Sport
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Kriens Spieler und Fans feiern nach dem Sieg in 1. Runde im Schweizer Cup zwischen dem FC Kriens und dem FC Thun am Sonntag, 14. August 2016, im Stadion Kleinfeld in Kriens. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Die Cup-Helden des SC Kriens spielen im Viertelfinal gegen Sion. Statt im heimischen Stadion Kleinfeld müssen sie aber ins Tourbillon nach Sitten. Bild: KEYSTONE

Kommentar

Wenn David zu Goliath muss – ohne Heimrecht für den Unterklassigen wird der Cup zur Farce

Die Auslosung für die Cup-Viertelfinals hat uns vier Duelle zwischen Superligisten und unterklassigen Teams beschert. Doch weil bei drei dieser Affichen der «Grosse» zu Hause spielt, geht der Reiz verloren. Was hat es noch mit Cup zu tun, wenn YB gegen Winterthur auf dem Kunstrasen im Stade de Suisse statt auf der kultigen Schützenwiese gespielt wird? 



Der Cup hat einen ganz grossen Reiz, der den Charakter dieses Wettbewerbs ausmacht: Das Duell des Kleinen gegen den Grossen. Das Epos von David gegen Goliath, das seit Jahrhunderten noch immer die besten Geschichten schreibt – da bildet auch der Sport, speziell der Fussball, keine Ausnahme.

David Goliath

Die Geschichte von David gegen Goliath wollen wir im Cup sehen!  bild: shutterstock

Das ist vor allem schön, wenn David Heimrecht hat. Auf dem Schlachtfeld von Goliath ist er hingegen fast chancenlos. Die einheizende Meute, welche den Kleinen zum heroischen Sieg über den Grossen peitschen kann, ist der entscheidende Stein in der Schleuder des David.

Das sind die grössten Sensationen im Schweizer Cup

Zürich, Auslosung der Schweizer Cup-Viertelfinals. Kunstturnerin Giulia Steingruber hat ein Händchen für epische Duelle. Die Olympia-Bronzemedaillengewinnerin am Sprung zieht im Sportpanorama tatsächlich vier Partien zwischen Super-League-Vereinen und unterklassigen Teams – wunderbar!

Bild

screenshot: sfv

Halb leeres Stade de Suisse statt rappelvolle Schützenwiese

In drei dieser vier Duelle wird der Favorit aus der Super League zuerst gezogen und geniesst damit Heimrecht. Bis in die Achtelfinals wurde dieses jeweils automatisch abgetauscht, der Unterklassige hatte also immer das Recht, im eigenen Stadion zu spielen. 

Ab den Viertelfinals herrscht jedoch eine andere Regelung. Wer zuerst gezogen wird, spielt zu Hause. Das bedeutet, dass die Krienser 1.-Liga-Helden eine Reise ins Wallis antreten müssen. Das heimische Stadion Kleinfeld wird also nicht in einen 5100 Zuschauer fassenden Hexenkessel verwandelt. Die Innerschweizer haben im 1/32-Final den FC Thun eliminiert, auch für Sion wäre die Reise nach Kriens kein Selbstläufer geworden, während im Sittener Tourbillon doch ziemlich viel für die Cup-Spezialisten spricht. 

Kriens Nico Siegrist, Nahuel Allou, Skumbim Sulejmani, von links, jubeln zum 1:1, waehrend der 1. Runde im Schweizer Cup zwischen dem FC Kriens und dem FC Thun am Sonntag, 14. August 2016, im Stadion Kleinfeld in Kriens. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Jubel im Stadion Kleinfeld: Die Krienser haben dieses Jahr bereits Superligist Thun eliminiert.  Bild: KEYSTONE

Auch der FC Winterthur zeigt eine starke Cup-Saison und trifft als Belohnung auf die wiedererstarkten Young Boys. Doch statt einer grossartigen Affiche auf der kultigen Winterthurer Schützenwiese, die bestimmt ausverkauft wäre, reist der Challenge-Ligist nach Bern, um dort im halb leeren Stade de Suisse auf Kunstrasen zu spielen. 

