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epa07951855 Inter's Romelu Lukaku celebrates after scoring a goal during the Italian Serie A soccer match FC Inter vs Parma Calcio at the Giuseppe Meazza stadium in Milan, Italy, 26 October 2019.  EPA/MATTEO BAZZI

Romelu Lukaku ist einer der Hauptgründe für die Wiederauferstehung von Inter Mailand. Bild: EPA

Lukaku zum «Black Friday»: «Die dümmste Schlagzeile, die ich je gesehen habe»



Nach dem jüngsten Fall von Rassismus im italienischen Fussball hat sich Romelu Lukaku zu Wort gemeldet. Die Zeitung «Corriere dello Sport» hatte ihn gestern gemeinsam mit dem ebenfalls dunkelhäutigen Chris Smalling aufs Titelblatt gedruckt zur Schlagzeile «Black Friday». Zwar war der Artikel antirassistisch, die Frontseite aber dennoch deplatziert und der Schaden damit angerichtet.

Lukaku äusserte sich am Abend. Er hält fest:

«Der ‹Corriere dello Sport› hat die dümmste Schlagzeile gedruckt, die ich in meiner gesamten Karriere gesehen habe. Ihr Jungs befeuert nur Negativität und Rassismus, dabei könnte man auch über das wunderbare Spiel sprechen, das im San Siro zwischen zwei grossen Teams ausgetragen werden wird. Ausbildung ist der Schlüssel. Ihr beim ‹Corriere dello Sport› solltet euren Job besser machen.»

Der belgische Stürmer, der auf diese Saison hin von Manchester United zu Inter gewechselt hatte, bedankte sich bei allen Fans und Journalisten für ihre Unterstützung. Auch Roma-Verteidiger Chris Smalling äusserte sich gestern Abend:

«Ich hätte den Tag gerne benutzt, um mich auf das grosse Spiel vorzubereiten. Aber es ist wichtig zu wissen, dass ich das falsch und höchst unsensibel finde. Ich hoffe, die involvierten Redaktoren übernehmen die Verantwortung für ihre Schlagzeile und verstehen, welche Kraft solche Worte haben und welchen Einfluss.»

AC Milan's Hakan Calhanoglu, left, and Roma's Chris Smalling fight for the ball during a Serie A soccer match between Roma and AC Milan, at Rome's Olympic Stadium, Sunday, Oct. 27, 2019. (AP Photo/Andrew Medichini)

Smalling wechselte im Sommer von Manchester United in die italienische Hauptstadt. Bild: AP

Smalling bedankte sich bei seinem Klub für die Rückendeckung. Die AS Roma gab in einem gemeinsamen Communiqué mit der AC Milan bekannt, die Zeitung zu boykottieren. «Wir alle stehen in der Verantwortung, genau abzuwägen, welche Worte wir verwenden», heisst es. «Roma und Milan haben deshalb entschieden, den ‹Corriere dello Sport› bis Ende Jahr von den Trainings zu verbannen und die Spieler werden für Anfragen der Zeitung nicht zur Verfügung stehen.» Die beiden Klubs seien sich bewusst, dass der Artikel an sich eine antirassistische Botschaft vermittelt habe. Deshalb gelte der Boykott auch nicht länger. So ist er als Denkzettel zu verstehen.

Mehr zum Thema:

Zeitung: «Rassistisch für wen?»

Der Chefredaktor des Blatts hatte Schlagzeile und Artikel schon gestern verteidigt. «Schwarzer Freitag» sei eine Eloge auf die Unterschiede: «Ein unschuldiger Titel, der perfekt argumentiert wird, wird von denen, die das Gift im Inneren haben, in Gift verwandelt.» Die Antirassismus-Organisation FARE hingegen befand, Medien würden mit solchen Schlagzeilen nur Rassismus schüren.

Die Zeitung hat das Thema heute nochmals prominent aufgegriffen. Auf der Titelseite zeigt sie Ausrisse anderer Medien und fragt gross: «Rassistisch für wen?» Beim «Corriere dello Sport» handle es sich schliesslich um eine Zeitung, die sich in den vergangenen Wochen durch eine antirassistische Kampagne ausgezeichnet habe. «Trotz alledem wurde ein beispielloses Lynchen in Gang gesetzt.»

Der Chefredaktor warf denjenigen, die «Rassismus» rufen, vor, Lachse zu sein, «die zum Strom des akzeptierten Moralismus und der Heuchelei zurückkehren.» Nur vier Serie-A-Klubs hätten Solidaritäts-Tweets für die «Opfer» gepostet. Der Zeitung sei die Gelbe Karte gezeigt worden (der Boykott), aber gleichzeitig sei dabei daran erinnert worden, ein antirassistisches Blatt zu sein. Er sieht darin einen Widerspruch und schliesst mit dem Hinweis: «Achtung: Auch im Leben gibt es den VAR.»

Heute Abend (20.45 Uhr) im San Siro soll es um Fussball gehen. Roma-Verteidiger Smalling versucht, seinen ehemaligen Teamkollegen bei Manchester United zu stoppen. Lukaku erzielte zehn Tore in 14 Serie-A-Einsätzen und ist damit massgeblich daran beteiligt, dass Inter Mailand die Tabelle anführt.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Bruno Wüthrich 06.12.2019 13:02
    Highlight Highlight Die Titelsetzung gehört zum Artikel dazu. Sie kann ihn auf-, aber auch abwerten. Der Titel ist massgeblich für die Qualität des ganzen Produkts.

    Dies haben nicht nur italienische Medien nicht begriffen, und es geht dabei längst nicht immer nur um Rassismus.
  • Magnum 06.12.2019 11:14
    Highlight Highlight Ach, die Nullchecker vom Corriere vergreifen sich auch noch am rassistisch aufgeladenen Wort «lynchen»? Manchmal wäre es wirklich gescheiter, die Fresse zu halten, als mit einem fortgesetzten Sprachdurchfall alle Vorwürfe zu bestätigen und die Situation weiter zu verschlimmern. Que vergogna, Corriere!
  • Therealmonti 06.12.2019 11:06
    Highlight Highlight Selig sind die Armen im Geiste. Damit sind die verantwortlichen Redaktoren beim Corriere dello Sport gemeint.
  • DrLecter 06.12.2019 10:59
    Highlight Highlight Es ist langsam höchste Zeit den italienischen Fussball gänzlich zu ignorieren, es ist nur noch widerlich. Warum die UEFA nicht rigoros eingreift ist sowieso schon längst höchst bedenklich!
    • Duscholux 06.12.2019 11:25
      Highlight Highlight Sind es nicht nur die Fans und Journalisten die ins Klo greifen? Wegen diesen Nilpen muss man doch nicht die Matches boykottieren.
    • Duscholux 06.12.2019 11:25
      Highlight Highlight Vielmehr sehe ich das Problem bei der UEFA. Dann müsste man aber nicht nur die Serie A ignorieren sondern alle anderen UEFA Ligen auch.

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