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Zuerichs Trainer Ludovic Magnin, links, und Yanick Brecher jubeln mit dem Pokal nach ihrem Sieg im Schweizer Fussball Cupfinalspiel zwischen den Berner Young Boys und dem FC Zuerich, am Sonntag 27. Mai 2018 auf dem Helvetiaplatz in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Magnin gewann mit dem FCZ den Cup. Bild: KEYSTONE

Interview

FCZ-Trainer Ludovic Magnin: «Die Gastmannschaften sollen leiden in Zürich»

Ludovic Magnin steht vor seiner zweiten Saison als Trainer in der Super League. Der Romand will mit dem FC Zürich die Differenz zum entrückten Spitzen-Duo YB und Basel verringern.



Der zweifache Bundesliga-Champion ist im FC Zürich organisch zum Chef gewachsen: Ludovic Magnin, 39-jährig, seit Ende Mai Cupsieger-Trainer. In seiner zweiten Saison auf Super-League-Stufe hat der temperamentvolle und innovative Romand viel vor. Er will die Differenz zum entrückten Spitzen-Duo YB und Basel verringern und spricht im Interview mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA über seinen konsequenten Weg mit wertvollen FCZ-Talenten.

Ludovic Magnin, am Abend des Cupsiegs haben Sie sich mehrfach beim ganzen Klub für das Vertrauen in Ihre Arbeit bedankt.
Ludovic Magnin: Ich bin inzwischen acht Jahre lang dabei und kenne jeden Winkel im Verein. Mir war im Moment des Erfolgs bewusst, wie viel Herzblut in einem solchen Sieg steckt. Solche Erfolge sind nur machbar, wenn jeder mitzieht. Entsprechend wichtig war mir, dass sich jeder als Cupsieger fühlen kann. Es braucht mehr als 20 Spieler, um diese Trophäe zu gewinnen. Es muss sehr viel funktionieren.

Zuerichs Victor Palsson jubelt nach dem Sieg im Schweizer Fussball Cupfinalspiel zwischen den Berner Young Boys und dem FC Zuerich, am Sonntag 27. Mai 2018, im Stade de Suisse in Bern. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Da haben sich alle wie Sieger gefühlt: Szenen nach dem Abpfiff im Cupfinal. Bild: KEYSTONE

Was nimmt man als Cupsieger mit in die neue Saison?
Als Spieler hatte ich in Deutschland zweimal die Chance, einen Cup zu gewinnen. Dass ich mit Stuttgart ein Endspiel verloren habe, weiss niemand mehr. Aber an den Sieg mit Bremen erinnert man sich. Diese Botschaft vermittelte ich auch meiner Mannschaft – in zehn Jahren weiss doch niemand mehr, wer den Weltmeister Frankreich herausgefordert hat. Unsere Cup-Trophäe hingegen bleibt, sie schwingt positiv nach.

Sie identifizieren sich extrem mit Ihrem Verein.
Mein FCZ-Herz ist gewachsen. Nach der Rückkehr aus Deutschland hätte ich wohl anderswo mehr verdienen können. Aber der FC Zürich zog mich an, er verkörperte für mich etwas Besonderes. Und inzwischen kenne ich natürlich die gesamte Maschine. Ich weiss, welchen Aufwand die vielen professionellen Helfer im Hintergrund betreiben.

Ist die Position an der Spitze der Profi-Equipe für Sie als Ex-Nachwuchs-Coach ein Privileg?
Es ist nicht selbstverständlich, dass ich gleich Chef einer ambitionierten Mannschaft sein darf. Wissen Sie, ich bin kein einfacher Mensch, ich habe viele Ecken und Kanten. Ich wäre auch bereit gewesen, einen gewissen Umweg über die Challenge League zu akzeptieren, oder ein zweites U21-Jahr zu absolvieren. Darum werte ich meine Beförderung im letzten Winter als Zeichen grosser Wertschätzung der Verantwortlichen.

Wo setzen Sie Ihre Prioritäten?
Wichtig ist für mich, dass meine Equipe taktisch nahezu perfekt auftritt, wir fähig sind, verschiedene Systeme zu spielen. Der moderne Fussball geht in diese Richtung.

epa01377647 Turkish Goekdeniz Karadeniz (L) vies with Swiss Ludovic Magnin (R) during the EURO 2008 preliminary round group A match between Switzerland and Turkey at the St. Jakob Park stadium, Basel , Switzerland 11 June 2008.  EPA/YURI KOCHETKOV  +please note UEFA restrictions particularly in regard to slide shows and 'No Mobile Services'+

Ludovic Magnin im Einsatz an der EM 2008. Bild: EPA

Ihr Fundus umfasst neben sieben Bundesliga-Jahren 62 Länderspiele und vier Endrunden-Teilnahmen. Fliesst Ihre Vergangenheit in den Alltag mit ein?
Selber auf hohem Niveau gespielt zu haben, ist keine Voraussetzung für meinen Job, vergrössert aber mein Repertoire. Ich weiss exakt, wie es sich anfühlt, auf der Tribüne sitzen zu müssen, wenn man vom Trainer nicht berücksichtigt wird. Ich erlebte einige Krisensituationen – mir ist noch präsent, wie sich frustrierte VfB-Fans wegen schlechter Ergebnisse vor unsere Autos legten und so unsere Heimfahrt verhinderten. Ich weiss, was Druck mit einem machen kann.

