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L'arbitre Pascal Erlachner avertit d'un carton jaune le joueur vaudois Adriano De Pierro, gauche, lors de la rencontre de football de Super League entre le FC Lausanne-Sport, LS, et FC Basel 1893, ce dimanche 6 octobre 2013 au stade Olympique de la Pontaise a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Super-League-Schiedsrichter Pascal Erlachner bekennt sich als schwul. Bild: KEYSTONE

«Schwul, na und?» – Erster Schweizer Super-League-Schiri outet sich

Der 37-jährige Spitzen-Schiedsrichter Pascal Erlachner bekennt sich als schwul. Er will damit eine «überfällige Diskussion» auslösen. 



Es ist das erste Outing im Schweizer Profi-Fussball.

Der aktive Super-League-Schiedsrichter Pascal Erlachner bekennt sich offen zu seiner Homosexualität. «Ich kann hinstehen und sagen: Ja, ich bin schwul – na und?», sagt der 37-jährige in einem Interview mit dem Sonntagsblick. Er sei reif für diesen Schritt und gespannt, was er damit auslöse.

Im Fussball sei Homosexualität immer noch ein riesengrosses Tabu. Erlachner hofft, dass er mit seinem Outing eine öffentliche Diskussion anregt. 

«Sagt mir aber jemand Schwule Sau oder Schwuchtel, gibt's Rot.»

Aber warum ist Homosexualität im Fussball immer noch derart verpönt? Schwule Fussballer hätten vielleicht Angst vor den Reaktionen der Mitspieler, vor den Fans im Stadion, den Reaktionen in Kommentar-Spalten.«Angst, dass sie vom Trainer plötzlich nicht mehr aufgestellt werden. Angst, dass ihr Outing sogar das Karriereende bedeuten könnte», sagt Erlachner weiter. 

Als Beispiel für die Schwulen-Problematik nennt er den Torjubel, bei dem sich die Spieler oftmals umarmen und sogar küssen. «Es würde wohl total falsch interpretiert werden». 

Schiedsrichter Pascal Erlachner beim Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem Grasshopper Club Zuerich und dem FC Aarau am Sonntag, 9. Februar 2014, im Letzigrund Stadion in Zuerich. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Erlachner hat seine Neigung jahrelang versteckt – auch im Fussball-Business.  Bild: KEYSTONE

Mit seinem Outing erfahren nun alle Fussballspieler von seiner Homosexualität. Was ändert sich? «Ich hoffe nicht, dass es jetzt heisst: Jetzt kommt der Erlachner! Jetzt kommt der schwule Schiri! Jetzt müssen wir anders sein.» Er wolle weder als Idol noch als schwuler Schiedsrichter gesehen werden. 

Super-League-Schiri Erlachner outet sich als schwul. Was denkst du darüber?

Für Erlachner ist aber auch klar, dass er keine Schimpfwörter tolerieren wird. «Sagt mir aber jemand Schwule Sau oder Schwuchtel, gibt's Rot.» Da gebe es keine zweite Meinung. Er glaube aber nicht, dass Spieler dies tun werden

Traurig nach den Trainings

Der Super-League-Schiri, der selber in der ersten und zweiten Liga Fussball spielte, erzählt vom Druck innerhalb einer Mannschaft: «Wenn in der Garderobe jemand gesagt hat: ‹Hey, du schwuler Siech!› oder ‹Schau nicht so schwul!›, lachte ich mit und tat so, als fände ich diese Sprüche auch cool. Dabei dachte ich jeweils: ‹Pasci, sag ja nichts dazu, sonst fällst du noch auf!› Ich habe mich in der Kabine verstellt. Nach den Trainings bin ich oft sehr traurig nach Hause gekommen.»

«Vor allem als junger Teenager habe ich es mit Frauen ausprobiert, weil ich nicht wahrhaben wollte, dass ich schwul bin»

Erlachner schildert weiter, dass er seine Neigung jahrelang versteckt hat. «Die ewige Lügerei ist wahnsinnig anstrengend», sagt er. «Ich habe mich auch mit Frauen verabredet. Ich hatte sogar eine Freundin, ja. Vor allem als junger Teenager habe ich es mit Frauen ausprobiert, weil ich nicht wahrhaben wollte, dass ich schwul bin. So nach dem Motto: Vielleicht kommt es ja noch.»

Schiedsrichter-Chef: «Reaktionen nicht absehbar»

Am 21. Dezember will das Schweizer Fernsehen (SRF) laut Sonntagszeitung einen Dokumentarfilm über den Schiedsrichter, Sekundarlehrer und FDP-Gemeinderat aus Wangen bei Olten SO zeigen. Der Fussballverband will, dass die Doku erst zu Beginn der Winterpause ausgestrahlt wird, damit sich ein allfälliger Sturm von Reaktionen bis zum Rückrundenstart wieder legen kann. 

Schiedsrichter-Chef Cyril Zimmermann sagt zur Zeitung weiter: «Persönlich finde ich das Outing gut. In meiner offiziellen Position verfolge ich es aber auch kritisch, weil ich nicht weiss, ob das Fussballgeschäft dafür bereit ist. Die Reaktionen sind nicht absehbar.»

(amü)

Hat die Schweiz ein Homophobie-Problem?

Video: srf

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