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Sepp Blatter wird vom britischen Komiker Lee Nelson mit Dollar Banknoten beworfen FOOTBALL :  FIFA PK nach der Sitzung des Exekutiv Komitees  - Zurich - 20/07/2015 ElyxandroCegarrax PUBLICATIONxNOTxINxFRAxITAxBEL

Sepp Blatter will of UK Comedians Lee Nelson with Dollars Banknotes beworfen Football FIFA press conference After the Meeting the Executive Committee Zurich 20 07 2015 ElyxandroCegarrax PUBLICATIONxNOTxINxFRAxITAxBEL

Jean-Pierre Méan hat 2014 gesagt, dass sich die Fifa unter Sepp Blatter (Bild) nicht reformieren kann. Bild: imago/PanoramiC

Interview

«Nicht mehr die ‹böse› FIFA»: Korruptionsexperte stellt dem Verband ein gutes Zeugnis aus

Jean-Pierre Méan, der Genfer Anwalt und ehemalige Präsident von Transparency International Schweiz, hatte bis 2015 einen schlechten Eindruck vom Weltfussballverband. Heute stellt er der FIFA ein überraschend gutes Zeugnis für ihre Reformen im Bereich der Bestechung aus.

rainer sommerhalder / ch media



Der Westschweizer Anwalt und Experte für die Bekämpfung von Korruption hat im Auftrag der Fifa die Prozesse des Weltfussballverbandes auf ihre Antikorruptions-Standards evaluiert. Er sagt, die FIFA habe heute «ein starkes System» zur Bekämpfung von Bestechung.

Ist es für einen Antikorruptions-Experten opportun, einen Auftrag der FIFA anzunehmen?
Jean-Pierre Méan: (lacht) Ich habe Verständnis für die FIFA. Ich war als Leiter des Rechtsdienstes beim Warenprüfkonzern SGS in der gleichen Situation. Kaum hatte ich 1996 meinen Job angetreten, stand der Weltkonzern wegen einer Bestechungsaffäre rund um die pakistanische Regierungschefin Benazir Bhutto in den internationalen Schlagzeilen und galt die SGS als korruptes Unternehmen. Ich bin deswegen sehr interessiert, mich davon zu überzeugen, dass die FIFA sich reformiert hat. Ich habe zwar 2014 öffentlich gesagt, dass ich nicht daran glaube, dass sich die FIFA unter Sepp Blatter reformieren kann. Es ist sehr schwierig, dass ein solcher Prozess von innen heraus gelingt.

Jean-Pierre Méan – zur Person:

Der Lausanner Anwalt mit Spezialgebiet Bekämpfung von Korruption hat in verschiedenen Firmen Integritätsprogramme mit Antikorruptions-Standards eingeführt und in vielen Unternehmen wie Alstom, Airbus, Siemens oder UBS Evaluierungen durchgeführt. Er war von 2003 bis 2014 im Vorstand von Transparency International Schweiz, davon die letzten vier Jahre als Präsident. Méan war 2016 auch massgeblich beteiligt an der Schaffung des ISO-Standards 37001 für ein Managementsystem zur Bekämpfung von Korruption. Er leitet aktuell die Arbeitsgruppe, die sich mit der Einhaltung dieses Standards befasst. (rs)

Heute sehen Sie das anders?
Ich bin der Meinung, dass sich die FIFA nun tatsächlich reformiert hat. Die Organisation hat es verdient, dass dieser Umstand anerkannt wird. Wir sehen heute nicht mehr die «böse» FIFA von früher.

Welchen Eindruck haben Sie in den vergangenen Jahren von der FIFA gewonnen?
Bis 2015 hatte ich tatsächlich einen schlechten Eindruck. Ich wusste zwar, dass die FIFA in der Welt des Sports bezüglich Korruption nicht allein dastand. Aber sie war so etwas wie der Weltmeister darin. Seitdem habe ich mich weniger mit der FIFA befasst.

Reichen vier Tage Evaluierung überhaupt aus, um ein so komplexes Konstrukt wie einen Weltsportverband zu durchleuchten?
Insgesamt habe ich vier Tage vor Ort und zwei Tage im Büro verbracht. Wenn man das System voll auditieren will, braucht man mehr Zeit. Aber durch meine langjährige Erfahrung weiss ich, wie ein solches Antikorruptions-System auszusehen hat. Diese Systeme gleichen sich in gut geführten Unternehmen sehr und beinhalten allgemein anerkannte Punkte. Ohne Schulung der Mitarbeitenden oder ohne Möglichkeit für Whistleblower beispielsweise funktioniert der Kampf gegen Korruption nirgends.​

Bild

Korruptionsexperte Jean-Pierre Méan stellt der FIFA ein gutes Zeugnis aus. Bild: zvg

Und bei der FIFA haben Sie diese Punkte gesehen?
Ich habe genug gesehen, um mir im Rahmen einer ersten Evaluierung ein Bild zu machen. Ich sehe, ob und wo es Mängel gibt. Das Wichtigste an einem solchen System ist das Engagement der obersten Etage. Ich bin mir sicher, dass FIFA-Präsident Gianni Infantino und Generalsekretärin Fatma Samoura mit Überzeugung hinter allen Reformen gegen Korruption stehen.

