die Eintracht verlor noch kein Spiel in der Rückrunde, schoss zuletzt drei Tore gegen Leipzig und fünf gegen Augsburg.

epa07984573 Dortmund's Manuel Akanji (L) reacts after the German Bundesliga soccer match between FC Bayern and Borussia Dortmund in Munich, Germany, 09 November 2019.  EPA/PHILIPP GUELLAND CONDITIONS - ATTENTION: The DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video.

Akanji ist Teil der Dortmunder Abwehr-Probleme – auch er kämpft momentan mit der Konstanz, die ihn letztes Jahr so stark gemacht hat. Bild: EPA

Nach dem Spiel gegen die Eintracht muss der BVB in der Champions League ausgerechnet gegen eine der stärksten Offensiven der Welt spielen: Am Dienstag ist Frankreichs Serienmeister Paris St-Germain in Dortmund zu Gast. Die Franzosen um Kylian Mbappé, Neymar, Mauro Icardi und Angel di Maria schossen alleine in der Gruppenphase der Königsklasse 17 Tore, in der Liga schon 63.

Der ehemalige BVB-Trainer und heutige PSG-Coach Thomas Tuchel weiss um die Dortmunder Abwehrsorgen – warnte am Wochenende aber vor der BVB-Offensive. Auf die Frage, ob es ihm Hoffnung mache, dass der BVB derzeit so viele Gegentore kassiere, reagierte Tuchel mit einem Lachen: «Dafür bin ich aber auch sicher, dass sie immer in der Lage sind, sechs bis sieben Tore zu schiessen», sagte Tuchel: «Das ist eine superstarke Mannschaft. Das wird eine sehr schwere Aufgabe.»

PSG's Kylian Mbappe, right, talks with PSG's head coach Thomas Tuchel during the French League One soccer match between Paris-Saint-Germain and Montpellier at the Parc des Princes stadium in Paris, Saturday Feb. 1, 2020. (AP Photo/Christophe Ena)

Tuchel und Mbappé wollen Dortmund in der Champions League das Leben schwer machen. Bild: AP

Der BVB schoss in der Gruppenphase jedoch nur acht Tore – und kassierte genau so viele. Auch die kommenden Spiele von Haaland, Sancho und Co. dürften frei nach dem Slogan «We love to entertain you» zumindest die neutralen Zuschauer erfreuen. Ob die BVB-Fans jedoch zufrieden sein werden, bleibt fraglich. Denn die alte Weisheit lautet ja bekanntlich: «Der Sturm gewinnt Spiele, die Abwehr Meisterschaften». (bn)

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Stefan Morgenthaler-Müller 14.02.2020 11:40
    Highlight Highlight Das Rezept bei Dortmund ist ganz einfach: Haaland und Sancho müssen mehr Tore erziehlen, als Bürki Tore kassiert. Frage mich, ob Favre der richtige Trainer für diese Jahrhundertmannschaft ist. Wenn ich an den BVB-Schalthebeln wäre, würde ich einen anderen Trainer bringen sowie Hummels nach Schalke verschenken.
    • maxi #sovielfürdieregiongetan 14.02.2020 12:08
      Highlight Highlight als ob Hummels der grund alles üblem wäre. Sorry die Verteidigung sah in der Rückrunde 18/19 schon oftmals sehr grottig aus. Bürki hatte sicherlich seine schlechten Phasen er ist aber diese Saison definitiv nicht Schuld an der miesere. Beim Trainer bin ich bei dir. Favre holt zu wenig aus fiesem Team raus. Zudem hat er seine absoluten Lieblingsspieler mit Stammplatzgarantie, sehr schade.
    • Stefan Morgenthaler-Müller 14.02.2020 12:42
      Highlight Highlight @Maxi. Ich schreibe nicht, Bürki sei schuld. Es ist nunmal ein mathematisches Gesetz, dass wenn man ein Tor mehr schiesst als der Gegner, man das Spiel gewinnt.
    • maxi #sovielfürdieregiongetan 14.02.2020 12:48
      Highlight Highlight Es ist wirkt sehr unglünklich wie du es formuliert hast.
  • Real John Doe 14.02.2020 11:28
    Highlight Highlight Es erstaunt extrem, dass Favre die Defensive beim BVB einfach nicht hinbekommt. Das unnötige kassieren von Gegentoren war doch immer das was er sofort bei allen seinen Teams abstellen konnte. Als er zu Gladbach kam, sind sie wohl alleine wegen den nicht mehr erhaltenen Gegentoren nicht abgestiegen. Hatten, glaube ich, am wenigsten Tore überhaupt kassiert in der Rückrunde damals... Wenn du Meister werden möchtest, darfst du nicht fast 2 Tore im Schnitt kassieren. Eher weniger als 1 pro Spiel...
  • McStem 14.02.2020 11:12
    Highlight Highlight PSG vs. BVB dürfte zwei sehr interessante Spiele geben. Denn auch PSG ist ja nicht gerade für seine Defensivstärke bekannt.
    Ein total Score >8:8 oder noch höher würde mich ehrlich gesagt nicht überraschen.
  • Lutz Pfannenstiel 14.02.2020 10:38
    Highlight Highlight Ich bezweifle, dass es die Fairness ist, die zu den vielen Gegentoren führt. Es ist noch nicht so lange her, da wurde Favre (als damaliger Gladbach-Trainer) für seine Philosophie, unnötige Fouls zu vermeiden, von den Medien gefeiert ("Wenig Fouls für wenig Gegentore",
    "Favre fairnagelt die Bude"...):
    https://www.bild.de/sport/fussball/borussia-moenchengladbach/favre-fairnagelt-die-bude-21794814.bild.html
    Höhepunkt war ein Spiel gegen Schalke, in welchem Gladbach mit einem einzigen (!) Foul (ein Trikotzupfer in der 90. Minute!) auskam:
    https://www.kicker.de/603487/artikel


