Sport
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YBs Felix Mambimbi, links, gegen St. Gallens Lukas Goertler, rechts, beim Fussball Super-League Spiel zwischen dem FC St. Gallen und BSC Young Boys Bern, am Sonntag, 23. Februar 2020, im Kybunpark in St. Gallen. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Wer wird 2020 Schweizer Meister? Nur eine von vielen offenen Fragen im Schweizer Fussball. Bild: KEYSTONE

Interview

Was, wenn ein Super-League-Klub beim Restart nicht mitmachen will?

Nimmt man den Fussball, könnte auf die Sportgerichte, aber auch auf zivile Gerichte viel Arbeit zukommen. Ein Interview mit dem Zürcher Sportrechtsspezialisten und Wirtschaftsprofessor Urs Scherrer.



Urs Scherrer, welche rechtlichen Folgen wird die Pandemie für den Sport haben, speziell für den Schweizer Profifussball?
Urs Scherrer: Die Auswirkungen auf rechtlich relevante Vorgänge kann man heute noch zu wenig abschätzen. Ich nenne ein Beispiel: die Stadionmiete. Der FC Zürich und GC sind Mieter im Letzigrund. Die Stadt ist die Vermieterin. Die Klubs können nicht spielen, aber der Mietzins läuft weiter. Auf wessen Seite liegt hier das Recht? Es gibt in meinen Augen keine nachvollziehbare rechtliche Grundlage für diesen Fall. Und es wird eine Fülle von ähnlichen rechtlichen Konstellationen geben. Die Pandemie hat allgemein Auswirkungen auf juristische Vorgänge, deren Folgen im Moment nicht absehbar sind. Am Schluss kann es viele sich widersprechende Entscheide geben. Also könnte es sein, dass Klubs die Miete weiterzahlen müssen, während sie anderen Klubs teils oder ganz erlassen wird.

Zuerichs Torhueter Yanick Brecher reagiert im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Zuerich und dem FC Basel 1893 im Letzigrund, am Samstag, 8. Februar 2020 in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Ob der FCZ während der Corona-Pandemie weiter Miete für das Letzigrund zahlen muss, ist noch unklar. Bild: KEYSTONE

Da wohl noch länger nicht normal Fussball gespielt werden kann, ist es absehbar, dass es in der nächsten Saison unmöglich werden wird, alle nationalen und internationalen Wettbewerbe unter einen Hut zu bringen. Kann die UEFA der Swiss Football League ihren Terminplan diktieren, oder darf der Schweizer Fussball nach seinen Vorstellungen handeln?
In der Krise dominiert das nationale Element in der Politik und im Sport. Für die internationalen Verbände, wie die UEFA, sind die Möglichkeiten, in das nationale Geschehen einzugreifen und darauf Einfluss zu nehmen, sehr bescheiden. Die UEFA muss sich mit ihren Wettbewerben nach dem richten, was in den nationalen Wettbewerben passiert.

Es geht aktuell darum, ob die Schweizer Meisterschaft bis im August mit Geisterspielen fertig gespielt wird oder nicht. Die Klubs sind nicht alle der gleichen Meinung. Was passiert rechtlich, wenn schon nur ein Klub nicht mitmachen will?
Fussball ist ein Spiel, aber auch eine Kampfsportart. Die Vorgaben, die der Bundesrat per Notrecht ausgegeben hat, würden ein Fussballspiel eigentlich verunmöglichen. Ginge es nicht um vorwiegend wirtschaftliche Interessen, wäre kein Klub dafür, die Meisterschaft fortzusetzen. Jeder Klub, der nicht mitmacht, kann ganz sicher nicht sanktioniert werden. Jeder Klub hat das Recht, sein Personal und auch den Gegner zu schützen. Der Klub muss in Eigenverantwortung entscheiden, ob er an einer solchen Meisterschaft teilnimmt.