Sie nahmen früher nie ein Blatt vor den Mund – funktionieren Sie als Coach ähnlich?
Das Wichtigste in meinem Beruf ist die Menschenführung. Für mich stehen zurzeit einige schwierige Gespräche mit Akteuren an, die etwas hinten anstehen müssen. Wir haben ein 30er-Kader, da werden viele nicht allzu oft spielen. Das muss und will ich offen kommunizieren – ich bin keiner, der hinter dem Rücken anderer spricht, sondern lieber bedingungslos ehrlich; ich will nicht, dass die Spieler relevante Dinge via Berater oder über die Zeitung erfahren.

Sie sind also bis zur Schmerzgrenze ehrlich?
So verläuft mein Weg. Natürlich, ich bin frisch im Geschäft. Eines Tages werde auch ich entlassen. Mein Ziel ist, korrekt und aufrichtig zu sein, alles gemacht zu haben für den Erfolg – mich so verhalten zu haben, dass ich abends in den Spiegel schauen kann.

Zurück zum Alltag. Sie haben schon vor der Sommerpause vermeldet, die entrückten Spitzenklubs Young Boys und Basel wieder härter bedrängen zu wollen.
Wir hatten sehr viel Rückstand, ich habe am Ende gar nicht mehr auf die Tabelle geschaut. Ich will, dass wir diesen Abstand so schnell wie möglich verkleinern. Die beiden Grossen haben in den letzten Jahren sehr gut gearbeitet, aber wir müssen sie wieder härter bedrängen, ohne die Realität aus den Augen zu verlieren. Ich bin überzeugt davon, dass die 35 Punkte Rückstand auf YB nicht dem wahren Unterschied zwischen uns und den Bernern entsprechen.

Welche Super-League-Rolle schwebt Ihnen für den FCZ vor?
Die Gastmannschaften sollen wieder spüren, dass sie in Zürich für ein gutes Resultat enorm zu leiden haben. Ich will ein dominantes Team sehen, das den Ball will. Umgekehrt sollten wir auch in der Lage sein, auf Konter zu spielen – eine clevere Mannschaft, die fähig ist, ihren Stil der Aufgabe anzupassen, einen realistischen Fussball zu spielen. Gegen den FC Barcelona spielt man auswärts auch nicht gleich wie zu Hause gegen Cottbus.

Zuerichs Praesidennt Ancillo Canepa, rechts, und und seine Frau Heliane jubeln mit dem Pokal nach ihrem Sieg im Schweizer Fussball Cupfinalspiel zwischen den Berner Young Boys und dem FC Zuerich, am Sonntag 27. Mai 2018 auf dem Helvetiaplatz in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Das Präsidenten-Ehepaar Canepa ist mit Magnin auf einer Wellenlänge. Bild: KEYSTONE

Die Präsidenten-Familie Canepa gibt einen Kurs vor, der stark auf dem eigenen Ausbildungskonzept basiert. Spüren Sie die Haltung der Klubbesitzer, Ihnen, dem ehemaligen U18-Meister-Trainer, auch in schwierigen Situationen zur Seite zu stehen?
Wir haben ziemlich ähnliche Vorstellungen vom Fussball. Keiner muss mir sagen, wie viele Junge ich einsetzen soll. Das ist nicht nötig, weil wir an das gleiche Konzept glauben. Ihnen ist bewusst, welchen Wandel wir zu bewältigen haben. In der Klubleitung sitzen Leute, die verstehen, wie anspruchsvoll unsere Aufgabe ist. Aber es wird sich lohnen, diese Philosophie und Grundsätze mit aller Kraft zu verteidigen.

Apropos Philosophie: Ein europaweit umworbenes Talent wie der 16-jährige Verteidiger Becir Omeragic hat beim FCZ unterschrieben – ein Transfer mit Signalwirkung?
Einige andere spannende Junioren haben ebenfalls Profi-Verträge bei uns unterschrieben. Zu Omeragic: Ihn zu engagieren, war ein riesiger Coup. Es ist ein Transfer mit Signalwirkung für die ganze Schweiz und Europa. Ihn jagten grosse Organisationen. Er hat die für ihn erheblichen sportlichen Aspekte berücksichtigt – und dafür sind wir momentan eine der besten Adressen! (abu/sda)

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