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FC Zuerich Praesident Ancillo Canepa, verlaesst die Medienkonferenz zum Rueck- und Ausblick der Saison 2015/16, aufgenommen am Freitag, 27. Mai 2016, in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Ancillo Canepa fand's lustig: unser Bullshit-Bingo.  Bild: KEYSTONE

Dank unserem dramatischen Bullshit-Bingo: So verlief die Canepa-PK doppelt spannend 

Ancillo Canepa erzählte bei der heutigen FCZ-Pressekonferenz viel und irgendwie doch nichts. Der grosse Knall blieb aus, dafür gab es wie zu erwarten viele Floskeln. Wir haben uns auf der Sportredaktion vorbereitet und uns im Bullshit-Bingo gemessen. 



» Hier geht's zum Liveticker der Medienkonferenz mit Ancillo Canepa.

Fieberhaft wird in der Sportecke von watson studiert, gekritzelt und geflucht. Schliesslich geht es um die Begriffsfindung für das Bullshit-Bingo, welches um 11 Uhr an der Pressekonferenz des FC Zürich stattfinden wird.

Die Ausgangslage ist einfach: Weil vorauszusehen ist, dass während der PK von Präsident Canepa zwar viel geredet, aber nichts gesagt wird, bereiten wir uns auf ein eigenes Spiel vor: Die Sportredaktoren Fehr, Reich und meine Wenigkeit wählen ihre drei Begriffe für die Medienkonferenz, wer schafft zuerst das Bingo?

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Mit diesen Begriffen gehen die Sportredaktoren ins Rennen.

Vor dem Spiel:
Weil ich die vertrauenswürdigste Seele bin Weil ich auserkoren wurde, werde ich mit dem Bingo direkt vor Ort geschickt. Mit einem grünen Marker in der Hand warte ich auf den Anpfiff durch Spielleiter und FCZ-Medienchef Patrick Lienhart.

Hauptakteur Ancillo Canepa sitzt schon bereit, die Zuschauerränge füllen sich mit Journalisten aller relevanten Schweizer Medien – die spielen offensichtlich ebenfalls gerne Bullshit-Bingo. Trotzdem bin ich der Einzige, der sein Spielfeld ausbreitet – bereit für das grosse Abhaken.

Blitzstart durch Reich:
Kaum hat das Spiel begonnen, gelingt Reich schon die frühe Führung: «Es wird viel geschrieben, das nicht wahr ist», hat der schlaue Fuchs in seine Reihe gekritzelt. Canepa spricht gleich zu Beginn davon, dass die Medien gegen den Mann, also ihn, gespielt haben, natürlich oftmals ungerechtfertigt. Der Punkt geht ohne Diskussion an Schnellstarter Reich.
Zwischenstand: Fehr 0, Reich 1, Zappella 0

Ein Doppelschlag von Fehr:
Canepa wirkt da vorne souverän, er hat dieses Spiel schon oft gespielt. Unbeeindruckt sitzt er vor der anwesenden Meute. Natürlich verstehe er die Frustration der Fans, aber auch er empfinde sehr viel Liebe für den FC Zürich. Was Canepa nicht weiss, er hat Fehr soeben einen Doppelschlag beschert. «Verstehe den Frust der Fans» und «Der FCZ ist eine Herzensangelegenheit» muss ich meinem Sportchef zugestehen. Ich konstatiere: Fehr beweist beim Bullshit-Bingo die gleiche Souveränität wie Canepa im Rampenlicht. 
Zwischenstand: Fehr 2, Reich 1, Zappella 0

FC Zuerich Praesident Ancillo Canepa spricht zu den Journalisten anlaesslich der Medienkonferenz zum Rueck- und Ausblick der Saison 2015/16, aufgenommen am Freitag, 27. Mai 2016, in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

«Picobello hast du das gemacht», Canepa ist beeindruckt von Fehrs Doppelschlag im Bullshit-Bingo.
Bild: KEYSTONE