Wie funktioniert denn das Whistleblowing bei der FIFA konkret?
Es gibt verschiedene Kanäle, über welche man Meldungen machen kann. Es gibt eine Telefon-Hotline oder man kann sich schriftlich äussern. Wie mit solchen Meldungen umgegangen wird, war früher nicht genau definiert. Heute gibt es bei der FIFA nur zwei Personen innerhalb der Compliance, die sich damit befassen. Anonymität wird auch akzeptiert. Für mich ist das beim Whistleblowing der beste Schutz.

Was genau machen Sie im Rahmen einer Evaluierung?
Ich führe Interviews mit Personen der obersten Führungsetage, aber auch mit Mitarbeitern von unteren Ebenen mit Bezug zum Thema Korruption. Bei einer vollen Evaluierung eines Grosskonzerns wären es mehr als 50 solcher Gespräche, bei der FIFA waren es rund zehn Personen. Dazu habe ich alle Dokumentationen und Abläufe angeschaut: Welche Regelungen gelten betreffend Geschenke? Wie funktioniert das Whistleblowing? Welche Ausbildungsinstrumente gibt es? Wie thematisiert man Korruption bei Neuanstellungen? Wie werden die internen Audits durchgeführt?

Haben Sie das auch schon in einem Sportverband gemacht?
Nein, die FIFA ist die erste Sportorganisation.​

Zu welchen Erkenntnissen sind Sie gekommen?
Die FIFA hat ein starkes Antikorruptions-System. Es verfügt über alle Elemente, die notwendig sind. Und die Leute, die sich innerhalb der FIFA damit befassen, kennen sich damit aus. Sie wissen, was sie tun.

Wo ist Handlungsbedarf?
Ich kann Ihnen leider nicht sagen, wo es Schwachpunkte gibt, bevor ich das nicht mit den Betroffenen innerhalb der FIFA besprochen habe. Das wäre nicht fair. Man versucht zuerst, mit den Leuten zu einem Konsens zu kommen. Dazu werde ich wahrscheinlich Empfehlungen abgeben.

Also gibt es Verbesserungspotenzial?
Das gibt es immer.

epa08574327 (FILE) FIFA President Gianni Infantino attends the final of the U17 FIFA World Cup between Brazil and Mexico, at the Bezerrao stadium in Gama, Brazil, 17 November 2019 (re-issued 30 July 2020). Media reports on 30 July 2020 that a Swiss special prosecutor has launched criminal proceedings against FIFA boss Infantino.  EPA/ANDRES COELHO *** Local Caption *** 55640628

Gianni Infantino ist seit 2016 Präsident des Weltfussballverbands. Bild: keystone

Nachdem Ihr Kollege Mark Pieth betont, wie schlecht es die FIFA auch unter Gianni Infantino macht, müssen Sie jetzt erklären, wie gut er es macht. Ist das Ihre Rolle?
Es geht nicht nur um Gianni Infantino, es geht um die FIFA als Organisation. Meine Aufgabe war es, das System der FIFA zu evaluieren. Und ich kann sagen, dass es den besten Praktiken entspricht. Die Richtlinien und Vorschriften sind übrigens sehr transparent und auch der Öffentlichkeit zugänglich.

Solche Evaluierungen sind nur so viel wert, wie die Empfehlungen danach Gewicht erhalten. Was muss die FIFA nun tun?
Der Zweck der Übung für mich war vor allem einer: Bevor ich öffentlich über das System der FIFA spreche, mich davon zu überzeugen, dass dieses System gut ist. So lautete meine Abmachung mit Gianni Infantino. Die Punkte, in denen sich die FIFA verbessern kann, sind nicht zentral im Kampf gegen Korruption. Es geht hier um Details.

Sportverbände haben duale Systeme. Bei der FIFA die rund 800 Angestellten und andererseits die gewählten Offiziellen, etwa im 36-köpfigen Council. Das Bestechungsrisiko war bisher vor allem dort gross.
Der Ethikkodex gilt auch für sie. Die Verhaltensregeln für die Offiziellen wurden in den letzten Jahren ebenfalls streng reformiert. Es gibt heute Kontrollmechanismen, die es früher nicht gab – mit konsequenten Doppelunterschriften und einer ganz anderen Qualität von Auditoren. Noch vor 20 Jahren standen Auditoren nicht nur bei der FIFA manchmal vor einer Mauer. Heute geht das nicht mehr, weil sie sich damit selbst die Finger verbrennen und strafbar machen könnten.

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