ARCHIVBILD ZUM SDA-TEXT UEBER PRO- UND CONTRAS GEISTERSPIELE, AM MONTAG, 4. MAI 2020 - Une vue generale vide du stade de la Maladiere, le stade de football du club Neuchatel Xamax FCS le vendredi 28 fevrier 2020 a Neuchatel. La Swiss Football League (SFL) a reagit a l'ordre du Conseil federal et renvoie tous les matches de la 24eme journee de Super League et de Challenge League de ce week-end, en raison du risque de propagation du coronavirus. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Lugano, Sion, Thun und Xamax sind dem Vernehmen nach gegen eine Wiederaufnahme der Saison. Bild: KEYSTONE

Zu den TV-Geldern. Kann die Swiss Football League gegenüber dem Rechteinhaber geltend machen, dass wegen höherer Gewalt nur 23 statt 36 Runden gespielt werden konnten? Oder kann der Rechteinhaber geltend machen, dass er nicht das ganze Produkt von 36 Runden geliefert bekam?
Aus juristischer Sicht ist es klar. Wenn der Rechteinhaber nicht das ganze Produkt bekommt, fallen die Zahlungen für die fehlenden Runden weg. Es gilt Geld gegen vereinbarte Leistung.

Ein Produkt kauft auch der Saisonkarteninhaber. Die Young Boys haben fast 20'000 Saisonkarten für die Meisterschaft verkauft. Die Karten sind bezahlt. Wie sieht es hier aus?
Es gibt die rechtliche Plattform und die vernunftmässige Ebene. Rechtlich gesehen, muss den Kartenbesitzern das Geld für die Spiele, die sie nicht sehen können, zurückerstattet werden. Aber die Klubs haben natürlich die Möglichkeit, an den Goodwill ihrer Fans zu appellieren, damit diese verzichten.

Berner Fans feiern den Meistertitel nach dem Super League Spiel zwischen dem BSC Young Boys Bern und dem FC Luzern, am Samstag, 28. April 2018 im Stade de Suisse in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Saisonkarten-Besitzer haben das Recht auf eine Entschädigung für die nicht gesehenen Spiele. Bild: KEYSTONE

Ein abzusehender Streitpunkt sind die Arbeitsverträge der Spieler. Der Stichtag ist immer der 30. Juni. In allen Klubs der Super League laufen etliche Verträge aus. Können die Verträge ausnahmsweise in den August erstreckt werden, wenn bis dorthin die Meisterschaft fertig gespielt werden soll?
Nein. Gemäss Arbeitsrecht kann man bei diesen befristeten Arbeitsverträgen an dem 30. Juni nicht rütteln, wenn es so vereinbart ist, auch wenn die internationalen Verbände schon etwas anderes verlauten liessen. Es ist auch nicht möglich, dass ein Spieler ab dem 1. Juli für einen anderen Klub in der gleichen Liga spielen würde. Das wäre eine unzulässige Wettbewerbsverfälschung.

Wie schätzen Sie die Position unseres Spitzenfussballs in den Zeiten der Krise ein?
Längst nicht alle Fussballprofis in der Schweiz sind Millionäre, ganz und gar nicht. Dennoch werden hohe Saläre gezahlt. Dann fragen sich viele Leute, ob es wirklich eine Staatsaufgabe sein könne, den Klubs zu helfen. In einem Teil der Volksmeinung würde man nicht verstehen, wenn die Profiklubs mit Steuergeldern unterstützt würden. Viele machen den Fussball auf diese Weise zum Klassenkampf-Objekt. Wenn der Bund die Profiklubs unterstützt, sind Darlehen, wie sie jetzt für den Notfall vorgesehen wären, etwas anderes als A-fonds-perdu-Zahlungen. Der Bundesrat hat die Rückzahlungsfrist auf acht Jahre festgelegt. Ehrlicher wäre es, wenn der Bund die finanzielle Hilfe abschreiben würde. Letztlich stellt sich die Frage, was es dem Parlament wert ist, den Sport in der Krise zu unterstützen, in welcher Form auch immer.

Und bezogen auf den Profifussball?
Der Profifussball ist ein Spezialfall, auch mit der Art, wie er sich bisher finanziert hat. Eben nicht wie ein normales Wirtschaftsunternehmen, sondern zur Hauptsache mit Geldern von Investoren, die grossenteils Gönner und Mäzene waren und sind. Deshalb treten die Probleme in der Krise recht schnell zutage. Der Fussball ist nicht überlebensnotwendig. Man spricht von Brot und Spielen. Zuerst geht es darum, das Brot zu sichern. Das gelingt, wir überleben. Aber wie wichtig sind nun unserer Gesellschaft die Spiele, die Bespassung? (pre/sda)

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GC, Basel und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Meister

Chefsache: Keine Fussball-Fans im Büro, bitte!

