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ARCHIVBILD ZUM RUECKTRITT VON FLORENCE SCHELLING --- Switzerland's ice hockey women goalkeeper Florence Schelling celebrates her bronze medal during the women's ice hockey victory ceremony at the XXII Winter Olympics 2014 Sochi, at the Bolshoy Ice Dome, in Sochi, Russia, on Thursday, February 20, 2014. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

In Sotschi hexte Florence Schelling die Schweiz zu Olympiabronze. Bild: KEYSTONE

Interview

Das sagt die neue SCB-Sportchefin: «Scheue nicht davor zurück, meine Meinung zu vertreten»

Der SC Bern hat überraschend die langjährige Nationaltorhüterin und Olympia-Medaillengewinnerin Florence Schelling als neue Sportchefin vorgestellt. Im Gespräch mit watson spricht die 31-Jährige über ihre Vorreiterrolle und wie sie den SCB weiterbringen will.



Florence Schelling, herzliche Gratulation zu deinem neuen Job! Was geht bei dir gerade ab?
Florence Schelling: Es «tschätteret» im Moment gerade ziemlich. Ich musste mein Telefon gerade zum zweiten Mal aufladen. Es kommen etliche Nachrichten und viele Anrufe rein. Die Meldung wirft definitiv Wellen.

«Was letzte Saison war, ist für mich nicht mehr zentral.»

Wirklichen Bezug zum SCB hattest du bislang eigentlich nicht.
Das stimmt. Bis zu den ersten Gesprächen mit Marc Lüthi und Rolf Bachmann hatte ich in meiner Karriere nie etwas mit dem SCB zu tun. Ausser, dass ich früher auch gegen den Klub gespielt habe.

Florence Schelling

Geburtsdatum: 9. März 1989
Geburtsort: Zürich
Spielerinnen-Karriere:
2001 – 2006: Nachwuchs ZSC/GCK
2006 – 2008: ZSC Lions Frauen
2008 – 2012: Northeastern University
2012 – 2013: Brampton Thunder
2014 – 2015: EHC Bülach/SC Reinach Damen
2015 – 2018: Linköping HC

Coaching-Karriere:

2018 – 2019: Assistenztrainerin U18 Frauennati
2019 – 2020: Assistenztrainerin SCRJ Lady Lakers
2019 – 2020: Cheftrainerin U18 Frauennati

Erfolge:
1x WM-Bronze (2012)
1x Beste WM-Torhüterin und All-Star-Team (2012)
1x Olympiabronze (2014)
1x Olympia-MVP (2014)
1x Beste Olympiatorhüterin und All-Star-Team (2014)
2x Schweizer Spielerin des Jahres (2007, 2014)
1x Torhüterin des Jahres in Schweden (2018)

Du hast die letzte Saison von Bern mitverfolgt. Was lief schief?
Ich bin ein ziemlich zielorientierter und ehrgeiziger Mensch, das heisst, was letzte Saison war, ist für mich nicht mehr zentral. Klar muss man Lehren daraus ziehen und gewisse Dinge – positiv wie negativ – analysieren. Aber ich will mich auf die kommende Saison konzentrieren und die Voraussetzungen schaffen, dass wir wieder an die Spitze kommen können.

Wie würdest du deine Hockey-Philosophie beschreiben und wie willst du sie beim SCB einbringen?
Der Verantwortlichen bei Bern haben eine Strategie, die sie seit Jahren fahren. Eine Strategie, die sich bewährt hat. Ich will mich da einarbeiten und schauen, wo wir Anpassungen machen können und wo es noch Verbesserungspotenzial gibt.

Du bist die erste Frau weltweit, die eine Position als Sportchefin im Profieishockey inne hat. Gibt es da überhaupt Vorbilder?
Es ist effektiv so, dass ich die erste Frau als Sportchefin bin weltweit. Natürlich gibt es niemanden in der genau gleichen Position, zu dem ich aufschauen könnte. Niemanden, bei dem ich sagen könnte: «Aha, sie hat das in der gleichen Position so gemacht und hatte dabei Erfolg.» Andererseits hat es gerade in der NHL schon einige Frauen in operativen Position – vor allem als Scouts – bei denen ich Einblick erhalten und mich austauschen kann.