Canepas Mitleid:
Eigentlich hätte ich erwartet, an dieser PK etwas Mitleid für den Herren Canepa zu empfinden. Aber nichts da. Der Wirtschaftsprofi spricht so locker und abgezockt, dreht den Spiess sogar um: Als er in mein enttäuschtes Gesicht blickt, muss er bemerkt haben, dass ich in dieser ersten Viertelstunde noch ohne Punkt geblieben bin. Nun hat Canepa Mitleid mit mir! Und genauso wie er den FCZ in den Abgrund geführt hat und wieder retten will, tut er es mit mir: Gleich ein halbes Dutzend Mal erwähnt er den «sofortigen Wiederaufstieg als Ziel». Canepa blickt dem Ganzen irgendwie ziemlich positiv entgegen, ich dank meinem ersten Punkt ebenfalls.
Zwischenstand: Fehr 2, Reich 1, Zappella 1

Dank dem Fokus zum Ausgleich!
Die Zeit verstreicht langsam, Canepa spielt das locker runter, Fehr liegt noch immer in Führung. Dann kommt Canepa endlich auf den Cupfinal zu sprechen, alleine der Gedanke daran zaubert dem Alleinherrscher ein Lächeln auf die Lippen. Natürlich liege der Fokus auf dem Cupfinal, antwortet er der Frage eines Journalisten. Danke an beide, der Punkt ist gesichert, ich ziehe mit Fehr gleich!
Zwischenstand: Fehr 2, Reich 1, Zappella 2

Reich zeigt Moral und schafft den Ausgleich:
Die Uhr läuft nun gegen Reich, nach der frühen Führung hat er es verpasst, nachzulegen. Er befindet sich in einer Negativspirale. Ebendiese spricht «Cillo» kurz vor Schluss doch noch an: 
«Raus aus der Negativspirale», Reich hat es in extremis geschafft, er rückt quasi mit dem Schlusspfiff vor zum Spitzenduo! 
Schlussstand: Fehr 2, Reich 2, Zappella 2

Nach dem Spiel:
Aus, das Spiel ist aus! Patrick Lienhart schliesst die Medienkonferenz. Und da stehe ich nun mit meinem Bullshit-Bingo. Allen hat uns ein Begriff gefehlt und mich davon abgehalten ein lautes «Bingo» durch den Konferenzraum zu schreien. Schade eigentlich. Fehr wurde das «1 Schritt zurück, 2 Schritte vorwärts» zum Verhängnis, hauptsächlich deshalb, weil Canepa nie eingestehen würde, dass der FCZ unter ihm einen Schritt rückwärts gemacht hat. 

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Das Schlussklassement – Fehr, Reich und Zappella mit je zwei Punkten.

Reichs Bingo scheitert an der «Aufwärtstendenz unter Uli Forte», Canepa weigerte sich partout über den Interimstrainer zu sprechen. Das komme dann nach dem Cupfinal – Pech für Reich. Und auch ich schramme haarscharf am Bingo vorbei: «Schlüsselspieler müssen gehalten werden» habe ich in meiner Reihe notiert. Canepa spricht zwar immer wieder von seinem Kader, das er «zusammenhalten möchte», auf den Begriff Schlüsselspieler verzichtet er aber gänzlich. 

27.05.2016; Zuerich; Fussball Super League; FC Zuerich; Praesident Ancillo und Helina Canepa (FCZ) im Aufzug, im Anschluss an die Pressekonferenz
 (Steffen Schmidt/freshfocus)

Die Canepas nehmen den Lift nach unten. Keine Pointe. Bild: freshfocus

Der Schlüssel zum Erfolg wäre so simpel gewesen. Irgendwas mit «Analyse» oder «absurd». Denn Canepa braucht diese beiden Begriffe geradezu inflationär. Hier eine Analyse, da eine absurde Situation. Und das gleiche wieder und immer wieder. Der Jackpot wäre allerdings «grinta» gewesen. Italienisch für Kampfgeist, wie Canepa beiläufig erklärte. Ein Mann von Welt halt.

So bleibt es schliesslich beim Unentschieden und ich komme zu meiner Analyse: Wir haben alle einen Harass Bier auf unsere Begriffe gewettet. Obwohl keiner gewonnen hat, werden wir damit wohl einen schönen Freitagabend verbringen. Irgendwie absurd, oder nicht, Herr Canepa?

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