Die Winterthur Fans mit ihrer Fan Choreographie vor dem Schweizer Cup Achtelfinal Fussballspiel zwischen dem FC Winterthur und dem FC Lugano am Donnerstag, 29. Oktober 2015, auf der Schuetzenwiese in Winterthur. (KEYSTONE/Valeriano Di Domenico)

Die «Schützi» in Winterthur hat ihren ganz eigenen Charme – prädestiniert für Cup-Überraschungen. Bild: KEYSTONE

Auch der Klassiker Basel gegen Zürich findet im «falschen» Stadion statt. Das Duell zwischen dem Meister und dem Cupsieger ist zwar so oder so ein Highlight und die Zürcher verbinden den wohl grössten Moment der Vereinsgeschichte mit dem Basler St.Jakob-Park, dennoch wäre die Affiche im Letzigrund trotz der Leichtathletik-Bahn noch prickelnder. 

Einzig die Partie zwischen Aarau und Luzern hat das richtige Heimteam hervorgebracht. Wenn irgendein Stadion sinnbildlich für den Cup steht, dann ist es das Brügglifeld in Aarau. Die Luzerner haben damit im März auf dem «Rüebliacker» eine ganz schwierige Aufgabe vor sich. So soll es sein im Cup.

ARCHIVBILD ZU RUECKSTUFUNG VON FCZ GOALIE DAVID DA COSTA --- FCZ-Goalie David Da Costa kassiert das 1:0, im Super League Fussballspiel zwischen dem FC Aarau und dem FC Zuerich am Samstag, 22. Februar 2014, auf dem Bruegglifeld in Aarau. (KEYSTONE/Sigi Tischler)

David da Costa kassiert 2014 mit dem FCZ im Brügglifeld ein Gegentor. Bild: KEYSTONE

Sollten unterklassige Teams im Cup immer Heimrecht haben?

Dass immerhin bis in die Achtelfinals des Schweizer Cups die Unterklassigen Heimrecht haben, konnten neben Kriens (gegen Thun) auch Aarau (gegen Lugano), Köniz (gegen Lausanne) und der FCZ (gegen St.Gallen) ausnutzen, um einen Superligisten zu Hause zu eliminieren. 

Auch beim SFV wird über das Reglement gesprochen

Überraschungen dank Heimsiegen der Davids gegen die scheinbar übermächtigen Goliaths sind der Grund, warum der Cup eben doch seine eigenen Gesetzte hat. Robert Breiter, Leiter Rechtsdienst beim SFV äussert sich gegenüber watson zu der Thematik: «Nach der Auslosung von gestern entstand auch bei uns intern wieder die Diskussion, ob man das Cup-Reglement betreffend Heimrecht anpassen sollte.»

Der Jurist des Schweizerischen Fussballverbandes SFV, Robert Breiter, der Marketingchef des Sponsors AWD, Philippe Hauenstein, und die Moderatorin Jubaira Bachmann, von links, fuehren die Ziehung der 1. Hauptrunde des Schweizer Fussball Cup 2008/09, am Freitag, 22. August 2008, auf dem Berner Hausberg Gurten durch. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Robert Breiter ist Leiter beim SFV-Rechtsdienst. Bild: KEYSTONE

Es gebe Punkte die dafür und dagegen sprechen: «Wir wollen je länger der Wettbewerb dauert, den Sport, also in diesem Falle das Los, entscheiden lassen», so Breiter. Zudem sei die TV-Abdeckung ab den Viertelfinals grösser, was wiederum für die modernere Infrastruktur der Super-League-Stadien spreche.

Der Anstoss für eine allfällige Änderung des Reglements müsse sowieso von den Amateur-Vereinen kommen, erklärt Breiter: «Die Super-League-Vereine sind natürlich auch nicht heiss darauf, das Heimrecht freiwillig abzutreten.»

Alle Schweizer Cupsieger seit 1990

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