  • demian 14.02.2020 10:21
    Highlight Highlight Die meisten Spieler denken nur offensiv und arbeiten in der Defensive nur Alibimässig mit. Dazu kommt, dass in der Abwehr nicht klar ist wer der Chef ist.

    Das alles kann man sich bei den Gegentoren vom Leverkusenspiel anschauen. Solange die Spieler keine Defensivarbeit verrichten wollen, wird Favre (auch kein anderer) den Laden nicht dicht kriegen. 4 oder 5 Tore schiesst du vielleicht gegen Köln oder Augsburg, aber nicht gegen die starken Teams.
    • Real John Doe 14.02.2020 14:13
      Highlight Highlight sie kriegen ja schon drei gegen Werder und die spielen seit Monaten schwach. Nach dem Cup Sieg gegen den BVB kriegt Werder 0-2 von Union. Das sagt ja schon alles darüber wie bescheiden Werder spielt.
  • ayyyyyyyyy 14.02.2020 10:00
    Highlight Highlight Aggresivität und Körperhaltung werden oft als Argumente angeführt, wenn man nicht über nötige Wissen verfügt, um eine vernünftige taktische Analyse vorzunehmen. Es gibt ausreichend Beispiele von Verteidigern (siehe Rio Ferdinand 2014 mit 27 Ligaspielen ohne Foul), die defensive Stabilität bringen ohne zu foulen oder Karten zu kassieren.
    Der "treffsichere Shooting-Star" Giovanni Reyna hat übrigens null Skorerpunkte in der Bundesliga.
    • cheko 14.02.2020 10:21
      Highlight Highlight Betreffend Rio Ferdinand stimme ich dir voll und ganz zu! Rio war einer der besten Verteidiger aller Zeiten und kam sehr gut ohne Fouls aus..

      Giovanno Reyna ist in der Bundesliga sicherlich noch nicht die grosse Stütze aber er hat bereit in der Youth League, U19 und im DFB Pokal in Form von richtig geilen Toren und einigen Vorlagen eindrücklich gezeigt welches Talent in ihm schlummert! Auch ein Pulisic, Götze oder Hummels mussten sich erstmals in der 1. Mannschaft etablieren :)
    • ayyyyyyyyy 14.02.2020 13:30
      Highlight Highlight @cheko. Richtig. Ich will ihm sein Talent nicht absprechen. Die Bezeichnung „treffsicherer Shooting-Star“ ist aber (noch) falsch.
    • cheko 14.02.2020 15:04
      Highlight Highlight Von der Formulierung her (noch) etwas übertrieben.. gebe ich dir Recht :)

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