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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Burkis 06.05.2020 20:44
    Highlight Highlight Ich habe noch keinen einzigen Vorschlag der Vereine, Liga oder vom Verband gehört, wie sie selber gedenken die Kosten zu senken und wie eine sportliche Lösung aussehen kann. Hose runter lassen, Budget offen legen und Vorurteile aus dem Weg räumen wenn die Löhne ja gar nicht so hoch sind wie alle meinen.
  • PapaBär 06.05.2020 12:56
    Highlight Highlight Definitiv eine Zwängerei. Auch für mich ist der Zaugg-Artikel das A+O... wohl wissend, dass lange nicht jeder 20000 verdient. Bei 5000+ sind aber wohl auch die Schlechtestentlöhnten. Wie mancher Büezer muess mit diesem Lohn sich und oft gar noch Familie durchfuttern, abgesehen vom Affront gegenüber den Normalos ist das Trötzele weniger Sportarten ein Affront gegen alle anderen (Spitzen)Sportler, welche sich ausser der Nase plattdrücken auch keine Möglichkeiten haben. Fertig, 2020 abhaken, ich bin überzeugt, dass die Situation im Herbst nicht eine wesentlich Andere sein wird.
    • xlt 06.05.2020 13:40
      Highlight Highlight Gerade junge Spieler haben keine 5000+ pro Monat. Dazu kommt, dass viele Verträge extrem leistungsbezogen sind. Ohne Einsätze und Punktgewinne bricht da ein erheblicher Teil des Lohnes weg. Die Polemik um die Löhne von Fussballern in der Schweiz kann ich nicht nachvollziehen, da gibt es Branchen in denen vergleichbar bezahlt wird, und nicht bloss während 10 bis 15 Jahren.
  • Kazuma 06.05.2020 11:56
    Highlight Highlight An dieser Bespannung hängen aber auch einige tausend Jobs. Damit meine ich nicht (nur) die Sportler sonder eher das Sicherheitspersonal, Catering, Physios, Restaurants und Bars rund ums Stadion und viele mehr.
  • Therealmonti 06.05.2020 11:25
    Highlight Highlight Nachdem Lesen dieses Interviews bleiben die meisten Fragen offen. Offensichtlich kann ein Anwalt gar nicht anders, als grösstenteils wischiwaschi Antworten zu geben.
  • PeterausLuzern 06.05.2020 09:34
    Highlight Highlight Abbruch oder Verschieben auf den Herbst. Punkt!
    Alles andere ist Zwängerei und gesellschaftspolitisch nicht vertretbar!
    • neutrino 06.05.2020 13:38
      Highlight Highlight Und was wird im Herbst sein? Impfstoff? Corona verschwunden?

      Denke, es macht Sinn über Sport mit Corons nachzudenken.
  • Erklärbart. 06.05.2020 09:30
    Highlight Highlight Naja, wenn der Club nicht antritt, gibt es einen Forfait Sieg für den Gegner und Minuspunkte für den Club der nicht antritt.

    Zaugg hat es auf den Punkt gebracht: würden die Spieler auf ihre Löhne verzichten, wären eine Menge Probleme gelöst.

    Es kann nicht sein dass sich unsere Sport- und Zivilgerichte mit solchen Lappalien beschäftigen.
    • Felix Meyer 06.05.2020 10:43
      Highlight Highlight Die Spieler sollen auf ihre Löhne verzichten? Du weisst aber schon, dass der grösste Teil der Spieler in der Super League einen für einen 100-%-Job ganz normalen Lohn erhält? Und in der Challenge League können je nach Klub viele Spieler nicht von ihrem Lohn als Fussballprofi leben.
      Die meisten Spieler können also nicht einfach auf ihren Lohn verzichten.
    • sanoi 06.05.2020 11:01
      Highlight Highlight Weshalb sollte es Minuspunkte für den nicht antretenden Klub geben? Dieser Gedanke ist doch völlig sinnfrei. Natürlich müsste das Spiel mit einem 3:0 Forfait Sieg für die antretende Mannschaft gewertet werden.
      Die Frage die sich mir noch stellt. Wäre es nicht toll neben der sportlichen Tabelle auch noch eine moralische Tabelle zu machen. Da würden dann alle Teams gewinnen, die sich aus der Meisterschaft zurückziehen;)
    • bokl 06.05.2020 11:08
      Highlight Highlight Würden alle Angestellten in Coronazeiten auf ihren Lohn verzichten, könnten wir die ALV massiv entlasten ...
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Kommentar

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