Schelling und Lüthi beantworten noch mehr Fragen:

Video: watson/SCB

Du übernimmst also selbst eine Vorreiterrolle.
Ich nehme an, dass ich eine derartige Rolle übernehmen kann. Mir ist es extrem wichtig, dass ich wirklich gute Arbeit leisten kann. Das ist mein primäres Ziel. Sobald es losgeht, gebe ich alles für den SCB und werde mich mit einem riesigen Bärenherz an die Arbeit machen.

Du bist Newcomerin im Sportchef-Wesen und erst 31 Jahre alt. Warum wirst du trotzdem Erfolg haben?
Es ist für mich eine neue Position, das ist klar. Gleichzeitig habe ich mich in den letzten Jahren akribisch mit dem Schweizer und dem internationalen Eishockey auseinandergesetzt. Ich habe ein Wirtschafts-Masterstudium abgeschlossen. Hatte meine eigene Karriere in der Schweiz, aber auch in den USA, in Kanada und in Schweden. Das sollte mir alles helfen in diesem neuen Job.

«Ich konnte jahrelang Kontakte aufbauen. Mein Netzwerk ist auf jeden Fall vorhanden»

Druck weil du als Frau jetzt besonders im Rampenlicht stehen wirst, verspürst du keinen?
Nein, bis jetzt zumindest nicht. Ich habe ja mit dem Job noch gar nicht begonnen. Zudem arbeite ich beim SCB in einem routinierten Team. Und ich bin auch keine One-Woman-Show. Alle Entscheidungen werden gemeinsam angeschaut und diskutiert. Deshalb glaube ich nicht, dass ich unglaublich unter Druck stehen werde.

Wie gut sind deine Kontakte in der Männer-Hockeywelt?
Ich hätte gesagt, die sind ganz ok. Ich habe jahrelang selbst bei den Männern gespielt und so schon viele Kontakte aufbauen können. Ich habe während meiner Karriere den Kontakt zu Spielern und Trainern gepflegt. Natürlich muss ich mein Netzwerk vergrössern, aber es ist auf jeden Fall schon vorhanden.

Deinem Vorgänger wurde vorgeworfen, er wage es nicht, Marc Lüthi zu widersprechen. Traust du dir das zu?
Ja, wenn es eine solche Situation gibt, scheue ich nicht davor zurück, meine Meinung zu vertreten. Natürlich nicht, ohne die Gegenseite anzuhören. So wie die Gespräche zwischen Marc Lüthi und mir bislang verlaufen sind, sehe ich das sehr positiv.

Als Sportchefin bei einem der grössten Klubs der Schweiz bist du auf einer neuen Bühne angekommen. Hast du im Eishockey jemals so viel verdient wie jetzt?
Nein, noch nie.​

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • nJuice 09.04.2020 17:53
    Highlight Highlight Ich wünsche ihr viel Durchhaltevermögen und Glück!

    Fast hätte ich ihr auch viel Erfolg gewünscht, aber das ginge nun wirklich zu weit, arbeitet sie doch zukünftig für das Gastrounternehmen in Europas grösster Holzscheune.
  • O.Brady 09.04.2020 14:19
    Highlight Highlight Also bitte ändern Sie berner Strategie. Verplichten Sie keine teure durschnittliche Spieler wie Sciaroni Bieber Grassi sondern entdecken Sie junge talentierte Spieler und geben Sie ihnen eine Chance. Servette hat es dieses Jahr bewiesen es funktioniert
  • murrayB 09.04.2020 09:16
    Highlight Highlight Ob sie mit 31 die nötige Erfahrung und Durchsetzungsvermögen und Durchhaltewillen hat mag ich mal bezweifeln, resp. bin gespannt wie es kommt...

    Und wenn nicht gut, ist es immerhin ein guter Marketing gag...
  • Redback 09.04.2020 06:33
    Highlight Highlight Das wird spannend. Mal schauen wie gut sie ist. Ich hoffe sie packt das.
  • Kennlar 08.04.2020 22:24
    Highlight Highlight Scheint wieder so ein symbolischer Akt zu sein, ihr diesen Posten anzuvertrauen. Ich höre von ihr beispielsweise keinerlei "Visionen" heraus, von dem der SCB spricht. Eher nur 0815-Geplänkel. Und ihre Entgegnung des Wirtschaft Master-Studiums ist genauso behämmert, wie das Hervorheben von Angela Merkels eigentlichen Berufes, was sie deshalb so besonders machen würde für diese wichtige Funktion. Aber hey, sie ist eine Frau. Darum ist jegliche Kritik sexistisch.
    • Nummelin 09.04.2020 08:43
      Highlight Highlight Sehe ich genau so. Und der Alex übernimmt was genau beim SCB? Die sportstrategische Leitung? Ist das nicht sache des Sportchefs?

      Und übrigens Marc Lüthi: ein gewisser McSorley hätte man sicherlich mit dem nötigen Klimpergeld - gut wahrscheinlich liegt genau da der Hund begraben - nach Bern locken können. Einer der besten Sportstrategen im Lande und schlauster Bandenfuchs überhaupt, aber halt einer, den man nicht einfach Mundtot machen kann. Vielleicht passte das einem Lüthi halt nicht. Zu viele Alphatiere im Stall sind wohl auch nicht gerade das Beste für Hr. Lüthi.
    • Dr. Acula 09.04.2020 09:32
      Highlight Highlight Finde es absolut in Ordnung das Sie nicht beim ersten Interview gleich Visionen zum Besten gibt. Was soll Sie denn schon gross sagen? Lasst doch Frau Schelling erst mal beginnen. Eine kluge Führungsperson schaut sich meiner Meinung nach die Situation zuerst mal an bevor man in eine Kerbe schlägt. Und wer will schon anstelle von Taten an Visionen gemessen werden?
      McSorley beim SCB hätte mich echt auch interessiert, aber ja, da denke ich auch an das Alphatier-Problem. Ich denke aber, dass Frau Schelling auch eine starke Persönlichkeit sein muss, ansonsten ML niemals dies so gemacht hätte.
  • themachine 08.04.2020 22:03
    Highlight Highlight Auweia, wenn das mal gut geht...
  • René Schmid (1) 08.04.2020 20:04
    Highlight Highlight Bin super überrascht und finde diese Entscheidung Mega toll!! Wünsche ihr nur das Beste und weiss dass sie es packen wird. Endlich ein guter Entscheid von Marc.
  • Der müde Joe 08.04.2020 19:45
    Highlight Highlight Ich mag es Schelling von Herzen gönnen!😃👍🏼
    Ich bin sehr gespannt, wie sich schlagen wird und traue ihr sehr viel zu.

    Wünsche ihr viel Erfolg (obwohl es sich als Kloten-Fan etwas komisch anhört!😉)
    • qolume 08.04.2020 22:05
      Highlight Highlight Kloten spielt ja eh in ner anderen Liga 😉😘
  • Elpampa 08.04.2020 19:41
    Highlight Highlight Fand das Interview recht stark, aber die letzte Frage ist echt unter dem Niveau von euch...
    • Hoopsie 08.04.2020 20:58
      Highlight Highlight Das Interview war stark, aber die Antworten waren also mehr als dürftig. Wir werden sehen, ich werde mir mühe geben, ich werde es lernen, wir werden das gemeinsam machen. usw. Keine eigene prägnante Aussage, man spürt, sie weiss nicht einmal, was auf sie zukommen wird usw. Ich bin sehr sehr gespannt! Und wäre ehrlich gesagt gerne Mäuschen, wenn sie mal Rüfenacht zurechtweisen müsste, ihm den Lohn kürzt usw. Einfach so aus Gwunder.
    • alessandro 08.04.2020 21:28
      Highlight Highlight Ja aber was willst du auch sagen. Es ist ja noch nichts passiert. Eigentlich der schlechteste Moment für ein Interview.
    • Dani123456789 09.04.2020 06:29
      Highlight Highlight Tja alessandro, wenn man Sportchef sein will muss man in jeder Situation ein brauchbares Interview geben können.
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